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Klimarisiken und die Dekarbonisierung von Portfolios sind in den Mittelpunkt gerückt

Klimarisiken und die Dekarbonisierung von Portfolios sind in den Mittelpunkt gerückt

14-01-2021 | Interview
Versicherungsgesellschaften sind Klimarisiken unmittelbar ausgesetzt und werden von den Aufsichtsbehörden zunehmend im Hinblick darauf beobachtet, wie sich diese Risiken auf ihre Bilanzen auswirken. In diesem Kontext hat die allmähliche Dekarbonisierung von Investmentportfolios für viele von ihnen inzwischen hohe Priorität. Das ist aber leichter gesagt als getan.
  • Edward Collinge
    Edward
    Collinge
    Global Head of Insurance Strategy

In aller Kürze

  • Klimarisiken und Dekarbonisierung haben für Versicherungsgesellschaften inzwischen hohe Priorität 
  • Die Bewertung von Klimarisiken und die Dekarbonisierung von Portfolios sind alles andere als trivial 
  • Aktive Assetmanager können Versicherungsgesellschaften bei der Bewältigung dieser Probleme unterstützen 

Zunehmende Klimarisiken stehen bei Versicherungsgesellschaften schon seit vielen Jahren auf der Tagesordnung. Aber erst seit ein paar Monaten setzt sich in der Branche der Eindruck durch, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Warum ist das so?

„Das stimmt. Klimarisiken und insbesondere die Dekarbonisierung, von Portfolios sind in den Mittelpunkt gerückt Nachhaltige Geldanlagen finden schon lange das Interesse von Versicherungsgesellschaften. Diese bieten letztlich Menschen in schwierigen Situationen Schutz vor finanziellen Verlusten. Deshalb passen Nachhaltigkeit und sozial verantwortungsbewusstes Geldanlegen zu ihrer Anlagephilosophie. Bis vor kurzem standen diese Dinge aber nicht unbedingt oben auf ihrer Tagesordnung.“ 

„In Europa galt ihr Hauptaugenmerk z. B. lange Zeit Regulierungsänderungen. Die anhaltende Niedrigzinsphase und die Suche nach höher rentierlichen Anlageklassen waren weitere wichtige Anliegen. Das hat sich vor ca. zwei Jahren grundlegend geändert, als die EU-Kommission deutlich machte, dass Versicherungsgesellschaften und andere institutionelle Investoren ein Nachhaltigkeitskonzept brauchen.“ 

„Wir gelangten von einer Situation, in der sich nur Versicherungsgesellschaften aus einigen wenigen Ländern wie den Niederlanden, den Nordischen Ländern und der Schweiz Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben hatten, zu einer Situation, in der Nachhaltigkeit bei jeder Versicherungsgesellschaft weit oben auf der Tagesordnung steht. Dies war zumindest zu Jahresbeginn 2020 so. Dann kam freilich die Covid-19-Krise.”

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In den ersten Monaten von 2020 wurde oft die Sorge geäußert, Covid-19 würde Nachhaltigkeit auf der Prioritätenliste von Versicherungsgesellschaften nach unten verschieben. Ist dies der Fall?

„Die wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 und ihre Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben in den Bilanzen von Versicherungsgesellschaften erhebliche Spuren hinterlassen, nicht aber deren Bekenntnis zu Nachhaltigkeit geändert. Im Gegenteil! Anscheinend hat die Krise Nachhaltigkeit noch stärker in den Fokus der Branche gestellt. Für Versicherungsgesellschaften geht es beim Thema Nachhaltigkeit um stabilere Renditen, Portfolio-Diversifizierung und eine bessere Absicherung gegen Verluste.“  <>„Die politisch Verantwortlichen haben unterdessen den Druck nicht verringert. Besonders mit Blick auf Klimarisiken hat es z. B. mehrere bedeutende Ankündigungen gegeben wie das Versprechen der EU-Kommission und Japans, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Institutionelle Investoren einschließlich Versicherungsgesellschaften zu ermutigen, klimaneutral zu werden, kann einen bedeutenden Beitrag hierzu leisten.“ 

