Einblick

Warum Healthcare für Anleger immer attraktiver wird

Healthcare stand in den vergangenen fünf Jahre zumeist im Schatten von Big Tech. Doch es setzt eine nachhaltige Erholung ein, da Börsengänge in Biotechnologie und Übernahmen im Pharmasektor, Forschung und Entwicklung, KI sowie eine steigende Lebenserwartung dem Sektor eine neue Dynamik verleihen.

Autoren/Autorinnen

    Portfolio Manager

Zusammenfassung

  1. Fusionen und Übernahmen, Börsengänge, Lizenzvereinbarungen und Partnerschaften stärken Fundamentaldaten
  2. Healthcare entwickelt sich zu überzeugender Anlagemöglichkeit für praktische KI-Umsetzung
  3. Demografie sorgt weiterhin für Wachstumspfad über mehrere Jahrzehnte

In den vergangenen drei Jahren haben sich das Marktinteresse und die Kapitalströme fast ausschließlich auf KI-bezogene Themen verengt. Dadurch blieb Healthcare als (viertgrößter im MSCI World) und nachhaltigster Wachstumssektor größtenteils unbeachtet. Die Zurückhaltung war teils berechtigt: Sorgen über Reformen bei Arzneimittelpreisen, Erstattungsdruck, Kürzungen bei Medicaid und höhere politische Unsicherheiten in den USA trübten die Anlegerstimmung. Dies führte zu Kapitalabflüssen, da Anleger lieber dem KI-Trend folgten.

Wir glauben, dass sich diese Dynamik allmählich umkehrt, da sich der regulatorische und politische Druck verringert, was sich in besseren Fundamentaldaten und steigenden Bewertungen niederschlägt. Parallel dazu nehmen die Fusionen und Übernahmen, Lizenzvereinbarungen und Börsengänge in Biotechnologie zu, was auf Vertrauen in die Sektoraussichten hindeutet. Angesichts attraktiver Bewertungen und eines Gewinnwachstums, das bis 2027 wieder an Fahrt gewinnen dürfte, scheint der Sektor vor einer nachhaltigen Erholung zu stehen.

Zudem wird unterschätzt, wie sehr das Gesundheitswesen von der KI-Einführung profitiert. Sie steigert nicht nur die Kosteneffizienz, sondern beschleunigt durch mehr Innovation, schnellere Verfahren und eine intensivere Patienteneinbindung auch das Umsatzwachstum. Obwohl die Daten für eine Rückkehr der Kapitalströme sprechen, bleiben die Indexgewichte des Sektors und die Anteile bei einer breiteren Anlegerbasis nahe zyklischer Tiefs. Dadurch wird das Gesundheitswesen zu einer unterbewerteten und vernachlässigten Chance, besonders wenn Anleger ihr Portfolio gegen ein mögliches Ende des KI-Booms absichern wollen.

Transaktionen in Biopharma boomen

Die Finanzierung im Biopharmabereich hat sich erholt, da Pharmaunternehmen Kapital in innovative Biotechnologieunternehmen lenken, um ihre Pipelines vor Patentabläufen wieder aufzufüllen. Im ersten Halbjahr 2026 erreichten Fusionen und Übernahmen in der Biopharma-Branche 130 Milliarden USD – fast so viel wie im gesamten Jahr 2025 (siehe Abbildung 1). Auch das Interesse am öffentlichen Markt zog wieder an: Börsengänge in Biotechnologie brachten in der ersten Jahreshälfte 2026 5 Milliarden USD ein und übertrafen damit bereits die Jahreswerte jedes Jahres seit 2022 (siehe Abbildung 2). Zudem bleibt die Lizenzierung in der Forschung und Entwicklung extrem stark: Die Transaktionen erreichten in H1 2026 stolze 167 Milliarden USD – mehr als die Hälfte des Rekordwerts von 2025.

Abbildung 1 – Volumen und Wert der Fusionen und Übernahmen im Biopharmabereich steigen

Gesamtwert und Anzahl der angekündigten Fusionen und Übernahmen im Biopharmabereich bis zum 30. Juni 2026. Das erste Halbjahr entspricht dem Niveau des Gesamtjahres 2025. Quelle: IQVIA, Juli 2026.

Healthy Living D EUR

performance ytd (31-7)
-3,57%
Performance 3y (31-7)
-2,21%
morningstar (31-7)
2 / 5
SFDR (31-7)
Article 9
Ertragsverwendung (31-7)
No
Fonds ansehen
Frühere Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.Annualisiert (für Zeiträume, die länger als ein Jahr sind). Die Performance-Zahlen sind abzüglich Gebühren und basieren auf den Transaktionspreisen.

