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Veränderungen bei Autoherstellern bewirken

Veränderungen bei Autoherstellern bewirken

09-11-2020 | Einblicke
Bei Autoherstellern ist ein Jahrzehnte dauernder Wandel eingeleitet worden, der Anlegern zeigen wird, wer die Gewinner und Verlierer sind.
  • Carola van Lamoen
    Carola
    van Lamoen
    Head of Sustainable Investing
  • Cristina Cedillo Torres
    Cristina
    Cedillo Torres
    Engagement Specialist

In aller Kürze

  • Robeco beendet drei Jahre aktiver Einflussnahme bei neun Autoherstellern
  • Gewisse Erfolge bei der Abkehr von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren
  • Probleme bestehen weiterhin in Bezug auf sicherheitsbedingte Rückrufe und Zielsetzungen für die Emissionsreduzierung

Die größten Autohersteller der Welt haben den Übergang zu Elektroautos eingeleitet und berücksichtigen gemeinschaftlich genutzte Transportsysteme stärker, sagt Cristina Cedillo Torres, Spezialistin für aktive Einflussnahme bei Robeco.

Noch vor wenigen Jahren galt dies als undenkbar, was zum Teil an den immensen Kosten der dafür notwendigen Umrüstung von Autofabriken lag. Allerdings gibt es immer noch gewisse Widerstände gegen Veränderungen, weshalb es für Anleger unerlässlich ist, den Druck aufrechtzuerhalten, um eine weitere Reduzierung von CO2-Emissionen zu erreichen, betont Cedillo Torres.

Robeco beendet ein dreijähriges Programm der aktiven Einflussnahme bei neun Autoherstellern, von denen sechs ausreichend Fortschritte gemacht haben, um den Dialog mit ihnen erfolgreich abzuschließen. Laut Cedillo Torres haben drei weitere noch Arbeit vor sich, was den Abschied vom Verbrennungsmotor und sicherheitsbedingte Rückrufe angeht.

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Anerkennung ehrgeiziger Ziele

„Als wir 2017 begannen, aktiv Einfluss zu nehmen, zog kein Autohersteller die Vorstellung von emissionsfreiem Transport ernsthaft in Betracht“, blickt Cedillo Torres zurück. „Doch nur drei Jahre später wird dieses ehrgeizige langfristige Ziel in der Industrie auf breiter Basis anerkannt.“

„Die von der Politik festgelegten ehrgeizigen Emissionsziele für Fahrzeugflotten in der EU und China waren und sind ein entscheidender Antriebsfaktor für Veränderungen in der Autoindustrie. In letzter Zeit wird der Status quo durch den Vormarsch erfolgreicher Elektroautos neuer Marktteilnehmer in Frage gestellt. Gleichzeitig werden bei etablierten Herstellern allmählich Mängel sichtbar, was technische Innovation angeht.“

„Autohersteller müssen grundlegende Fragen zu den zukünftig von ihnen angebotenen Produkten beantworten. Das gilt vor allem für die Frage, wie schnell sie vom Verbrennungsmotor auf alternative Antriebe wie Elektromotoren umstellen können, weil wegen des Klimawandels emissionsfreie Fahrzeugflotten gefordert werden.“

Die Ziele von Paris erreichen

Das Programm für aktive Einflussnahme ist Teil breiter angelegter Anstrengungen des Active Ownership-Teams von Robeco, Unternehmen, in die wir investieren, zu ermutigen, die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen. Dieses Abkommen strebt eine Begrenzung der Erderwärmung bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf maximal 2°C und idealerweise 1,5°C im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter an. Um dies zu erreichen, muss die Welt bis 2050 CO2-neutral werden.

Im Rahmen der Initiative Climate Action 100+, einer 2017 gegründeten Vereinigung internationaler Investoren, hat Robeco auf neun Autohersteller aktiv Einfluss genommen – einzeln und zusammen. Im Fokus dieser Initiative stehen die 161 globalen Unternehmen mit den höchsten Treibhausgasemissionen. Sie stammen vor allem aus der Energie-, Bergbau-, Versorgungs- und Autoindustrie.

Als Koordinator der Institutional Investor Group on Climate Change (IIGCC) für die Automobilindustrie hat Robeco zudem bei der Prioritätensetzung für eine aktive Einflussnahme eine wichtige Rolle gespielt.

