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Klimawandel – die Herausforderung

Der Kampf gegen den Klimawandel ist nicht einfach. Wir müssen uns dafür vom Status quo lösen, neue Technologien erfinden und die Emissionen verringern, die Ursache der globalen Erwärmung sind. Kurz gesagt: Wir müssen zusammenarbeiten, für unser gemeinsames lebenswichtiges Ziel.

  • 58%

    aller europäischen Anleger betrachten die mangelhafte Datenlage als größtes Hindernis bei der Dekarbonisierung.
  • 54%

    aller asiatische Anleger betrachten den Mangel an geeigneten Strategien und Produkten als wichtigstes Hindernis.
  • 45%

    der Anleger in Nordamerika weisen auf das Fehlen interner Kompetenzen und mangelnde Nachfrage seitens der Endanleger hin.

Quelle: 2021 Robeco Global Climate Survey

Der Kohlenstoffpreis sollte von heute 2 Dollar pro Tonne auf 100 Dollar im Jahre 2030 steigen“

Die wirkliche Herausforderung ist sicherzustellen, dass wir uns alle in die richtige Richtung bewegen

Eine der größten Herausforderungen bei der Bekämpfung des Klimawandels ist es, sich auf gemeinsame Handlungen zu einigen. Anzuerkennen, dass wir alle etwas tun müssen, und sich dann auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen, sind entscheidend, um eine reale Wirkung zu entfalten.

Lucian Peppelenbos, Climate Strategist bei Robeco, meint, dass Investitionskapital zwar unverzichtbar ist, dass aber in der Realwirtschaft die richtigen Anreize gesetzt werden müssen, damit sich auch der Finanzsektor ändern kann.

    • Anreize sind wichtig, um alle Stakeholder zu einer positiven Veränderung zu bewegen
    • Es wird Zeit, nicht mehr auf andere zu verweisen, sondern persönlich und als Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen
    • Wir können kein Netto-Null-Portfolio aufbauen, ohne dass sich die Realwirtschaft in dieselbe Richtung bewegt

    Diese Anreize müssen weit reichen. „Damit wir die Realwirtschaft dekarbonisieren können, müssen die politischen Rahmenbedingungen stimmen, die Verbraucher müssen mitziehen und die Technologie muss passen. Alle diese Puzzleteile müssen zusammenkommen. Wir als Anleger müssen unbedingt das Kapital in Richtung einer grünen, kreislauforientierten und kohlenstoffarmen Wirtschaft umschichten. Aber der Erfolg hängt davon ab, dass auch die anderen Teile im Puzzle ihren richtigen Platz einnehmen. Ich denke, das ist die eigentliche Herausforderung.“

    Regierungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Schaffung effektiver Anreize. Dies beginnt mit der Einführung geeigneter Systeme zur Bepreisung von Kohlenstoff und zur Einbeziehung dieser Preise in wirtschaftliche Entscheidungen. Damit können Investoren und Verbraucher die wahren Kosten ihres Handelns einkalkulieren.

  • Bei der Feinabstimmung der Anreize ist noch viel zu tun. Gegenwärtig wird nur für etwa ein Fünftel der weltweiten Emissionen ein Preis erhoben, über eine Vielzahl von Systemen. Und bei den meisten dieser Systeme werden die Emissionen unterbewertet – was bedeutet, dass die Anreize nicht wirksam auf Verhaltensänderungen hinwirken. Der gewichtete Durchschnittspreis pro Tonne Kohlenstoff liegt über die verschiedenen Systeme hinweg betrachtet bei annähernd 2,00 USD (Daten der Weltbank). Berechnungen zufolge muss er bis Ende 2021 auf 50 USD und bis 2030 auf 100 steigen, damit wir auf den 1,5°C-Pfad gelangen.