Abbildung 2 – Börsengänge im Biopharmabereich nehmen ebenso zu

Gesamtzahl der Transaktionen und aufgenommenes Kapital bei Biopharmaunternehmen bis zum 30. Juni 2026. Nach einigen Jahren verhaltener Aktivität ziehen Börsengänge wieder an. Quelle: JP Morgan, Datenbank DealForma.com, Juli 2026.

Diese Wiederbelebung hat weit über die an den Transaktionen beteiligten Pharmaunternehmen hinaus Bedeutung. Fusionen und Übernahmen, Lizenzvereinbarungen und frisches Eigenkapital führen letztlich zu höheren Ausgaben für Wirkstoffforschung, klinische Entwicklung und Produktion. Davon profitieren Anbieter biowissenschaftlicher Instrumente, Unternehmen für Laborausrüstung und spezialisierte Dienstleister wie Vertragsforschungseinrichtungen (CROs) und Auftragsentwicklungs- und herstellungsorganisationen (CDMOs).

Entscheidend ist, dass das Kapital in einige der innovativsten und am schnellsten wachsenden Segmente des Gesundheitswesens fließt. Onkologie machte im ersten Halbjahr 2026 ganze 41 % des Transaktionswerts aus, gefolgt von Immunologie und Neurologie. Viele Transaktionen konzentrieren sich auf Plattformen nächster Generation wie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, Zell- und Gentherapien sowie multispezifische Antikörper. Das unterstreicht die Innovationsbereitschaft der Branche auf der Suche nach der nächsten Welle umsatzstarker Arzneimittel.

Welche Trends gibt es?

Für die neuesten Trends im Thematic Investing brauchen Sie nur unseren Newsletter abonnieren.

Auf dem laufenden bleiben

Healthcare – ein Sektor, der den realen Nutzen von KI zeigt

Healthcare entwickelt sich zu einer der überzeugendsten Erfolgsgeschichten der KI-Monetarisierung am Markt. Entlang der Wertschöpfungskette beschleunigt KI die Wirkstoffsuche, sorgt für schnellere und bessere Diagnosen, steigert die klinische Produktivität und automatisiert Abläufe. Das liefert eine seltene Kombination aus Innovation, Umsatzwachstum und Kosteneffizienz.

Bis Ende 2025 hatte die FDA über 1.400 KI- und durch maschinelles Lernen gestützte Medizinprodukte zugelassen. Die Radiologie ist hier führend, da KI die Untersuchungszeiten verkürzt und gleichzeitig die diagnostische Genauigkeit verbessert. Im Managed-Care-Bereich soll der1KI-Assistent von UnitedHealthcare bis Ende 2026 über 20 Millionen Mitglieder erreichen und die Navigation durch Versicherungsschutz, Anträge sowie medizinische Kosten vereinfachen. Unterdessen setzt HCA Healthcare im gesamten Netzwerk maschinelles Lernen ein, um die Dokumentation zu automatisieren, Abläufe zu straffen und das Abrechnungsmanagement zu optimieren, was den akuten Personalmangel im Gesundheitswesen lindert.

Noch überzeugender ist, dass KI die Wirtschaftlichkeit der Wirkstoffentwicklung rasant verändert. Pharmaunternehmen integrieren maschinelles Lernen in den F&E-Prozess, um mehr Arzneimittel schneller und zu geringeren Kosten auf den Markt zu bringen. AstraZeneca nutzt bereits KI, um die Auswahl vielversprechender Wirkstoffkandidaten zu beschleunigen. Branchenweit steigen die Investitionen in die KI-gestützte Wirkstoffforschung weiter an, da Biopharma-Unternehmen ihre Innovationsrenditen steigern wollen. An der Spitze behauptet die chinesische Insilico Medicine, die frühe Wirkstoffforschung durch die Kombination von generativer KI mit automatisierten Roboterlaboren von rund 4,5 Jahren auf nur 12 Monate verkürzt zu haben.

Das Gesundheitswesen bietet Anlegern einen differenzierten Zugang zum KI-Thema – weg von der technologischen Diskussion hin zu direkten Vorteilen durch den realen Einsatz. Daher bleibt das Gesundheitswesen unseres Erachtens eine der attraktivsten und unterschätztesten Chancen in der nächsten Phase der KI-Einführung.

