Einblick

Grönland: Weniger Golden Dome, mehr Rohstoffrausch

Die Trump-Regierung behauptet zwar weiterhin, dass es ihr bei der Kontrolle über Grönland um die nationale und globale Sicherheit geht, doch in Grönland geht es weniger um die strategische Verteidigung als um die Sicherung einer neuen Art von „Edelmetallen“: die Seltenen Erden und Mineralien, die grundlegende Bedeutung für neue Technologien und das Wirtschaftswachstum in der Zukunft haben werden.

Autoren/Autorinnen

    Senior Portfolio Manager
    Mutlu Gundogan CFA
    Portfolio Manager

Zusammenfassung

  1. Unter dem Eis lagert in Grönland ein Schatz seltener Ressourcen
  2. Die Hightech-Wirtschaft benötigt seltene Mineralien und Metalle
  3. Die Handlungen der USA sind Teil eines langfristigen Plans, um Chinas Dominanz im Bereich seltener Ressourcen entgegenzuwirken

Wenn Vertreter der US-Regierung über das Vorhaben sprechen, die Kontrolle über Grönland zu übernehmen, ist ihr Leitthema die nationale Sicherheit der USA. Trump und Mitglieder seiner Regierung haben wiederholt erklärt, dass der Erwerb Grönlands durch die USA für sein „Golden Dome“-Projekt, das ein globales Raketenabwehrsystem mit einer Kombination aus bodengestützten Abfangraketen und aus dem Weltraum abgefeuerten Raketen vorsieht, unerlässlich ist. Die bisherigen politischen und finanziellen Initiativen lassen jedoch ein viel plausibleres Motiv erkennen: die Beschaffung von Metallen und Mineralien zum Schutz der strategischen Autonomie und des künftigen Wirtschaftswachstums in den USA.

Grönland verfügt über beträchtliche Vorkommen an Seltenen Erden, kritischen Mineralien und Spezialmetallen, von denen einige so klangvolle Namen wie Dysprosium, Yttrium und Terbium haben, zusätzlich zu den bekannteren Metallen mit Bedeutung für die Energiewirtschaft wie Graphit, Kupfer, Zink und Nickel.

Zusammen dienen sie als wichtige Inputs für die Magnete, Laser, Sensoren und Halbleiter, die für eine lange Liste von Technologien benötigt werden, die für die künftige Hochleistungswirtschaft wichtig sind - von KI-Rechenzentren über Elektrofahrzeuge und autonomes Fahren bis hin zu Robotik, Drohnen und Fabrikautomation. Auf dieser Liste stehen auch die Windturbinen, Solarzellen und Batteriespeicher, die die Grundlage für intelligente und robuste Energienetze bilden.

Der chinesische Würgegriff

China hat zwei Jahrzehnte damit verbracht, seine Vorherrschaft bei der Versorgung mit wichtigen Mineralien auszubauen. Das Land kontrolliert heute 60 bis 90 % der Bergbau- und über 90 % der Raffineriekapazität. Diese Vormachtstellung wurde in den letzten zwei Jahrzehnten wiederholt als Waffe eingesetzt, zuletzt in den Jahren 2024 und 2025, als Exportverbote weltweite Preisspitzen auslösten und die Anfälligkeit von Hightech-Lieferketten ans Licht brachten. Sie hat auch dazu geführt, dass in Washington die Sicherung der Unabhängigkeit im Hinblick auf wichtige Mineralien in den Fokus gerückt ist.

Abbildung 1 – China dominiert die Produktion kritischer Mineralien

Quelle: IEA, Global Critical Minerals Outlook 2025.

Grönland - ein Land mit langfristigem Wertpotenzial

Obwohl Grönland innenpolitisch weitgehend selbstverwaltet ist, gehört es nach wie vor zu Dänemark, das die Kontrolle über die Außenpolitik und die Verteidigung behält. Darüber hinaus sind die beiden Volkswirtschaften eng miteinander verflochten. Wegen der rechtlichen, wirtschaftlichen und strategischen Verbindungen zu Dänemark, einem EU-Mitglied, könnte die EU möglicherweise Anspruch auf alle grönländischen Ressourcen erheben. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2023 ergab dass 25 von 34 Mineralien, die von der Europäischen Kommission als „kritische Grundstoffe“ eingestuft werden, in Grönland zu finden sind.

Außerdem ist im Critical Raw Materials Act der EU für 2030 vorgesehen, dass der Bedarfs der EU an „strategischen Rohstoffen“ zu 10 % durch Abbau, zu 40 % durch Verarbeitung und zu 25 % durch Recycling gedeckt werden sollen, während die Abhängigkeit von einem einzigen Land auf 65 % begrenzt werden soll. Damit steht der Block in direkter Konkurrenz zu den USA, die sich ebenfalls um die Sicherung von Rohstoffen bemühen, um ihre Wirtschaft weltweit wettbewerbsfähig zu halten und die Abhängigkeit vom Ausland zu verringern. Wie die EU ergreifen auch die USA gesetzgeberische Maßnahmen, um die Versorgung mit Mineralien zu sichern.

Der Inflation Reduction Act (2022) der USA enthält Beschränkungen für FEOC (Foreign Entities of Concern), mit denen Elektrofahrzeuge von Steuervorteilen auf Bundesebene ausgeschlossen werden, wenn ihre Batterien FEOC-Komponenten (2024) oder von FOEC bezogene kritische Mineralien (2025) enthalten. Der Inflation Reduction Act hat dazu beigetragen, das mit dem Ausbau der Bergbau- und Raffineriekapazitäten in den USA und der Sicherung zuverlässiger Lieferungen von Verbündeten mit großen Mineralvorkommen wie Australien und jetzt vielleicht auch Grönland begonnen wurde.

