
Physische Klimarisiken verändern Preise von Vermögenswerten und Anlagestrategien
Laut dem Robeco Global Climate Investing Survey 2026 gewinnt der Klimawandel für Anleger an Bedeutung, da physische Risiken die Preise von Vermögenswerten voraussichtlich bereits kurzfristig direkt beeinflussen werden.
Zusammenfassung
- Zwei Drittel der Anleger erwarten Auswirkungen physischer Klimarisiken auf die Preise von Vermögenswerten
- Befragte erwarten diese Auswirkungen bereits innerhalb der nächsten fünf Jahre
- Fast die Hälfte sieht Renditechancen durch Anpassungs- und Resilienzlösungen
Die zunehmend zerstörerischen Folgen der globalen Erwärmung – wie die Waldbrände, die diesen Sommer zur Evakuierung einer Viertelmillion Menschen in Europa führten, und extreme Hitzewellen, die Industrie und Arbeitsproduktivität belasten – stehen für Anleger nun im Fokus. Dies zeigte sich in einer der auffälligsten Antworten der sechsten jährlichen Umfrage von Robeco unter 300 Finanzunternehmen der Anlagebranche.
Physische Risiken werden entweder als akut eingestuft, wie weltweit regelmäßig auftretende Stürme, Dürren, Waldbrände und Fluten, oder als chronisch, wie steigende Meeresspiegel, tauender Permafrost, Ozeanversauerung und sinkende Ernteerträge, die langfristig erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen haben können.
Finanzielle Folgen sind bereits spürbar: durch Milliardenschäden bei Versicherungen für Wetterschäden, den Entzug von Versicherungsschutz in bestimmten Märkten wie dem Wohnungsbau in Florida, Kalifornien und Louisiana sowie teure Störungen der kritischen Infrastruktur, wie etwa bei Bahnlinien durch extreme Hitze oder Kälte.
„Physische Klimarisiken sind nicht mehr nur ein langfristiges Nachhaltigkeitsthema“, sagt Lucian Peppelenbos, Climate and Biodiversity Strategist bei Robeco. „Anleger rechnen zunehmend damit, dass sie sich innerhalb üblicher Anlagehorizonte auf Bewertungen, die Kapitalallokation und die Wertpapierauswahl auswirken.“
In der Umfrage 2026 gaben 66 % der Anleger an, dass sie in den nächsten fünf Jahren moderate bis erhebliche Auswirkungen physischer Klimarisiken auf die Preise von Vermögenswerten erwarten. Über einen Zeitraum von zehn Jahren sind es 82 %, über 20 Jahre 87 %.

Quelle: Robeco Global Climate Investing Survey 2026.
Regional erwarten Anleger aus Europa und Asien-Pazifik eher Auswirkungen physischer Risiken auf Preise für Vermögenswerte und Anlageaktivitäten als Anleger in Nordamerika.
Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Frage, inwieweit Anleger Auswirkungen physischer Klimarisiken auf die Anlageaktivitäten ihres Unternehmens erwarten. Rund 64 % rechnen mit erheblichen oder moderaten Auswirkungen auf das Risikobudget, und 63 % erwarten Auswirkungen auf die strategische Vermögensallokation. Es hat zudem für die Mehrheit (über 50 %) der Befragten Auswirkungen auf die taktische Vermögensallokation, Kapitalmarktannahmen, die Auswahl von Managern sowie die Aktienauswahl.

Quelle: Robeco Global Climate Investing Survey 2026.
Die schiere Existenz physischer Risiken ist ein Hauptgrund dafür, dass 47 % der Anleger die Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele des Übereinkommens von Paris – die Erderwärmung auf unter 2 °C zu begrenzen – für unzureichend halten. Nur 19 % glauben noch an eine geordnete Emissionssenkung, um Netto-Null-Ziele bis 2050 zu erreichen.
Smart Energy D EUR
- performance ytd (30-9)
- 32,51%
- Performance 3y (30-9)
- 23,58%
- morningstar (30-9)
- SFDR (30-9)
- Article 9
- Ertragsverwendung (30-9)
- No
Dennoch besteht weiterhin Interesse der Anleger an potenziellen Klimalösungen über zwei Hauptwege: Anpassung und Resilienz einerseits sowie Klimaschutz und Emissionsminderung andererseits. Methoden zur Anpassung an den Klimawandel und Resilienz reichen vom Wiederaufbau des Küstenschutzes über die Anschaffung von zusätzlicher Ausrüstung für Brandbekämpfung oder Hochwasserschutz bis hin zur Umsiedlung von Küstenbevölkerung ins Landesinnere. Beim Klimaschutz stehen vor allem bestehende Lösungen im Mittelpunkt, allen voran erneuerbare Energien.

