Einblick

Wie Schwellenländer von der Energiewende profitieren

Energiespeicherung entwickelt sich zu einem entscheidenden Wegbereiter für die Energiewende und bietet Unternehmen in Schwellenländern mehr neue Chancen.

Autoren/Autorinnen

    Sector Lead
    Portfolio Manager

Zusammenfassung

  1. Energiespeicherung wird wesentliches Glied in der Energiewertschöpfungskette
  2. Wertpotenzial und Gewinne verlagern sich im Speicherökosystem immer mehr auf Premiumdienste
  3. Schwellenländer sind gut aufgestellt, um bei Energiewende und Energiespeicherung vom Wachstum zu profitieren

Erneuerbare Energien sind nicht reibungslos

Der globale Energiesektor durchläuft derzeit seine bedeutendste strukturelle Neuausrichtung seit der zweiten industriellen Revolution, wodurch eine völlig neue Wertschöpfungskette im Rahmen der Energiewende entsteht. Während der Anteil erneuerbarer Energien weiter zunimmt, wird ihre Fähigkeit, genügend Energie zur Deckung des wachsenden Strombedarfs bereitzustellen, durch technologische Probleme sowie verzögerte Genehmigungen und Schwierigkeiten bei der Netzintegration behindert. Die Variabilität (bzw. die unregelmäßige Verfügbarkeit) von erneuerbaren Energien ist wahrscheinlich ihr bekanntester Nachteil.

Andererseits hat sich auch die zu hohe Preisvolatilität als problematisch für den Energiesektor erwiesen. Das Angebot an erneuerbaren Energien ist tagsüber, wenn der Bedarf geringer ist, in der Regel hoch, und niedrig, wenn der Bedarf hoch ist (z. B. am frühen Abend). Außerdem führen solche Ungleichgewichte bei Angebot und Nachfrage zu extremen Preisschwankungen, die weder Versorger noch Verbraucher wünschen. Überschüsse aus erneuerbaren Energien können zudem zu einer Überlastung der Netzspannung, zu Netzinstabilität und zur Gefahr eines vollständigen Netzausfalls führen. Um schädliche Spannungsspitzen zu vermeiden, müssen erneuerbare Energien vollständig abgeschaltet werden (Abregelung), was zu Einnahmeausfällen, einer geringeren Auslastung kostspieliger Anlagen und einer geringeren Kapitalrendite für Netzbetreiber führt.

Instabile Stromnetze und Politik

Probleme im Zusammenhang mit unregelmäßiger Verfügbarkeit und Instabilität verschmelzen nun mit makroökonomischen Fragen. Zölle, Störungen in der Versorgungskette und regionale Konflikte haben sich auf die Energieinfrastruktur ausgewirkt – sie haben den Zugang zu Energieressourcen eingeschränkt, die Inflation angeheizt und das Wirtschaftswachstum weltweit gefährdet, insbesondere in Öl und Gas importierenden Schwellenländern und in der EU.

Um die Energieabhängigkeit zu verkleinern und die Widerstandsfähigkeit zu stärken, räumen Regierungen Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien in den heimischen Stromnetzen Vorrang ein und setzen sich für die Dienstleistungen lokaler Anbieter (anstelle günstigerer Importe aus China) ein.

Unausgereifte politische Institutionen und alternde Stromnetze, die der steigenden Nachfrage nach Netzanbindungen nicht gewachsen sind, führen ebenfalls zu Engpässen. Ein Großteil der bestehenden Übertragungs- und Verteilungsinfrastruktur wurde vor Jahrzehnten für die zentralisierte Stromerzeugung aus Kohle- oder Gaskraftwerken für die Verbraucher errichtet. Die Anbindung von sauberen Technologien an alte Infrastruktur ist schwierig und kostspielig, wodurch in Schwellen- und Industrieländern Genehmigungen nur verzögert erteilt werden. Schwellenländer werden mit zusätzlichen Finanzierungsbelastungen konfrontiert und verfügen nicht über klare regulatorische bzw. institutionelle Genehmigungsverfahren.

