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Erholung nach klassischem Muster

Erholung nach klassischem Muster

05-02-2021 | Monatsausblick
Durch den Fokus auf die Stimulierung der Realwirtschaft wird sich die Erholung nach der Coronavirus-Krise von früheren unterscheiden. Das sagt das Multi Asset-Team von Robeco.
  • Peter van der Welle
    Peter
    van der Welle
    Strategist Global Macro team, Robeco
  • Jeroen Blokland
    Jeroen
    Blokland
    Head of Multi Asset

In aller Kürze

  • Gelder werden direkt der Realwirtschaft zur Verfügung gestellt, nicht nur dem Finanzsektor
  • Die Erholung von der Coronavirus-Krise wird sich anders darstellen als frühere Erholungen
  • Staatliche Anreize sind ein gutes Zeichen für Rohstoffe und das Gewinnwachstum bei Aktien 

Regierungen und Notenbanken verfolgen eine klassische Methode der Wiedereröffnung der Volkswirtschaften, während Impfstoffe gegen das Coronavirus allmählich eine Beendigung der Lockdowns ermöglichen, sagt Strategieexperte Peter van der Welle.

Dies sollte einen Wiederanstieg der Nachfrage nach Rohstoffen nach sich ziehen, außerdem ein Gewinnwachstum der Unternehmen deutlich im zweistelligen Prozentbereich, fügt Jeroen Blokland, Leiter des Multi Asset-Teams, hinzu.

„Die Weltwirtschaft erholt sich und scheint sich weiter zu stabilisieren“, meint Van der Welle. „Ebenso wichtig ist, dass sich diese Erholung von Erholungen in früheren Jahrzehnten zu unterscheiden beginnt.“

„Aufgrund des ausgeprägten Fokus auf fiskalpolitischen Anreizen, die die Realwirtschaft wiederbeleben sollen, anstatt auf geldpolitischen Anreize, die auf die Stabilisierung des Finanzsektors abzielen, handelt es sich diesmal aus unserer Sicht um eine eher klassische Erholung. Klassisch insoweit, als die Realwirtschaft allmählich in den Mittelpunkt der makroökonomischen Nachrichten rückt, angeregt durch positive Multiplikatoren außergewöhnlicher fiskal- und geldpolitischer Stimuli in der Vergangenheit und in der Zukunft.“

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Die Erholung hat begonnen

Einiges weist darauf hin, dass die Konjunkturerholung bereits im Gang ist. Laut dem im Januar 2021 veröffentlichten World Economic Outlook des IWF soll die globale Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 5,5 % wachsen, nachdem sie im Vorjahr um 4,4 % geschrumpft war. Dies stellt eine Aufwärtskorrektur gegenüber der vorherigen Prognose um 0,3%-Punkte dar.

Die erwartete Erholung des Welthandels begünstigt speziell exportorientierte Volkswirtschaften. Nach dem Rückgang um 8,8 % im vergangenen Jahr erwartet die Dutch Central Planning Agency für 2021 eine Erholung des Welthandels mit einem Plus von 6,6 %.  

„Da in vielen Ländern Impfungen gegen das Coronavirus begonnen haben, bewegen wir uns allmählich auf die Herdenimmunität zu“, sagt Van der Welle. „Infolgedessen wird das Wirtschaftswachstum voraussichtlich über den langfristigen Trend hinaus nach oben schießen.“ 

USA: Anreizpaket mit maximaler Wirkung geplant

„In den USA zeichnet sich zunehmend ab, dass die Regierung unter Präsident Biden ein Anreizpaket mit maximaler Wirkung plant. Nach Aussage der neuen Vorsitzenden der US-Notenbank, Janet Yellen, muss die Regierung in großem Stil handeln und dabei den Fokus auf die Bedürftigen legen, die eine hohe Ausgabenneigung haben.“

„Dies steht in starkem Kontrast zur Phase nach der globalen Finanzkrise, als das Finanzsystem und nicht die Realwirtschaft im Mittelpunkt der staatlichen Stützungsmaßnahmen stand. Nunmehr wird der fiskalpolitische Spielraum nicht nur in beträchtlichem Umfang genutzt, sondern auch weitgehend dazu eingesetzt, den stetigen Anstieg der Einkommensungleichheit speziell in den USA zu bekämpfen. Der starke Fokus auf die Nachfrageseite wird an Maßnahmen wie direkten Auszahlungen an Haushalten, Programmen zur Erhaltung von Arbeitsplätzen und Arbeitslosenversicherung deutlich.“ 

„Auf diese Weise könnte der Effekt jedes von der Regierung ausgegebenen Dollars auf das reale BIP durchaus höher sein als während der Erholung nach der globalen Finanzkrise. Wir erwarten anhaltende fiskalpolitische Unterstützung sowohl im Euroraum als auch in den USA.“

Anreizprogramme

In beiden Regionen ist bereits die Absicht zu solchen Unterstützungsprogramm bekundet worden. Das von Präsident Biden vorgeschlagene Anreizpaket umfasst ein Volumen von 1,9 Billionen US-Dollar, während der für die zweite Hälfte des Jahres 2021 vorgesehene European Recovery Fund 750 Milliarden Euro schwer ist. Doch wer wird tatsächlich dieses Geld ausgeben und wo?