„Auf dem Gebiet der Regulierung hat die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA), ein unabhängiges Beratungsgremium der EU, Diskussionspapiere zu Klimarisiken und deren Auswirkungen auf Investmentportfolios herausgegeben. Sie hat Versicherungsgesellschaften aufgefordert, darüber nachzudenken, dass Klimarisiken möglicherweise durch Kapital unterlegt werden sollten.“ 

Selbst diejenigen, die sich nicht für Dekarbonisierung interessieren, werden sich damit auseinandersetzen müssen

„Wir sehen also, dass sich Versicherungsgesellschaften zunehmend zu Nachhaltigkeit und zur Bekämpfung des Klimawandels bekennen und die Aufsichtsbehörden ebenfalls in dieser Richtung tätig werden. Alles kommt auf einmal zusammen. Das bedeutet auch, dass sich selbst diejenigen, die sich nicht für Dekarbonisierung interessieren, damit auseinandersetzen müssen. Denn wenn sich Vermögenswerte in Höhe von mehreren Billionen Euro in den nächsten Jahren auf eine Verkleinerung des CO2-Fußabdrucks zubewegen, wird dies zwangsläufig die Märkte in Bewegung bringen.“ 

Der Wandel geschieht aber nicht von einem Tag auf den anderen, oder?

„Das stimmt. Anleger machen gegenwärtig Zusagen und arbeiten Pläne für den Wandel aus. Es ist eine Reise in Etappen. Die meisten Versicherungsgesellschaften, mit denen wir sprechen, denken in Fünfjahreszeiträumen. Sie setzen sich also jetzt ein Ziel für 2025 und überlegen, wie sie es erreichen können. Das könnte z. B. die Verkleinerung des CO2-Fußabdrucks ihrer Portfolios um 20 bis 25 % in den nächsten fünf Jahren sein.“ 

„Man sollte nicht vergessen, dass Versicherungsgesellschaften ca. 90 % ihrer Gelder in Zinspapieren anlegen. Ein aggressiver Kauf und Verkauf von Unternehmensanleihen würde zu nicht realisierten Gewinnen und Verlusten führen, die sich z. B. darauf auswirken könnten, wie viel sie ihren Versicherungsnehmern zahlen. Daher wird die Anpassung zwangsläufig schrittweise erfolgen: Wiederanlage der Erlöse aus einer fällig gewordenen Anleihe in eine Anleihe mit kleinerem CO2-Fußabdruck.“ 

„Um Klimaneutralität zu erreichen, muss zudem das Anlageuniversum verändert werden. Anders ausgedrückt: Die Unternehmen, in die wir investieren, müssen sich selbst verändern. Und deshalb sind die Übernahme einer aktiven Eigentümerrolle und Initiativen wie die Net Zero Asset Owners Alliance, eine internationale Gruppe von 33 institutionellen Investoren mit einem verwalteten Gesamtvermögen von 5 Billionen US-Dollar, so wichtig.“ 

Gibt es neben der Entwicklung emissionsarmer Anlagestrategien weitere Möglichkeiten, wie Assetmanager helfen können?

„Ja, sie können für Versicherungsgesellschaften den Weg zu einer allmählichen Dekarbonisierung ebnen. In diesem Zusammenhang ist unser kürzlich aufgelegtes, EU- und Paris-konformes globales Rentenmarktangebot – das erste seiner Art – interessant. Und zwar nicht, weil dies das Endziel einer EU- und Paris-konformen Strategie sein könnte, sondern weil es ein Beispiel dafür ist, wie man die Dinge auf die Spitze treiben und seinen Investmentprozess auf eine aktive Identifizierung von Unternehmen ausrichten kann, die bei der Reduzierung von CO2-Emissionen schneller vorankommen dürften als ihre Mitbewerber.“ 

„Bis auf Weiteres werden sich Versicherungsgesellschaften vielleicht mit einem Kompromiss zufriedengeben wollen. Anders ausgedrückt werden sie möglicherweise an Strategien festhalten, die die EU-Vorgaben für Paris-konforme Geldanlagen zwar nicht vollständig erfüllen, ihnen aber eine Vorstellung vermitteln, wie sie das letztendliche Ziel der Dekarbonisierung ihrer Portfolios bis 2050 erreichen können.“ 

Gibt es noch weitere Möglichkeiten, wie Assetmanager Versicherungsgesellschaften unterstützen können?

