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Alles Wesentliche über die SDGs

Weiterbildungsmodul für Anlageexperten

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Einleitung

Die laufende fachliche Weiterbildung ist ein wichtiges Karriereelement für jeden Berater, vor allem in einem Umfeld rapiden Wandels. Die Welt der Geldanlage verändert sich rasch. Dies ist aktuell bei der Ausrichtung auf die UN-Nachhaltigkeitsziele (UN Sustainable Development Goals – SDGs) zu beobachten. Dabei tun sich einige Finanzexperten schwer, das Konzept ihren Bestandskunden und Neukunden zu erklären. Das vorliegende Modul schließt diese Lücke. 

Im Rahmen dieses Kurses können sich die Teilnehmer entsprechendes Wissen aneignen und am Ende einen Test absolvieren. Zur Erhöhung des Lernerfolgs verwendet das Modul eine verständliche Sprache, Grafiken, Videos und Fallstudien. Die Lektüre jedes der sechs Kapitel nimmt rund 15 Minuten in Anspruch. 

Wenn Sie mindestens 10 der 12 Fragen (80 %) korrekt beantworten, werden Ihnen für den bestandenen Test zwei Stunden laufende fachliche Weiterbildung gutgeschrieben. Das Fortbildungsmodul wird bereits von FPSB anerkannt, weitere werden folgen.

Das CFA Institute erlaubt seinen Mitgliedern, bei der professionellen Weiterbildung bei externen Quellen erworbene Guthaben („Credits“) selbst zu bestimmen und zu melden. Es ermutigt seine Mitglieder auch, ihre Credits in seinem PL Tracker selbst zu dokumentieren.

Viel Erfolg!
Robeco

1. Was sind die SDGs?

Die Ziele der UN zur nachhaltigen Entwicklung (UN Sustainable Development Goals – SDGs) heben nachhaltige Geldanlage auf eine höhere Stufe, indem sie den Fokus auf klar definierte Ziele zur Transformation unserer Welt legen und gleichzeitig Rendite für Investoren in Aussicht stellen.

In diesem Kapitel erfahren Sie:

  • Wie die 17 SDGs als Nachfolger der MDGs (Millennium Development Goals – Millenniumsentwicklungsziele) zustande kamen
  • Auf welche Weise Fortschritte gemessen werden und welche Grenzen dies hat 
  • Welche Finanzmittel benötigt werden, um die Ziele zu erreichen, und welche öffentliche Attraktivität sie besitzen

Ursprung der SDGs

Klimawandel

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 Ziele im Hinblick auf Verbesserungen in der Gesellschaft, bei der ökologischen Nachhaltigkeit und der Lebensqualität. Sie wurden 2015 von der UN bekanntgegeben. Sie decken eine große Bandbreite von Nachhaltigkeitsthemen ab, von der Beseitigung des Hungers und des Kampfes gegen den Klimawandel bis hin zur Förderung verantwortungsbewussten Konsums und einer nachhaltigeren Gestaltung der Städte.

Alle Länder der Welt – ganz gleich, wie weit entwickelt sie sind – haben sich bereit erklärt, auf eine Erreichung der 17 SDGs bis 2030 hinzuarbeiten. Somit besteht eine Zeitspanne von 15 Jahren zur Erzielung von Fortschritten. Die Ziele sind Teil der „Transforming our World: the 2030 Agenda for Sustainable Development“ und werden von der UN als „Blaupause zur Erreichung einer besseren und nachhaltigeren Zukunft für alle Menschen“ bezeichnet.

Millennium Development Goals

Die SDGs schließen an die Millennium Development Goals (MDGs) an – acht Ziele, die im Jahr 2000 formuliert wurden. Sie umfassten die Absicht zur Ausrottung extremer Armut und des Hungers, die Sicherstellung allgemeiner Grundschulbildung und die Bekämpfung von HIV/AIDS. Die SDGs wurden ab 2012 im Rahmen globaler Beratungen entwickelt, zu denen über 1 Million Menschen beigetragen haben. Sie sind wesentlich weiter gefasst und gelten für alle Länder, nicht nur diejenigen, die als „entwickelt“ bezeichnet werden.

Abbildung 1: Die United Nations Sustainable Development Goals

Erfahren Sie mehr über jedes Ziel, indem sie auf die untenstehende interaktive UN-Grafik klicken.

Quelle: www.un.org

Die Ziele an sich

Indikatoren

Die 17 Ziele umfassen 169 Unterziele und 232 entsprechende Indikatoren, anhand derer Fortschritte bei der Erzielung gemessen werden. Beispielsweise umfasst SDG 3 (Gesundheit und Wohlergehen) folgende Ziele: Verhinderung vorzeitiger Todesfälle, Stoppen der Ausbreitung ansteckender Krankheiten wie Malaria und HIV/AIDS sowie die Förderung bezahlbarer allgemeiner Gesundheitsfürsorge. Die zugehörigen Indikatoren messen Größen wie die Kindersterblichkeit eines Landes, die Zahl neuer Malaria- oder HIV-Infektionen und den Anteil der Menschen mit einer Krankenversicherung.

Konkrete Anlagemöglichkeiten in dieser Hinsicht sind Gesundheitsunternehmen, die durch Entwicklung von Arzneien gegen bestimmte Krankheiten oder durch Verbesserung des allgemeinen Zugangs zu bezahlbarer Medizin zum SDG 3 beitragen. Umgekehrt können einige Unternehmen negativ zu den SDGs beitragen, beispielsweise wenn sie schädliche Produkte wie Tabak oder Schusswaffen herstellen.

Messung von Fortschritten

Alle 193 UN-Mitgliedstaaten haben die SDGs anerkannt und sollen ihre Fortschritte bei der Erreichung dieser Ziele dokumentieren. Die Statistikabteilung der UN (UNSTATS) ist primär verantwortlich für die Sammlung der Messgrößen der einzelnen Länder in Bezug auf die SDGs. Zugänglich sind diese über „SDG Indicators“, die globale SDG-Datenbank der UN.1  

Andere Initiativen tragen zur Kontrolle der Fortschritte bei. Im Juni 2018 wurde die Online-Publikation SDG-Tracker geschaffen. Sie stützt sich auf „Our World in Data“ – ein Gemeinschaftsprojekt der Universität Oxford und der nicht-staatlichen Organisation Global Change Data Lab.2  Sie sammelt Daten zu allen Indikatoren, die für die SDGs relevant sind. 

Ein weiteres Projekt ist der „Global SDG Index and Dashboards Report“. Der SDG-Index misst nicht nur das Abschneiden im Hinblick auf alle 17 Ziele, er nimmt auch ein Ranking der einzelnen Länder entsprechend ihrer Zielerreichung vor und ermöglicht so Vergleiche. Diese jährliche Veröffentlichung ist eine Koproduktion der Bertelsmann Stiftung, hinter der die deutsche Mediengruppe Bertelsmann steht, und des Sustainable Development Solutions Network der UN.3 

Prüfen Sie, wie Ihr Land im Hinblick auf jedes der 17 Ziele abschneidet, indem Sie auf die interaktive Grafik unten klicken.

Abbildung 2: Global SDG Index and Dashboards Report

Prüfen Sie, wie Ihr Land im Hinblick auf jedes der 17 Ziele abschneidet.

Probleme bei Indikatoren

Die schiere Größenordnung und Vielfalt der Indikatoren erschwert die Dokumentation von Fortschritten. Die Beschaffung von Daten bereitet den Statistikern Schwierigkeiten, da viele Indikatoren nicht regelmäßig erhoben werden. Probleme bestehen auch bei der Entwicklung von Methoden für nicht gängige Indikatoren. Selbst die reichsten Länder weisen erhebliche Lücken auf, was ihre Fähigkeit zur Messung von Fortschritten angeht.4

Auch Unternehmen stehen bei der Messung ihrer Beiträge zu den SDGs vor Herausforderungen. Der Investmentprozess von Asset Managern wie Robeco bietet in dieser Hinsicht eine Lösung, da er Strategien zur Erreichung dieser Ziele beinhaltet. Dies wird ausführlicher in Kapitel 3 behandelt. Jedoch muss noch weit mehr passieren, um die SDGs zu erreichen. Dazu gehört auch der zentrale Aspekt der Finanzierung.

