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Metalle - alles andere als rostig

Metalle - alles andere als rostig

07-05-2021 | Monatsausblick
Die Rohstoffpreise können aufgrund einer Reihe von Faktoren weiter steigen. Das sagt Strategieexperte Peter van der Welle.
  • Peter van der Welle
    Peter
    van der Welle
    Strategist Global Macro team

In aller Kürze

  • Multiasset-Portfolio bleibt angesichts Preisanstiegs von 35 % in Rohstoffen übergewichtet
  • Makrofaktoren, Momentum, Bewertungen und Stimmung begünstigen die Assetklasse
  • „Grüne Investments“ liefern positive Impulse, doch könnte Gegenwind aus China kommen

Die Assetklasse hat in den letzten zwölf Monaten um 35 % zugelegt (in Euro). Dies rechtfertigt die übergewichtete Position in Rohstoffen, die Robeco in seinem Multi Asset-Portfolio seinerzeit eingegangen war. 

An dieser Übergewichtung wird festgehalten. Dafür spricht eine Kombination positiver Faktoren für Rohstoffe, während sich die Weltwirtschaft im Anschluss an die Coronavirus-Pandemie normalisiert, sagt Peter van der Welle, Strategieexperte im Multiasset-Team. 

„Anhand der unserer Asset Allocation zugrundeliegenden Faktoren Makroentwicklung, Momentum, Bewertung und Stimmung kommen wir zu dem Schluss, dass Rohstoffe im allgemeinen – und Metalle im speziellen – keineswegs Rost angesetzt haben“, sagt er. „Vielmehr bieten Rohstoffe nach wie vor glänzende Perspektiven, was eine Übergewichtung im Portfolio auf kurze bis mittlere Sicht rechtfertigt.“ 

„Der Momentumeffekt, wonach die Kurse der bisherigen Entwicklung folgen, ist im Multiasset-Bereich überall zu beobachten. Die Rohstoffmärkte sind keine Ausnahme: Dort besteht gegenwärtig ein ausgeprägtes positives Momentum mit den stärksten Kurszuwächsen auf 1-Monats-Sicht im gesamten Multiasset-Bereich.“

„Solche momentumgetriebenen kurzfristigen Gewinne, die bei Metallen wie Kupfer und Aluminium zu beobachten sind, deuten auf wahrscheinliche weitere Zuwächse in naher Zukunft hin.“ 

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Die Rohstoffmärkte weisen ein starkes Momentum auf, von Blei und Aluminium bis hin zur Sojabohnen und von Baumwolle bis hin zu Öl. Quellen: Refinitiv Datastream, Robeco

Let’s roll!

Die Bewertungen von Rohstoffen sind günstiger geworden, wie man an einer gängigen Bewertungskennziffer ablesen kann – der Rollrendite. Sie ist eine von drei Bestandteilen des Ertrags von Rohstoffen neben der Änderung des Spot-Preises und der Cost of Carry. Technisch gesehen ist die Rollrendite definiert als die Differenz zwischen der Änderung des Futures-Preises und der Veränderung des Spot-Preises. 

Die Rollrendite ergibt sich aus dem Verlauf der Futures-Kurve bei Rohstoffen. Sie ist positiv, wenn sich die Futures-Kurve eines Rohstoffs in Backwardation befindet. Das bedeutet, dass ein längerlaufender Futures-Kontrakt sich bei Fälligkeit dem höheren Spot-Preis annähert. Für einen „Kaufen und Halten“-Anleger, der sein Exposure in Rohstoff-Futures laufend rollt, heißt das schlicht, dass er zu einem niedrigen Kurs kauft und zu einem höheren Kurs verkauft. 

Das gegenteilige Szenario tritt ein, wenn sich die Futures-Kurve in Contango befindet. In dieser Situation nähert sich der Preis eines längerlaufenden Futures bei Fälligkeit dem niedrigeren Spot-Preis an. Dieser Effekt hat in den letzten zehn Jahren häufig den Gesamtertrag von Rohstoffen belastet. Dies war bei einigen Rohstoffen auch im letzten Jahr der Fall. 