Auch China ist an Grönland interessiert und hat sein Interesse an Grönland als Teil seiner „Polaren Seidenstraße“ bekundet, die den Zugang zu arktischen Schifffahrtsrouten und Einstiegspunkte für die Erschließung arktischer Ressourcen zum Ziel hat. Chinesische Unternehmen haben ebenfalls versucht, grönländische Bergbauanlagen zu kaufen, aber bisher wurden diese Bemühungen von Dänemark, den USA und Grönland selbst abgelehnt.

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Die Zukunft sichern

Die Kontrolle über Seltene Erden, kritische Metalle und andere Spezial-Grundstoffe bestimmt das Tempo, in dem Elektrifizierung, intelligente Stromnetze, Fabrikautomatisierung und andere KI-gestützte Technologien voranschreiten können. Unabhängig davon, wie sich die geopolitische Lage in Grönland entwickelt, der Ansturm auf die Seltenen Erden wird in absehbarer Zeit nicht enden.

Abbildung 2 – Globale Nachfrage im Rahmen der Energiewende nach Sektoren

Quelle: Robeco, BloombergNEF, 2026

Produktionsengpässe lassen die Preise steigen

Während Faktoren für die Nachfrage stärker werden, ist das künftige Angebot ungewiss, was dazu führt, das dominante Akteure in den vorgelagerten Lieferkettenbereichen über Preissetzungsmacht verfügen. Der Bau eines Bergwerks, ganz zu schweigen von seiner Inbetriebnahme, ist bekanntermaßen langwierig und mit vielen Komplikationen verbunden.

Mehrere strukturelle Faktoren tragen zum Status quo bei. Es dauert 15 bis 25 Jahre, bis neue Minen ihre volle Produktionskapazität erreichen. Und China dominiert weiterhin die nachgelagerte Raffination für viele wichtige Grundstoffe.

Obwohl die USA und Europa wichtige Teile ihrer industriellen Basis repatriieren, sind diese Bemühungen kostspielig und der Fortschritt ist langsam. Aus diesem Grund ist Grönland von langfristiger strategischer Bedeutung und stellt keine schnelle Lösung dar. Es entsteht ein dauerhaftes Ungleichgewicht zwischen steigender Nachfrage und begrenztem Angebot, das zu einer Ausweitung des Kupfermangels, einer Stabilisierung der Lithiumpreise auf hohem Niveau, einer Verbesserung der Gewinnspannen für Produzenten von Seltenen Erden und anhaltenden Aufschlägen auf die Kurse inländischer Anbieter führt. Die Anleger finden diese Situation natürlich attraktiv, weil die Knappheit selbst zu einem Investmentthema wird.

Abbildung 3 – Die Inbetriebnahme von Mineralienminen nimmt Jahrzehnte in Anspruch

Quelle: IEA, The Role of Critical Minerals in Clean Energy Transitions, 2021 und aktualisierte Analyse aus dem Global Critical Minerals Outlook 2025

Schlussfolgerungen für die Anlagepolitik

Die Nachfrage nach Grundstoffen wird durch starke Treiber wie die Elektrifizierung, die Ausbreitung künstlicher Intelligenz, die rasanten Fortschritte im Bereich der Robotik und die zunehmende industrielle Automatisierung gefördert. Die Preissetzungsmacht in diesem Sektor wird weiterhin durch langfristige Angebotsengpässe gestärkt, die durch geopolitische Spannungen noch verschärft werden. Trotz dieses Drucks sind die Bewertungen im Mineralien-Grundstoff-Ökosystem attraktiv und bieten ein erhebliches und langfristiges Aufwärtspotenzial, da die Gewinne der Unternehmen in diesem Bereich weiter steigen.

Mit Blick auf die Zukunft gibt es überzeugende Gründe, jetzt zu handeln. So wie Erdöl das letzte Jahrhundert geprägt hat, werden Grundstoffe für das nächste bestimmend sein. Der geopolitische Fokus auf Grönland ist lediglich ein sichtbares Symptom einer umfassenderen Realität: Die Dekarbonisierung, Digitalisierung und Wahrung der Sicherheit ist in Volkswirtschaften nicht möglich, wenn sie keinen verlässlichen Zugang zu strategischen Grundstoffen und den zu ihrer Verarbeitung erforderlichen Technologien haben.

Robeco Smart Materials

Die Smart Materials-Strategie bietet ein intelligentes Exposure gegenüber diesen starken Treibern des künftigen Wirtschaftswachstums. Die Investitionen der Strategie decken das gesamte Spektrum an Grundstoffen und Fertigungstechnologien ab, angefangen bei den vorgelagerten Anbietern von Metallen für die Energiewende und strategischen Mineralien bis hin zu nachgelagerten Anwendungen wie Batterien und Energiespeichern, Lösungen für Gebäudeeffizienz, Elektrifizierungssysteme und fortschrittliche Fertigungskomponenten.

Mit dieser breiten Positionierung unterscheidet sich das Portfolio von reinen Bergbaustrategien, traditionellen zyklischen Chemiewerten oder eng auf KI fokussierten Aktienstrategien. Stattdessen zielt sie auf die kritischen Engpässe und Wegbereiter in dieser Wertschöpfungsketten ab, also auf Bereiche, in denen Knappheit und Preissetzungsmacht tendenziell von Dauer sind. Sie erkennt auch den strategischen Wert von Recycling und investiert in Unternehmen, die Schrott sammeln und aufbereiten, um wertvolle Mineralien zu gewinnen.

Smart Materials D EUR

performance ytd (31-12)
13.61%
Performance 3y (31-12)
7.29%
morningstar (31-12)
1 / 5
2
SFDR (31-12)
Article 9
Ertragsverwendung (31-12)
No
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