Finanzierungsbedarf

Die Schätzungen variieren stark, was den Finanzierungsbedarf zur Erreichung aller 17 Ziele bis 2030 angeht. Die UN selbst schätzt, dass zwischen 5 und 7 Billionen US-Dollar pro Jahr erforderlich sind. Das entspricht 7-10 % der globalen Wirtschaftsleistung und 25-40 % des globalen Investmentvolumens bezogen auf das Jahr 2014. Jedoch werden derzeit nur rund die Hälfte dieses Betrags von öffentlichen und privaten Organisationen investiert. Nach Schätzung der UN beträgt die Finanzierungslücke gegenwärtig 2,5 bis 3 Billionen US-Dollar pro Jahr.5

Zwar hat es einige Fortschritte gegeben, doch bleibt die weitere Entwicklung eine Herausforderung. Eine zunehmende Erschwernis stellte die Coronavirus-Krise des Jahres 2020 dar, während der ein Großteil der Wirtschaftsaktivität zum Stillstand kam. Dadurch ist nicht nur die normale wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigt worden, es war auch weniger Kapital für Investitionen in Initiativen wie die SDGs verfügbar.6

Blick in die Zukunft: Wir, die Menschen

Dennoch haben die SDGs weltweit die Fantasie angeregt. Sie haben eine Bewegung ins Leben gerufen, an deren Anfang der Zukunftsoptimismus stand, den dieses neue Jahrtausend mit sich gebracht hat. Dieses Lernmodul zeigt, dass es zahlreiche Möglichkeiten gibt, in eines oder mehrere der Ziele zu investieren.

Und wir alle sollten daran mitwirken, wie dieses Video „We the People“ unter Mitwirkung einiger Prominenter zum Ausdruck bringt. Nicht nur die Regierungen, Unternehmen, Investoren oder speziellen Interessengruppen sollten einbezogen werden, sondern alle!

Zusammenfassung

Zusammengefasst sollten Sie nun wissen, wie und warum die 17 SDGs entstanden sind, wie sie zum allumfassenden Nachfolger der MDGs wurden, welche Methoden zu ihrer Messung es gibt (und welche Herausforderungen damit verbunden sind) und wieviel Kapital noch zur Erreichung dieser Ziele benötigt wird.

Nächstes Kapitel

2. Weshalb sind die SDGs für Investoren relevant?

Was spricht dafür, dass Investoren das Geld ihrer Kunden eher in einem Bereich anlegen, der ausdrücklich auf soziale oder entwicklungsbezogene Projekte abzielt, anstatt etabliertere Ansätze der Renditeerzielung zu nutzen?

In diesem Kapitel erfahren Sie:

  • Weshalb die SDGs für Unternehmen eine bedeutende Geschäftschance darstellen
  • Welche die am stärksten (und am wenigsten) favorisierten SDGs für den Einsatz von Kapital sind
  • Welche Verbindung mit Impact Investing besteht und welche Renditen sie abwerfen können

Der "Aufruf zum Handeln", der den 17 SDGs zugrunde liegt, richtet sich im Unterschied zu den meisten UN-Initiativen nicht nur an die Regierungen oder nicht-staatliche Organisationen, sondern an die gesamte Gesellschaft. Sie stellt sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance dar und zielt gleichermaßen auf Unternehmen und Investoren ab, die als entscheidend für die Erreichung der Ziele angesehen werden. Die SDGs sind insoweit einzigartig, als damit erstmals in der Geschichte ein globaler Plan zur Förderung des sozialen Wohlergehens, der wirtschaftlichen Entwicklung und der ökologischen Nachhaltigkeit entworfen worden ist. Zudem bezieht sich dieser Plan auf alle Länder und zielt auf jeden einzelnen ab.

Zu den SDGs beizutragen stellt eine Geschäftschance für Unternehmen dar, auch wenn sich die Ansichten unterscheiden werden, welche die bevorzugten Ziele für eine Investition sind. Eine Umfrage seitens des United Nations Development Program identifizierte die drei in Uganda populärsten Ziele als SDG 7 (bezahlbare und saubere Energie), SDG 13 (Bekämpfung des Klimawandels) und SDG 11 (nachhaltige Städte und Gemeinschaften).7

Abbildung 3 : Die populärsten UN-Nachhaltigkeitsziele in Uganda

Quelle: www.undp.org

Infrastruktur

Alle drei Ziele beziehen sich auf die Infrastruktur und stellen deshalb ein reales Instrument zur Erzielung von messbarem Nutzen neben klar definierten Renditen dar. SDG 16 (Frieden, Gerechtigkeit und leistungsfähige Institutionen) wurde nicht als besonders investierbar angesehen. Doch letztlich kann durch Treffen der richtigen Auswahl in jedes SDG investiert werden. Beispielsweise verbessert der Bau von Telekommunikationseinrichtungen den Zugang zu Informationen – ein Unterziel von SDG 16. Es kommt also darauf an, wie man die SDGs betrachtet.

Strom aus erneuerbaren Quellen

Untersuchungen haben gezeigt, dass zwar noch erhebliche Investitionen zur Erreichung der SDGs erforderlich sind, dass diese aber auch neue Märkte schaffen würden. Beispielsweise könnten Strom aus erneuerbaren Quellen oder Medikamente an Menschen verkauft werden, die zuvor keinen Zugang dazu hatten. Eine Schätzung deutet darauf hin, dass daraus Marktchancen im Volumen von bis zu 12 Billionen US-Dollar pro Jahr und 380 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen könnten, insbesondere in Projekten, die im Zusammenhang mit der Bekämpfung des Klimawandels stehen.8, 9

Eine Geschäftschance

Für Unternehmen und Investoren stellen die SDGs daher nicht nur einen „Wohlfühlaspekt“ bei Investments oder eine öffentlichkeitswirksame Aktion dar, sondern bergen eine klare Geschäftschance. Tatsächlich könnten die SDGs für Unternehmen einen zukünftigen Wettbewerbsvorteil mit sich bringen, insoweit sie eine Quelle von Innovation darstellen sowie Prozessverbesserungen und operationelle Effizienzgewinne nach sich ziehen – was höhere Renditen bedeutet.

Regulierung

Unterdessen wandelt sich die Regulierung in hohem Tempo und in der Öffentlichkeit werden verstärkt nachhaltige Geschäftsansätze eingefordert. Unternehmen und Anleger, die die SDGs in ihre Strategie einbeziehen, dürften daher stärker im Einklang mit zukünftigen staatlichen Vorgaben und Regulierungen stehen. Damit vermeiden sie das Risiko des Entzugs ihrer Geschäftslizenz oder höherer Kosten aus strukturellen Änderungen, die ihnen letztlich auferlegt werden. 

Das wiederum reduziert das Risiko, das mit Investmentportfolios verbunden ist. Gleichzeitig üben Unternehmen mit nachhaltiger Ausrichtung einen positiven Effekt auf die Gesellschaft und die Umwelt aus, was für alle Beteiligten einen Gewinn darstellt.

Impact Investing

Impact Investing

Die Ausrichtung auf die SDGs ist eine Form des Impact Investing, das definiert ist als „Investition mit dem ausdrücklichen Ziel, einen messbaren Nutzen für die Umwelt oder die Gesellschaft zu bewirken sowie einen positiven finanziellen Ertrag zu erzielen”.  

Die SDGs stellen ein beliebtes Mittel dar, sich im Bereich Impact Investing zu engagieren, da sie Anlegern eine gute Struktur liefern, anhand derer sie den beabsichtigten gesellschaftlichen und ökologischen Effekt der ausgewählten Anlage bestimmen können.

Absicht, positiver finanzieller Ertrag, messbar

Impact Investing ist durch drei Elemente gekennzeichnet:

  • Erstens muss eine bestimmte Absicht gegeben sein: der Investor bemüht sich also von sich aus und gezielt um einen positiven Effekt. Das kann der Fall sein, weil er das gute Gefühl haben will, etwas Positives zu bewirken, verbunden mit einer wirtschaftlichen Motivation.
  • Zweitens sollte ein positiver finanzieller Ertrag aus der Anlage erzielt werden. Darin liegt der Hauptunterschied zwischen Impact Investing und reiner Wohltätigkeit, bei der keine Rendite erwartet wird.
  • Der Nutzen eines Impact Investments sollte messbar sein. Das bedeutet, dass die Ergebnisse der Anlage greifbar sein sollten – beispielsweise in Form der Zahl erbauter Krankenhäuser. Die Messbarkeit der Ergebnisse von Investments wird ausführlicher in Kapitel 5 erörtert.

Engagement von Pensionsfonds

Pensionsfonds

Zwar haben solche Investments die Fantasie von Investoren angeregt, die sich im Bereich Impact Investing engagieren und einen Beitrag im Hinblick auf die SDGs leisten wollen, allerdings müssen sie erst noch zum Standard werden. Nur wenige der bedeutenden institutionellen Anleger der Welt wie zum Beispiel Pensionsfonds investieren derzeit große Summen mit Bezug zu den SDGs; die meisten sehen darin lediglich eine Nische.