    In Regionen, in denen die Bepreisung anscheinend realistischer ausfällt, hat sich das Verhalten eindeutig verändert. Nehmen Sie Europa, wo der Preis für CO2-Emissionen jetzt bei etwa 30 bis 35 Euro liegt. „Das beschleunigt wirklich den Ausstieg aus der Kohle. Es treibt Innovation in der Industrie voran, weil kohlenstoffarme Optionen wirtschaftlich sinnvoll werden“, stellt Peppelenbos fest.

  • Licht für den Weg zum Wandel

    Er glaubt, dass die andere wichtige Rolle der Regierungen darin besteht, langfristige Klarheit zu schaffen. „Sie müssen klare Grenzen setzen, und zwar für Emissionen und technische Standards unter Nennung konkreter Zeitpunkte in der Zukunft, damit der Markt seine Arbeit verrichten kann.“

    Als Beispiel führt er an, dass die niederländische Regierung mehrere Jahre im Voraus signalisiert hat, dass ab Januar 2023 alle Gewerbeimmobilien mindestens das Energielabel „C“ haben müssen, wenn die Eigentümer die Immobilie vermieten oder verkaufen wollen. „Infolgedessen werden jetzt alle Immobilien saniert oder vom Markt genommen. Die Industrie hatte jahrelang Zeit, sich anzupassen, und der Prozess hat gut funktioniert.“

    Ein weiteres Beispiel ist die Entscheidung mehrerer europäischer Länder, den Verkauf von nicht-elektrischen Fahrzeugen bis 2030 zu verbieten. Dieser Schritt hat enorme Innovationen in der Automobilindustrie ausgelöst. „Die Anreize in Kombination mit der Klarheit über den langfristigen Zeitplan erzwingen also einen Ausstieg und eine Umstellung in der Industrie. Es gibt Zeit für den Wechsel, und die Anforderungen sind vernünftig und auf die notwendigen Ziele ausgerichtet. Sie unterstützen die Akteure dabei, ihre Anstrengungen zu fokussieren und spornen zu Innovationen an.“

  • Anders denken – anders konsumieren

    Zu erkennen, wie unsere individuellen Entscheidungen und Handlungen die globalen Ergebnisse beeinflussen, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, damit wir uns alle in Richtung Umstellung bewegen. Mit dem Finger auf die Unternehmen zu zeigen, die kohlenstoffemittierende Produkte herstellen, ist einfach – wir müssen aber auch darüber nachdenken, welchen Einfluss das Verhalten der Verbraucher spielt.

    „Wir haben uns lange Zeit auf die Erdöl- und Erdgasindustrie konzentriert und sie für die Klimaprobleme verantwortlich gemacht. Und ihre Rolle und Verantwortung ist ja auch groß, wir vernachlässigen aber oft, dass die Industrie in unserem Auftrag nach Öl sucht. Solange wir es für normal halten, fünfmal im Jahr in den Urlaub zu fliegen, massenhaft Fleisch zu essen und Kleidung nach ein paar Monaten wegzuwerfen, macht unser Verhalten einen großen Teil des Problems aus.“

    Damit sich das alles ändert, müssen sich sowohl Angebot als auch Nachfrage ändern. „Aber ich glaube nicht an die These, dass Verbraucher ihr Verhalten ganz allein bestimmen. Es gehören immer zwei dazu. Unternehmen nehmen großen Einfluss darauf, was sich die Verbraucher wünschen.“

  • Rechtliche Triebkräfte für den Wandel

    Entwicklungen im Rechtssystem tragen dazu bei diesen Prozess zu beschleunigen. Es gibt eine wachsende Zahl von Fällen, in denen Regierungen und Unternehmen vor Gericht wegen der Auswirkungen ihres Handelns auf das Klima angeklagt werden. Erfolgreiche Klagen wurden beispielsweise bereits gegen die niederländische und die französische Regierung eingereicht, weil sie ihrer Sorgfaltspflicht gegenüber den Bürgern nicht nachgekommen sind, gegen den Klimawandel vorzugehen. „Wenn sich diese Fälle häufen, entsteht eine Rechtsprechung, die den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft unterstützen und beschleunigen wird.“

