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Wie hoch sollte die Allokation sein?

Wie hoch sollte die Allokation sein?

30-06-2017 | Herausforderung beim Factor Investing

Faktorbasierte Strategien sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Doch die praktische Umsetzung bereitet vielen interessierten Anlegern nach wie vor Schwierigkeiten. Eine erhebliche Herausforderung ist die Frage, welcher Anteil eines Portfolios in Faktoren allokiert werden sollte.

In aller Kürze

  • Es gibt keinen allgemeingültigen Weg zur optimalen Allokation in Faktoren.
  • Ein Faktorinvestment kann das ganze Portfolio oder nur einen Teil davon abdecken.
  • Die Faktor-Exposures sollten genau überwacht werden.
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Faktorbasierte Strategien haben in den letzten zehn Jahren zunehmend Verbreitung gefunden. Zwar ist das Bewusstsein für die Vorteile einer gezielten Anlage in Faktoren, deren Prämien von der Forschung nachgewiesen wurden, erheblich gewachsen. Dennoch stellen solche Anlagelösungen nach wie vor einen neuartigen und ungewöhnlichen Investmentansatz dar, bei Aktien wie auch bei Anleihen.

Infolgedessen ist die gezielte Allokation in Faktoren für viele private und professionelle Anleger keine leichte Entscheidung. Wer für Institutionen wie Versicherungen oder Pensionsfonds arbeitet, läuft damit unter Umständen Gefahr, seine Karriere zu riskieren. Das gilt besonders dann, wenn die potentiellen Vorteile von Factor Investments von anderen Stakeholder nicht richtig verstanden werden.

Anleger können auch auf erhebliche praktische Schwierigkeiten in Bezug auf die Unternehmensorganisation stoßen. Für eine Bank, die eine Vielzahl von Anlageberatern beschäftigt und herkömmliche aktiv verwaltete Fonds anbietet, dürfte der Wechsel zu reinem aktiven Factor Investing ein schwieriger Schritt sein. Für einen etablierten institutionellen Anleger dürfte es ebenso schwierig sein, seine Portfolios zu restrukturieren und sein klassisches, an Anlageklassen orientierte Allokationsschema aufzugeben und stattdessen faktorbasierte Investmentansätze zu verfolgen.

In diesem Zusammenhang wird − kaum überraschend − die Entscheidung, ob und welcher Anteil des Portfolios in Faktoren allokiert werden soll, als kritisch angesehen, wenn faktorbasierte Strategien erstmals in Betracht gezogen werden. Eine 2016 von FTSE Russell durchgeführte Umfrage ergab, dass der Anteil des Portfolios, der in Faktoren allokiert werden soll, unter den Bedenken der Anleger an sechster Stelle stand, wenn sie mit der Aufgabe einer faktororientierten Allokation konfrontiert wurden.

Leider gibt es keine einfache Antwort auf diese Frage. Wie im vorangegangenen Artikel dieser Publikationsserie zu den Hauptherausforderungen bei einer faktorbasierten Allokation dargelegt wurde, gibt es keinen Königsweg zu Vereinnahmung etablierter Faktorprämien. Je nach ihren Bedürfnissen und Prioritäten in Bezug auf Faktor-Exposures oder ihrer Flexibilität hinsichtlich eines Vergleichsindex beispielsweise können Anleger aus einer großen Bandbreite an faktorbasierten Produkten und Umsetzungsmöglichkeiten auswählen*

Zwischen aktiv und passiv

Um zu bestimmen, welcher Anteil eines Portfolios gezielt in Faktoren allokiert werden sollte, können Anleger zunächst für sich die Frage beantworten, ob sie vom Mehrwert traditionellen aktiven Managements überzeugt sind oder nicht. Factor Investing basiert auf der Existenz einer Reihe von Prämien, die mittels eines regelbasierten Prozesses zur Aktien- oder Anleihenauswahl vereinnahmt werden können. Daher wird es oft als Alternative zu rein passivem und traditionellem aktiven Management angesehen.