Zum Beispiel hat die Dutch Association of Investors for Sustainable Development, die rund 95 % des niederländischen Markts für Altervorsorgesparen und ein Anlagevolumen von rund 1,36 Mrd. EUR repräsentiert, im Jahr 2019 eine Umfrage unter seinen Mitgliedern durchgeführt. Es zeigte sich, dass sich nur 19 % der Befragten Ziele im Hinblick auf Investments mit Bezug zu den SDGs gesetzt hatten.11

Wie im Fall der Umfrage der UN zeigte die Untersuchung aus den Niederlanden, dass einige SDGs aus Investorensicht beliebter waren als andere. Zu den Zielen, bei dem die größten Anlagechancen gesehen wurden, gehörte SDG 13 (Bekämpfung des Klimawandels), insbesondere da es dort quantifizierbare Ziele beispielsweise im Hinblick auf CO2-Emissionen gibt.

Abbildung 4: Fokus von Pensionsfonds auf Anlagechancen und unternehmerischer Verantwortung im Zusammenhang mit den 17 SDGs

Quelle: VBDO - Pension Funds and Sustainable Development Goals

Letztlich liegt das Erreichen der SDGs im Interesse aller. Wenn wir sie erreichen, wird unser Planet stabiler und weniger wahrscheinlich von natürlichen und vom Menschen verursachten Gefahren bedroht sein. Und wenn solche Risiken eintreten wie beispielsweise im Fall der Coronavirus-Pandemie, dann werden die Investitionen in unsere Volkswirtschaften und in die Grundbedürfnisse der Menschen uns widerstandsfähiger machen. Anders gesagt können die SDGs zu einer Welt führen, in der Unternehmen erfolgreich sein können.

Zusammenfassung

Sie sollten jetzt umfassend verstehen, weshalb die SDGs eine Geschäftschance und nicht lediglich eine öffentlichkeitswirksame Aktion darstellen, in welchem Zusammenhang sie mit Impact Investing als Weg zur Erzielung eines messbaren Effekts und Ertrags stehen, und welche SDGs sich in Abhängigkeit von ihrer wahrgenommenen Investierbarkeit als beliebter erweisen.
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3. Bewertung der Beiträge von Unternehmen zu den SDGs

Wie wir gesehen haben, repräsentieren die SDGs hervorragende Geschäftschancen. Jedoch ist es wichtig zu wissen, welche Unternehmen imstande sind, zu diesen Zielen beizutragen, bevor man entscheidet, ob man in sie investiert.

In diesem Kapitel erfahren Sie:

  • Die Beiträge der Unternehmen können sich pro Sektor stark unterscheiden.
  • Das Nettoergebnis unter Einbeziehung negativer und positiver Beiträge ist entscheidend.
  • Drei Beispiele für die unterschiedlichen Methoden, wie Investoren diese Ziele messen.  

Beitrag zu den SDGs

Unternehmen können zur Erreichung der SDGs beitragen, indem sie Produkte herstellen oder Dienstleistungen erbringen, die bei der Erreichung eines oder mehrerer der 17 Ziele helfen. Außerdem können Unternehmen die SDGs fördern, indem sie diese in ihre Leitlinien integrieren. Einige Unternehmen werden ihrem Charakter nach stärker darauf eingestellt sein, einen Beitrag zu leisten. 

Beispielsweise leistet ein Unternehmen, das Solarstrom produziert, zweifellos einen Beitrag zu SDG 7 (bezahlbare und saubere Energie). Ein Unternehmen, das Bildungsmaterialien für Schulen herstellt, trägt direkt zu SDG 4 (hochwertige Bildung) bei, während ein Unternehmen, dass aktiv Frauen in Führungsrollen fördert, das Erreichen von SDG 5 (Gleichstellung der Geschlechter) unterstützt.

Negative Beiträge und Nettobeiträge

Einige Unternehmen wirken sich jedoch negativ auf die SDGs aus. In einigen Fällen dürfte dies offensichtlich sein, zum Beispiel bei Unternehmen, die schädliche Produkte wie etwa Zigaretten herstellen. Andere Unternehmen dagegen können sowohl positive als auch negative Beiträge leisten. In welche Kategorie fällt beispielsweise ein Energieversorger, der sowohl Strom aus Windkraft als auch aus Kohle produziert?

Treibhausgase

Noch größere Probleme ergeben sich bei Produkten oder Dienstleistungen, die die Erreichung der SDGs begünstigen aber gleichzeitig negative externe Effekte bewirken. Zum Beispiel wirkt sich der Abbau von Metallen, die zur Herstellung von Elektroautos oder Windturbinen benötigt werden, zugleich negativ auf Ökosysteme aus und geht mit der Emission von Treibhausgasen einher.

Wie Investoren Beiträge messen

Um diesen Problemen Rechnung zu tragen, haben Investoren diverse Systeme zum Vergleich positiver und negativer Effekte entwickelt. Mithilfe dieser Systeme werden anschließend Entscheidungen darüber getroffen, ob ein bestimmtes Unternehmen in ein Portfolio für Aktien oder Unternehmensanleihen aufgenommen werden soll oder nicht. Im folgenden Abschnitt werden drei dieser Systeme vorgestellt.

1. Die SDI Asset Owner Platform

Die niederländischen Pensionsfonds APG und PGGM verwalten ein Anlagevermögen von 750 Mrd. Euro für 8,7 Millionen Menschen. Sie haben sich zusammengetan, um einen gemeinsamen Ansatz zur Analyse von Beiträgen zu den SDGs zu entwickeln. Ihre Sustainable Development Investments (SDI) Asset Owner Platform ermöglicht institutionellen Anlegern eine Analyse, in welchem Umfang die Anlagen in ihrem Portfolio zu den SDGs beitragen.12

Die zugrundeliegenden Daten werden von Entis bezogen – einem Datenanalyse-Team, das APG im Jahr 2018 von Deloitte gekauft hat. Für komplexere Zahlenauswertungen wird Künstliche Intelligenz eingesetzt. Die Analyse basiert auf einer SDI-Taxonomie, die jedes SDG erläutert, und definiert, welche der jeweiligen Unterziele investierbar sind. Bis Ende 2018 hatte das Team von Entis ein Anlageuniversum von rund 10.000 börsennotierten Unternehmen analysiert. 

Anschließend misst das Team, in welchem Umfang die Aktivitäten eines Unternehmens zu den investierbaren Unterzielen beitragen. Dies geschieht anhand finanzieller oder operationeller Kennzahlen wie zum Beispiel dem Anteil des Umsatzes, der mit bestimmten SDG-freundlichen Aktivitäten erzielt wird. Zu den externen Kennzahlen gehört beispielsweise die Zahl der Menschen, die als Folge der Aktivitäten des Unternehmens Zugang zu Gesundheits- oder Finanzdienstleistungen haben. Das folgende Beispiel illustriert die Einschätzung der Plattform hinsichtlich der Investierbarkeit von SDG 14 (Leben unter Wasser).

Abbildung 5: Geschäftstätigkeiten, die sich für Beiträge zu SDG 14 eignen

Quelle: The SDI Asset Owner Platform

2. Das SDG Solutions Assessment

Die Institutional Shareholder Services Group (ISS) ist das weltgrößte Unternehmen für Proxy Advisory und bietet Investoren Services im Hinblick auf die Stimmrechtsausübung sowie Lösungen in den Bereichen Corporate Governance und verantwortungsbewusste Investments. Die Firma verfolgt einen etwas anderen Ansatz. Ihr SDG Solutions Assessment verwendet 15 eigene Nachhaltigkeitsziele, die weitgehend im Einklang mit den 17 SDGs stehen, aber unterschiedliche Schwerpunkte setzen. 

Ziele wie „Schonung von Wasserressourcen“, „Optimierung von Rohstoffen“ und „Wahrung des Friedens“ sind keine eigenständigen SDGs, auch wenn sie in einigen Unterzielen erscheinen. Andere Ziele wie „Gesundheitsfürsorge“, „Verringerung der Armut“ und „Abmilderung des Klimawandels“ sind direkter korreliert.13

Im Rahmen des SDG Solutions Assessment wird der Beitrag einer Produkt- oder Servicekategorie zu den 15 Nachhaltigkeitszielen ermittelt. Das geschieht anhand des jeweiligen Umsatzanteils mit dem Ziel „objektiver Scores“. Am Ende wird ein umfassender SDG Solutions Score bestimmt, der die markantesten objektiven Effekte eines Unternehmens berücksichtigt.

