

Warum Märkte steigende Verteidigungsausgaben beobachten
Höhere Verteidigungsausgaben werden von den Märkten wegen ihrer Auswirkungen auf die Staatshaushalte und die verschiedenen Anlageklassen genau beobachtet, sagt Multi-Asset-Anlegerin Aliki Rouffiac.
Zusammenfassung
- Kriege in Ukraine und Iran haben hohe Kosten der Sicherheitsunabhängigkeit in den Mittelpunkt gerückt
- Steigende Haushaltsdefizite wirken sich auf Staatsanleihen und Zinsen aus
- Aktienmärkte in Sektoren wie Cybersicherheit und Seltene Erden können profitieren
Da die Kosten für die sicherheitspolitische Unabhängigkeit des Westens in die Billionen gehen, werden Anleger die Auswirkungen auf die Haushaltsdefizite und die künftige Zinspolitik im Auge behalten und sich auf die künftigen Werte von Staatsanleihen konzentrieren, schätzt Rouffiac, Portfoliomanagerin im Multi-Asset-Team von Robeco Investor Solutions.
Viele Sektoren des Aktienmarktes können jedoch weiterhin profitieren, wie z. B. Cybersicherheit und Seltene Erden, nachdem die Aktien von Unternehmen der Rüstungsindustrie im vergangenen Jahr stark gestiegen sind, bemerkt sie.
„Nach einem Jahr der Zollkriege sind die geopolitischen Risiken wieder gestiegen, da der Kriegsbeginn zwischen den USA und Iran im Februar die Verteidigung wieder in den Mittelpunkt gerückt hat“, kommentiert sie. „Der große Umbruch, der gerade stattfindet, hat dazu geführt, dass sich Länder bereits auf zahlreiche neue Trends einstellen.“
„Die sicherheitspolitische Unabhängigkeit steht weiterhin ganz oben auf der Agenda, und wir brauchen robustere Lieferketten, um in einem unsicheren Wirtschaftsumfeld zurechtzukommen. Deglobalisierung und Rückverlagerung der Produktion ins Inland verändern das Leistungspotenzial des verarbeitenden Sektors, der diese höheren Ausgaben absorbiert.“
„Vor diesem Hintergrund haben die Militärausgaben der europäischen Verbündeten und Kanadas (basierend auf der Übersicht über die NATO-Verteidigungsausgaben) die bisherigen Erwartungen übertroffen und sind 2025 um 20 % gestiegen. Der Druck auf die Verteidigungsausgaben ist jetzt eines der zehn größten Haushaltsrisiken für Industrieländer und wird in 24 % der Länder als Problem angesehen.“
Abbildung 1: Die größten Haushaltsrisiken in den Industrieländern (in Prozent der Länder)

Quelle: IWF, Fiscal Monitor, April 2026. Die Berechnungen des Mitarbeiterstabs des IWF basieren auf Daten aus 32 IWF-Stabsberichten über Industrieländer, die im Jahr 2025 unter Verwendung des Fiscal Monitor AI Analyst, einer maßgeschneiderten Pipeline für große Sprachmodelle, veröffentlicht wurden.
Die wahrscheinlichen Auswirkungen sind größtenteils länderspezifisch, da die osteuropäischen Länder, die näher an der Grenze zu Russland liegen, im Verhältnis zum BIP weitaus mehr ausgeben als weiter westlich gelegene Länder. Länder mit einer relativ starken einheimischen Verteidigungsindustrie wie Frankreich und das Vereinigte Königreich neigen ebenfalls dazu, mehr auszugeben.
„Vor allem in Europa, wo die Verteidigungsausgaben in der Regel starr sind, wird die für höhere Ausgaben erforderliche expansive Haushaltspolitik wahrscheinlich nicht nur vorübergehend sein“, so Rouffiac. „Die Aktivierung der nationalen Ausweichklauseln hat den europäischen Ländern einen gewissen Spielraum verschafft, um die Einschränkungen durch Haushaltsvorschriften zu umgehen, aber das Potenzial für einen strukturellen Anstieg der Verschuldung bleibt, wenn die Ausgaben nicht durch andere Maßnahmen ausgeglichen werden.“
In den USA liegen die Schätzungen für die Kosten des Iran-Krieges bisher bei 30 Milliarden USD und mehr, während der jüngste Vorschlag für das Verteidigungsbudget für 2027 bei 1,5 Billionen USD liegt, was höher ist als das BIP der meisten europäischen Volkswirtschaften.
Abbildung 2: Kosten für den Iran-Krieg steigen, während das Haushaltsdefizit bereits hoch ist

