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Markt-Update: Wie ist die Lage, wie geht es weiter?

Markt-Update: Wie ist die Lage, wie geht es weiter?

16-03-2020 | Einblicke
Auch wenn es kein Vergnügen ist, sich mitten in einem Marktkollaps zu befinden, wissen wir aus Erfahrung, dass dies eine gute Gelegenheit für langfristig orientierte, aktive Anleger ist.
  • Fabiana Fedeli
    Fabiana
    Fedeli
    Global Head of Fundamental Equities
  • James Stuttard
    James
    Stuttard
    Head of Global Macro team and Portfolio Manager, Robeco

In aller Kürze

  • Die Kurse von Aktien und Unternehmensanleihen sind rapide gesunken
  • Den Tiefstand der Märkte zu identifizieren, ist unmöglich, und undifferenziertes Kaufen ist riskant
  • Im Hinblick auf Unternehmensanleihen und Aktien ist nun Geduld angezeigt

Den Tiefstand der Märkte zuverlässig zu identifizieren, ist so gut wie unmöglich. Hier spielen viele exogene und schwer zu prognostizierende Faktoren eine Rolle – beispielsweise Timing und Inhalt politischer Entscheidungen sowie die weitere Ausbreitung des Virus.

Aus diesem Grund ist ein schrittweises Vorgehen aus unserer Sicht der beste Weg. Wichtig ist, dass sich die derzeitige Marktsituation nicht dazu eignet, undifferenziert zu kaufen.

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Der Kursrückgang war gravierend und der Handlungsspielraum der Politik ist begrenzt

In den letzten dreieinhalb Wochen sind die Kurse von Aktien und Unternehmensanleihen so rasch gesunken wie zuletzt 1987. Dabei vollzog sich die Entwicklung sogar noch abrupter als 1929. Während die Kursrückgänge bei Aktien Schlagzeilen machten, bewegte sich die Rendite der langfristigen US-Staatsanleihen innerhalb einer Woche so stark wie während des gesamten Phase des „Taper Tantrum“ im Jahr 2013. Dysfunktionale Märkte, heftige Kursausschläge und ein Mangel an ausführbaren Käufen und Verkäufen deuten auf eine Liquiditätsklemme und Notverkäufe hin. All dies geschieht in einem Umfeld mit hohem Verschuldungsüberhang und Banken, die durch regulatorische Vorschriften und mangelnde Risikobereitschaft gehemmt sind.

Derzeit sind alle Augen auf die Regierungen und Notenbanken gerichtet. Sie sind die ultimativen Langfristinvestoren, die darüber entscheiden, wie man am besten das Wirtschaftswachstum jetzt und in Zukunft unterstützt. Doch während in der Vergangenheit ein breites Instrumentarium zum Handeln bereit stand, ist der Spielraum der Politik heute geringer als zu irgendeinem Zeitpunkt seit den 1950er Jahren. Man muss älter als 80 Jahre sein, um sich an Rezessionen ausgehend von diesem Zinsniveau zu erinnern.

Wie also investiert man im derzeitigen Umfeld?

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wissen wir nicht, welche Schritte die Politik als nächste unternimmt und wie stark und für wie lange sie die Weltwirtschaft beeinflussen werden. Wir sind recht zuversichtlich, dass sich die Märkte an einem gewissen Punkt erholen und ihre Verluste wieder aufholen werden. Als langfristige Aktienanleger wissen wir aus Erfahrung, dass die beste Strategie darin liegt, langsam und allmählich wieder in den Markt einzusteigen. Den Tiefstand der Märkte zuverlässig zu identifizieren, ist so gut wie unmöglich. Hier spielen viele exogene und schwer zu prognostizieren Faktoren eine Rolle (beispielsweise Timing und Inhalt politischer Entscheidungen sowie die weitere Ausbreitung des Virus).

Aus diesem Grund ist ein schrittweises Vorgehen aus unserer Sicht der beste Weg. Wichtig ist, dass sich die derzeitige Marktsituation nicht dazu eignet, undifferenziert zu kaufen. Wir müssen sicherstellen, dass wir die richtigen Aktien auswählen. Bei einer Erholung werden davon alle Aktien profitieren. Doch sobald die Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne deutlich werden, werden wir nach und nach imstande sein, Gewinner und Verlierer auseinanderzuhalten. Einige Unternehmen werden sich mit der Erholung schwertun; anderen gelingt es möglicherweise nie.

Zu den Unternehmen, die vor größeren Schwierigkeiten stehen, gehören diejenigen in stark saisonal geprägten Geschäftszweigen wie der Modebranche. Dort gibt es nur kurze Phasen, in denen Güter verkauft werden können, bevor sie Lagerware werden. Ein weiteres Beispiel sind Unternehmen, die von komplexen und weltumspannenden Lieferketten abhängig sind, bei denen es derzeit zu Unterbrechungen kommt. Irgendwann wird sich die Nachfrage erholen, doch könnte es länger dauern, bis auch das Angebot wieder auf dem alten Niveau ist. In anderen Branchen könnte es zu einer starken und abrupten Erholung der Nachfrage kommen. Doch ist denkbar, dass sie durch das Ausmaß des Einbruchs handlungsunfähig geworden sind. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die Reisebranche. Unternehmen mit unsoliden Bilanzen, die ihr Working Capital nicht refinanzieren können, überleben möglicherweise nicht. Wahrscheinlich werden wir in Zukunft Restrukturierungen und Konsolidierungen erleben.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt glauben wir, dass es künftig bessere Gelegenheiten zum Wiedereinstieg in die Märkte gibt. Die Nachrichten über die Ausbreitung des Coronavirus, die politischen Reaktionen darauf und zusätzliche Belastungen am Hochzinsmarkt könnten die Märkte weiter erschüttern. Bei den Gewinnschätzungen wird es noch zu einer weiteren Runde an Abwärtsrevisionen kommen. Wir sind unterdessen geduldig. Auch wenn es kein Vergnügen ist, sich mitten in einem Marktkollaps zu befinden, wissen wir aus Erfahrung, dass dies eine gute Gelegenheit für langfristig orientierte, aktive Anleger ist.

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