Der Score wird anschließend einer von fünf Kategorien zugeordnet: Erhebliches Hindernis (-10,0 bis -5,1); Begrenztes Hindernis (-5,0 bis -0,2); Kein Nettoeffekt (-0,1 bis 0,1); Begrenzter Beitrag (0,2-5,0) und Erheblicher Beitrag (5,1-10,0). Anhand der jeweiligen Ergebnisse kann ISS seine Kunden über die positiven oder negativen Beiträge ihrer Portfolios informieren. 

Abbildung 6: Die anvisierten Ziele können sich von den SDGs unterscheiden, stehen aber in Einklang damit

Quelle: The SDG Solutions Assessment

3. Das SDG Impact Framework

Robeco hat ein eigenes SDG Impact Framework entwickelt, das Researchergebnisse für maßgeschneiderte Anlagestrategien liefert und alle 17 SDGs abdeckt.

Abbildung 7: Hauseigenes SDG-Rahmenwerk umfasst einen dreistufigen Ansatz

Quelle: Robeco

Das Verfahren umfasst einen dreistufigen Prozess zur Bestimmung des Nachhaltigkeitsprofils von Unternehmen:

  • Schritt 1: Was bietet das Unternehmen an? Die Analysten bestimmen, ob die Produkte eines Unternehmens positiv oder negativ zu den relevanten SDGs beitragen. Dazu verwenden sie spezifische Key Performance Indicators und Schwellenwerte.  
  • Schritt 2: Wie operiert das Unternehmen? In diesem Schritt wird analysiert, auf welche Weise die Güter produziert bzw. Dienstleistungen erbracht werden und ob die Unternehmen mit ihrer Geschäftstätigkeit die Erreichung der SDGs unterstützen oder ob scheinbar gute Absichten mit negativen Seiten verbunden sind, beispielsweise schlechter Unternehmensführung. 
  • Schritt 3: Hat sich das Unternehmen falsch verhalten? Geprüft wird, ob ein Unternehmen in etwaige Kontroversen verwickelt war. Beispiele dafür sind Umweltverschmutzung oder der unangemessene Vertrieb von Dienstleistungen.

Anschließend werden Scores vergeben, die den Gesamteffekt eines Unternehmens beschreiben. Diese reichen von +3 (sehr positiv) bis -3 (sehr negativ). Anhand des Gesamt-Scores kann Robeco im Rahmen seiner Anlageprodukte mit Bezug zu den SDGs gezielt in die Unternehmen investieren, die die Erreichung der SDG unterstützen.

Das folgende animierte Video beschreibt diesen dreistufigen Prozess. Schauen Sie sich diesen kurzen Film an, um zu verstehen wie er funktioniert:

Quelle: Robeco

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt zu messen, ob Unternehmen positiv oder negativ zu einem oder mehreren der SDGs beitragen. Einige Modelle fokussieren sich darauf, welche Ziele investierbar sind, während andere eine Priorisierung von Zielen bevorzugen oder einen eher unternehmensspezifischen Ansatz verfolgen. Wie so vieles beim nachhaltigen Investieren ist es keine exakte Wissenschaft und es gibt keinen universell geeigneten Ansatz. Die Sache ist stattdessen komplex und weist viele unterschiedliche Facetten auf.
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4. SDG-Anlagelösungen

Sobald sich ein Anleger dazu entschlossen hat, zu den SDGs beizutragen, muss er ein geeignetes Anlageinstrument auswählen, das Aktien, Anleihen oder andere Finanzierungsformen nutzt.

In diesem Kapitel erfahren Sie mehr über:

  • SDG-Investments auf Grundlage von Aktien- und Anleihenstrategien
  • Traditionelle Impact-Investments, zum Beispiel im Bereich Erneuerbare Energien
  • Programme zum Unternehmensdialog und andere alternative Lösungen

Es gibt viele Möglichkeiten der Anlage in Unternehmen und Sektoren, die einen positiven Beitrag zu den SDGs leisten können. Dies kann typischerweise im Rahmen von Aktien- oder Credit-Strategien erfolgen, die exklusiv auf die SDGs abzielen, oder mittels stärker thematisch orientierten Strategien, die auf ein mit den SDGs verbundenes Thema ausgerichtet sind, zum Beispiel Erneuerbare Energien. 

Relativ wenige Asset Manager bieten Strategien an, die auf die SDGs abzielen. Jedoch ziehen mehr Anbieter mittlerweile die Auflage solcher Produkte in Betracht, da die Nachfrage nach solchen maßgeschneiderten Strategien rasch zunimmt. Dazu wählen sie Aktien oder Anleihen von Unternehmen aus, die nachweislich einen positiven Beitrag zur Erreichung eines oder mehrerer der 17 Ziele leisten. Wie in Kapitel 3 dargelegt wurde, gibt es verschiedene Möglichkeiten, solche Unternehmen zu identifizieren.

Anstatt einen gezielten SDG-Ansatz zu verfolgen, sind einige Impact-Fonds auf ein spezielles Thema ausgerichtet, beispielsweise die Verringerung der Verschmutzung mit Plastikabfällen. Anleger tragen dementsprechend zu den jeweiligen Zielen bei – in diesem Fall die SDGs 11, 12, 14 und 15. Die stellt eine stärker fokussierte Methode dar und weist daher eine abweichende Risiko/Rendite-Charakteristik auf als breiter angelegte Ansätze. 

Thematische Investments

Drei Beispiele von Anlagestrategien, die auf ein Thema anstelle eines speziellen SDG abzielen, finden sich bei zunehmend an Bedeutung gewinnenden Umweltschutzthemen: Erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft und „Green Bonds“:

Erneuerbare Energien

  • Investments im Bereich Erneuerbare Energien stellen eine eigenständige Anlageform dar, die Impact Investing und herkömmliches Sustainable Investing überspannt. Nachdem sie ursprünglich noch eine Nische darstellten, sind Solar-, Wind- und Wasserkraft ein wichtiges Element im internationalen Energiemix geworden. Auf sie entfielen im Jahr 2020 rund 28 % der globalen Stromerzeugung. Anlagen im Bereich Erneuerbare Energien erfolgen jedoch häufig indirekt über eher traditionelle Anlageformen.14

Kreislaufwirtschaft

  • Im Jahr 2020 wurden mehrere Investmentfonds aufgelegt, die auf das Thema Kreislaufwirtschaft ausgerichtet sind. Sie zielen auf die Ablösung des im Bereich von Produktion und Konsum bislang vorherrschenden Modells „Herstellen, Nutzen, Wegwerfen“ ab, dass sich auf kontinuierlichen Ressourcenverbrauch stützt. Dazu investieren solche Fonds in Unternehmen, die in folgenden Bereichen aktiv sind: Recycling, Wiederverwendung, Wiederaufarbeitung, Reparatur, Umgestaltung, Wiedergewinnung. Es gibt kein speziell auf die Kreislaufwirtschaft ausgerichtetes SDG, obwohl eine Verbindung mit SDG 12 (nachhaltige/r Konsum und Produktion) besteht.

Green Bonds

  • Bei Green Bonds handelt es sich um Anleihen, die ausschließlich der Finanzierung von Umweltprojekten dienen. Sie werden vorwiegend von Regierungen, Kommunen und nicht-staatlichen Organisationen ausgegeben. Um für die Kategorie „grün“ in Frage zu kommen, muss der Erlös aus einer Anleihe für Projekte mit klarem umweltbezogenen Nutzen verwendet werden, beispielsweise im Bereich Erneuerbare Energien oder Abfallwirtschaft. Der erste „Green Bond“ war der 2007 von der Europäischen Investitionsbank aufgelegte Climate Awareness Bond. Die Anlagegattung wird zunehmend etabliert; derzeit befinden sich „Green Bonds“ im Volumen von 700 Mrd. Euro in Umlauf.

Schattenseiten mit in Kauf nehmen

Nicht immer ist es notwendig, oder auch möglich, einen Investment zu tätigen, dass zu 100 % zu einem SDG beiträgt. Der Bereich Erneuerbare Energien ist ein gutes Beispiel. Zahlreiche Solar- und Windkraftanlagen werden von Energieunternehmen betrieben, darunter den großen Ölkonzernen, die damit eine Diversifikation gegenüber fossilen Brennstoffen erreichen wollen. Deshalb kaufen viele Anleger Aktien oder Anleihen von traditionellen Ölfirmen, um damit zu deren Übergang zu erneuerbaren Energiequellen beizutragen.