„Versicherungsgesellschaften unterscheiden sich von anderen Investoren insofern, als sie in einer sehr streng regulierten Branche tätig sind. Dadurch werden ihre Investments weitgehend festgelegt. Z. B. haben Versicherungsgesellschaften eine ausgeprägte Vorliebe für Zinspapiere, weil diese mit weniger Kapital unterlegt werden müssen und zu ihren langfristigen Verbindlichkeiten passen.“ 

„Die Dekarbonisierung von Portfolios ist jedoch alles andere als trivial: Je mehr Beschränkungen ein Portfolio unterliegt, desto schwieriger ist es, weitere Beschränkungen hinzuzunehmen, ohne dass die Anlagerenditen erheblich beeinträchtigt werden. Unsere Analyse zeigt, dass man den CO2-Fußabdruck eines Rentenmarktportfolios um 30 bis 40 % verringern kann, ohne dass sich dies erheblich auf die voraussichtlichen risikobereinigten Renditen auswirkt.“ 

„Versicherungsgesellschaften müssen außerdem verstehen, wo die Daten zu CO2-Emissionen herkommen, was diese tatsächlich bedeuten und wie sie einheitlich darüber berichten können, insbesondere wenn sie über verschiedene Assetmanager in viele Anlageklassen – auch nicht börsennotierte – investieren. Kurzum: Sie müssen die operativen Aspekte der Dekarbonisierung von Portfolios verstehen.“ 

„Und dabei können Assetmanager sie unterstützen. Sie können Versicherungsgesellschaften bei der Konzeption ihres Portfolio-Konstruktionsprozesses und bei der Portfolio-Analyse unterstützen, um einen optimalen Kompromiss zwischen Anlagerenditen und der Reduzierung ihres CO2-Fußabdrucks zu finden. Bei der Dekarbonisierung geht es um mehr als nur den Ausschluss von Instrumenten aus Portfolios. Es handelt sich um ein vielschichtiges Problem, dessen Bewältigung ausgeprägte analytische Fähigkeiten erfordert.“

Das bedeutet viel mehr, als nur Assetmanagement-Leistungen zu erbringen, richtig?

„Ja. Es geht darum, ein Partner in Sachen Nachhaltigkeit zu werden. Dazu kann die Unterstützung von Versicherungsgesellschaften bei der Übernahme einer aktiven Eigentümerrolle, beim Reporting oder der Produktentwicklung oder sogar der Festlegung ihrer Nachhaltigkeitsagenda gehören. Assetmanager wie Robeco können Versicherungsgesellschaften auf ihrem Weg zur Klimaneutralität unterstützen oder ihnen helfen, mit nachhaltiger Geldanlage ein bestimmtes Ziel zu erreichen.“ 

Wirkungsorientierte Geldanlage macht sich an den Mainstream-Kapitalmärkten breit. Und das ist gut so.

„In der Vergangenheit haben Anleger versucht, entsprechende Wirkungen durch Instrumente wie grüne Anleihen oder sozial verantwortungsvolles Wagniskapital zu erzielen. Mittlerweile aber macht sich wirkungsorientierte Geldanlage an den Mainstream-Kapitalmärkten breit. Und das ist gut so, weil grüne Anleihen oder sozial verantwortungsvolles Wagniskapital auch weiterhin nur einen geringen Teil der Portfolios von Versicherungsgesellschaften ausmachen dürften; denn deren Anlageuniversum ist relativ klein.“ 

Abgesehen vom Klima – welche anderen Fragen interessieren Anleger?

„Themen wie die Vielfalt der Geschlechter, Ungleichheit, Ressourcenknappheit oder gesunde Lebensweise stehen zunehmend auf der Tagesordnung von Versicherungsgesellschaften. Und dies kann mit wachsender Nachfrage nach trend- und themenorientierten Anlagestrategien in Verbindung gebracht werden. Warum sollte eine Versicherungsgesellschaften nicht in etwas investieren, das den Trend zu gesunder Lebensweise oder nachhaltigem Umgang mit Wasser unterstützt? Das ist ein relativ neues Phänomen, das aber ebenfalls an Dynamik gewinnt.“
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