  • Investitionsmöglichkeiten bewegen sich parallel zum Fortschritt in der Realwirtschaft

    Die Anlagechancen und -risiken werden vom Ausmaß und Tempo des Fortschritts in der Realwirtschaft bestimmt. „Wir sind als Investoren zwar zukunftsorientiert und übernehmen eine Führungsrolle, indem wir dem Markt signalisieren, in welche Richtung er sich entwickeln muss. Wohin sich diese Anlagemöglichkeiten entwickeln können, wird jedoch von der Realwirtschaft begrenzt. Wir können nicht an einem Netto-Null-Portfolio arbeiten, ohne dass sich die Realwirtschaft in die gleiche Richtung bewegt“, meint Peppelenbos.

    Um die Herausforderung zu meistern, alle Elemente richtig auszurichten, müssen alle Verantwortung übernehmen. „Schuldzuweisungen an die Ölindustrie, die Regierungen oder das Finanzsystem mögen zwar berechtigt sein, sind aber im Moment der völlig falsche Ansatz – denn wir müssen uns alle der gleichen Herausforderung und Verantwortung stellen.“

    Außerdem können wir nicht warten, bis alle Elemente zusammengekommen sind, bevor wir uns an die Arbeit machen. „Gerade jetzt muss jeder Einzelne von uns diese Rolle übernehmen. Was die Welt im Moment braucht, ist verteilte Führung.“

Climate Investing ist mehr als nur das nächste grosse Ding

Lucian Peppelenbos (Climate Strategist) und Carola van Lamoen (Head of Sustainable Investing) betrachten den Klimawandel und Climate Investing aus allen Blickwinkeln. Hören Sie sich den Trailer zum 25-minütigen Podcast an.

Das Datendilemma

Um die globale Erwärmung einzudämmen, müssen Treibhausgasemissionen reduziert werden – das ist eine einfache Tatsache. Für Investoren ist es jedoch schwierig, die notwendigen Daten zu erfassen, mit denen sie die Höhe der für die globale Erwärmung ursächlichen Emissionen und die Geschwindigkeit, mit der diese reduziert werden, verfolgen könnten.
  • Das Ausmaß des Problems der Datenerfassung wird bei dem Versuch deutlich, festzustellen, wo die Emissionen überhaupt ihren Ursprung haben. Um eine klarere

    Vorstellung über ihre Quelle zu vermitteln, werden sie als Emissionen aus Scope 1, 2 oder 3 eingeordnet. Kurz gesagt, Emissionen aus Scope 1 sind diejenigen, die direkt von einem Unternehmen erzeugt werden. Scope 2-Emissionen entstehen bei der Erzeugung von Strom oder Wärme für die Herstellung von Produkten. Und Scope 3-Emissionen entstehen entlang der gesamte Wertschöpfungskette, einschließlich des Endverbrauchers des Produkts im Verlauf von dessen Lebenszyklus.

    Aber es geht nicht einfach darum, Tonnen von Kubikmetern an Treibhausgasen zu addieren - vorausgesetzt, man könnte überhaupt auf diese Informationen zugreifen. Aus der Tatsache, dass alle überhaupt erfassten Daten per Definition immer historisch sind, ergeben sich drei Hauptprobleme.

  • „Ein grundsätzliches Problem der Daten zum CO2-Fußabdruck ist, dass sie zurückblicken, im Durchschnitt über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren. Wenn wir also mit dem Thema Kohlendioxid beschäftigen, schauen wir derzeit auf die Realität des Jahres 2019“, erklärt Thijs Markwat, wissenschaftlicher Klimadatenexperte bei Robeco.

