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SI Opener: Die Bergbauindustrie spielt beim Übergang zu einer grüneren Wirtschaft eine entscheidende Rolle

SI Opener: Die Bergbauindustrie spielt beim Übergang zu einer grüneren Wirtschaft eine entscheidende Rolle

25-06-2020 | SI Opener
Der Bergbau ist ein komplexer, oft als nicht nachhaltig angesehener Wirtschaftszweig. In der Tat steht diese Industrie vor vielen Nachhaltigkeitsproblemen, die vom Umweltschutz über eine Verringerung des Wasserverbrauchs und der Pflege guter Beziehungen zum Gemeinwesen bis zur umweltgerechten Stilllegung von Bergwerken reicht.
  • Masja Zandbergen - Albers
    Masja
    Zandbergen - Albers
    Head of sustainability Integration
  • Cristina Cedillo Torres
    Cristina
    Cedillo Torres
    Engagement Specialist

In aller Kürze

  • Unsere grüne Zukunft hängt von der Gewinnung von Bodenschätzen für saubere Energie ab
  • Innovation ist notwendig, um Bedenken hinsichtlich der Erschließung neuer Lagerstätten abzuschwächen
  • Dies erfordert eine Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Mineralien (von deren Existenz wir teilweise gar nicht wussten) sind untrennbar mit der Entwicklung der Menschheit und der Zivilisation verbunden. Und unsere grüne Zukunft hängt von diesen Mineralien ab. Wie in der folgenden Grafik gezeigt, sind verschiedene Materialien für saubere Energietechnologien wie Fotovoltaik, Windturbinen, Elektrofahrzeuge (EF) und Energie sparende Beleuchtung unverzichtbar. Diese sauberen Energietechnologien verringern ihrerseits die Treibhausgasemissionen, die zum Klimawandel beitragen.

Quelle: Zepf V., Reller A., Rennie C., Ashfield M. und Simmons J., BP (2014): „Materials critical to the energy

Nach unserer Überzeugung ist Sustainable Investing nicht schwarz-weiß. Und es geht dabei auch nicht um Schnellschüsse oder einfache Antworten. Wir sind außerdem der Meinung, dass einige gängige Annahmen über Sustainable Investing falsch sein könnten. Deshalb nutzen wir bei Robeco gern unsere führende Stellung auf diesem Gebiet, um Anleger über Sustainable Investing zu informieren.

Unsere Artikelreihe unter dem Titel „SI Opener“ beschäftigt sich mit überraschenden Erkenntnissen, mit denen nachhaltig investierende Anleger konfrontiert werden und die für den Fortschritt der Menschheit wichtig sind. Mit der Artikelreihe wollen wir auch zeigen, dass Sustainable Investing komplexer ist als vielfach angenommen und man erhebliches Fachwissen und Erfahrung braucht, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

Für Elektrofahrzeuge werden vier Mal so viele Metalle und Mineralien benötigt wie für konventionelle Fahrzeuge

Der Übergang zu Elektrofahrzeugen wird die zukünftige Nachfrage nach Metallen erheblich beeinflussen. Um mit Elektrofahrzeugen den angestrebten Marktanteil von 30 % zu erreichen (dafür müssen bis 2030 30 Mio. Elektrofahrzeuge verkauft werden), werden entlang der Lieferkette für Elektrofahrzeuge laut Schätzungen zusätzlich folgende Mengen an Metallen benötigt:1

  1. 4,1 Mio. Tonnen Kupfer (18 % der Gesamtproduktion in 2017),
  2. 1,1 Mio. Tonnen Nickel (55 % der Gesamtproduktion in 2017) und
  3. 314.000 Tonnen Kobalt (332 % der Gesamtproduktion in 2017).
Andere, weniger bekannte seltene Erden sind ebenfalls wesentliche Bestandteile von Windturbinen und Elektrofahrzeugen. In Windturbinen und Elektrofahrzeugen wird mit Dauermagneten Energie umgewandelt, und seltene Erden sind für die Funktionsfähigkeit ihrer leichten Hochleistungsgeneratoren und -motoren unverzichtbar. Eine dieser seltene Erden enthaltenden Verbindungen ist Neodymium-Eisen-Bor.

Die Gesamtmasse der eingesetzten seltenen Erden hängt vom Verwendungszweck und Hersteller ab. Bei Windturbinen können dies mehrere hundert Kilo sein, während bei einem Elektrofahrzeug mitunter schon ein Kilogramm ausreicht. Der Verbrauch seltener Erden steigt rasant an: Einer Studie zufolge könnte die Nachfrage nach Dysprosium und Neodymium in den nächsten 25 Jahren in einem „business-as-usual“-Szenario um 700 % bzw. 2.600 % zunehmen.2

Energiewende auf Kosten der Tier- und Pflanzenwelt in unseren Ozeanen?

Diese Entwicklung hat die Preise vieler seltener Erden in die Höhe getrieben, was den Tiefseebergbau wirtschaftlich attraktiver macht. Bestimmte Tiefseegebiete enthalten die weltweit größten Vorkommen an Kobalt, Nickel und anderen wertvollen Mineralien. Seit langem erwartete Regulierungsbestimmungen in Form eines Bergbaucodex sollen noch in diesem Jahr beschlossen werden. Dadurch würde ein Prozess vorgegeben, in dessen Rahmen sich Unternehmen um 30-jährige Bergbaukonzessionen für zugewiesene „Claim-Bereiche“ in Teilen des internationalen Meeresbodens bewerben können.