Der zu deckende Strombedarf steigt und verkompliziert die Lage zusätzlich, was vor allem auf die Elektrifizierung und den Ausbau von KI-Rechenzentren zurückzuführen ist. Hyperscaler sind besonders hungrige Energieverbraucher, deren Bedarf nicht auf Netzausbauten oder mehrjährige Genehmigungsverfahren warten kann. Deshalb setzen viele Länder und Unternehmen (in Schwellen- und Industrieländern) auf stationäre Energiespeicher als kostengünstige, schnelle und effiziente Alternative.

Batteriespeicher – Lösung für vielfältige Herausforderungen

Die Energiespeicherung bietet Lösungen für einige der größten Herausforderungen der Energiewende. Da Speichersysteme überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien aufnehmen, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt, und ihn in Zeiten der Knappheit wieder abgeben, verringern sie direkt die Einspeisebeschränkungen und gleichen Schwankungen bei den Strompreisen aus, wodurch sich die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und die Netzstabilität verbessern. Die Energiespeicherung bietet zudem eine Übergangslösung für Genehmigungsprobleme und bauliche Einschränkungen. Strategisch eingesetzte Batterien können Netzengpässe entschärfen, lokale Kapazitäten bereitstellen und mehrjährige Ausbaumaßnahmen an den Übertragungsnetzen aufschieben, die sowohl in Industrieländern als auch in Schwellenländern durch komplexe Genehmigungsverfahren verzögert werden. So fungieren Speicher als flexible und schnell einsetzbare Ergänzung zur herkömmlichen Netzinfrastruktur.

Gleichzeitig spielt die Speicherung bei der Bewältigung des Energiebedarfs von Hyperscalern und KI-gestützten Anwendungen eine entscheidende Rolle. Rechenzentren benötigen innerhalb kurzer Zeit große Mengen an zuverlässigem, unterbrechungsfreiem Strom, den instabile Stromnetze immer häufiger nicht mehr bereitstellen können. Durch dezentrale Speichersysteme werden die Stromerzeugung vor Ort, das Spitzenlastmanagement und die Versorgungssicherheit im Rahmen von Modellen für „Eigene Stromversorgung mitbringen“ ermöglicht, sodass die digitale Infrastruktur trotz Netzengpässen weiter ausgebaut werden kann.

Abbildung 1 – Speicherlösungen florieren in Schwellen- und Industrieländern

Quelle: BloombergNEF, Oktober 2025 1

Emerging Markets Climate Transition Equities D EUR

performance ytd (30-4)
19.41%
SFDR (30-4)
Article 8
Ertragsverwendung (30-4)
No
Aktueller Preis (2-6)
162.17
Inception date (30-4)
Fonds ansehen
Frühere Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.Annualisiert (für Zeiträume, die länger als ein Jahr sind). Die Performance-Zahlen sind abzüglich Gebühren und basieren auf den Transaktionspreisen.

Unterschätzte Chancen

Trotz ihrer wachsenden Bedeutung haben sich die Aktienmärkte bislang vor allem auf die Herstellung von Batteriezellen konzentriert – den sichtbarsten, aber auch am stärksten standardisierten Bereich der stationären Speichertechnik. China hat die groß angelegte Produktion von grüner Technologie perfektioniert, wodurch Preise gesunken sind und die Verbreitung zugenommen hat. Daraus haben sich aber auch Überkapazitäten und sinkende Margen entlang der gesamten Energie- und Batterie-Wertschöpfungskette ergeben.

Wertpotenzial und Gewinne verlagern sich in margenstärkere, stärker differenzierte Segmente des Energieökosystems. Dazu zählt Leistungselektronik, die dabei hilft, Spannungen aus verschiedenen Quellen (wie Batterien und erneuerbaren Energien) umzuwandeln und so Spannungsspitzen und -einbrüche sowie Stromausfälle zu verhindern. Wärmemanagementsysteme, die als Thermostate und Kühlsysteme fungieren und verhindern, dass Stromnetze überhitzen und dadurch Explosionen, Brände und Stromausfälle auslösen, sind ein weiterer Bereich mit hohen Gewinnspannen. Beide sind besonders wichtig für den enorm gestiegenen Energiebedarf der Rechenzentren von Hyperscalern. Auch fortschrittliche Batteriemanagementsysteme, die den Zustand der Batteriezellen überwachen, die Leistung optimieren und die mögliche Nutzungsdauer der Anlagen verlängern, sind Dienste, für die hohe Preise verlangt werden. Es handelt sich um attraktive Chancen, die von den Märkten noch relativ wenig beachtet und unterschätzt werden.