„Da sich die Möglichkeit zu Ausgaben in der Realwirtschaft im Anschluss an die Wiedereröffnung der Volkswirtschaften im zweiten und dritten Quartal 2021 ergibt, sind wir fest davon überzeugt, dass die Verbraucher und Unternehmen weltweit gewillt und imstande sind, bei einer Verbesserung der Arbeitsmarktlage und einem Rückgang der Risikoaversion der Konsumenten zusätzlich gebildete Ersparnisse auszugeben“, sagt Van der Welle.

„Wenn die Lockdown-Maßnahmen gelockert werden und die Volkswirtschaften allmählich wieder hochfahren, wenngleich in Verbindung mit abgeschwächten Regelungen zum Abstandhalten, wird die Nachfrage nach traditionellen Dienstleistungen, die eine persönliche Interaktion erfordern, wie im städtischen Einzelhandel, in Gastgewerbe und im Freizeitsektor, wieder zunehmen. Somit wird die Realwirtschaft beginnen, mit der bereits erhöhten Aktivität in der digitalen Wirtschaft gleichzuziehen.“   

Comeback der Rohstoffe

Was bedeutet dies nun für Anleger? „Angesichts der außergewöhnlichen fiskalpolitischen Anreizmaßnahmen, die auf eine Belebung der Realwirtschaft abziehen, haben Rohstoffen ein Comeback erlebt“, sagt Blokland. „Vor allem aus diesem Grund sind wir im Mai letzten Jahres eine Long-Position in Rohstoffen eingegangen. Selbst nach einem Preisanstieg um 15 % deuten jüngste Entwicklungen darauf hin, dass der Aufschwung bei Rohstoffen noch weiter anhält.“

„Ein erheblicher Teil der fiskalpolitischen Anreize Maßnahmen umfasst direkte Hilfen für Unternehmen und Verbraucher. In der Vergangenheit war ein Anstieg von Sozialtransfers von einem Anstieg der Rohstoffpreise begleitet. Hinzu kommt, dass die fiskalpolitischen Anreize wahrscheinlich vorwiegend auf Haushalte mit niedrigem Einkommen abzielen werden. Diese Haushalte verbrauchen nach Volumen mehr Güter, was die Nachfrage nach Rohstoffen zusätzlich stärkt.“

Die Anreizmaßnahmen könnten verstärkte Investitionen der Unternehmen auslösen. Quellen: Refinitiv Datastream, Robeco; Stand: 31. Januar 2021.

„Fiskalpolitische Anreize ebnen auch den Weg zur beschleunigten Erreichung von Nachhaltigkeitszielen. Chinas Vorhaben, bis 2060 CO2-neutral zu werden und der Klimaplan von US-Präsident Biden, der Ausgaben im Volumen von 1,7 Billionen Dollar über die nächsten zehn Jahre vorsieht, sind nur einige Beispiele dafür. Das stetig wachsende Bewusstsein für globale Herausforderungen in punkto Nachhaltigkeit wird in den nächsten Jahren zu einer Welle an „grünen“ Investitionen führen. Auch das wird sich in starker Rohstoffnachfrage niederschlagen.“ 

„Nicht zuletzt bieten Rohstoffe eine Absicherung sowohl gegen eine Abschwächung des Dollar als auch gegen höhere Inflation. Die Kombination aus globaler Konjunkturerholung, extrem großzügigen Finanzierungsbedingungen und etwas erhöhten Bewertungen werden den Dollarkurs wahrscheinlich schrittweise drücken. Die Rohstoffpreise steigen jedoch typischerweise, wenn der Dollar abwertet.“

Beträchtliches Gewinnwachstum

„Eine klassische Konjunkturerholung dürfte auch Aktien zugutekommen, da sich dadurch der erwartete Anstieg der Unternehmensgewinne zusätzlich erhöht“, sagt Blokland. „Nach unseren Analysen ist das Gewinnwachstum in der Aufschwungphase des Konjunkturzyklus, die gerade begonnen hat, besonders stark.
Das Gewinnwachstum wird sich voraussichtlich erholen Quellen: Refinitiv Datastream, Robeco; Stand: 31. Januar 2021

„Das beträchtliche Volumen an fiskalpolitischen Anreizen wird zudem als Gewinnmultiplikator wirken. Für die Unternehmen im MSCI World All Countries Index wird ein durchschnittliches Gewinnwachstum von rund 25 % erwartet. In Regionen mit hoher operationeller Leverage – Europa, Japan und Schwellenländer – reichen die Erwartungen eine Höhe von bis zu 36 %, was wir für erreichbar halten.“

„Infolgedessen wird das Wachstum künftig die maßgebliche treibende Kraft hinter der Aktienmarktentwicklung sein. Das gilt insbesondere, da die Bewertungen in einigen Marktsegmenten (jedoch zweifellos nicht überall) ein erhöhtes Niveau erreicht haben. Das ist auch der Grund, weshalb Value-Titel und Aktien außerhalb der USA, die günstiger bewertet sind und noch erheblichen Rückstand aufweisen, jetzt ein höheres Aufwärtspotential besitzen. 

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