Häufig ist das eine Frage des Ausmaßes. Impact-orientierte Anleger betrachten zunehmend, welcher Anteil des Geschäfts eines traditionellen Unternehmens auf Erneuerbare Energien entfällt und akzeptieren, dass sein Kerngeschäft damit nicht kompatibel ist. Wenn die Aktivitäten im Bereich Erneuerbare Energien einen bestimmten Schwellenwert überschreiten, genügt dies einigen, um das Unternehmen als geeignet für nachhaltige Investments zu betrachten. Das Hauptproblem besteht darin sicherzustellen, dass Aktivitäten die einer nachhaltigen Entwicklung „erheblich schaden“ können, vermieden werden. 

Dialog mit Unternehmen

Dialog

Der Dialog mit Unternehmen kann ein wirksames Mittel sein, um deren ESG-Kennzahlen zu verbessern. Nicht alle Asset Manager verfügen über Active Ownership-Teams. Ein Kapitalanleger wird einen potentiellen Asset Manager im Vorfeld häufig danach fragen, ob er ein solches Team besitzt, das die Stimmrechtsausübung und einen Dialog mit den Unternehmen im Hinblick auf ihre Assets sicherstellt.

Noch mehr Einfluss lässt sich ausüben, wenn Anleger sich zusammenschließen. Im Mai 2020 wirkte Robeco gemeinsam mit der Anlegerinitiative Climate100+ darauf hin, dass in das Board des italienischen Energieunternehmens Enel ein ehemaliger Manager aus dem Bereich Windenergie gewählt wurde. Er soll dazu beitragen, dass Enel sich von fossilen Brennstoffen wegbewegt und auf Erneuerbare Energien ausrichtet, damit das Unternehmen bis 2050 CO2-neutral wird.

Traditionelles Impact Investing

Die SDGs haben bei Impact Investments das Spektrum von traditionellen und meist privaten Anlagevehikels wie zum Beispiel Mikrofinanz-Fonds oder Erneuerbare Energien-Projekte hin zu börsennotierten Aktien und Credits erweitert. Der direkte Effekt einer Anlage im Bereich Mikrofinanz, wo Kredite an einkommensschwache Menschen in Schwellenländern vergeben werden, oder im Bereich Erneuerbare Energien ist wesentlich größer als der direkte Effekt eines Investments in Aktien oder Credits. 

Man könnte argumentieren, dass die Investition in eine Aktie oder einer Anleihe nicht wirklich zusätzliche Mittel für spezifische Impact-Projekte bereitstellt, also keinen Zusatzeffekt bewirkt. Auf der anderen Seite sind Liquidität und Skalierbarkeit bei Investments in börsennotierten Instrumenten größer. In diesem Segment lassen sich größere Beträge investieren, und wenn ein Unternehmen sich auch nur etwas stärker auf Nachhaltigkeit ausrichtet, kann dies ebenfalls einen sehr großen direkten Effekt haben.

Kurz gesagt bieten unterschiedliche Instrumente unterschiedliche Chancen, aber auch Herausforderungen im Hinblick auf die Erzielung eines Effekts. Es ist Sache der Investoren zu prüfen, welche Anlagestrategie und welche Kombination von Vehikeln bei Einhaltung der treuhänderischen Pflichten gegenüber den Kunden am effektivsten zu den SDGs beiträgt. 

Zusammenfassung

Sie sollten nun die unterschiedlichen Anlagevehikel kennen, die im Hinblick auf die SDGs verfügbar sind. Einige Strategien zielen auf Aktien und Anleihen von Unternehmen ab, die zu einem oder mehreren der SDGs beitragen. Andere verfolgen sektorbezogene Themen wie zum Beispiel Erneuerbare Energien und Kreislaufwirtschaft oder subtilere Ansätze wie „Green Bonds“ und den Dialog mit Unternehmen. Und dann gibt es noch das traditionelle Investieren in reale Projekte. Insgesamt geht es bei Impact Investing um die richtige Balance zwischen dem Bewirken eines Effekts und der Erzielung von Rendite, sodass der Effekt auf lange Sicht aufrechterhalten werden kann.

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5. Wie misst man den Impact hinsichtlich der SDGs?

Wir wissen nun, wie man feststellt, ob Unternehmen positiv oder negativ zu den SDGs beitragen. Doch die konkrete Messung des Effekts ihrer Geschäftsaktivitäten beim Endanleger kann weit schwieriger sein. Die Messung des Impact ist deshalb wichtig, weil Anleger damit wissen, dass ihr Geld tatsächlich etwas Positives bewirkt.

In diesem Kapitel erfahren Sie:

  • Wie die UN Fortschritte bei den SDGs misst (mit unterschiedlichen Ergebnissen).
  • Wie Impact aus dem Blickwinkel einer „Theorie des Wandels“ verstanden werden kann.
  • Auf welche unterschiedliche Weise Anleger den Impact messen.

Welche Fortschritte machen die Länder? Bericht der UN zu den Fortschritten

Ungleichheit, Ökosysteme, Klimawandel

Die UN sammelt statistische Daten ihrer Mitgliedstaaten, um Fortschritte bei der Erreichung jedes der 17 SDGs zu verfolgen. Fünf Jahre nach Publikation der Ziele zeichnen die Daten ein düsteres Bild: Die Ungleichheit nimmt zu, der Hunger breitet sich aus, die Ökosysteme werden in nie dagewesenen Tempo geschädigt und der Klimawandel unterminiert die gesamte SDG-Agenda.15

Ungeachtet dieser Trends hat es auch positive Entwicklungen gegeben, darunter folgende:

  • Der Anteil der Frauen, die in Parlamente gewählt wurden, ist von 19 % auf 24 % gestiegen.
  • 17,5 % des gesamten Endenergieverbrauchs stammen mittlerweile aus erneuerbaren Energien.
  • Die globalen Investitionen in Forschung und Entwicklung haben sich auf zwei Billionen US-Dollar verdreifacht.
  • Fast 100 Länder fördern nachhaltigen Konsum. 
  • Der Anteil der Meeresoberfläche, der gesetzlichem Schutz unterliegt, hat sich auf 17 % mehr als verdoppelt

Meeresoberfläche

Die Tatsache, dass die Länder nur so langsame Fortschritte bei der Erreichung der SDGs machen, ist für Anleger und Unternehmen ein Anlass, zur Beschleunigung der Entwicklung beizutragen. Dazu ist die Impact-Messung von zentraler Bedeutung.

Impact-Messung in der Theorie

Gehen wir einen Schritt zurück und betrachten, welchen Effekt Unternehmen auf die Welt ausüben. Die untenstehende Grafik liefert eine hilfreiche Systematik für das Verständnis der Kette, über die Unternehmen einen Impact bewirken. Im Bereich der Forschung und Entwicklung wird dies als „Theorie des Wandels“ bezeichnet.

Abbildung 8: Wie nach der „Theorie des Wandels“ aus Inputs letztlich Impacts werden

Quelle: Robeco

Betrachten wir als Beispiel ein Pharmaunternehmen. Die von ihm verwendeten Inputs und seine Aktivitäten führen dazu, dass es Medizin als Output produziert. Diese Outputs können dem Volumen nach quantifiziert und nach der Art der Krankheit, die sie heilen sollen, klassifiziert werden. Sie kommen Menschen zugute, die auf Medizin angewiesen sind, was sich in Ergebnissen niederschlägt. Diese sind anhand der Zahl der Menschen messbar, deren Lebensqualität sich erhöht. Im Zeitverlauf wird sich die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen in einer Gesellschaft verbessern und so den erwünschten Impact bewirken.

Diese Systematik lässt die Komplexität bei der Impact-Messung erkennen. Zwar sind Inputs, Aktivitäten und Outputs relativ leicht zu quantifizieren, da sie sich in der Kontrolle des Unternehmens befinden. Jedoch sind die Ergebnisse und die längerfristigen Impacts weit schwieriger einzuschätzen, da sie sich innerhalb der Gesellschaft niederschlagen.

