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Anleger werden gegen klimaunfreundliche Unternehmenspolitik stimmen

Anleger werden gegen klimaunfreundliche Unternehmenspolitik stimmen

19-02-2021 | Einblicke
Unternehmen, die ihre CO2-Emissionen nicht schnell genug abbauen, werden bei Aktionären auf Widerstand stoßen, sagt Engagement Specialist Michiel van Esch.
  • Michiel  van Esch
    Michiel
    van Esch
    Specialist Governance and Active Ownership

In aller Kürze

  • Dekarbonisierung ist in der bevorstehenden Hauptversammlungssaison ein großes Thema
  • Anleger können wegen schlechter Praktiken gegen eine erneute Bestellung von Vorstandsmitgliedern stimmen
  • Auch die Themen Geschlechtervielfalt und Führungskräftevergütung können bei Anlegern für Verärgerung sorgen 

Vor der anstehenden Hauptversammlungssaison macht Michiel van Esch deutlich, dass Anleger – Robeco eingeschlossen – bereit sind, ihre Macht zu nutzen, um sich klimaunfreundlicher Unternehmenspolitik zu widersetzen und gegen eine erneute Bestellung von Vorstandsmitgliedern zu stimmen.

„In Unternehmen, die nicht genug gegen Klimarisiken tun, werden wir den Vorstand zur Verantwortung ziehen, indem wir gegen den Vorstandsvorsitzenden oder den Vorsitzenden des Ausschusses für Nachhaltigkeit oder gegen den Jahresabschluss stimmen“, betont Van Esch. 

„Anleger, die selbst einen Auftrag haben, ihre Portfolios zu dekarbonisieren, lehnen es zunehmend ab, auf Hauptversammlungen routinemäßige Tagesordnungspunkte abzusegnen. Mit dieser Praxis haben wir letztes Jahr begonnen.“

„Wir haben ein Rahmenkonzept entwickelt, um zu beurteilen, welche Aktionärsbeschlüsse zum Klimaschutz wir unterstützen und welche nicht. Das ist allerdings weiterhin ein bewegliches Ziel; denn die Anforderungen an Unternehmen, ihre CO2-Emissionen abzubauen, steigen.“ 

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Aktionärsbeschlüsse

Aktionäre können Veränderungen u. a. durch Aktionärsbeschlüsse herbeiführen, durch die bestimmte Aspekte der Geschäftstätigkeit eines Unternehmens verbessert werden sollen. Unterstützen genügend Aktionäre einen Beschluss, gerät das Unternehmen unter Druck, diesen Beschluss zu fassen.

„Letztes Jahr haben wir für 70 % der Aktionärsvorschläge zum Umweltschutz gestimmt, weil wir es im Allgemeinen nachdrücklich unterstützen, dass Aktionäre von ihren Rechten Gebrauch machen, um Fortschritte beim Klimaschutz zu erreichen“, so Van Esch. „Unsere Unterstützung ist aber an bestimmte Bedingungen geknüpft.“

„Normalerweise unterstützen wir Beschlüsse, die eine Risikominderungsanalyse, die Ausarbeitung einer Klimastrategie oder ein den Richtlinien der FSB-Taskforce für die Offenlegung klimabezogener Finanzinformationen entsprechendes Berichtswesen zum Ziel haben.“

„Man sollte jedoch darauf achten, dass die Vorschläge auf die Unterstützung eines Unternehmens abzielen, die nächsten Schritte im Hinblick auf den Klimawandel zu gehen. Vorschläge, die ein Verbot so genannter ‚Übergangsbrennstoffe‘ anstreben oder unter bestimmten Umständen ein absolutes Ziel höher stellen als ein Intensitätsziel, könnten allerdings kontraproduktiv sein.“

Die Initiative ergreifen

Man sollte auch zur Kenntnis nehmen, dass viele Unternehmen Lob verdienen, weil sie selbst die Initiative ergreifen, um CO2-Emissionen zu verringern, findet Van Esch und sagt: „Wenn wir uns einen Beschluss ansehen, berücksichtigen wir auch die eigenen Anstrengungen und die Planung eines Unternehmens, einschließlich seiner Bereitschaft, Vorschläge von Aktionären aufzugreifen, der Konkretheit seines Klimaprogramms und der Qualität seines Berichtswesens.“

„Bei Unternehmen, die bei diesen Aspekte gut abschneiden, ist die eigene Planung vielleicht sogar besser als das, was von Aktionären vorgeschlagen wird.“ 

„Bemerkenswerterweise haben wir auch einen Vorschlag eines Vorstands gesehen, in dem dieser die Aktionäre um Unterstützung für seine Klimastrategie bittet. Wir begrüßen solche Vorschläge des Managements und hoffen, dass wir sie in Zukunft häufiger auf der Tagesordnung finden.“

Geschlechtervielfalt

Wie viele Frauen dem Vorstand angehören, ist eine weitere wichtige Frage für Aktionäre. Viele Studien zeigen, dass Unternehmen mit mehr Frauen in höheren Führungspositionen tatsächlich höhere Gewinne erzielen, und machen diese Frage zu einem finanziell wesentlichen Aspekt.

