Einblick

Quant Chart: Die RenAIssance der realen Wirtschaft

Investitionen in immaterielle Vermögenswerte übertreffen bei Großunternehmen seit langem die Kapitalallokation in das materielle Vermögen, aber der KI-bedingte Anstieg der Investitionsausgaben signalisiert eine Renaissance der Investitionen in letzteres. Dies wirft für die Anleger wichtige Fragen im Hinblick auf das Risiko exzessiver Investitionen, stärkerer Einstiegsschranken für Wettbewerber auf, und wie diese Kräfte in aktiven Strategien miteinander in Einklang zu bringen sind.

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Seit Jahrzehnten war an den Aktienmärkte der Aufstieg der immateriellen Wirtschaft der prägende Faktor. Die Kapitalallokation verlagerte sich von physischen Vermögenswerten (Fabriken, Maschinen, Industrieanlagen) hin zu nicht-physischen Aktiva (Software, Daten, geistiges Eigentum), was die Skalierbarkeit, Netzwerkeffekte und eine „Winner-takes-most“-Dynamik begünstigte. Investitionen in immaterielle Vermögenswerte haben in den reifen Volkswirtschaften Ende der 1990er Jahre die Ausgaben für materielle Assets überholt, und heute ist der Großteil des Unternehmenswertes in den wichtigsten Indizes auf nicht-physische Vermögenswerte zurückzuführen. Diese Verschiebung bildet auch das Fundament der Marktkonzentration, der hohen Bewertungen und der Dominanz digitaler Plattformunternehmen. 1

Capex-Renditen

Mit der Veröffentlichung von ChatGPT und dem anschließenden Siegeszug generativer KI scheint sich dieses Muster jedoch zu ändern. In Abbildung 1 werden die Investitionsausgaben (Capex) der „Magnificent 7“ (zusammengesetzte Balken) mit ihren aggregierten Forschungs- und Entwicklungsausgaben (FuE) (grauer Bereich) verglichen. Während des größten Teils des betrachteten Zeitraums überstiegen die FuE-Kosten die Investitionsausgaben, was mit wenig kapitalintensiven Geschäftsmodellen vereinbar ist. Doch seit 2023 ist ein starker Zuwachs bei den Investitionen im Rahmen des Ausbaus von Rechenzentren, Computing-Kapazität und unterstützender Infrastruktur seitens der Unternehmen zur Skalierung ihrer KI-Anwendungen zu verzeichnen. Dies hat dazu geführt, dass die Investitionsausgaben Mitte 2024 die FuE-Ausgaben überstiegen haben.

Abbildung 1 | Investitions- im Vergleich zu FuE-Ausgaben bei den Magnificent 7

Die hier aufgeführten Unternehmen dienen nur zur Veranschaulichung. Über die zukünftige Entwicklung des Unternehmens kann keine Aussage abgeleitet werden. Hierbei handelt es sich nicht um Kauf-, Verkaufs- oder Halteempfehlungen. Quelle: Robeco, LSEG, Compustat. In Abbildung werden die vierteljährlichen Investitionsausgaben (Capex) der „Magnificent 7“ (zusammengesetzte Balken) neben ihren aggregierten Forschungs- und Entwicklungsausgaben (FuE) (grauer Bereich) dargestellt. Zu den Magnificent 7 gehören Alphabet, Amazon, Apple, Meta Platforms, Microsoft, NVIDIA und Tesla. Der Betrachtungszeitraum erstreckt sich vom Q1 2012 bis zum Q4 2025. Die Geschäftsquartale der Unternehmen werden den entsprechenden Kalenderquartalen zugeordnet, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten, weil die Geschäftsjahre der einzelnen Unternehmen zu unterschiedlichen Terminen enden. Nur zur Veranschaulichung.

Diese Verschiebung signalisiert nicht das Ende der immateriellen Wirtschaft, sondern ist wahrscheinlich Ausdruck ihrer Industrialisierung. Für die Erstellung von KI-Modellen und datengestützten Anwendungen muss zunehmend umfangreich in physische Vermögenswerte investiert werden, wodurch sich die Verhältnisse im Kapitaleinsatz in absehbarer Zukunft verschieben. In diesem Sinne stellt der aktuelle Trend eine Renaissance des materiellen Kapitals in einer immateriellen Wirtschaft dar.

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Implications for stock selection

What does the AI capex boom imply for stock selection? First, elevated capex today translates into higher depreciation expenses in the future. Physical investments are capitalized on the balance sheet and depreciated over time through the income statement. Uncertainty surrounding the useful lives of rapidly evolving technologies such as AI hardware therefore complicates earnings forecasts, as small changes in lifetime assumptions can materially affect reported earnings trajectories. 2

Second, historical evidence suggests caution when firms aggressively expand their capital base. The well-documented investment effect indicates that companies undertaking rapid asset expansion tend to underperform peers over subsequent periods, reflecting competitive overinvestment and capacity buildouts that compress returns. 3

However, large-scale infrastructure investment may also strengthen the competitive moats of already dominant firms by reinforcing scale advantages, deepening ecosystem integration, and raising barriers to entry. Firms able to finance and deploy such investment effectively may consolidate strategic leadership. The AI capex boom therefore has the potential to entrench even further their market position through the build-out of data-center infrastructure.

Erfolgreiche Orientierung in dynamischen Märkten

Dieses Spannungsverhältnis zwischen potenzieller Überinvestition und Stärkung von Wettbewerbsvorteilen ist auf den heutigen, stark konzentrierten Aktienmärkten besonders relevant. Mit einem Gesamtgewicht von fast 25 % im MSCI World üben die „Magnificent 7“ einen erheblichen Einfluss auf die Benchmark-Ergebnisse aus.

Die Alphagenerierung aktiver Strategien muss jedoch nicht im gleichen Ausmaß von dieser kleinen Gruppe abhängig sein. Eine Möglichkeit, dieser Herausforderung zu begegnen, ist ein systematischer, benchmarkorientierter Ansatz, der die Breite des globalen Aktienuniversums betont, wie es beispielsweise bei der Robeco Global Developed Active Equities Strategie der Fall ist. Anstatt große direktionale Positionen in einer kleinen Anzahl von Mega-Cap-Aktien einzurichten, verteilt sie angeleitet von einem quantitativen Aktienauswahlmodell und einem disziplinierten Risikomanagement, aktiv das Risiko auf Hunderte von Positionen. Dabei zielt die Strategie auf einen ausgewogenen und robusten Umgang mit der Industrialisierung der immateriellen Wirtschaft und den durch die zunehmende Kapitalintensität verursachten Unwägbarkeiten ab.

Fußnoten

1 Siehe auch „The rise of America's intangible economy“, Financial Times, August 2025.
2 Siehe auch „Big tech's $680bn buy-now-book-later problem“, Financial Times, Januar 2026.
3 Siehe auch „Surviving the AI Capex Boom“, Sparkline Capital, Oktober 2025.

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