Zur Impact-Messung sind unterschiedliche Methoden verfügbar. Dazu gehören robuste „randomisierte Kontrollstudien“, die einen mit dem Nobelpreis ausgezeichneten experimentellen Ansatz verfolgen, der die Auswirkungen einer Intervention auf eine Gemeinschaft beispielsweise in Form von Mikrofinanzierungen im Vergleich zu solchen ohne Intervention untersucht, sowie ökonomische Modellierungen, Umfragen und Fallstudien.16

Indikatoren

Professor Karen Maas, akademische Leiterin des Impact Centre der Erasmus Universität Rotterdam, erläutert, dass ein guter Ausgangspunkt darin besteht, entscheidende Indikatoren auszuwählen und diese im Zeitverlauf zu beobachten. Auf Grundlage des Messwerts der Indikatoren können Investoren im nächsten Schritt „ihr Kapital arbeiten lassen und tatsächlich bei der Lösung von Problemen helfen.”17

Impact-Indikatoren für Anleger

Das Investment Impact Framework, welches von der Investors Leaders Group des Cambridge Institute for Sustainability Leadership entwickelt wurde, hat Impact-Indikatoren ermittelt, deren Wert von Vertretern der Investmentbranche gemessen werden kann.18

Zunächst wurden die 17 SDGs auf sechs Themen verteilt. Anschließend wurden „ideale Kennzahlen“ sowie „praktikable Kennzahlen“ ermittelt, die für einen repräsentativen Ausschnitt der Unternehmen im Anlageuniversum verfügbar sind, beispielsweise über Datenlieferanten wie Bloomberg. Das Ergebnis ist in der untenstehende Grafik zu sehen, die die Impact-Indikatoren wiedergibt. Dabei wurden unterschiedliche Farben verwendet, um die Auswirkungen der Investition von 1 Mio. US-Dollar gegenüber der Benchmark zu illustrieren.

Abbildung 9: Investment Impact Framework

Quelle: The Investment Impact Framework
Dabei handelt es sich um ein pragmatisches System, das unmittelbar verwendet werden kann, da die „praktikablen Indikatoren“ bereits verfügbar sind. Wichtig ist jedoch die Feststellung, dass diese praktikablen Indikatoren recht rudimentär sind und dass das zugehörige Unternehmens-Reporting verbessert werden muss. Dennoch ist es erforderlich, bei der Messung des Effekts weiterzugehen, den Anleger im Hinblick auf die Lebensumstände der Menschen auf der ganzen Welt bewirken. Einige Investoren haben sich dieser Herausforderung gestellt.

Impact-Messung

Elektroautos

Elektroautos besitzen andere Bauteile als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, nicht zuletzt im Hinblick auf die Batterie. Diese benötigt neben anderen in industriellem Stil gewonnenen Mineralien Cadmium und Lithium. Transformative Materialien eröffnen auch Chancen in den Bereichen Laser, 3D-Druck und modernes Recycling – außerdem biologisch abbaubare Kunststoffe und sogar Teile für den menschlichen Körper.

Biologisch abbaubar

Die im Smart Materials-Fonds enthaltenen Unternehmen haben einen positiven Effekt bewirkt, indem sie im Jahr 2019 5.481 Tonnen an Rohstoffen rezykliert haben – was dem jährlichen Verbrauch von 26.058 Menschen entspricht. Gleichzeitig wurden 32.060 Tonnen Abfall vermieden – diese Menge wird normalerweise von 65.780 Menschen produziert. Und die Firmen, die im Bereich Energieeinsparung tätig sind, haben die Emission von 465.095 Tonnen CO2 vermieden – das entspricht der Außerbetriebnahme von 326.065 nicht-elektrischen Autos.19

Abbildung 10: Impact der Unternehmen in der RobecoSAM Smart Materials-Strategie

Quelle: Robeco

Hinweis: Zusätzliche Investitionen in den Fonds führen nicht unbedingt zu zusätzlichen oder verbesserten Wirkungen.
Die Metriken stammen aus dem Impact Report 2019. Quelle: Robeco

1. 2017 average CO2 emissions EU 118.5 g/km; 2015 annual distance driven by car EU 12.009 km; in t CO2-eq;1,423 (source:www.eea.europa.eu;www.odyssee-mure.eu)
2. 2014 Recycling rate EU 43.6% 487kg *43.6%=0.21 tonners waste recycled per capita (source www.ec.europa.eu/eurostat).
3. 2017 EU:487 kg = 0.487 tonners waste generated per capita; in tonners; 0.487 (source: www.ec.europa.eu/eurostat).

Zusammenfassung

Insgesamt kann man erkennen, wie wichtig die Impact-Messung ist, auch wenn einige der seit 2015 ermittelten Resultate enttäuschend ausgefallen sind (siehe UN-Report zu den erzielten Fortschritten). Auch wenn die Impact-Messung sich als schwierig erweisen kann, können Anleger auf unterschiedliche Methoden und Systematiken zurückgreifen. Und nur indem wir messen, worauf es ankommt, kann es uns gelingen, positive Effekte im Hinblick auf die SDGs zu verstärken.

15. https://unstats.un.org/sdgs/report/2019/The-Sustainable-Development-Goals-Report-2019.pdf
16. Vgl. bspw. A. Banerjee, E. Duflo, R. Glennerster und C. Kinnan, 2015. „The miracle of microfinance? Evidence from a randomized evaluation”. American Economic Journal: Applied Economics, 7(1), S. 22-53.
17. Die vollständige Kolumne von Karen Maas ist im SIX Magazine zu finden; siehe: https://www.robeco.com/en/insights/2020/03/new-sustainable-investing-expertise-disguised-as-a-glossy-magazine.html
18. Investment Leaders Group (2020). “In search of impact. Measuring the full value of capital”. Cambridge, UK: Cambridge Institute for Sustainability Leadership.
19. Die Zahlen beziehen sich auf durchschnittliche CO2 -Emissionen im Jahr 2017 von 118,5 g/km; durchschnittliche Fahrleistung pro Auto im Jahr 2015 von 12.009 km; Tonnen CO2-äquivalente: 1,423 (Quelle: www.eea.europa.eu;www.odyssee-mure.eu); Recycling-Quote 2014 (EU): 43,6 %, 487 kg x 43,6 %= 0,21 Tonnen Abfall pro Kopf rezykliert (Quelle: www.ec.europa.eu/eurostat); 2017 EU: 487 kg = 0,487 Tonnen erzeugter Abfall pro Kopf; in Tonnen: 0,487 (Quelle: www.ec.europa.eu/eurostat). Die Grafik zeigt die Ergebnisse für die Positionen zum 30. Juni 2019.

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6. Fallstudien

Die Umsetzung von Idealen in die Praxis steht im Mittelpunkt bei Sustainable und Impact Investing. Die einzelnen Anleger haben unterschiedliche Motive, was den erhofften Erfolg ihres Kapitaleinsatzes angeht.

In diesem Kapitel erfahren Sie:

  • Wie Impact Investing bisher unterversorgte Gemeinden unterstützt.
  • Wie Themen wie zum Beispiel bessere Bildung ebenfalls Erträge abwerfen können.
  • Höhere Nahrungsmittelstandards ein Beispiel für die Macht des Dialogs sind.

Es gibt viele unterschiedliche Gründe dafür, Beiträge zu den SDGs zu leisten. Allerdings sollten alle professionellen Investoren das Ziel haben, einen positiven Effekt neben der finanziellen Rendite zu bewirken. Da sich nachhaltige Geldanlage im Lauf der Jahre weiterentwickelt hat, gibt es mittlerweile vielleicht so viele Möglichkeiten der Umsetzung, wie es SDGs gibt. Hier sind einige davon:

Angebote für unterversorgte Menschen

Wir betrachten zunächst das Beispiel eines spezialisierten Impact-Investors, Vital Capital. Sein vorrangiges Ziel besteht darin, in die sich schnell entwickelnden Märkte in Subsahara-Afrika zu investieren, um das Wohlergehen von bisher unterversorgten Gemeinschaften zu verbessern und gleichzeitig risikoangepasste Renditen zu erzielen. Zu diesem Zweck investiert er hauptsächlich in städtische Gemeinden, Landwirtschaft, Gesundheit, Energie, Wasser und Bildung.

Als spezialisierter Impact-Investor ist es elementar, den Effekt von Anlagen genau messen und dokumentieren zu können. Durch enge Zusammenarbeit mit den Kapitalnehmern erhält Vital Capital relativ gute Einblicke in die Ergebnisse und Auswirkungen seiner Investments.

Beispielsweise ermöglichten seine Anlagen im Jahr 2019 die Behandlung von 440.000 m3 Abwasser, die Verarbeitung von 50.000 l frischer Milch pro Tag und die Bereitstellung von 15.000 bezahlbaren Wohneinheiten für einkommensschwache Familien. Die Erfolge des Unternehmens sind der untenstehenden Grafik zu entnehmen:20

Abbildung 11: Impact der Investments von Vital Capital

Quelle: Vital Capital

Verbesserte Bildung

Verbesserte Bildung wird mitunter außerhalb des Bereichs gesehen, in dem eine Rendite zu erzielen ist. Doch mit dem richtigen Ansatz ist das durchaus möglich. LGT Impact Ventures ist ein Private Equity Impact-Investor, der marktgerechte Renditen anstrebt und gleichzeitig messbare positive Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Umwelt erzielen will. Das Unternehmen hat mehr als 80 Mio. US-Dollar in skalierbare Geschäftsmodelle investiert, die den Zugang zu Services und Produkten in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Landwirtschaft verbessern. Im Jahr 2015 erreichten seine Investments 3,8 Millionen benachteiligte Menschen.

