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SI-Debatte: Biodiversität als Anlagechance – von der Wissenschaft zum Finanzprodukt

Eine der grundlegendsten Debatten im SI ist die Frage, wie sich wissenschaftliche Nachhaltigkeitsdaten mit kommerziell attraktiven Anlageprodukten verbinden lassen. Die Ausrichtung von Portfolios an Nachhaltigkeitskennzahlen ist einfach. Deutlich schwieriger ist es jedoch, eine messbare Verbindung zu realwirtschaftlichen Zielen herzustellen, ohne dabei entweder die Wirkung oder das Renditepotenzial zu verwässern.

Autoren/Autorinnen

    Head of Sustainable Alpha Research
    Sector Lead

Zusammenfassung

  • Biodiversität ist komplexer zu messen und bei Investitionen zu berücksichtigen als das Klima
  • Die wissenschaftlichen Daten sind eindeutig, die Verbreitung von
  • Um Vorteile hervorzuheben, werden mehr Innovationen und politische Maßnahmen benötigt

Das Thema Biodiversität hat in den vergangenen zehn Jahren an Bedeutung gewonnen, da sowohl die Auswirkungen von Unternehmen auf die Natur als auch ihre Abhängigkeit von der Natur stärker in das Bewusstsein gerückt sind. Das jüngste Business and Biodiversity Assessment von IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) legt dar, dass Finanzströme in Höhe von rund 7,3 Billionen US-Dollar pro Jahr mit Umweltschäden in Verbindung gebracht werden können, während sich die Ausgaben für Aktivitäten zur Wiederherstellung der Natur auf lediglich 220 Milliarden US-Dollar pro Jahr belaufen.

Die entscheidende Herausforderung bei der Messung von Biodiversität besteht darin, dass Auswirkungen und Abhängigkeiten sehr standortbezogen sind, während Finanzprodukte typischerweise stark standardisiert sind und auf umfangreichen Datensätzen, direkten Benchmarks und möglichst kurzfristiger Liquidität beruhen. Wenn die richtigen Messmethoden für den richtigen Zweck gewählt werden, sollte das aber kein größeres Problem sein.

Keine einheitliche Kennzahl für Biodiversität

Für den Klimawandel gibt es mit CO2-Emissionen eine einheitliche, im allgemeinen Einvernehmen akzeptierte Messgröße. Unabhängig davon, ob sie aus realwirtschaftlicher Sicht die nützlichste Kennzahl ist, kann sie übergreifend für verschiedene wirtschaftliche Aktivitäten und weltweit verwendet und in anlageklassenübergreifende Lösungen integriert werden.

Bei skalierbaren Anlageprodukten wird Einfachheit oft höher geschätzt als komplexe wissenschaftliche Genauigkeit. Für Biodiversitätsprodukte gibt es jedoch weder eine einheitliche Kennzahl noch einen einheitlichen Markt zur Ausrichtung.

Selbst unkomplizierte SI-Ansätze wie Positiv-Screenings oder Ausschlüsse lassen sich offenbar nur schwer auf Biodiversität übertragen, da sehr wenige Wirtschaftsaktivitäten mit positiven Cashflows inhärent umweltfreundlich sind. Thematische Ansätze wie die Robeco Biodiversity Equities-Strategie konzentrieren sich in der Regel auf die Transformation von Wirtschaftssektoren mit Auswirkungen auf die Biodiversität und nutzen Methoden wie die Klimaampel von Robeco, um Vorreiter von Nachzüglern zu unterscheiden.

Im Gegensatz zum Klimawandel, dessen Auswirkungen täglich in den Nachrichten zu sehen sind, ist das Konzept des Verlusts von Biodiversität und des daraus resultierenden finanziellen Risikos gegenwärtig noch relativ abstrakt.

Biodiversity Equities D EUR

performance ytd (31-8)
5.05%
Performance 3y (31-8)
4.84%
morningstar (31-8)
2 / 5
SFDR (31-8)
Article 9
Ertragsverwendung (31-8)
No
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Frühere Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.Annualisiert (für Zeiträume, die länger als ein Jahr sind). Die Performance-Zahlen sind abzüglich Gebühren und basieren auf den Transaktionspreisen.

Interesse lässt sich nur schwer einschätzen

Diese Schwierigkeiten haben den Markt für Produkte mit thematischer Konzentration auf Biodiversität klein gehalten und es schwierig gemacht, das Interesse von Vermögensverwaltern an Biodiversität als Einzelaspekt einzuschätzen. Die Kombination aus Klima und Natur ergibt heute ein besser skalierbares Produkt.

Direkte Finanzierung zeigt auch Potenzial. Mischfinanzierung kann privates Kapital mit Kapital aus öffentlichen oder gemeinnützigen Quellen, das Anfangsverluste auffängt, kombinieren, um standortspezifische Projekte zu finanzieren, deren Renditen für private Anleger andernfalls unattraktiv wären.

Allerdings entfällt auf Mischfinanzierungstöpfe, die speziell für auf Biodiversität und Umwelt ausgerichtete Lösungen vorgesehen sind, nur ein sehr kleiner Teil des breiteren Markts für nachhaltige Finanzierung. Sie belaufen sich typischerweise auf jährlich 1,5 bis 3 Milliarden US-Dollar.

Gleichzeitig können auf Transformation ausgerichtete Fremdkapitalmärkte die Emission von Anleihen mit KPIs für die Umgestaltung der Aktivitäten mit den höchsten Auswirkungen verbinden. Doch selbst auf Projektebene gibt es nur bei wenigen Biodiversitätsprojekten klare Einnahmenströme neben Subventionen, und sie sind selten in der Lage, Umweltvorteile direkt mit Cashflows zu verknüpfen.

Building Bridges in Geneva

Der IPBES-Bericht befürwortet ein unterstützendes, wegbereitendes Umfeld mit einer Kombination aus öffentlichen Anreizen und politischer Abstimmung. Wie sich das erreichen lässt, ist eine andere Frage. Diese Debatte werden wir im Rahmen des Programms „Action Events“ bei der Building Bridges-Konferenz in Genf im Oktober 2026 aufgreifen.

Auf dieser jährlich stattfindenden Konferenz kommen Entscheidungsträger, Investoren, Politiker, Unternehmenslenker und Vertreter der Zivilgesellschaft zusammen, um die Finanzwelt auf Nachhaltigkeit auszurichten und wirkungsvolle Partnerschaften zu fördern. Robeco wird einen Roundtable-Workshop mit Beiträgen von Akteuren aus der gesamten Branche dazu veranstalten, wie sich wissenschaftliche Erkenntnisse mit skalierbaren Anlageprodukten in verschiedenen Anlageklassen verbinden lassen.

Wir sind davon überzeugt, dass Biodiversitätsanlagen sich langfristig wegen ihrer eigenen kommerziellen Vorzüge durchsetzen werden. Bis dahin müssen politische Entscheidungsträger und die Finanzbranche jedoch gemeinsam Innovationen vorantreiben, um den Ball ins Rollen zu bringen.

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