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Herausforderungen beim Factor Investing: Vorbereitung der Umsetzung

Herausforderungen beim Factor Investing: Vorbereitung der Umsetzung

28-11-2017 | Herausforderung beim Factor Investing

Wie soll man sich auf die Umsetzung einer Faktorstrategie vorbereiten? Factor investing ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Doch die praktische Umsetzung bereitet vielen interessierten Anlegern nach wie vor Schwierigkeiten. Als Herausforderung werden häufig die richtige Planung und das Timing der Umsetzung angesehen.

In aller Kürze

  • Nur wenige Forschungsarbeiten liefern konkrete Hinweise zur Umsetzung von Factor Investing
  • Anleger sollten zuerst die Faktoren analysieren, dann die geeigneten auswählen, strukturieren und überwachen
  • Unterschiedliche Umsetzungsvehikel können zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen

Zwar wurde die Existenz von Faktorprämien bereits vor mehr als 40 Jahren empirisch bestätigt und diese sind mittlerweile in der Forschungsliteratur fest etabliert. Doch ist die Zahl der Untersuchungen, die sich auf die praktischen Aspekte der Umsetzung von faktorbasierten Strategien konzentrieren, relativ klein geblieben. Kaum von der Forschung erörtert wurden insbesondere Grundsatzfragen, vor denen Anleger bei der Prüfung unterschiedlicher Strategien stehen, oder auch die Schritte, die zur Integration von Factor Investing zu absolvieren sind.

Allerdings haben einige jüngere Arbeiten begonnen, diese Lücke zu füllen. Beispielsweise formulierten Kees Koedijk, Alfred Slager und Philip Stork in einem 2016 im Journal of Portfolio Management publizierten Artikel1 entsprechende Leitlinien für an faktorbasierten Strategien interessierte Pensionsfonds sowie eine Checkliste für die einzelnen Schritte. Die Autoren erörterten auch eine Reihe von Fallstudien, um die große Bandbreite an Situationen zu veranschaulichen, in denen ein solcher Investmentansatz in Betracht kommen kann. Jedoch stellt diese Publikation eher die Ausnahme dar, da die meisten Untersuchungen zu Factor Investing sich nicht mit den Problemen der praktischen Umsetzung befassen.

Während die Forschung diese Aspekte eher stiefmütterlich behandelt hat, werden sie von den Anlegern natürlich als erhebliche Herausforderung angesehen. Eine im Jahr 2016 von FTSE Russell durchgeführte Umfrage ergab, dass die Planung und der zeitliche Ablauf der Umsetzung zu den zehn wichtigsten Aspekten gehört, die Anleger im Zusammenhang mit faktorbasierten Strategien bewegen.

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Verstehen, auswählen, strukturieren, überwachen

Am Anfang steht natürlich, dass man die theoretischen Grundlagen des Factor Investing verstanden hat. So ist es wichtig, die wesentlichen empirischen Beobachtungen zu kennen, die dem Factor Investing zugrundeliegen, bevor man seine Anlageziele formuliert. Dabei sollten sich Anleger darüber klarwerden, welche Risiken sie akzeptieren und welche Rolle Factor Investing im Einklang mit ihrer Anlagepolitik beim Erreichen ihrer Ziele spielen soll.

„Die Kundenbedürfnisse im Hinblick auf die Faktor-Exposures oder die Flexibilität bezüglich des Referenzindex können sich erheblich unterscheiden.“

Dieser Punkt ist wichtig, weil sich die Bedürfnisse und Prioritäten zum Beispiel im Hinblick auf das Exposure gegenüber Faktoren oder die Flexibilität hinsichtlich des Referenzindex von Anleger zu Anleger unterscheiden. So können einige Investoren bereit sein, Factor Investing umfassend einzusetzen, während andere lediglich eine Verringerung des Abwärtsrisikos in ihrem Gesamtportfolio anstreben. Ebenso mögen einige Risiko aus einer absoluten Perspektive betrachten, während andere ihren benchmarkorientierten Investmentansatz nicht aufgeben wollen.