Healthcare bietet Anlegern einen differenzierten Zugang zum KI-Thema

Demografie bleibt ultimativer Wachstumsmotor

Verbesserte Fundamentaldaten, erneute Marktzuflüsse und das Aufkommen KI-gestützter Produktivität sorgen zwar für zyklischen Rückenwind für das Gesundheitswesen, doch die überzeugendste Anlagethese für den Sektor bleibt strukturell. Eine alternde Bevölkerung, steigende Lebenserwartung und eine wachsende globale Mittelschicht treiben die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen im Gesundheitswesen nachhaltig an.

Dieser Wandel zeigt sich bereits in den Mustern der Konsumausgaben. In den USA stieg der Anteil des Gesundheitswesens am privaten Konsum von nur 5 % in den 1950er Jahren auf rund 17 % heute, während die Ausgaben für Lebensmittel und Getränke von 21 % auf 7 % sanken. Ein Teil dieses Anstiegs lässt sich dadurch erklären, dass Verbraucher bei steigendem Einkommen einen größeren Anteil ihrer Ausgaben für Gesundheit und Wohlergehen vorsehen. Dadurch profitiert das Gesundheitswesen eindeutig von langfristigem Wohlstand.

Die Demografie dürfte diesen Trend in den kommenden Jahrzehnten weiter verstärken. Die Inanspruchnahme des Gesundheitswesens steigt im Alter stark an. Eine höhere Lebenserwartung steigert kontinuierlich die Nachfrage nach medizinischer Versorgung, Behandlungen und Gesundheitsdienstleistungen. Obwohl Amerikaner über 65 nur 18 % der Bevölkerung ausmachen, stehen sie für 38 % der gesamten Gesundheitsausgaben und suchen Arztpraxen durchschnittlich siebenmal pro Jahr auf, verglichen mit nur zweimal bei den unter 45-Jährigen2. Noch deutlicher wird dieser Effekt bei den Menschen über 85 – einer heute noch recht kleinen Gruppe, die in den kommenden Jahrzehnten jedoch rasant wachsen wird.

Abbildung 3 – Menschen ab 55 Jahren stehen für mehr als die Hälfte der gesamten Gesundheitsausgaben

Der Gesamtanteil an der Bevölkerung und der Anteil an den gesamten medizinischen Ausgaben pro Altersgruppe.
Quelle: Peterson KFF, Daten der Medical Expenditure Panel Survey, 2023.

Die Nachfrage erfasst zunehmend auch jüngere Gruppen. Die Grenzen zwischen Gesundheitswesen und Konsum verschwimmen zunehmend, da Gesundheitsfürsorge personalisierter, präventiver und verbraucherorientierter wird. Patienten, vor allem in höheren Einkommensschichten, übernehmen mehr Verantwortung für ihre Gesundheit. Das kurbelt die Nachfrage nach Wellness, Diagnostik, Gewichtsmanagement und Langlebigkeit an – Ausgaben, die weit über die klassische Medizin hinausgehen.

Die Strategie Healthy Living

In einer Welt mit höherer Lebenserwartung und niedrigen Geburtenraten wird Gesundheit zunehmend als Vermögenswert mit hoher Rendite wahrgenommen. Gesundes Leben geht weit über klassische Medizin hinaus und investiert in Ernährung, körperliches Wohlbefinden, Prävention und Gesundheitsinnovationen. Da Menschen eine saubere Umwelt und finanzielle Sicherheit brauchen, investiert die Strategie auch in Unternehmen, die ökologische Sicherheit, die Produktivität von Arbeitskräften und lebenslange finanzielle Resilienz fördern. Zusammen treiben diese Trends das Wachstum von „präventivem Wohlstand“ voran: Verbraucher aller Altersgruppen versuchen proaktiv, ihr Leben lang eine gute körperliche und finanzielle Gesundheit zu erhalten.

Fußnoten

1 Alle in diesem Artikel dargestellten Unternehmen dienen nur zur Veranschaulichung der Anlagestrategie zum angegebenen Datum. Die Unternehmen sind nicht notwendigerweise Teil der Strategie, und ihre künftige Integration ist nicht garantiert. Es handelt sich hierbei weder um eine Kauf-, Verkaufs- oder Halteempfehlung, noch soll ein Rückschluss auf die zukünftige Entwicklung dieser Unternehmen gezogen werden.
2 Peterson KFF, Healthsystem Tracker, „How do health expenditures vary across the population?“ (US-Statistiken), März 2026.

Warnung – Betrügerischer Verweis auf Robeco von Websites und in sozialen Medien Mehr lesen