Die Welt ist aktuell mit einer erheblichen, vielleicht sogar einmaligen wirtschaftlichen Unsicherheit konfrontiert, wobei die Auswirkungen protektionistischer Handelsmaßnahmen noch nicht in vollem Umfang zu spüren sind. Vor diesem anspruchsvollen Hintergrund haben wir acht Schwellenländer ausgewählt, in denen wir derzeit übergewichtet sind und für das zweite Halbjahr 2025 und die weitere Zukunft Chancen sehen.
Griechenland
Griechenland hat sich seit der EU-Schuldenkrise 2012 langsam und stetig erholt, wir finden aber Unternehmen, die vom makroökonomischen Aufschwung des Landes profitieren. Zu den Wachstumsmotoren gehören der starke Binnenkonsum und die Investitionen, die durch die Projekte des EU-Aufbaufonds gefördert werden, sowie die Exporte. Auch in den Bereichen Tourismus, erneuerbare Energien und Schifffahrt, in denen Griechenland nach wie vor globale Wettbewerbsvorteile besitzt, baut das Land Nischen auf.
Die Inflation dürfte sich in den Jahren 2025-2026 abschwächen, obwohl sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt verbessert, die Arbeitslosigkeit auf unter 9 % sinkt und das Lohnwachstum die Kaufkraft im Inland stärkt.
Zudem sind die Bewertungen Griechenlands auch nach einer anhaltenden Phase der Outperformance weiterhin attraktiv. Für die Anleger stellt Griechenland einen ungewöhnlichen Fall von reformbedingtem Aufschwung innerhalb der Schwellenländer dar: ein Land, das vom Rande der Zahlungsunfähigkeit zu relativer makroökonomischer Stabilität übergegangen ist, mit Potenzial für stetiges, wenngleich unspektakuläres Wachstum. Dennoch bleiben Schwachstellen: Die öffentliche Verschuldung gehört nach wie vor zu den höchsten in Europa, wodurch Griechenland empfindlich auf Veränderungen bei den weltweiten Zinssätzen und der Anlegerstimmung reagiert.
Südkorea
Südkorea schreibt unter den Schwellenländern eine herausragende Erfolgsgeschichte, und seine Führungsrolle im Bereich der Technologie, die für den Aufbau von KI, die Elektrifizierung und den Verteidigungssektor unerlässlich ist, hat den Aufstieg einiger erstklassiger Unternehmen unterstützt. Obwohl der koreanische Unternehmenssektor sehr empfindlich auf den Handelskrieg der US-Regierung reagiert, floriert er und profitiert unseres Erachtens von einem starken strukturellen Rückenwind. An erster Stelle steht dabei die Value-Up-Initiative, die eine Reform der Corporate Governance erzwingt und erhebliche verborgene Ertragspotenziale in den komplexen koreanischen Unternehmensstrukturen freisetzt. Dieses Theme setzt sich nur langsam durch, gewinnt aber unserer Einschätzung nach an Fahrt.
Vietnam
Vietnam ist ein klassisches Schwellenland mit 100 Millionen Menschen Gesamtbevölkerung, von denen mehr als 60 % unter 30 Jahre alt sind, einer fortschreitenden Verstädterung und einem raschen Wachstum im Export von Industriegütern. Ausländische Anleger sind aufgrund der sozialistischen Regierung und des relativ flachen, illiquiden Aktienmarktes zurückhaltend, aber wir sind sehr froh, dass wir hier präsent sind und investieren. Obwohl die Handelsdynamik sowohl mit China als auch mit den USA derzeit schwierig wirkt, ist das Land in der Lage, gute Beziehungen zu beiden Ländern zu unterhalten. Die derzeitige Regierung sorgt für eine rasche Umstrukturierung, mehr ausländische Direktinvestitionen und den Ausbau der Infrastruktur, insbesondere der Autobahnen und der Eisenbahn.
Das nächste Jahrzehnt sieht für Vietnam im Hinblick auf die Wirtschaftsdynamik gut aus, und wir erwägen Chancen in den Bereichen Binnenkonsum für die aufstrebende Mittelschicht, Finanzen, Immobilien, Technologie sowie in exportbezogenen Sektoren. Wir halten es für sinnvoll, einen kleinen Teil eines Portfolios für Schwellenländer in diesem Land außerhalb der Benchmark unter Berücksichtigung des Risikos der Unternehmen, in die investiert werden soll, der Bewertungen und der überdurchschnittlichen Marktschwankungen zu investieren. Vietnam erzielte bereits erhebliche Fortschritte auf dem Weg zur Aufnahme in den MSCI Emerging Markets (EM) Index. Es dürfte bis Ende 2025 in die MSCI EM Watch List aufgenommen werden. Wenn die Kriterien erfüllt sind, könnte die tatsächliche Aufnahme in den MSCI EM Index zwischen 2026 und 2028 erfolgen. Das wäre ein weiterer Grund für langfristige Anleger, sich zu engagieren.
Indonesien
Zu den Wachstumfaktoren Indonesiens gehören der steigende Privatkonsum, die staatlichen Infrastrukturausgaben und Investitionsinitiativen wie das Wohnungsbauprogramm „People-First“ sowie der wachsende Einfluss des Staatsfonds Danantara. Die Inflation ist nach wie vor relativ niedrig und liegt stabil zwischen 2,3 % und 3,0 %, was den Verbrauch stützt und es der Zentralbank erlaubte, die Zinsen Mitte September 2025 zu senken. Die politische Lage ist angespannt, da einkommensschwächere Jahrgänge weiterhin zu kämpfen haben und im August heftige Proteste stattfanden, die ausländische Anleger beunruhigen. Dennoch sind wir der Meinung, dass Indonesien jenseits der Schlagzeilen für ein beschleunigtes Wachstum gerüstet ist, und wir vertrauen auf unsere übergewichtete Position.
