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Fakt oder Irrtum: Nachhaltige Anlagen haben keine eindeutigen Auswirkungen auf die Gesellschaft

Fakt oder Irrtum: Nachhaltige Anlagen haben keine eindeutigen Auswirkungen auf die Gesellschaft

23-04-2018 | Einblicke

Nachhaltige Investments haben sich als anspruchsvolle Form der Vermögensverwaltung etabliert – doch profitiert tatsächlich auch jemand anderes davon? Mitunter lässt sich eine positive Auswirkung auf die Gesellschaft schwer nachweisen, insbesondere wenn der Eindruck besteht, dass dafür ein Preis zu zahlen ist.

  • Guido Moret
    Guido
    Moret
    Head of Sustainability Integration Credits
  • Masja Zandbergen - Albers
    Masja
    Zandbergen - Albers
    Head of sustainability integration

In aller Kürze

  • Die Nachhaltigkeitsziele der UN zeigen, wie es funktionieren kann
  • Gezielte Stimmrechtsausübung und aktiv geführter Dialog führen zu besseren Geschäftspraktiken
  • Die ESG-Integration soll sowohl zu höheren Standards in den Unternehmen als auch zu höheren Erträgen führen

Ein Beispiel dafür, wie „grüne“ Initiativen nicht immer zu den beabsichtigten Resultaten führen, ist die schrittweise Abschaltung der Kernkraftwerke in Deutschland, die nach dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima im Jahr 2011 beschlossen wurde. Während die Entscheidung als solche legitim war, bestand eine der Nebenwirkungen darin, dass sie das Land abhängiger von der Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken gemacht hat. Dies stand im Widerspruch zum Ziel der deutschen Energiewende, da es statt zur beabsichtigten Reduzierung der CO2-Emissionen zu einem Anstieg kam.

Daraus folgt, dass ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich ist, der alle relativen Vorteile (oder Nachteile) für das Gesamtsystem einbeziehen sollte und nicht nur Teile davon. Eine Möglichkeit, einen messbaren positiven Effekt zu erzielen, stellt eine Anlage dar, die auf die Ziele zur nachhaltigen Entwicklung der UNO ausgerichtet ist. Dies wird fast jeder für eine gute Idee halten – wie aber funktioniert das in der Praxis?

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Drei Schritte zur Nachhaltigkeit

Will man greifbare Auswirkungen im Hinblick auf die Ziele der UNO zur nachhaltigen Entwicklung erreichen, muss man bei der Bildung eines Portfolios zunächst die richtigen Wertpapiere auswählen. Robeco und RobecoSAM tun dies in drei Schritten. Zunächst ermitteln wir, was ein Unternehmen herstellt, und ob seine Produkte positiv oder negativ zu den UN-Nachhaltigkeitszielen beitragen. Positive Beiträge leisten unter anderem Unternehmen, die Arzneimittel herstellen, bei der Bereitstellung sauberen Wassers helfen oder das Gesundheitswesen verbessern. Negative Beispiele wären Unternehmen, die Schiefergas fördern oder Tabakprodukte herstellen, sowie Versorger mit hohem CO2-Ausstoß.

Im nächsten Schritt untersuchen wir, wie ein Unternehmen seine Güter produziert oder seine Dienstleistungen erbringt. Dazu gehört die Analyse der bisherigen Geschäftspraktiken, der Arbeitsbedingungen sowie etwaiger Verstöße gegen die Menschenrechte. Abschließend prüfen wir, ob das Unternehmen Gegenstand von Kontroversen ist. Dies kann Umweltverschmutzung, Bestechungsvorwürfe oder Fehlverhalten beim Vertrieb von Finanzdienstleistungen oder Pharmaka betreffen. Die Ergebnisse werden in einem hausinternen Researchsystem von RobecoSAM quantifiziert, das ein Rating in Bezug auf die UN-Nachhaltigkeitsziele vergibt.

Die zugrundeliegende Bewertungsmethodik kann branchenübergreifend verwendet werden. Zum Beispiel erhalten Banken ein höheres Rating, wenn sie mehr Geld an Schwellenländer verleihen und so zum UN-Nachhaltigkeitsziel Nr. 1 (Armutsbekämpfung) beitragen. Dasselbe gilt für Nahrungsmittelhersteller, bei denen gesunde oder mit niedrigem Zuckergehalt versehene Produkte mehr als die Hälfte des Angebots ausmachen und die so zum UN-Nachhaltigkeitsziel Nr. 2 (ausreichende Ernährung) beitragen. Entsprechende Beispiele lassen sich für die meisten Unternehmen im Hinblick auf die übrigen UN-Nachhaltigkeitsziele anführen. Allerdings werden einige Firmen sofort ausgeschlossen, da sie von vornherein nicht dazu beitragen können, beispielsweise Tabakproduzenten oder Waffenhersteller.