Anschließend sollten Anleger ihr bestehendes Faktor-Exposure ermitteln und auf dieser Grundlage die gewünschte Mischung bestimmen. Dabei werden sie letztlich imstande sein, ungewollte Faktor-Ausrichtung zu beseitigen oder ihr Portfolio auf einen bestimmten Faktor auszurichten, der für sie von strategischer Bedeutung ist. Gleichzeitig kann es sinnvoll sein, einzelne aktive Assetmanager deren Resultate stark von Faktorprämien abhängig sind, durch kostengünstigere faktorbasierte Anlagelösungen zu ersetzen.

Im nächsten Schritt sollte bestimmt werden, wie man Factor Investing am besten im Anlageprozess verankert. Diesbezüglich identifizierten Kees Koedijk, Alfred Slager und Philip Stork in ihrer Untersuchung im wesentlichen drei unterschiedliche Methoden, deren Verwendung davon abhängt, wie konsequent ein Anleger Factor Investing umsetzen will.

Als ersten führen Sie den „Risk Due Diligence“-Ansatz an. Dieser beinhaltet lediglich die Überprüfung und Kontrolle der Exposures gegenüber den unterschiedlichen Faktoren und die Einbettung dieser Aspekte im Investmentprozess. Als zweiten nennen sie den „Factor Tilts“-Ansatz. Er umfasst die aktive Optimierung des Exposures des Portfolios gegenüber einem einzelnen Faktor oder mehreren Faktoren innerhalb des bestehenden Asset-Allokationsrahmens. Drittens beschreiben Sie den „Factor Optimization“-Ansatz, bei dem das Portfolio ausschließlich unter Verwendung von Faktoren gebildet wird.

Weil sich die Faktor-Exposures eines Portfolios im Zeitablauf zwangsläufig verändern, ist eine regelmäßige Überwachung und gegebenenfalls Korrektur erforderlich, um das gewünschte Maß an Faktor-Exposures beizubehalten. Wie oft eine solche Überprüfung erfolgt, muss noch vor der Umsetzung festgelegt werden.

Unterschiedliche Bedürfnisse, unterschiedliche Lösungen

Bei den beiden letztgenannten Ansätzen müssen Anleger auf vielfältige Produkte zugreifen - von einfachen ETFs, die gängige Marktindizes abbilden, bis hin zu anspruchsvollen aktiv verwalteten Fonds.

Grundsätzlich haben Investoren die Wahl zwischen der Abbildung allgemein zugänglicher Smart Beta-Indizes, einem regelbasierten Index, der speziell für den Anleger von einem Assetmanager maßgeschneidert wurde, oder einem vollständig von einem Assetmanager bestimmten Ansatz. Der erste Ansatz ähnelt in konstruktiver Hinsicht klassischen passiven Strategien, während der letzte eine Variation traditioneller aktiver Strategien darstellt.

Wie bereits in vorangegangenen Artikeln dieser Serie ausgeführt wurde, die sich mit den wichtigsten Herausforderungen beim Factor Investing beschäftigt, sollten sich Kunden jedoch bewusst sein, dass unterschiedliche Produkte auch verschiedene Ergebnisse abwerfen können. Auf den ersten Blick scheinen ETFs, die sich auf gängige Smart Beta-Indizes stützen, die günstigere und einfachere Option zu sein. Jedoch können sie erhebliche Probleme mit sich bringen und sind unter Umständen aus Wertentwicklungssicht nicht optimal. Gleichzeitig ist der Investmentprozess von übermäßig komplexen aktiven Strategien unter Umständen intransparent, sodass die darauf basierenden Portfolios und Transaktionen schwer zu erklären sind.

1A Trustee Guide to Factor Investing’, Kees Koedijk, Alfred Slager und Philip Stork, in: The Journal of Portfolio Management, Special QES Issue 2016, Vol. 42, No. 5, S. 28-38

Herausforderung beim Factor Investing
Herausforderung beim Factor Investing

Diese Publikationsserie behandelt einige der Hauptprobleme, vor denen Investoren bei der Umsetzung von Factor Investing-Strategien stehen.

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