    „Das bedeutet, dass die Daten nichts über die Umstellungsbereitschaft eines Unternehmens aussagen. Was wir wirklich brauchen, sind stärker zukunftsorientierte Kennzahlen. Ein CO2-Fußabdruck in der derzeit verfügbaren Form sagt nichts darüber aus, ob das Unternehmen in der Zukunft dekarbonisieren wird.“

  • Konkurrierende Anbieter

    Das zweite Problem ist nicht, dass es zu wenig Daten gäbe, sondern dass sie aus mehreren und sich überschneidenden Quellen stammen, die oft im Widerspruch zueinander stehen. „Scope-1- und Scope-2-Daten sind relativ leicht zu beschaffen. Es gibt aber kaum eine Korrelation des Umfangs zwischen den verschiedenen Datenanbietern,“ meint Markwat. „Das eigentliche Problem ist, dass die Daten nicht gemessen, sondern modelliert werden. Es handelt sich also um Schätzungen.“

    Außerdem vermitteln die Scopes selbst nicht das ganze Bild. Während zum Beispiel ein Autohersteller bei der Herstellung eines benzinbetriebenen Autos relativ geringe Scope-1- und Scope-2-Emissionen produziert, würde der Nutzer des Fahrzeugs über viele Jahre hinweg Benzin verbrennen und damit sehr hohe Scope-3-Emissionen über die Abgase verursachen.

    Aber die Schwierigkeiten bei der Datenlage sollten uns nicht vom Handeln abhalten. „Der Mangel an Daten wird von einigen als Ausrede dafür genutzt, das Problem nicht direkt anzugehen“, sagt Markwat. „Wir müssen aufpassen, dass wir das ganze Problem nicht auf die Verfügbarkeit von Daten reduzieren. Die Herausforderung ist eher analytischer Natur und wird durch die Daten selbst verursacht. Wir wissen, welche Sektoren kohlenstoffintensiv sind. Wir können also auf dieser Grundlage handeln.“

  • Zähler versus Nenner

    Die dritte Problemstellung ist, welche Kennzahlen verwendet werden sollten. Der derzeitige Ansatz ist weitgehend quantitativ, obwohl er auch qualitative Aspekte berücksichtigen müsste. „Der CO2-Fußabdruck ist der Zähler, aber es gibt ja auch den Nenner“, meint Markwat.

    „Betrachten wir Unternehmen also in Bezug auf ihren CO2-Fußabdruck relativ zum Umsatz oder zum Unternehmenswert? Diese Faktoren verursachen große Unterschiede, wenn das EU-Recht eine bestimmte Vorgehensweise vorschreibt und die Gesetze in anderen Regionen und Ländern etwas anderes verlangen. Wir benötigen einen fokussierteren Ansatz.“

Videoserie: Lernen Sie unsere Experten aus dem Bereich Climate Investing kennen

Die CO2-Bepreisung reicht nicht aus, um etwas zu bewirken

Die Bepreisung von Kohlendioxid wird oft als Lösung für die Eindämmung von Emissionen betrachtet, da sie eine direkte Kostenbelastung für Emittenten größerer CO2-Mengen darstellt. Sie ist aber noch weit von der umfassenden Umsetzung entfernt, mit der sie etwas bewirken könnte, und die derzeitigen CO2-Preise sind viel zu niedrig.
  • In seiner einfachsten Form ist CO2-Bepreisung eine Steuer, die typischerweise von einer Regierung pro Tonne ausgestoßenen Kohlendioxids erhoben wird. Schweden hat dem Bericht „State and Trends of Carbon Pricing 2020“ der Weltbankgruppe zufolge die höchsten Kohlenstoffsteuern der Welt und verlangt etwa 120 USD pro Tonne CO2e.

     Eine weitere Möglichkeit für die Handhabung von Emissionen sind sogenannte „Cap and Trade“-Systeme, bei denen Kohlenstoffzertifikate mit anderen Emittenten gehandelt werden können, sofern von der zuständigen Behörde festgelegte Grenzwerte eingehalten werden. Eines der umfangreichsten Beispiele für diese Systeme ist das Emissionshandelssystem (ETS) der Europäischen Union.