Langfristige Zielsetzungen

„In unserem Dialog mit den Autoherstellern hat sich gezeigt, dass diese allmählich mit bedeutenden langfristigen Zielsetzungen reagieren, um bis 2050 klimaneutral zu werden“, sagt Cedillo Torres. „Alle Unternehmen, auf die wir aktiv Einfluss genommen haben, haben sich Ziele für die Emissionsreduzierung oder Elektrifizierung ihrer Fahrzeugflotten gesteckt.“

„Beispiel hierfür sind zwei Unternehmen der Vergleichsgruppe mit ehrgeizigen Zielen, die in einem Fall laut der Science Based Target Initiative (SBTI) mit einem 1,5-Grad-Szenario in Einklang stehen.“

„Ein drittes Unternehmen hat sich ein mittelfristiges Ziel (bis 2030) für die Emissionsreduzierung gesetzt, das von der SBTI bestätigt wurde. Außerdem gab es zu der Zeit, als wir unsere aktive Einflussnahme beendeten, in diesem Unternehmen Überlegungen, ein langfristiges Ziel festzulegen. Ein viertes Unternehmen ist im Begriff, mit einem weiteren Autohersteller zu fusionieren, um den Übergang zu autonomer und vernetzter Elektromobilität besser bewältigen zu können.“

„Wir fühlen uns dadurch ermutigt, dass die Industrie die Notwendigkeit einer Dekarbonisierung ihrer Produkte anerkennt. Allerdings ist uns auch bewusst, dass dieser Wandel mehrere Jahrzehnte dauern wird und wir erst am Beginn eines langen und unsicheren Weges hin zu klimaneutraler Mobilität stehen.“

Mängel bei der Fahrzeugsicherheit

Abgesehen von der Dekarbonisierung durch schrittweise Abkehr von Benzin- und Dieselmotoren gab es in den letzten Jahren Probleme bei der Fahrzeugsicherheit und mehrere Rückrufe wegen fehlerhafter Komponenten.

„Die steigenden Kosten aufgrund mehrerer Sicherheitsmängel in den letzten zehn Jahren lassen an den Anstrengungen der Industrie zur Sicherung höchster Produktqualität Zweifel aufkommen“, meint Cedillo Torres. „Auch wenn jedes Unternehmen in puncto Produktqualität seinen eigenen Ansatz verfolgt, haben wir durch unsere aktive Einflussnahme bestimmte, für unsere Beurteilung maßgebliche Merkmale festgestellt.“

„Dazu gehören die Unternehmensführung und die Überwachung der Produktqualität mittels Verknüpfung von Anreizsystemen für Führungskräfte und andere Mitarbeiter mit der Produktqualität, und die Einbindung von Zulieferern. Außerdem zeigen Daten zu Rückrufen, dass diese zunehmend durch den Ausfall elektrischer Bauteile infolge physischer Mängel, durch fehlerhafte Betriebssystemsoftware, mangelnde Software-Integration und -Fehlerbehebung verursacht werden.“

„Da Fahrzeuge zunehmend autonom und vernetzt werden, muss die Industrie ihr Produktqualitätsmanagement für diese Komponenten verbessern. Durch unsere Gespräche und anhand öffentlich zugänglicher Informationen haben wir festgestellt, dass fünf Unternehmen über ein angemessenes Qualitätsmanagement verfügen. Wegen mangelnder Transparenz gibt es aber immer noch viele Unbekannte. Wir sehen erheblichen Verbesserungsbedarf, was die diesbezügliche Informationspolitik der Autohersteller betrifft.“

Gewinner und Verlierer

Für Anleger geht es letztlich darum, wem es im Zuge eines jahrzehntelangen Wandels gelingen wird, erfolgreiche Produkte auf den Markt zu bringen“, resümiert Cedillo Torres. Unternehmen, die sich nicht jetzt auf den Übergang zu einer emissionsarmen Fahrzeugflotte vorbereiten, sind im Hinblick auf die Energiewende größeren Risiken ausgesetzt.

„Wir befinden uns in einer sehr frühen Phase des langen Übergangs zu klimaneutralem Transport“, sagt Cedillo Torres. „Für die Autoindustrie bestehen dabei viele Unsicherheiten.“

„Klar ist allerdings, dass es neue Gewinner und Verlierer geben wird. Und vielleicht erleben wir gerade das Ende der Automobilindustrie in ihrer uns vertrauten Form. Die Autohersteller haben inzwischen zweifellos erkannt, dass sie ihr Produktangebot zügig auf emissionsfreie Fahrzeuge umstellen müssen.“

„Die Einhaltung der von der Politik vorgegebenen Emissionsziele und die Sicherung der Produktqualität sind auch in den nächsten Jahren wichtig. Um sich das Vertrauen der Anleger zu erhalten, müssen die Autohersteller zeitnah strategische Entscheidungen treffen und für Transparenz über ihr weiteres Vorgehen sorgen.“

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