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Eine einfache Formel für quantitatives Investieren

Eine einfache Formel für quantitatives Investieren

09-05-2018 | Research

Quantitative Anlagen sollten leicht zu verstehen sein. In einem kürzlich erschienenen Research-Papier1 erklären Pim van Vliet und David Blitz, wie man mit einer einfachen Anlageformel auf Basis von drei Variablen („Conservative Formula“) auf lange Sicht den Markt deutlich übertreffen kann. Bedeutet das, dass alle Anleger ihre eigenen Low Volatility-Strategien kreieren sollten? Nicht zwangsläufig.

  • Pim  van Vliet, PhD
    Pim
    van Vliet, PhD
    Head of Conservative Equities and Quant Allocation
  • Quantitatives Investieren lässt sich verständlich erläutern
  • Die Umsetzung ist nach wie vor eine Herausforderung
  • Einfache Quant-Strategien sind oft nicht optimal

Wie kam es zu der Idee für das Research-Papier? Was war dabei Ihr Ziel?

„Letztes Jahr habe ich zusammen mit meinem Kollegen Jan de Koning2 ein Buch über Low Risk-Investing geschrieben, in dem wir eine einfache Anlageformel auf Basis von drei Variablen vorgestellt haben: Volatilität, Ausschüttungsrendite und Aktienkurs-Momentum. Dieses Buch ist für ein breites Publikum gedacht und präsentiert die wesentlichen Ergebnisse auf sehr eingängige Weise.“

„In der Zwischenzeit sah ich allerdings die Notwendigkeit, die Robustheit der Formel eingehender zu untersuchen, d.h. zu prüfen, ob sie alle Hürden nimmt und bei gründlicher akademischer Forschung übliche Tests besteht. Genau darum geht es in unserem Forschungspapier. Es ist gewissermaßen als Nachtrag zu unserem Buch anzusehen; es soll allerdings auch diejenigen neugierig machen, die es noch nicht gelesen haben. Tatsächlich hat sich das Papier großer Beliebtheit erfreut, seitdem wir es letzten Monat im SSRN3 publiziert haben.”

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Bedeutet das, dass Low Volatility-Investing letztlich etwas ist, was man selbst anhand einer einfachen Tabelle machen kann?

„Grundsätzlich betrachtet kann man das tatsächlich sehr einfach selbst tun. Wenn man sich allerdings mit der ganzen Forschungsliteratur und den Debatten rund um faktorbasierte Anlagen auseinandersetzt, könnte man zum Schluss kommen: „Puuh, jetzt weiß ich nicht, wo mir der Kopf steht.“ Daher ist unser Ziel, die Dinge aufs Wesentliche zu vereinfachen: drei wesentliche Elemente, die zu einem positiven Exposure gegenüber gründlich untersuchten Faktorprämien führen.”

Wie lässt sich diese Darstellung mit Ihrer Rolle als professioneller Portfoliomanager vereinbaren?

„Ich sage oft, dass wir quantitative Strategien auch an nicht quantitativ orientierte Anleger verkaufen sollten. Robeco ist ein hochangesehener quantitativer Assetmanager, doch der Markt für quantitative Investments ist weiterhin eine Nische. Wenn man also als professioneller Assetmanager auf einfache und eingängige Weise erklären kann, worum es bei quantitativen Investments geht, und wenn die Leute es verstehen, kann man einen weit größeren Markt abdecken. Einige Anleger mögen sich dann dafür entscheiden, selbst tätig zu werden, doch die weit überwiegende Mehrheit wird dies nicht tun.“

„Der Grund ist der, dass der Teufel im Detail steckt. Entscheidend ist nämlich die tatsächliche Umsetzung quantitativer Strategien, die erhebliche Ressourcen erfordern kann. So muss man überlegen, wie man seine Positionen in der Praxis umsetzt, wie oft man sein Portfolio rebalanciert, wie man die Umsatzhäufigkeit möglichst gering hält, wie man mit Mittelzu- und -abflüssen sowie mit Transaktionskosten umgeht.“