„Nach unserer Überzeugung kann Diversität dazu beitragen, dass zu wichtigen Themen für den Vorstand unterschiedliche Perspektiven eingebracht werden“, sagt Van Esch. „Deshalb werden wir gegen den Vorsitzenden des Ernennungsausschusses eines Unternehmens stimmen, wenn der Vorstand dem Thema Diversität nicht genügend Beachtung schenkt.“

„In den meisten Ländern gibt es nicht zwingende gesetzliche Bestimmungen oder Richtlinien zur Geschlechtervielfalt im Vorstand. Gegenstimmen können ausgelöst werden, wenn ein Unternehmen die für Geschlechtervielfalt angestrebte Quote von 30 % verfehlt. In Ländern, in denen es keine solchen Richtlinien gibt, werden Gegenstimmen ausgelöst, wenn es auf Vorstandsebene überhaupt keine Geschlechtervielfalt gibt.“

„Im Allgemeinen unterstützen wir Aktionärsvorschläge, die eine bessere Ernennungspolitik eines Unternehmens zum Ziel haben, um die Vorteile von Vielfalt nicht nur in Bezug auf das Geschlecht zu nutzen und eine Kultur der Inklusion zu fördern.“

Führungskräftevergütung

Dann ist da noch das klassische Hauptversammlungsthema: die heikle Frage der Führungskräftevergütung – vor allem, wenn diese nicht zum Unternehmenserfolg im zurückliegenden Jahr passt. Robeco beurteilt Vorschläge zur Vergütung ausgehend von vier Punkten. Dies sind die Ausgestaltung des Vergütungsplans; die Leistungsbezogenheit der Vergütung; die Transparenz und Verantwortungsübernahme seitens des Vorstands in Bezug auf dieses Thema; die Einbeziehung relevanter Nachhaltigkeitsaspekte und die Frage, wie angemessen die Vergütungshöhe für das betreffende Unternehmen ist.

„Die Vergütungspläne ziehen immer sehr viel Aufmerksamkeit auf sich. In der Hauptversammlungssaison 2021 gibt es (ähnlich wie im letzten Jahr) ein paar Faktoren, die die Angelegenheit interessanter machen werden“, erwartet Van Esch. 

„Zuallererst wird es wegen der Änderung der EU-Aktionärsrechterichtlinie (SRD II) requiring more frequent shareholder approval of compensation plans. Our engagement on executive remuneration is going to be closely aligned with our expectations when we vote on these topics.”

“Companies that do not meet investor expectations on remuneration will probably have to do much more consultation on the topic in the coming years – we already see that happening now,” Van Esch says.

Komplikationen durch Covid-19

Ein weiterer Faktor, der die Dinge komplizierter macht, ist die Covid-19-Krise. „Viele Unternehmen mussten schwierige Entscheidungen zu Kostensenkungsmaßnahmen, Investitionsausgaben, zum Stellenabbau, zur Beantragung oder Inanspruchnahme von Staatshilfen und zur Aussetzung von Dividenden treffen“, sagt Van Esch. 

„Was ist unter diesen Umständen ein angemessenes Vergütungspaket für Führungskräfte? Theoretisch sieht die Vergütungspolitik in den meisten Fällen eine höhere Bezahlung für das Management vor, wenn die Geschäfte gut laufen, und eine geringere Bezahlung, wenn sich die Lage verschlechtert. In der Praxis gibt es jedoch häufig konzeptionelle Fehler, die zu hohen Zahlungen führen, wenn sich ein Unternehmen prächtig entwickelt, nicht aber geringere Zahlungen in Abschwungphasen.“

„Darauf werden wir in der kommenden Hauptversammlungssaison achten – vor allem im Hinblick auf mit Covid-19 zusammenhängenden Auswirkungen auf Unternehmen.“ 

Robecos vollständige Richtlinien zur Stimmrechtsausübung finden Sie hier.

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