Engagement als aktiver Aktionär

Ebenfalls ein positiver Effekt lässt sich durch die Rolle als aktiver Aktionär bewirken. Dies umfasst die Stimmabgabe und den Dialog mit den Unternehmen, um Verbesserungen bei Firmen zu erreichen, deren Geschäftspraktiken in Bezug auf Umwelt, Soziales und Governance (ESG) nicht optimal sind.

So können Aktionäre, die mit der Geschäftspolitik eines Unternehmens nicht einverstanden sind, auf der Hauptversammlung dagegen stimmen oder Resolutionen blockieren, die sie nicht gutheißen. Dies ließ sich im Jahr 2017 eindrucksvoll nachvollziehen, als Anleger auf den Hauptversammlungen von zwei großen Ölkonzernen die Durchführung von Stresstests beantragten, mit denen die Auswirkungen der Einhaltung von Klimawandelzielen auf ihre Geschäft gemessen werden sollten.

Beide Anträge wurden mit großer Mehrheit angenommen, sodass die Unternehmen die Auswirkungen einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 2 °C konkret darlegen müssen. Dazu gehören auch die möglichen Kosten von „Stranded Assets“ – Reserven an fossilen Brennstoffen, die nicht verwertet werden können, um die genannten Ziele einzuhalten. Da sich Klimaänderungen auf alle auswirken, ist der soziale Nutzen einer Minimierung der Rolle von Unternehmen offensichtlich.

Die Wahrheit über Sustainable Investing: Fakt oder Fiktion?
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Wie Engagements auf Unternehmensebene funktionieren

Ein weiteres wirksames Mittel ist das Engagement durch aktiven Dialog mit Unternehmen. Damit sind Treffen des Anlegers mit dem Unternehmen gemeint, die auf Verbesserungen im Hinblick auf den einen oder anderen ESG-Aspekt abzielen. Robeco steht routinemäßig im Dialog mit den Unternehmen, von denen es Aktien oder Anleihen hält. Im Jahr 2017 fanden solche Gespräche mit rund 200 Unternehmen statt. Zum Jahresende standen wir im Dialog mit Unternehmen, die mehr als 240 Mrd. EUR Anlagevolumen repräsentieren, und im Hinblick auf ein Volumen von 60 Mrd. EUR machten wir vom Stimmrecht Gebrauch.

Ein 2017 veröffentlichtes Research Papier von drei auf Corporate Governance spezialisierten Forschern befasste sich mit der Frage, ob solche Engagements von Aktionären allgemein etwas bewirken. Dazu wurden Daten von 660 Unternehmen ausgewertet, mit denen Anleger im Hinblick auf 847 separate ESG-Aspekte im Dialog standen.

Das Fazit der Untersuchung war eindeutig: „Die Engagements in den Unternehmen führten zu wesentlichen Anpassungen der ESG-Ratings. Besonders erfolgversprechend sind sie bei Firmen, die bereits zuvor in punkto ESG gut abgeschnitten haben, über eine breiter gestreute Anlegerschaft verfügen und ein relativ niedriges Wachstum aufweisen. Erfolgreiche Engagements wirken sich positiv auf das Umsatzwachstum aus, ohne die Profitabilität zu beeinträchtigen. Die ins Visier genommenen Unternehmen schnitten sechs Monate nach dem Engagement um 2,7 % besser ab als vergleichbare Firmen. Gleichzeitig erzielte das (ex ante) niedrigste ESG-Quartil über die Periode von einem Jahr einen Mehrertrag von 7,5 %.“ Wie die Untersuchung zeigt, hat ein aktiver Dialog mit den Unternehmen sowohl einen finanziellen als auch einen sozialen Effekt.

Tatsächlich ist es den Anlegern wichtig, wie sich ihr Verhalten auf die Gesellschaft auswirkt. In einer 2015 von der Mediengruppe Responsible Investor durchgeführten Umfrage gaben drei Viertel der Anleger an, dass ESG-Aspekte zu den fünf wichtigsten Kriterien bei der Auswahl eines Vermögensverwalters gehören. Rund 85 % analysierten die Anlagepolitik des Vermögensverwalters in punkto Nachhaltigkeit, während mehr als 80 % die möglichen positiven Auswirkungen ihrer Anlagen auf die Gesellschaft besser verstehen und vergrößern wollen.1


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ESG 2.0, Responsible Investor Asset Owner Survey 2015

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