„Wir verraten also kein Betriebsgeheimnis, wenn wir diese einfache Investmentformel erläutern. Wir stellen lediglich drei der Variablen vor, die wir in unseren Modellen berücksichtigen, und zeigen die Leistungsfähigkeit einer Kombination dieser drei Elemente. Dabei machen wir potentiellen Kunden auch deutlich, dass sie eine solche Strategie selbst umsetzen könnten, wenn sie wollen.“

„Das ist sehr wichtig, da unsere potentiellen Kunden diesen Grad an Verständnis mitbringen sollten. Wir wollen sichergehen, dass sie unsere Vorgehensweise und unsere Anlagephilosophie verstehen. Es soll ihnen aber auch klar werden, dass die richtige Umsetzung entscheidend ist und dass es Umsetzungsaspekte gibt, die sie an Robeco delegieren können.“

“Letztlich ist es unser Ziel, für eine stärkere Verbreitung quantitativer Investments – insbesondere faktorbasierter defensiver Anlagen – zu sorgen. Wir wollen einem möglichst breiten Adressatenkreis zeigen, dass diese empirisch getestete Anlagemethode leicht zu verstehen ist und das Robeco wissenschaftliche Erkenntnisse in transparente und verlässliche Lösungen zu überführen vermag. Unser Research-Papier und das zugehörige Buch sind lediglich ein weiteres Medium zur Verbreitung dieser Botschaft.“

Gut. Aber gehen Sie nicht das Risiko ein, eine zu einfache Botschaft zu transportieren und Anleger zu veranlassen, sich gängigen kostengünstigen „Smart Beta“-Produkten zuzuwenden?

„Ich glaube nicht. Wie gesagt steckt der Teufel im Detail: die richtige Umsetzung und Ausführung sind nach wie vor entscheidend. Etliche empirische Studien, darunter einige des Robeco-Teams für quantitatives Research , zeigen, dass simple Low Volatility-Strategien, wie sie häufig über kostengünstige ETFs angeboten werden, nicht zum gleichen Anlageerfolg führen wie komplexere Strategien, z.B. Conservative Equities von Robeco.“

„Beispielsweise besteht eine der gängigen Schwachstellen bei Low Volatility-ETFs darin, dass sie zu transparent sind, da sie meist auf allgemein zugänglichen Indizes basieren. So wissen alle Marktteilnehmer vorab, welche Transaktionen ausgeführt werden, und einige Investoren können dies ausnutzen. Wer einmal die Schwachstellen gängiger Formen des Low Volatility Investings erkannt hat, wendet sich zwangsläufig aktiven Assetmanagern wie Robeco zu, die eine Antwort auf diese Probleme haben.“

„Dabei sind unser Research-Papier und das Buch nicht als Werbematerial für Robeco-Produkte gedacht, sondern als Teil unserer allgemeinen Bemühungen zur Wissensverbreitung. Dies versuchen wir auf sehr ausgewogene Weise zu tun. So geben wir dem Leser einen Überblick der unterschiedlichen Optionen, die zur Auswahl stehen, vom „Do it yourself“-Ansatz bis hin zu anspruchsvollen aktiv gemanagten Fonds. Für mich ist das ein Ausdruck von Stärke: wir sind uns unserer Position am Markt für quantitative Strategien sehr bewusst.“

1 P. van Vliet und D. Blitz, The Conservative Formula: Quantitative Investing Made Easy, Sommer 2018.

2 P. van Vliet und J. de Koning, High Returns from Low Risk, Wiley, Dezember 2016.

3 Das Social Science Research Network (SSRN) ist eine Online-Plattform, die der Verbreitung akademischer Forschungsergebnisse dient.

4 Siehe beispielsweise: D. Blitz, ‘Factor Investing with Smart Beta Indices’, 2016

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