Eine der Institutionen, in die LGT investiert hat, Bridge International Academies (BIA), betreibt öffentliche Grundschulen auf privater Basis und bietet damit kostengünstige Betreuung von Schülern in Subsahara-Ländern und Indien an. Mit monatlichen Kosten von 5 US-Dollar pro Kind bietet das Unternehmen eine nachhaltige Lösung für einen verbesserten Zugang zu Bildung. Die Qualität der Schulen wird regelmäßig durch Analyse der Daten zum Fortschritt der Schüler sichergestellt.

Mit dem Ziel „Wissen für alle“ plant BIA bis 2025 die Schulausbildung von 10 Millionen Kindern in einem Dutzend Ländern und trägt damit direkt zu SDG 4 (hochwertige Bildung) bei.

Grüner Wandel

Unternehmen, die bislang nicht nachhaltige Aktivitäten verfolgten können ein „Erweckungserlebnis“ haben und in Bereichen wachsen, die direkt den SDGs zugutekommen. Das dänische Energieunternehmen Ørsted hieß früher Dong Energy und war ein bedeutender Akteur im Bereich Öl- und Gasexploration. Doch im Jahr 2017 hat es sich umorientiert, indem es seine Aktivitäten im Öl- und Gassektor veräußerte und sich als führender Anbieter im Bereich Erneuerbare Energien neu erfand.

Green Bonds

Dazu emittierte Ørsted einen Green Bond im Volumen von 750 Mio. Euro und eine 500 Mio. Euro umfassende „grüne“ Hybridanleihe, die bei den Investoren sehr gute Aufnahme fand. Ørsted wird die Erlöse dazu einsetzen, bis 2025 bei der Installation von Windkraftwerken mit einer Kapazität von bis zu 12 Gigawatt zu helfen und den Einsatz von Kohle durch eine nachhaltigere Alternative – Biomasse – zu ersetzen. Durch den Kauf dieses Green Bonds ermöglichen Anleger die Finanzierung der Energiewende und tragen zur Abmilderung des Klimawandels bei (SDG 7 und 13). 

Die Anleihe wurde 2018 im Rahmen der Environmental Finance Green Bond Awards als Gewinner ausgewählt. Sie stellt ein Finanzierungsinstrument dar, das Ørsted dabei unterstützt, sein ehrgeiziges Ziel einer Verringerung von CO2-Emissionen aus der Erzeugung von Strom und Wärme um 95 % bis 2023 zu erreichen. Solche Unternehmen finden sich typischerweise in börsennotierten SDG-Strategien zusammen mit maßgeschneiderten „Green Bonds“-Fonds.21

Bessere Lebensmittelstandards

Ein positiver Effekt kann indirekt durch Dialog mit Unternehmen bewirkt werden, beispielsweise im Hinblick auf bessere Lebensmittelstandards. Die Verbesserung der Lebensmittelsicherheit in Schwellenländern war 2018 ein Thema von Robeco für den Unternehmensdialog, der sich auf die Rolle von Unternehmen aus den Bereichen Agrochemie, Saatgut und Dünger fokussierte. Die Produkte und Dienstleistungen dieser Unternehmen können prinzipiell sehr gut auf SDG 2 (kein Hunger) ausgerichtet werden, da sie Landwirte in Regionen mit unsicherer Lebensmittelversorgung dabei unterstützen können, die Lücke bei den Ernten zu schließen, die zu Lebensmittelknappheit führt.

Die Basis dafür lieferten spezifischere Bemühungen im Jahr 2017, als Robeco an einer Kampagne der Researchgruppe Farm Animal Investment Risk (FAIRR) teilnahm. Ziel war es, die Menge von Antibiotika in der Landwirtschaft zu reduzieren. Der übermäßige Einsatz von diesen Antibiotika zwecks Erhöhung der Fleischmengen aus Viehhaltung erhöht die Resistenz von Bakterien ihnen gegenüber, was eine Gefahr für den Menschen darstellt.

Vireninfektionen bei Nutzvieh haben sich als erhebliches Hindernis bei der Erreichung von SDG 2 erwiesen und gehen mit unmittelbarer negativen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit einher. Lange vor Aufkommen des Coronavirus fielen im Jahr 2009 rund 150.000 Menschen der erstmals bei Schweinen entdeckten „Schweinegrippe“ (H1N1) zum Opfer. Das Virus war gegenüber existierenden Impfstoffen immun geworden und verbreitete sich rapide, bevor die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Pandemie ausrief.

Zusammenfassung

Zusammengenommen sollten diese Fallstudien Ihnen ein gutes Verständnis davon vermitteln, wie Anlagen mit Ausrichtung auf die SDGs in der Praxis funktionieren. Dabei reicht die Bandbreite von der Verbesserung der Lebensumstände von Menschen im Subsahara-Raum über den Ersatz fossiler Brennstoffe durch Erneuerbare Energien bis hin zum Dialog mit Unternehmen hinsichtlich höherer Lebensmittelstandards. Green Bonds können als Finanzierungsinstrument erhebliche positive Effekte bewirken und gleichzeitig für ihre Anleger ausgezeichnete Renditen abwerfen.

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7. Zusammenfassung

Im Folgenden wollen wir unser Wissen über die Sustainable Development Goals und darauf ausgerichtete Anlagen zusammenfassen. Dieses abschließende Kapitel beleuchtet nochmals die wichtigsten Punkte aus den vorangegangenen sechs Kapiteln.

  1. Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 Ziele, die auf Verbesserungen in Bezug auf die menschliche Gesellschaft, ökologische Nachhaltigkeit und Lebensqualität ausgerichtet sind. Sie wurden im Jahr 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet. Sie treten die Nachfolge der acht Millennium Development Goals an und sollen bis 2030 erreicht sein. Die SDGs decken eine große Bandbreite von Nachhaltigkeitsthemen ab, von der Beseitigung des Hungers und des Kampfes gegen den Klimawandel bis hin zur Förderung verantwortungsbewussten Konsums und einer nachhaltigeren Gestaltung der Städte. Sie sind auf große Unterstützung seitens Unternehmen und Investoren gestoßen, wenngleich noch eine beträchtliche Finanzierungslücke besteht. 

  2. Die SDGs beinhalten erhebliche Geschäftschancen und sind für Investoren relevant, da Unternehmen Güter produzieren und Dienstleistungen erstellen, die zur Erreichung der SDGs beitragen können. Bislang ist das Interesse der Investoren bezüglich der 17 SDGs unterschiedlich ausgeprägt. So bevorzugen manche Ziele, die sich auf die Entwicklung der Infrastruktur fokussieren, wo leichter Erträge zu erzielen sind. Impact Investing – mit beabsichtigtem, messbaren Effekt neben dem finanziellen Ertrag – kann dabei helfen, sich auf mehr SDGs auszurichten. 

  3. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten zu analysieren, inwieweit Unternehmen positiv oder negativ zu einem oder mehreren der SDGs beitragen. Einige Modelle fokussieren sich darauf, welche Ziele investierbar sind, während andere eine Priorisierung von Zielen bevorzugen oder einen eher unternehmensspezifischen Ansatz verfolgen. Wie so oft bei nachhaltiger Geldanlage handelt es sich nicht um eine exakte Wissenschaft und es gibt keinen universell geeigneten Ansatz. Vielmehr gibt es unterschiedliche Facetten. Daher ist es wichtig zu verstehen, welche Annahmen und Kennzahlen in den unterschiedlichen Modellen verwendet werden. 

  4. Es gibt viele Möglichkeiten der Investition in Unternehmen und Sektoren, die einen positiven Beitrag zu den SDGs leisten können. Dies kann durch Aktien- oder Credit-Strategien erfolgen, die auf die SDGs ausgerichtet sind, oder durch eher thematisch orientierte Strategien, die auf ein zugehöriges Thema abzielen, beispielsweise Erneuerbare Energien. Außerdem gibt es die Möglichkeit traditioneller Investments in reale Projekte. Insgesamt geht es bei Impact Investing um die richtige Balance zwischen dem Bewirken eines Effekts und der Erzielung von Rendite, sodass der Effekt auf lange Sicht aufrechterhalten werden kann.  