Quelle: Pentagon, CSIS, Penn Wharton, Harvard, Mai 2026.
Auswirkungen auf die Preise
„Dieses Ausgabenniveau stellt eine Erhöhung gegenüber den Projektionen der Vorjahre dar und erhöht die Unsicherheit über die künftige Höhe des Defizits, die wahrscheinlich nicht in den aktuellen Zinssätzen berücksichtigt ist“, warnt Rouffiac.
„Höhere Ausgaben werden sich auf die Inflations- und Zinserwartungen auswirken, wobei Anleger wahrscheinlich zwischen Ländern mit höheren und niedrigeren Haushaltsdefiziten unterscheiden werden. Auch der jüngste Ölpreisschock hat für Gegenwind gesorgt, obwohl dieser im Falle eines Friedensabkommens als kurzlebig und vorübergehend angesehen werden könnte.“
„Unterdessen hat das Risiko länger höherer Zinsen zu höheren Prämien bei Staatsanleihen geführt, insbesondere für Länder, die Energie importieren. Somit wurden Staatshaushalte zusätzlich belastet, und zwar zu einer Zeit, in der Mehrausgaben notwendig sind, um anvisierte höhere Verteidigungsausgaben zu erreichen.“
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Auftrieb für das verarbeitende Gewerbe
Unter anderem das verarbeitende Gewerbe profitiert von den höheren Ausgaben und könnte das künftige Wachstum des Arbeitsmarktes in ganz Europa unterstützen. Denn seit Anfang 2025 kam es zu einem Aufschwung bei den Aktien der Luft- und Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie. Zukünftige Wachstumsbereiche könnten die Bereiche Cybersicherheit, kritische Mineralien und Seltene Erden sowie Energieautarkie sein, bemerkt Rouffiac.
„Effizientere und schnellere Beschaffungsprozesse – insbesondere in Europa – und Innovationen sind notwendig, um die höhere Nachfrage und die Modernisierung des Verteidigungssystems zu unterstützen“, sagt sie.
„Daher werden technologische Innovationen und privates Kapital in Bereichen wie künstliche Intelligenz, Quantentechnologien und Kommunikationsnetze der nächsten Generation, die nach Ansicht der NATO das größte Potenzial bergen, die Zukunft der Kriegsführung, in der die Cybersicherheit eine zentrale Rolle spielt, zu verändern, entscheidend sein.“
„Die Märkte tragen diesem Trend bereits Rechnung, denn der globale Cybersecurity-Aktienindex ist seit Jahresbeginn um 36 % gestiegen. Andererseits waren die Renditen der globalen Luft- und Raumfahrt- und Verteidigungsaktien nach einem sehr starken Jahr 2025, in dem sie eine Performance von über 50 % erzielten, gedämpft. Dennoch sind die Gewinnwachstumsprognosen trotz der höheren Bewertungen weiterhin positiv.“
Abbildung 3: Cybersicherheitsaktien haben davon profitiert

Die bisherige Performance bietet keine Garantie im Hinblick auf zukünftige Ergebnisse. Der Wert von Kapitalanlagen kann schwanken.
Quelle: Robeco, Bloomberg. Stand der Daten: Juni 2026.
Metalle der Seltenen Erden profitierten ebenfalls, die aufgrund ihrer Verwendung in fortschrittlichen Verteidigungssystemen die Preise in die Höhe getrieben haben.
„Aber wie wir schon bei unserem letzten Thema, ‚Energieautarkie im Zeitalter der Krisen‘ geschrieben haben, erweitert eine stärkere Abhängigkeit von der Beschaffung kritischer Mineralien und der Infrastruktur das Konzept der Sicherheit und erfordert eine Diversifizierung der Lieferkette, um künftiges Wachstum und Anlagepotenziale zu unterstützen“, schließt Rouffiac.