  • In solchen Systemen schwankt der CO2-Preis in Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage im Handel mit den Zertifikaten. Der aktuelle Preis im EU-ETS liegt bei etwa 33 EUR/t CO2e.

    In den meisten Ländern gibt es jedoch weder eine Kohlenstoffsteuer noch ein Handelssystem,oder betreiben diese auf einem so niedrigen Niveau, dass sie nicht von Emissionen abschrecken. Ende 2020 gab es laut der Weltbankgruppe weltweit nur 61 Initiativen zur Bepreisung von Kohlenstoff, davon 31 Emissionshandelssysteme und 30 Kohlenstoffsteuern. Diese decken ein Kohlendioxid-Äquivalent von 12 Gigatonnen oder nur etwa 22 % der globalen Treibhausgasemissionen ab, gegenüber 20 % im Jahr 2019.

Lage und Trend bei den Kohlenstoffpreisen

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Quelle: Worldbank, 2019

Die Preise sind zu niedrig

  • Gegenwärtig sind die Kohlenstoffpreise nach wie vor deutlich zu niedrig, um einen Anreiz zur Erfüllung der Ziele des Pariser Abkommens zu schaffen. Im Jahr 2017 schätzte die High-Level Commission on Carbon Prices, dass der globale Kohlenstoffpreis bei 40 bis 80 USD/tCO2e bis 2020 und bei 500 bis 100 USD/tCO2e bis 2030 liegen müsste, um den Anstieg der globalen Erwärmung auf 2 °C zu begrenzen. Der derzeitige globale Durchschnittspreis liegt laut IWF bei etwa 2 USD/tCO2e.

    „Weltweit werden derzeit nur 22 % der CO2-Emissionen bepreist. Das reicht nicht aus“, meint Climate Change Strategist Lucian Peppelenbos.

  • „Und der globale Durchschnittspreis von etwa 2 USD/t CO2e ist nicht annähernd ernst zu nehmen.“

    „Es gibt jedoch einige Anzeichen für einen Umschwung. Der Preis für Kohlenstoff in Europa liegt jetzt bei 33 EUR/t CO2e. Ein derartiger Preis beginnt, Einfluss auf das wirtschaftliche Verhalten zu haben. Bei diesem Preisniveau können wir bereits eine Verlagerung von Kohle- zu Gasstrom beobachten, und es stimuliert Innovationen für kohlestoffarme Verfahren in der Industrie.“

Mehr Beachtung

  • Das Thema wird innerhalb der EU deutlich ernster genommen, die sich im europäischen Green Deal verpflichtet hat, bis 2050 kohlenstoffneutral zu werden. Ihr erstes Ziel ist es, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 % gegenüber den Werten von 1990 zu reduzieren. Als Teil dieses Vorhabens wird das „Carbon Border Adjustment“-Abkommen ausgearbeitet, mit dem gleiche Wettbewerbsbedingungen geschaffen und die europäische Industrie vor billigeren, kohlenstoffreichen Produkten von außerhalb der EU geschützt werden sollen.

    „Das ETS ist der Eckpfeiler der EU-Klimapolitik“, sagt Peppelenbos. „Der EU ist klar, dass die Kohlenstoffzertifikate verknappt werden müssen, um den Preis pro Tonne CO2 in die Höhe zu treiben und das Ziel einer Verringerung um 55 % Reduktion bis 2030 zu erreichen. Eine Kohlenstoff-Grenzsteuer wäre ein globaler Game Changer.“

  • Höhere Kohlenstoffpreise und Grenzsteuern mögen gut für das Klima sein, aber schaden sie nicht der Wirtschaft? Eine Möglichkeit, sie den Akteuren, die die Steuern tatsächlich zahlen, schmackhaft zu machen, , ist der Vergleich mit bestehenden Benzinsteuern. „Nimmt man die durchschnittliche Höhe der Steuern auf Benzin in Europa, entspräche das einem Kohlenstoffpreis von rund 300 US-Dollar pro Tonne“, sagt Peppelenbos.