Quelle: Robeco Global Climate Investing Survey 2026.
Beide Ansätze werden hinsichtlich ihrer Attraktivität ähnlich bewertet. Fast die Hälfte (47 %) der Anleger weltweit bewertet die potenziellen risikobereinigten Renditen von Anpassungs- und Resilienzlösungen über die nächsten 3–5 Jahre als „sehr oder ziemlich attraktiv“, während 44 % dasselbe über Klimaschutzlösungen und -technologien sagen.
In Europa – das 2026 schwere Waldbrände in Spanien, Frankreich und Griechenland erlebte – ist das Interesse an Anpassungs- und Resilienzlösungen verständlicherweise höher: 55 % halten sie für attraktiv, auch wenn dies unter den 58 % des Vorjahres liegt. In Asien-Pazifik interessieren sich nur 46 % und in Nordamerika nur 40 % der Anleger für diesen Ansatz.
„Die Chancen gehen über Unternehmen hinaus, die Anpassungslösungen anbieten“, kommentiert Peppelenbos. „Anleger müssen auch beurteilen, welche Unternehmen ihre Vermögenswerte, Lieferketten und Cashflows schützen können, wenn physische Gefahren zunehmen. Dies verlagert die Anlagefrage von der bloßen Ermittlung von Lösungsanbietern hin zur Bewertung, welche Unternehmen sich in eine Führungsposition für Resilienz entwickeln.“
Aktuelle Einblicke zum Thema Nachhaltigkeit
Ein attraktives Wachstumsthema
Über die Hälfte der Anleger weltweit (55 %) stimmt zu, dass Anpassung an den Klimawandel und Resilienz in den nächsten 3–5 Jahren zu einem zunehmend attraktiven Wachstumsthema für Aktienanlagen werden. Am häufigsten sind Anleger derzeit in Wassermanagementsysteme (41 %), Impfstoffe oder Medikamente gegen neue Krankheiten (40 %), klimaresiliente Energietechnologien und -systeme (39 %) sowie klimaresiliente Infrastruktur und Transportlösungen (38 %) investiert.
Allerdings sind nur 21 % der Ansicht, dass es genügend börsennotierte Unternehmen im Anlageuniversum gibt, die Anpassungs- und Resilienzlösungen anbieten, um ihr Engagement in diesem Thema an den öffentlichen Märkten ausweiten zu können. Zudem besteht Unsicherheit darüber, ob Unternehmen mit Anpassungslösungen wettbewerbsfähige risikobereinigte Renditen erzielen können. Der Anteil der Anleger, die dies als Hindernis nennen, sank jedoch von 58 % im Jahr 2025 auf 39 %.

Quelle: Robeco Global Climate Investing Survey 2026.
Emissionssenkung bleibt wichtig
Derweil bleibt die Unterstützung für Klimaschutzstrategien weitgehend unverändert. Über die Hälfte der Anleger (59 %) glaubt, dass die Nachfrage nach erneuerbaren Energien oder emissionsarmen Technologien trotz politischem Gegenwind und Abstrichen bei den Netto-Null-Zielen stark bleibt.
Etwas mehr als ein Drittel plant, in den nächsten zwei Jahren verstärkt in erneuerbare Energien, die Modernisierung des Stromnetzes und Batterietechnologien zu investieren, obwohl politische Unsicherheit von 45 % der globalen und 48 % der europäischen Anleger als große Hürde genannt wird. Elektrofahrzeuge hängen von staatlichen Vorgaben zum Verbrennerausstieg ab, während die Netzmodernisierung staatliche Unterstützung für den Infrastrukturaufbau benötigt.
Ein selektiveres Spektrum an Möglichkeiten
Bei anderen Klimaschutzlösungen planen 37 % der europäischen Anleger, in den nächsten zwei Jahren mehr in nachhaltige Immobilien zu investieren, während 38 % in Asien-Pazifik ihr Engagement in CO₂-Abscheidung und -Speicherung erhöhen wollen.
„Klimaschutz bleibt investierbar, aber das Spektrum an Möglichkeiten wird selektiver“, so Peppelenbos. „Die Nachfrage nach erneuerbaren Energien, Stromnetzen und Speichern wird durch starke Treiber und strukturellen Bedarf gestützt. Bei anderen Klimaschutzlösungen macht die politische Unsicherheit eine gezielte Auswahl und strikte Prüfung immer wichtiger für Anlageerfolge.“
„Für Anleger deutet die Umfrage auf eine breitere Klimaagenda hin, bei der physische Risikobewertung, Unternehmensresilienz sowie eine selektive Auswahl von Klimaschutz- und Anpassungslösungen zunehmend gemeinsam betrachtet werden müssen.“