Südafrika
Als die fortschrittlichste Volkswirtschaft Afrikas mit beträchtlichem Einfluss in ganz Afrika stand Südafrika schon immer auf dem Radar der Anleger, die in Schwellenländern investieren. Mit einer Koalition der Mitte, die 2024 an die Regierung kam, und einigen offensichtlichen Problemen wie den regelmäßigen Stromausfällen, die offenbar begrenzt werden konnten, erreichte Südafrika 2024 eine sehr starke Performance. Im Jahr 2025 gehört es wieder zur Gruppe der Schwellenländer, aber die Vorteile eines gemäßigteren Regierungsstils sind zu spüren. Zu den Wachstumsfaktoren gehören die verbesserte Infrastruktur, die deutlich verringerte Energieknappheit und die höheren Preise für Industrierohstoffe, die den Bergbausektor gestützt haben. Der jüngste Rückgang der Inflation auf nahezu 3 % dürfte es der Zentralbank erlauben, ihre Zurückhaltung beizubehalten, und gibt sowohl dem Binnenkonsum als auch den Infrastrukturmaßnahmen der Regierung Auftrieb. Wir beobachten Small-Caps, die mit einstelligen Gewinnmultiplikatoren gehandelt werden und die die meisten internationalen Anleger nicht einmal auf dem Radar haben, um unser Engagement in Südafrika zu erhöhen.
Mexiko
Das wirtschaftliche Schicksal Mexikos hängt von den USA ab, aber das gilt auch umgekehrt. Trotz der ideologischen Unterschiede zwischen den jeweiligen Regierungen Sheinbaum und Trump müssen sie dringend eine gemeinsame Basis finden. Mexiko scheint sich im Handelsstreit mit China auf Trumps Seite gestellt zu haben, indem es sehr hohe Zölle auf chinesische Autos erhebt. Zudem erscheint die sicherheitspolitische Zusammenarbeit konstruktiv. Unserer Meinung nach bleiben die Stärken Mexikos aus der Zeit vor Trump, nämlich die Expertise in der Produktion und die Offenheit für ausländische Investitionen, intakt, während die Handelsunsicherheit eine perfekte Chance bietet, um Positionen in hervorragenden Unternehmen mit Nähe und Zugang zum weltweit größten Verbrauchermarkt aufzubauen.
Vereinigte Arabische Emirate
Die VAE haben sich zu einem regionalen und globalen wirtschaftlichen Knotenpunkt mit einem ähnlichen Profil wie die Schweiz und Singapur entwickelt. An den größten Börsen, dem DFM in Dubai und dem ADX in Abu Dhabi, sind ausländische institutionelle Anleger in erheblichem Umfang beteiligt, und dieser Anteil wird angesichts der steigenden ausländischen Direktinvestitionen und des starken Wachstumsprofils des Landes wahrscheinlich weiter zunehmen. Die VAE, die traditionell erheblich von der Energiepreisentwicklung abhängig waren, haben diese Dynamik überwunden, indem das Wachstum in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Logistik, Technologie, Immobilien und Tourismus die wirtschaftliche Basis verbreitert hat.
Aktien aus den VAE bieten eine attraktive Mischung aus hohen Dividendenrenditen (4-7 %), attraktiven Bewertungen und einem Momentum, das durch Reformen wie die Liberalisierung ausländischer Beteiligungen, die Aufnahme in Indizes und eine robuste Anzahl an Börsengängen gefördert wird. Die Widerstandsfähigkeit der VAE-Aktien wird durch gut kapitalisierte, profitable Banken gestützt, wodurch sie für Anleger, die sowohl Erträge als auch langfristiges Wachstum anstreben, attraktiv erscheinen. Die ölunabhängigen Sektoren treiben nun den Großteil des Wachstums an, wobei das BIP 2025 voraussichtlich um 5 % ansteigen wird. Die Inflation bleibt niedrig und stabil, und das Bankensystem ist robust. Immobilien und Handel sorgen für zusätzliches Momentum, während erhebliche fiskalpolitische Puffer für Stabilität sorgen.
Polen
Polen sticht in der EU heraus und weist das höchste Wachstum in Europa auf. Laut Konsensprognosen von Bloomberg wird die Wirtschaft des Landes, die fast 1 Billion USD umfasst, im Jahr 2026 um 3,3 % und im Jahr 2027 um 3,2 % wachsen. Die Inlandsnachfrage einer hoch gebildeten Bevölkerung von 38 Millionen Menschen und der schnell wachsende private Konsum bleiben starke Wachstumsfaktoren, unterstützt durch steigende Reallöhne, Sozialleistungen und Steuerausgaben, einschließlich erhöhter öffentlicher Investitionen, u. a. in die Infrastruktur, die von internationalen Anlegern in polnische Anleihen und EU-Fonds unterstützt werden. Die Abwanderung von Fachkräften in andere EU-Länder und das Vereinigte Königreich zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich inzwischen umgekehrt und macht Polen zu einem fruchtbaren Arbeitsmarkt für wachsende Unternehmen. Wie Südkorea ist Polen ein aufstrebendes Land mit starken Fundamentaldaten und einem hohen Lebensstandard, um den es die Industrieländer beneiden.