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Die Nahrungsmittel der Zukunft werden gesünder und nachhaltiger sein

Die Nahrungsmittel der Zukunft werden gesünder und nachhaltiger sein

14-04-2021 | Einblicke

Das zunehmende Bewusstsein für Gesundheit und Wohlergehen wirkt sich auf alle Bereichen der Konsumausgaben aus. Dazu gehören auch Nahrungsmittelherstellung und Ernährungsverhalten. Der sich vollziehende Wandel zwingt die großen Nahrungsmittelproduzenten dazu, ihr Angebot zu überdenken. Sie bergen allerdings auch attraktive Anlagechancen in Nischensegmenten wie Essen und Getränken auf Pflanzenbasis, Meal Kits und Nahrungsmittelzutaten.

  • Sam Brasser
    Sam
    Brasser
    Analyst

In aller Kürze

  • Im Nahrungsmittelbereich verlagert sich die Nachfrage hin zu gesünderen und nachhaltigeren Produkten
  • Mehrere attraktive Nischen werden davon voraussichtlich profitieren 
  • Bisher dominierende Anbieter laufen Gefahr zurückzufallen

Nahrungsmittelproduktion und Ernährungsverhalten haben sich in den letzten 50 Jahren grundlegend gewandelt. Steigende Ernteerträge und effizientere Produktion haben zur Erhöhung der Lebenserwartung beigetragen, außerdem zur Verringerung des Hungers, der Säuglings- und Kindersterblichkeit sowie der Armut weltweit. Allerdings stehen diesen Vorteilen auch eine Reihe schädlicher Nebenwirkungen gegenüber.

Dazu gehören gravierende Umweltschäden infolge nicht nachhaltiger landwirtschaftlicher Methoden sowie rapide zunehmende Gesundheitsprobleme – von verbreitetem Übergewicht bis hin zur Herzkrankheiten – da sich die Ernährung hin zu kalorienreichen und industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln verlagert hat. Angesichts dieser Probleme verändern die Verbraucher mittlerweile allmählich ihr Verhalten, indem sie sich für gesündere und nachhaltigere Produkte entscheiden.

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Grafik 1: Ein Großteil der Bevölkerung ist übergewichtig

Quelle: WHO Global Health Observatory. Stand: 2018

In den USA zum Beispiel ist der Verbrauch von Zucker und Milchprodukten zurückgegangen. Auch wenn der Nachfragerückgang nur langsam erfolgt ist, waren die Auswirkungen auf die Lebensmittelhersteller schwerwiegend. Die Milchindustrie in den Vereinigten Staaten steht unter Druck, da der Verbrauch seit 1975 um 40 % gesunken ist. Der Rückgang beim Verbrauch von Kuhmilch ist teilweise durch pflanzenbasierte Produkte ausgeglichen worden.

Etablierte Produzenten unter Druck

In diesem Zusammenhang stehen den Markt dominierende Anbieter am Markt für Konsumgüter zunehmend unter Druck, da sie nach wie vor den größten Teil ihrer Umsätze mit relativ ungesunden Nahrungsmitteln erzielen. Diese Großkonzerne haben in die Herstellung gesünderer und nachhaltigerer Lebensmittel investiert, da diese Bereiche schneller wachsen als die bisherigen Kernsegmente.

Die Lebensmittelriesen haben die Chance, ihre Produkte gesünder zu machen, und nutzen diese auch

Die Lebensmittelriesen haben die Chance, ihre Produkte gesünder zu machen, und nutzen diese auch. Anbieter, die die richtige Strategie verfolgen, um nachhaltiger zu werden und gesündere Lebensmittel anzubieten, könnten tatsächlich von sich änderndem Konsumverhalten profitieren, wenn sie ihre umfangreichen Kapitalressourcen und Vertriebsnetze nutzen. 

Vorerst scheinen kleinere Hersteller von verpackten Lebensmitteln, die in punkto Gesundheit und Nachhaltigkeit überzeugender sind, besser positioniert zu sein. Zwar könnten Impact-Investoren der Ansicht sein, dass die Lebensmittelriesen noch nicht „best-in-class“ sind, doch beeinflussen diese die Ernährung von mehr Menschen als kleinere Unternehmen, wenn sie sich positiv verändern.

Fokus auf attraktive Nischen

Unterdessen bergen sich wandelnde Konsumpräferenzen auch attraktive Anlagechancen in Segmenten wie Essen und Getränken auf Pflanzenbasis, Meal Kits und Nahrungsmittelzutaten. Reine Nahrungsmittelhersteller in diesen Bereichen werden für Konsumenten zunehmend relevant, da sie in einem sehr großen Markt tätig sind und eine noch relativ geringe Produktverbreitung aufweisen. Dies eröffnet Wachstumschancen. 

Die Umsätze mit pflanzenbasierten Nahrungsmitteln beispielsweise nehmen in den USA, der EU und in Großbritannien mit stabilen Wachstumsraten von 10-15 % pro Jahr zu.1 Zudem repräsentieren sie bisher nur einen Bruchteil der gesamten Lebensmittelumsätze, was noch erheblichen Spielraum für zukünftiges Wachstum beinhaltet. In der EU und in Großbritannien entfallen lediglich 2,5 % bzw. 0,7 % des Absatzes von Molkerei- bzw. Fleischprodukten auf pflanzenbasierte Ersatzprodukte.2  Zum Vergleich sind 0,6 % der gesamten Lebensmittelumsätze in den USA pflanzenbasiert.3 

Grafik 2: Milchersatzprodukte haben in den USA den größten Anteil an pflanzenbasierter Nahrung

Quellen: The Good Food Institute, SPINS und IRI. Stand: 2020.