Mindestens ein Drittel eines Portfolios sollte zu Faktoren allokiert sein um einen signifikanten Einfluss zu haben

Ein verbreiteter Ansatz bei Investoren, die die Einbeziehung aktiven Managements in ihren Portfolios für sinnvoll halten, besteht darin, jeweils ein Drittel des Portfolios auf aktive und passive Strategien und ein weiteres Drittel auf faktorbasierte Produkte zu verteilen. Generell sollte mindestens ein Drittel eines Portfolios in Faktoren allokiert werden, wenn sich diese wesentlich bemerkbar machen sollen − es sei denn, der Anleger will sich erst vorsichtig an die Strategie herantasten, bevor er später einen höheren Anteil darin zu investieren beabsichtigt.

Umgekehrt kann für Kunden, die an der Marktgewichtung orientierte passive Anlagen als Ausgangspunkt betrachten, die aber zugleich von einer Ausrichtung auf Faktoren profitieren wollen, Enhanced Indexing in Betracht kommen. Solche Strategien sollen den Marktertrag vereinnahmen und zusätzlich Zugang zu etablierten Faktoren eröffnen. In diesem Fall könnte das gesamte passive Portfolio in Enhanced Indexing-Produkte umgeschichtet und der Tracking Error auf einem sehr niedrigen Niveau von rund 1 % gehalten werden.

Zwischen diesen beiden Ansätzen gibt es eine unbegrenzte Zahl an Auswahloptionen für Anleger. So lassen sich unterschiedliche faktorbasierte Anlagelösungen miteinander kombinieren; sie funktionieren aber auch sehr gut in Verbindung mit traditionellen fundamentalen Strategien. Zum Beispiel kann man Low Volatility-Strategien mit benchmarkorientierten Produkten oder Fonds für Dividendenaktien kombinieren, um dank ihrer stabileren Ertragsmuster Diversifikationsvorteile zu erlangen** .

Überwachung der Faktor-Exposures

Ganz gleich, welcher Ansatz verfolgt wird, sollten Anleger nicht vergessen, ihre aggregierten Faktor-Exposures genau zu überwachen, vor und nach der Allokation. Wie in einem früheren Artikel aus dieser Serie dargelegt wurde, müssen Anleger sicherstellen, dass sie ihre Exposures in den einzelnen Faktoren umfassend kennen. Weisen die Anlagen eines Kunden beispielsweise schon eine unbeabsichtigt starke Tendenz hin zu einem bestimmten Faktor auf, dürfte eine Faktorstrategie am besten sein, die auf ein geringeres Gewicht dieses Faktors abzielt.

Aus diesem Grund riet Elroy Dimson, Professor für Finance in Cambridge, in einem kürzlichen Interview mit Robeco, dass Anleger ihre Faktor-Exposures auf jeden Fall überwachen sollten. “Nicht nur die komplexe quantitative Strategien verfolgenden Investoren, sondern auch traditionelle Anleger sollten ihr Exposure gegenüber unterschiedlichen Risikoquellen evaluieren und berücksichtigen,” sagte Dimson.

Am Markt sind spezielle Tools verfügbar, die eine quantitative Analyse des Faktor-Exposures und der Performance-Attribution ermöglichen. Auch die akademische Literatur hat sich damit ausführlich befasst*** .

* Lesen Sie unser Papier über die Umsetzung einer Faktoranlagestrategie in einem Portfolio
** Lesen Sie unseren Leitfaden zu Low Volatility-Investing, um mehr zu erfahren
*** Erfahren Sie mehr über unseren Factor Exposure Monitor in unserer Fallstudiensammlung.

Herausforderung beim Factor Investing
Herausforderung beim Factor Investing

Diese Publikationsserie behandelt einige der Hauptprobleme, vor denen Investoren bei der Umsetzung von Factor Investing-Strategien stehen.

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