Chancen in Schwellenländern entdecken

Für Anleger, die langfristige Anlagen mit echter Diversifikation anstreben, ist ein Engagement in Schwellenländern enorm wichtig.

Emerging markets investing

Warum Schwellenländer für die Entwicklung von Speicherkapazitäten entscheidend sind

Unternehmen aus Schwellenländern nehmen in der gesamten Energiewertschöpfungskette eine führende Stellung ein, darunter im Abbau von für Batterien kritischen Mineralien, in der Herstellung elektrischer Ausrüstung, in der Leistungselektronik, bei Halbleitern und zunehmend auch bei Energiemanagementsoftware. Zudem streben viele Unternehmen aus Schwellenländern in den vor- und nachgelagerten Segmenten aktiv eine vertikale Integration an, um Kostenvorteile, lokale Netzwerke und eine schnellere Umsetzung zu bewirken. Stationäre Energiespeicher stellen eine logische Weiterentwicklung dieser Stärken dar – sowohl im Inland als auch weltweit.

Durch die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen sind viele Länder anfällig, weshalb erneuerbare Energien in Verbindung mit Speicherkapazitäten die sicherste langfristige Lösung für die Energiesicherheit darstellen. Deshalb begünstigen staatliche Maßnahmen und Finanzierungsrahmen zunehmend einheimische Anbieter von Energie- und Netzinfrastruktur und bieten Beschaffungsprogramme, Kapazitätsauktionen, Anreize für den Einsatz lokaler Produkte sowie Finanzierungen an, um das Wachstum lokaler Marktführer zu fördern.

Von der Erkenntnis zur Investition

Um die Chancen in der Energiespeicherung und der allgemeinen Klimawende in den Schwellenländern zu nutzen, ist es notwendig, über die üblichen Unternehmen in Schwellenländern hinauszublicken, um bisher unentdeckte Wertpotenziale zu erschließen. Dazu ist fundierte Expertise in Schwellenländern, Technologien für die Energiewende und komplexe Wertschöpfungsketten der Energiespeicherung erforderlich. Die Strategie Emerging Markets Climate Transition (EMCT) von Robeco vereint diese Breite und Tiefe und stützt sich dabei auf das große, regional breit aufgestellte Anlage- und Research-Team von Robeco sowie auf jahrzehntelange Erfahrung in Schwellenländern, Nachhaltigkeit und Klimawende. Mit dieser Plattform kann die Strategie sich in den vielfältigen regulatorischen Rahmenbedingungen der Schwellenländer zurechtfinden, Trends und attraktive Unternehmen ermitteln sowie die finanzielle Relevanz von ESG-Themen bewerten, die in Schwellenländern oft besonders ausgeprägt sind.

Abbildung 2 – EMCT-Strategie – attraktives Engagement entlang der Wertschöpfungskette für Energiespeicherung

Die dargestellten Unternehmen dienen nur zur Veranschaulichung der Anlagestrategie zum angegebenen Datum. Die Unternehmen sind nicht notwendigerweise Teil der Strategie, und ihre künftige Integration ist nicht garantiert. Es handelt sich hierbei weder um eine Kauf-, Verkaufs- oder Halteempfehlung, noch soll ein Rückschluss auf die zukünftige Entwicklung dieser Unternehmen gezogen werden. Quelle: Robeco, März 2026.

Fußnote

1BloombergNEF, Global energy storage boom: Three things to know. Oktober 2025. Weltweite jährliche Zuwächse bei Speichern (brutto). Pumpspeicherkraftwerke ausgenommen. Der Begriff „Puffer“ bezieht sich auf Speicherkapazitäten, die nicht explizit einer Region zugewiesen sind.

Welche Möglichkeiten bestehen in Schwellenländern?

In unserem Newsletter erfahren Sie mehr über Anlagemöglichkeiten in den Schwellenländern.

Mehr erfahren