    „Diese Besteuerung hat die europäische Autoindustrie nicht wettbewerbsunfähig gemacht, und sie hat die Verbraucher nicht davon abgehalten, Autos zu kaufen oder zu fahren. Aber sie hat dazu beigetragen, dass in Europa viel effizientere Autos produziert werden als im weltweiten Durchschnitt.“

    Damit ist belegt, dass sich höhere Preise einführen lassen, ohne die Autoindustrie oder die Kaufkraft der Verbraucher zu zerstören. Es muss nur auf intelligente Weise getan werden. Kein Aspekt des Systems muss eine Bedrohung darstellen.“

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„Kohlenstoffpreissysteme erfassen nur 20 % der globalen Emissionen.“

Lucian Peppelenbos - Climate Strategist

Vorbehalte, Erwägungen und Herausforderungen bei der Dekarbonisierung von Anlageportfolios

Der Klimawandel ist das Problem, Netto-Null ist das Ziel und die Dekarbonisierung ist das Mittel. Aber gibt es Hindernisse auf dem Weg dorthin? Masja Zandbergen, Head of Sustainability Integration bei Robeco, erläutert die Vorbehalte und Herausforderungen, die Anlegern bei ihrem Streben nach Dekarbonisierung ihrer Portfolios und ihrem Beitrag zur Netto-Null-Zielsetzung im Weg sein können.

Was genau bedeutet Dekarbonisierung eines Portfolios?

  • „Einfach gesagt bedeutet es die Verringerung der CO2-Intensität des Portfolios durch Aufnahme von Unternehmen mit geringen Emissionen oder mit glaubhaften Zusicherungen zur Verringerung ihrer Emissionen. Ähnlich wie die Wertentwicklung eines Portfolios erfordern die Fortschritte in diesem Bereich eine laufende Messung im Vergleich zu einem Referenzpunkt.

  • Andernfalls sind die Angaben zu den Emissionen nur von geringem Informationswert. Die Vergleichsgröße kann der Gesamtmarkt sein, beispielsweise das Emissionsprofil eines globalen Index, oder ein interner Standard wie zum Beispiel ein Zeitpunkt, ab dem der 1-Jahres-Erfolg eines Portfolios gemessen wird. Das Emissionsvolumen ist irrelevant. Worauf es ankommt ist, dass man mit der Messung beginnt.“

Wäre es nicht einfacher, sich einfach von Unternehmen mit hohen Emissionen im Portfolio zu trennen?

  • „Das wäre der Fall, wenn die von den Unternehmen angegebenen Daten vollständig wären. Doch der Großteil der Emissionen ist darin nicht berücksichtigt, sodass das tatsächliche Emissionsverhalten unterschätzt wird. Aktuell werden Emissionen aus den Produktionsprozessen (Scope 1) und aus der dazu erforderlichen Stromerzeugung (Scope 2) von den Unternehmen publiziert und von den Investoren gemessen. Aber sie berücksichtigen nicht die Emissionen, die im weiteren Verlauf der Lieferkette von den Verbrauchern eines Produkts erzeugt werden. Öl- und Gasförderer weisen einen ausgeprägten Carbon Footprint auf, doch dieser umfasst lediglich 20 % der ihnen zurechenbaren Gesamtemissionen. Die übrigen 80 % werden erzeugt, wenn die Abnehmer das Öl verbrennen (Scope 3).“

  • „Damit stehen Öl- und Gasunternehmen nicht alleine. In der gesamten Wirtschaft werden die Scope 3-Emissionen unterschätzt. Beispielsweise weisen viele Nahrungsmittelhersteller relativ geringe operative Carbon Footprints im Upstream-Bereich auf. Doch fallen hohe unberücksichtigte Emissionen infolge von Dingen wie Abholzung und Düngemitteln in anderen Bereichen ihrer Lieferketten an. Bislang werden noch keine die gesamte Lieferkette umfassenden Daten berechnet, veröffentlicht oder von den meisten Investoren berücksichtigt (siehe Grafik 1).“

Grafik 1 | Scope 3-Emissionen werden nur unzureichend veröffentlicht, dominieren aber die Gesamtemissionen börsennotierter Unternehmen.