Wissenschaftler und Umweltschützer äußern allerdings die Sorge, dass die Verabschiedung von Regulierungsbestimmungen die Industrie ermutigen wird, mit dem Bergbau zu beginnen, lange bevor ausreichend Informationen dazu vorliegen, wie Bergbauunternehmen schwerwiegende Umweltschäden vermeiden können. Die spärlichen, bisher vorhandenen Daten deuten darauf hin, dass der Tiefseebergbau verheerende und möglicherweise bleibende Schäden an der marinen Tier- und Pflanzenwelt verursachen wird.3

Das wäre ein klarer Verstoß gegen Grundsatz 15 der Rio-Erklärung über Umwelt und Entwicklung, der behutsames Vorgehen verlangt, wenn „schwerwiegende oder bleibende Schäden“ drohen. „... ein Mangel an vollständiger wissenschaftlicher Gewissheit darf kein Grund dafür sein, kostenwirksame Maßnahmen zur Vermeidung von Umweltverschlechterungen aufzuschieben.“ Zudem fordert das UN-Nachhaltigkeitsziel 14 (Leben unter Wasser) als ein Teilziel die nachhaltige Nutzung und den Schutz von marinen und küstennahen Ökosystemen.

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Innovation, Innovation, Innovation

Für bestimmte Mineralien nutzt die Industrie heute noch im Wesentlichen dieselben Verarbeitungstechnologien (Prozess der Gewinnung wirtschaftlich wertvoller Mineralien aus Erzen) wie vor über 50 Jahren, sodass erheblicher Spielraum für Verbesserungen auf der Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse besteht.

Das zentrale Geschäftsmodell von Bergbauunternehmen besteht i. d. R. darin, immer größer zu werden. Die Erschließung größerer Lagerstätten führt auch zu größeren ökologischen Fußabdrücken und zu mehr Abfall. Eine wirtschaftliche Nutzung neuer Mineralvorkommen wird zunehmend durch geringe Qualität oder andere technische Schwierigkeiten begrenzt, und der Zugang zu diesen Vorkommen kann durch politische Unruhen, Widerstand in der Bevölkerung und/oder Umweltschutzauflagen erschwert werden.

Innovation ist deshalb erforderlich, um einigen dieser Bedenken Rechnung zu tragen. Die Entwicklung neuer Abtrennungstechnologien gilt als eine der großen Herausforderungen für den Bergbau. Durch neue Techniken kann die Gewinnung von Mineralien bei minimalem Einsatz von Chemikalien, Wasser und Energie verbessert werden.

Laut Deloitte4 zeigen Bergbauunternehmen allmählich mehr Interesse an hochmodernen Technologien. Und auch wenn sie diese nicht bald einsetzen werden, erwägen die Unternehmen doch, die Dinge anders zu machen. Hochinteressante neue Technologien, die für einen grundlegenden Wandel sorgen könnten, sind bspw.:

  • der Einsatz von Bakterien, die in der Lage sind, Mineralien vor Ort zu extrahieren, und
  • biologische Regenerierungsprozesse, die natürliche Enzyme einsetzen, um durch Auswaschung von Metallen und Drainage kontaminierte Bergbaugebiete zu reinigen.

Obwohl sie noch relativ neu sind, werden genomische Lösungen bereits genutzt, um verunreinigtes Erdreich biologisch zu sanieren, Bergwerksdrainagen zu verbessern und durch Bio-Monitoring die Bedrohung der Biodiversität zu verringern.

Um die Herausforderungen im Zusammenhang mit wichtigen Materialien zu bewältigen, bedarf es größerer Anstrengungen in Bezug auf Wiederverwendung und Recycling, um die bei der Gewinnung kritischer Metalle anfallenden Abfälle sowie die Nachfrage nach neu gewonnenen Materialien zu verringern. Was die Lieferkette für saubere Energietechnologien angeht, sind zudem Forschung und Entwicklung notwendig, um für bestimmte Metalle wie z. B. seltene Erden Ersatzstoffe zu finden.

In den Wandel investieren

Für Bergbauunternehmen ist es schwierig, ihre strategische Planung zu ändern, um den Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft zu unterstützen. Investitionen in die Infrastruktur bestehender Bergbauprojekte wird gegenüber Innovationen für das nachindustrielle Zeitalter immer noch der Vorzug gegeben.

Vonnöten ist aber eine Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Anbieter bis zum Kunden. Eine weitere Voraussetzung für Innovationen in der Bergbauindustrie ist die Zusammenarbeit mit Universitäten, Wirtschaftsverbänden und Forschungszentren.

Die Finanzindustrie kann dabei eine maßgebliche Rolle spielen. Einigen großen Bergbauunternehmen, die bereit sind, weniger fossile Brennstoffe einzusetzen und nachhaltiger zu wirtschaften, sollte es gelingen, ihre Kapitalkosten zu senken. Zudem ist für diese das Risiko geringer, aus den Portfolios von Investoren verbannt zu werden. Wir sind überzeugt, dass Bergbauunternehmen ein entscheidender Teil der Lösung werden können, wenn sie ihre wichtigsten Nachhaltigkeitsprobleme besser in den Griff bekommen.

1 Quelle: https://www.glencore.com/dam/jcr:ca562b57-b667-4321-93ad-dbb0953a165f/ev-a-disruptive-force-underpinning-our-commodities.pdf
2 Quelle: https://www.energy.gov/sites/prod/files/2015/12/f27/QTR2015-6F-Critical-Materials.pdf
3https://www.nature.com/articles/d41586-019-02242-y
4https://www2.deloitte.com/global/en/pages/energy-and-resources/articles/innovation-in-mining-series.html#america

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