Aufschwung nach der Pandemie

„Mit Blick auf die aktuellen Futures-Kurse am Rohstoffmarkt herrscht dort derzeit Backwardation. Dies hat positive Rollrenditen zur Folge, solange der Verlauf der Kurve derselbe bleibt“, sagt Peter Van der Welle. „Dies gilt insbesondere für Metalle wie beispielsweise Kupfer.“ 

„Die derzeitige Backwardation bei rund der Hälfte der Futures-Kurven am Rohstoffmarkt spiegelt Angebotsknappheiten in einer Weltwirtschaft wieder, deren Rohstoffbedarf in der Aufschwungphasen nach der Pandemie gestiegen ist. Backwardation impliziert, dass höhere Spot-Preise bei Rohstoffen erforderlich sind, um Anreize für zusätzliche Investitionen und ein erweitertes Angebot zu setzen.“

„Hier spielen nicht nur die typischen zyklischen Kräfte eine Rolle, die in der Frühphase des Konjunkturaufschwungs zu erwarten sind – wie etwa vermehrte Mobilität, das Nachholen aufgeschobener Reisen und eine erhöhte Güternachfrage. Der 2,25 Billionen US-Dollar schwere American Jobs Plan beispielsweise wird rohstoffintensiven Investitionen in Straßen, Brücken und Schienenwege in den kommenden Jahren stärkeren strukturellen Schub geben. 

Schub durch „grüne Investments“

Das Ziel des Klimaabkommens von Paris, die CO2-Emissionen bis 2050 auf netto null zu senken, begünstigt die Nachfrage nach Rohstoffen, die für eine umweltfreundliche Infrastruktur benötigt werden, insbesondere Kupfer, Aluminium und Lithium, sagt Peter Van der Welle. Lithium ist ein Hauptbestandteil der Batterien von Elektroautos.

„Die Dekarbonisierung wirkt sich hier in zweifacher Hinsicht aus, da auch die Angebotsseite von den bis 2050 angestrebten Zielen des Pariser Klimaabkommens betroffen ist“, sagt er. „Angesichts der hohen Energieintensität der Aluminiumsproduktion und des Vorhabens Chinas, seine Emissionen ab 2030 nicht weiter steigen zu lassen, könnte die weltweite Produktion genau dann zurückgehen, wenn eigentlich ein höherer Output benötigt wird.“  

„Ein weiterer gesamtwirtschaftlicher Aspekt, der uns für Rohstoffe zuversichtlich stimmt, ist unsere leicht skeptische Einschätzung des US-Dollar. Rohstoffe werden größtenteils in Dollar gehandelt, weshalb eine Dollaraufwertung typischerweise zu höheren Rohstoffpreisen führt. Auch die Wiedereröffnung der Volkswirtschaften in Europa, die Netto-Energieimporteure sind, unterstützt die Rohstoffnachfrage.“ 

Nutzung als Inflationsschutz

Was die Stimmung angeht, könnten die steigenden Inflationserwartungen im Zuge der Erholung der Weltwirtschaft ein weiterer positiver Faktor sein, sagt Peter van der Welle. „Für Fondsmanager ist derzeit das Inflationsrisiko die größte Sorge“, stellt er fest. „Da die Suche nach einem Inflationsschutz ganz oben auf der Agenda steht, ist es zu Mittelzuflüssen in Rohstoffe gekommen, da diese allgemein eine recht zuverlässige Inflationsabsicherung darstellen.“  

Gegenwind könnte allerdings aus China kommen. „Auch wenn wir in der Anlageklasse überwiegend die Chance auf Kursgewinne sehen, bestehen auch Abwärtsrisiken“, so Peter van der Welle. „Das primäre Risiko besteht darin, dass die Straffung der Geldpolitik in China einen Schuldenabbau in bestimmten überhitzten Wirtschaftssektoren erzwingen könnte, was wiederum die Rohstoffnachfrage beeinträchtigen würde.“

„Zwar könnte der Mehrbedarf an Rohstoffen in der zweiten Hälfte dieses Jahres nicht aus China stammen, da in anderen Ländern enorme fiskalpolitische Nachfrageanreize gesetzt werden. Dennoch ist China für den Rohstoffmarkt nach wie vor relevant. Eine Abschwächung des Wachstums des Geldangebots in China hat in der Vergangenheit typischerweise zu einem Nachlassen des Kursauftriebs bei Rohstoffen einige Quartale später geführt.“ 

„Bei den Aktienkursen besteht ein größeres Risiko, dass der Aufwärtstrend in der zweiten Hälfte der Erholungsphase an Kraft verliert, da ein Großteil der Gewinnsteigerungen der Unternehmen bereits vorweggenommen wurde. Dagegen muss bei den Rohstoffpreisen laufend ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage hergestellt werden. Dies macht Rohstoffeanlagen möglicherweise für eine risikofreudige Strategie in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 geeigneter, da die Knappheit am physischen Markt anhält, wenn die Öffnung der Volkswirtschaften fortschreitet.

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