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Quelle: Robeco, Trucost

Die Grafik zeigt die jährliche gewichtete durchschnittliche CO2-Intensität (WACI) der Titel im Index MSCI All World AC. Die Emissionsdaten für die Indextitel basieren auf den durchschnittlichen jährlichen Emissionen, die von den Unternehmen für das Jahr 2019 angegeben wurden. Die WACI gibt die CO2-Intensität (Scope 1 + 2 + 3 Emissionen geteilt durch den Unternehmenswert inklusive Liquidität in Mio. US-Dollar) für jedes Unternehmen an und wird mit dessen Gewichtung im Portfolio multipliziert. 

Welche Auswirkungen hat dies auf Bemühungen zur Dekarbonisierung von Anlageportfolios?

  • „Es kann dazu führen, dass die Emissionen einiger Unternehmen und Branchen unter- bzw. überschätzt werden. So weisen viele Anbieter umweltfreundlicher Lösungen paradoxerweise hohe CO2-Emissionen auf, wenn man nur die Emissionen der Vergangenheit berücksichtigt. Beispielsweise handelt es sich bei Betreibern von Windkraftwerken, Herstellern von Elektroautos und Produzenten von Wasserstoff um Anbieter umweltfreundlicher Technologien. Ihr Beitrag zur CO2-Reduzierung liegt jedoch in der Nutzungsphase im späteren Verlauf der Lieferkette.

  • Da sie beispielsweise Stahl für Bauelemente benötigen oder Strom aus regionalen Netzen mit hoher CO2-Intensität nutzen, können ihre Scope 1- und Scope 2-Emissionen noch relativ hoch sein. Das bedeutet, dass ihr Dekarbonisierungs-Potenzial noch nicht vollständig in den Portfolios realisiert wird. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, sind prognostische Fähigkeiten erforderlich.“

Was unternimmt Robeco, um dieses Dilemma zu bewältigen?

  • „Unsere am weitesten entwickelten Dekarbonisierungs-Strategien beziehen auch die Scope 3-Emissionen ein. Bei anderen Strategien verwenden wir interne Schätzungen und Modelle von Dritten, um Best Case-Schätzungen für die zukünftigen Emissionen abzuleiten. Dazu gehört die Projektion von Pfaden zum Erreichen des Netto-Null-Ziels für die einzelnen Sektoren auf Basis derzeit oder bald verfügbarer Technologien. Neben den Scope 3-Emissionen beziehen wir weitere in die Zukunft gerichtete Daten ein, um die Prognose der klimabezogenen Vorhaben der Unternehmen und ihrer zukünftigen klimaadjustierten Entwicklung zu unterstützen. Welche Unternehmen verfügen über strategische Pläne, die Anreize zum Übergang zu CO2-armen Technologien und Geschäftsmodellen setzen?

  • Wie werden sie voraussichtlich vom Übergang zum Netto-Null-Ziel profitieren? Welche sind finanziell stark genug, um die dazu erforderlichen Investitionen zu tätigen?“

    „Am Ende ist es das Ziel sicherzustellen, dass die Kundenportfolios klimaresistent sind, indem ihr Exposure gegenüber CO2-bezogenen Risiken reduziert wird und sie klimakonform sind. Dies stellt eine weit komplexere Aufgabe dar, die zahlreiche weitere Aspekte umfasst als nur die Messung der Emissionsreduktion eines Portfolios gegenüber einer Benchmark.“

Worin unterscheidet sich die Dekarbonisierung eines Portfolios von der ESG-Integration?