  5. Wichtig ist die Messung des Impacts. Einige der seit 2015 erzielten Ergebnisse sind auf der Länderebene durchwachsen ausgefallen, wie der Bericht der UN zu den entsprechenden Fortschritten zeigt. Investoren können viele Effekte direkt durch Beobachtung von Indikatoren im Zeitverlauf messen, so zum Beispiel die Zahl der Menschen, die ernährt werden, oder die Menge an CO2, die vermieden wurde. Aktuell befinden sich die Theorien zur Impact-Messung, sowie zugehörige Datensysteme und Rahmenwerke noch in der Entwicklung. Sie werden dabei helfen zu ermitteln, welche Fortschritte wir tatsächlich bei der Erreichung der SDGs machen. 

  6. Vier Fallstudien zeigen, wie Investoren auf unterschiedliche Weise auf die SDGs abzielen: von der Verbesserung der Lebensverhältnisse in der Subsahara-Region über den Ersatz von fossilen Brennstoffen durch Erneuerbare Energien bis hin zum Dialog mit Unternehmen zur Verbesserung von Lebensmittelstandards. Einige Anleger sind auf Impact Investing spezialisiert, während andere auf eher indirekte Weise positive Effekte bewirken. „Green Bonds“ können ein wichtiges Finanzierungsinstrument sein und gleichzeitig Erträge für die Anleger abwerfen. 
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Worin besteht der Hauptunterschied zwischen den MDGs und den SDGs?

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Wie hoch ist die geschätzte Finanzierungslücke zur Erreichung der Ziele?

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Weshalb stellen die SDGs eine Chance für Anleger dar?

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Welche sind die drei Komponenten von Impact Investing?

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Bei der Beurteilung des Beitrags eines Unternehmens zu den SDGs sollte man folgendes berücksichtigen:

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Was streben die SDGs im Hinblick auf Umweltverschmutzung durch Plastik an?

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Zu den Möglichkeiten der Investition mit Ausrichtung auf die SDGs gehören folgende:

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Nach Angaben der UN sind unter anderem folgende Erfolge im Hinblick auf die SDGs zu verzeichnen:

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Die Messung des Impacts von Beiträgen zu den SDGs kann aus dem folgenden Grund schwierig sein:

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Zu realen Beispielen dafür, wie Impact Investing etwas Positives bewirkt hat, gehört:

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Welcher ist der vorrangige Zweck der Sustainable Development Goals?
Geld zu sammeln, um es armen Menschen in Schwellenländern zu geben
Eine Agenda zur Erreichung einer besseren und nachhaltigeren Zukunft für alle Menschen
Ein Mittel zur Bekämpfung der globalen Erwärmung und des Klimawandels
Geld zu sammeln, um es armen Menschen in Schwellenländern zu geben
Eine Agenda zur Erreichung einer besseren und nachhaltigeren Zukunft für alle Menschen
Ein Mittel zur Bekämpfung der globalen Erwärmung und des Klimawandels
2
Was macht es schwierig, die Fortschritte der SDGs zu verfolgen?
Daten aus den Emerging Markets sind stets unzuverlässig
Die Vielfalt von Indikatoren, die nicht routinemäßig erhoben werden
Es gibt nicht genug Messgrößen für die 17 SDGs
Daten aus den Emerging Markets sind stets unzuverlässig
Die Vielfalt von Indikatoren, die nicht routinemäßig erhoben werden
Es gibt nicht genug Messgrößen für die 17 SDGs
3
Worin besteht der Hauptunterschied zwischen den MDGs und den SDGs?
Die SDGs sind wesentlich umfassender und gelten für alle Länder
Die MDGs waren 12 Ziele, bei den SDGs sind es 17
Die MDGs bezogen sich nur auf Armut und Hunger
Die SDGs sind wesentlich umfassender und gelten für alle Länder
Die MDGs waren 12 Ziele, bei den SDGs sind es 17
Die MDGs bezogen sich nur auf Armut und Hunger
4
Wie hoch ist die geschätzte Finanzierungslücke zur Erreichung der Ziele?
2,5 bis 3 Billionen US-Dollar
5 bis 7 Billionen US-Dollar
5 bis 7,5 Billionen US-Dollar
2,5 bis 3 Billionen US-Dollar
5 bis 7 Billionen US-Dollar
5 bis 7,5 Billionen US-Dollar
5
Weshalb stellen die SDGs eine Chance für Anleger dar?
Es handelt sich um gesellschaftlich nützliche Projekte, die auch einen finanziellen Ertrag bieten
Sie erlauben es Anlegern, gute Publicity zu bekommen
Sie halten die Regulierungsbehörden davon ab, die übrigen Anlagen von Investoren zu kritisieren
Es handelt sich um gesellschaftlich nützliche Projekte, die auch einen finanziellen Ertrag bieten
Sie erlauben es Anlegern, gute Publicity zu bekommen
Sie halten die Regulierungsbehörden davon ab, die übrigen Anlagen von Investoren zu kritisieren
6
Welche sind die drei Komponenten von Impact Investing?
Ein Schwellenland, Intentionalität, finanzieller Ertrag
Intentionalität, Linderung des Hungers, Messbarkeit
Intentionalität, finanzieller Ertrag, Messbarkeit
Ein Schwellenland, Intentionalität, finanzieller Ertrag
Intentionalität, Linderung des Hungers, Messbarkeit
Intentionalität, finanzieller Ertrag, Messbarkeit
7
Bei der Beurteilung des Beitrags eines Unternehmens zu den SDGs sollte man folgendes berücksichtigen:
Sowohl positive als auch negative Beiträge
Nur die positiven Beiträge in Schwellenländern
Nur die negativen Beiträge von „Sin Stocks“
Sowohl positive als auch negative Beiträge
Nur die positiven Beiträge in Schwellenländern
Nur die negativen Beiträge von „Sin Stocks“
8
Was streben die SDGs im Hinblick auf Umweltverschmutzung durch Plastik an?
Gar nichts, da es kein spezifisches Ziel dafür gibt
Das Problem wird indirekt durch mehrere der Ziele abgedeckt
Es wird nur durch das Ziel des Schutzes der Weltmeere abgedeckt
Gar nichts, da es kein spezifisches Ziel dafür gibt
Das Problem wird indirekt durch mehrere der Ziele abgedeckt
Es wird nur durch das Ziel des Schutzes der Weltmeere abgedeckt
9
Zu den Möglichkeiten der Investition mit Ausrichtung auf die SDGs gehören folgende:
Ausrichtung auf Erneuerbare Energien und Kreislaufwirtschaft
Ausrichtung auf Erneuerbare Energien und wohltätige Stiftungen
Ausrichtung auf Erneuerbare Energien und Schwellenländer
Ausrichtung auf Erneuerbare Energien und Kreislaufwirtschaft
Ausrichtung auf Erneuerbare Energien und wohltätige Stiftungen
Ausrichtung auf Erneuerbare Energien und Schwellenländer
10
Nach Angaben der UN sind unter anderem folgende Erfolge im Hinblick auf die SDGs zu verzeichnen:
Der Anteil der Frauen, die in Parlamente gewählt wurden, ist von 29 % auf 42 % gestiegen.
17,5 % des gesamten Endenergieverbrauchs stammen mittlerweile aus erneuerbaren Energien
55 % aller Kriege, die vor Publikation der SDGs im Jahr 2015 begannen, sind mittlerweile beendet
Der Anteil der Frauen, die in Parlamente gewählt wurden, ist von 29 % auf 42 % gestiegen.
17,5 % des gesamten Endenergieverbrauchs stammen mittlerweile aus erneuerbaren Energien
55 % aller Kriege, die vor Publikation der SDGs im Jahr 2015 begannen, sind mittlerweile beendet
11
Die Messung des Impacts von Beiträgen zu den SDGs kann aus dem folgenden Grund schwierig sein:
In Schwellenländern gibt es nicht genügend Messgrößen
Die Daten müssen von der Regierung jedes Landes freigegeben werden
Die Datenerhebung befindet sich erst im Anfangsstadium
In Schwellenländern gibt es nicht genügend Messgrößen
Die Daten müssen von der Regierung jedes Landes freigegeben werden
Die Datenerhebung befindet sich erst im Anfangsstadium
12
Zu realen Beispielen dafür, wie Impact Investing etwas Positives bewirkt hat, gehört:
Unterstützung unterversorgter Gemeinden in Subsahara-Staaten
Ausgabe von „Green Bonds“, um das Einkommensniveau im brasilianischen Amazonasgebiet zu erhöhen
Erhöhung des Einsatzes von Antibiotika in der Landwirtschaft
Unterstützung unterversorgter Gemeinden in Subsahara-Staaten
Ausgabe von „Green Bonds“, um das Einkommensniveau im brasilianischen Amazonasgebiet zu erhöhen
Erhöhung des Einsatzes von Antibiotika in der Landwirtschaft