Hersteller von „Meal Kits“ verfügen ebenfalls über attraktive Aussichten. Sie liefern Verbrauchern Behälter mit meist frischen, speziellen Zutaten auf wöchentlicher Basis nach Hause. Ihnen steht grundsätzlich ein enormer Markt mit hohem Wachstumspotential offen. Einige dieser Firmen haben in den letzten Jahren mit hohen zweistelligen Prozentsätzen expandiert und konnten während der Coronavirus-Pandemie ein stark beschleunigtes Wachstum verzeichnen.

Ein weiteres Beispiel für eine attraktive Nische im Bereich Lebensmittelproduktion steht im Zusammenhang mit Herstellern von Zutaten. Sie haben ein strukturell höheres Volumenwachstum als die Nahrungsmittelbranche insgesamt erzielt. In den letzten zehn Jahren betrug das Volumenwachstum von Zutatenproduzenten im Schnitt 3,5 %, während es in der Breite der Nahrungsmittelindustrie nur 0,5 % waren.4 

Produzenten von Zutaten profitieren vom Angebot eines Produkts mit hohem Mehrwert, das dem Verbraucher zu relativ geringen Kosten einen Zusatznutzen bringt. Gleichzeitig ist der Wettbewerbsdruck im Vergleich zu anderen Bereichen der Nahrungsmittelbranche relativ gering. So operieren Hersteller von Zutaten häufig in einem Markt mit oligopolistischer Struktur. Markteintrittshindernisse wie Größe, zunehmende Produktkomplexität und Regulierungen verringern den Wettbewerbsdruck zusätzlich.

Unterdessen birgt der steigende Fischabsatz in China eine Chance für börsennotierte Unternehmen, die Atlantiklachs anbieten. Fisch ist eines der Fleischprodukte mit der größten Umwelteffizienz.5 100 Kilogramm Futter liefern 56 Kilogramm Speisefisch, während es bei Rindfleisch nur 7 Kilogramm sind. Zudem sind mit der Produktion von einem Kilogramm Speisefisch nur 7,9 Kilogramm CO2-Emissionen verbunden, während es 39 Kilogramm pro Kilogramm Rindfleisch sind.

Verbraucher, die ihren Umweltfußabdruck verringern, wechseln daher wahrscheinlich von Schweine- und Rindfleisch zu Fisch und Geflügel. In China beträgt der Pro-Kopf-Verbrauch von Lachs derzeit lediglich 60 g pro Jahr, während es in Europa rund 2 kg sind. Demnach ist der Absatzmarkt für Lachs noch weit von der Sättigung entfernt und verfügt nach wie vor über großes Entwicklungspotential.

Ein „Hacken-und-Schaufeln“-Ansatz für die Küche

Unternehmen, die professionelle Küchenausstattung anbieten, stehen in indirektem Bezug zur Lebensmittelproduktion und stellen für Anleger ebenfalls ein attraktives Segment dar. Sie profitieren von der wachsenden Nachfrage nach Restaurantessen, sei es im Restaurant selbst oder in Form von nach Hause geliefertem Essen.

Für entsprechende Anbieter ergeben sich beträchtliche Chancen aus den steigenden Ausgaben für Essen außer Haus, dem Ersatz traditioneller Küchenausstattung und der Verbreitung spezieller Küchen zur Herstellung von Essen, das  ins Haus geliefert wird. In den letzten Jahren sind die Ausgaben für Essen außer Haus jährlich um 4-5 % gestiegen.  Auch wenn diese Entwicklung zuletzt von der Coronavirus-Pandemie unterbrochen wurde, erwarten wir für die Zukunft einen weiteren Anstieg der Konsumausgaben für Essen außer Haus.

Die Digitalisierung erfasst alle Branchen. Restaurants sind davon nicht ausgenommen

Nicht zuletzt erfasst die Digitalisierung alle Branchen. Restaurants sind davon nicht ausgenommen. Anbieter digitaler Lösungen für die Restaurantbranche weisen tendenziell attraktive Geschäftsmodelle auf Basis von Abonnements und Transaktionsgebühren auf. Daher erwarten wir, dass die Zahl der Restaurants, die solche Services in Anspruch nehmen, in den nächsten Jahren rapide zunehmen wird.

1ING, Good Food Institute, SPINS und IRI. Date: 2020.
2Euromonitor. Stand: 2019.
3United States Census, The Good Food Institute, SPINS und IRI. Stand: 2019.
4Jefferies. Stand: 2020.
5Barclays Research und MOWI. Stand: 2020.
6Für die Zubereitung von Essen, dass ausschließlich ins Haus geliefert wird, gibt es entsprechend eingerichtete professionelle Küchen. Diese unterscheiden sich von einem echten Restaurant insoweit, als sie nicht zwangsläufig zu einem speziellen Restaurant gehören müssen, sondern Platz und Einrichtung für mehr als nur einen Restaurantanbieter beinhalten.
7McKinsey. Stand: 2020.

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