  • „Mit der ESG-Integration sind mehr Informationen hinsichtlich einer breiten Palette von Risikofaktoren verbunden: in Bezug auf Gesellschaft, Wirtschaft, Governance und Umwelt. Dies lässt sich mit der Finanzanalyse kombinieren, um zukünftige Risiken genauer einzuschätzen, die finanzielle Entwicklung zu evaluieren und fundiertere Anlageentscheidungen zu treffen.“

  • „Die Dekarbonisierung erfolgt dagegen häufig zur Verringerung klimabezogener Risiken sowie zur Bekämpfung des Klimawandels. Die Entscheidung eines Anlegers zur Dekarbonisierung seines Portfolios basiert nicht immer auf rein finanziellen Zielsetzungen. Häufig ist sie durch den Wunsch motiviert, in Unternehmen zu investieren, die einen positiven Effekt bewirken, indem sie nicht zum Klimawandel und zur Beeinträchtigung der Umwelt beitragen.“

Wie passt die Dekarbonisierung eines Portfolios in den umfassenderen Kontext der Dekarbonisierung der Volkswirtschaften?

  • „Die Wirtschaft wächst dort, wo Kapital fließt. Somit beschleunigt die Umlenkung von Kapital zugunsten von Unternehmen, die ihre CO2-Emissionen stark reduzieren, und zulasten von solchen, die im Rückstand sind, den Übergang zu einer CO2-freien Weltwirtschaft. Gleichwohl hat der Verkauf von Wertpapieren eines Unternehmens mit hohen CO2-Emissionen keine unmittelbare Auswirkung auf die Realwirtschaft. Um in der Realität etwas zu bewirken, müssen zahlreiche Anleger mit den Füßen abstimmen, indem sie sich weigern Wertpapiere von Unternehmen mit hohen Emissionen zu halten. Dies erhöht am Ende deren Finanzierungskosten und befördert den Wandel.“

  • „Allerdings bestehen auch Vorbehalte gegenüber diesem Ansatz. Zum einen schadet die Verweigerung von Finanzierungsmitteln vielen Unternehmen, die zum Übergang bereit sind, aber dafür Kapital brauchen. Zum anderen verfügen viele emissionsintensive Unternehmen über soviel Liquidität, dass sie kein neues Kapital benötigen. Im letztgenannten Fall könnten finanzielle Boykotts weitgehend wirkungslos sein. Doch auch Unternehmen mit hoher Liquidität sind auf ihren Ruf bedacht. Wenn also die Anleger diese Firmen in ihren Portfolios meiden, sendet dies ein verstärktes und alarmierendes Signal an das Unternehmens-Management.“

Welche weiteren Mittel stehen Anlegern zur Verfügung, um den globalen Übergang zu beschleunigen?

  • „Anleger müssen auch den aktiven Dialog und die Stimmabgabe bei Hauptversammlungen nutzen, um ihren Einfluss auf das Management der Unternehmen auszuüben. Da CO2-Emissionen in der Breite der Volkswirtschaften stattfinden und größere strukturelle Änderungen erfordern, muss ein Dialog nicht nur mit den Unternehmen, sondern auch auf Länderebene erfolgen.

  • Robeco hat kürzlich den Dialog mit Regierungen aufgenommen, um diese dabei zu unterstützen, die aggregierten Effekte konfligierender CO2-Leitlinien auf Länderebene zu verstehen. So ist es kontraproduktiv, einige Branchen zur Dekarbonisierung zu zwingen, während andere Wälder abholzen dürfen oder emissionsintensive Unternehmen durch Subventionen geschützt werden. Die Regierungen müssen auch begreifen, dass nationale Vorgaben zur Dekarbonisierung Auswirkungen auf ihre Fähigkeit haben, globale Unternehmen, Auslandskapital und Finanzierungsmittel für Staatsanleihen anzuziehen.“

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