Wie gehen Sie als langfristig orientierter Investor mit der Unsicherheit um, die angesichts der derzeitigen Marktturbulenzen herrscht?
„Zuerst muss man den Zweck eines Investments betrachten. Meine Sichtweise ist die eines ehemaligen Pensionsfonds-Managers mit Zuständigkeit für eine auslaufende Anlage ohne Leverage. In diesem Fall decken die Pensionsbeiträge die Pensionszahlungen noch ausreichend ab, sodass keine Abhängigkeit vom Anlageportfolio besteht. Pensionsfonds in der Schweiz müssen auch über eine Bewertungsreserve bei den gehalten Wertpapieren verfügen, die als Puffer dienen soll.“
„Deshalb besteht keine unmittelbare Notwendigkeit zu schnellen Verkäufen, da das Portfolio darauf ausgelegt ist, Kursrückgänge am Markt bis zu einem gewissen Grad abzufedern. Damit können erhebliche Verluste über einen Zeitraum von rund einem Jahr ausgeglichen werden. Hält ein solcher Trend allerdings mehrere Jahre lang an, müssten wir unsere Handlungsoptionen prüfen. Marktturbulenzen betreffen hauptsächlich – aber nicht nur – Aktienanlagen. In diesem Zusammenhang verfügen wir über ein Risikomanagement-Tool zur Steuerung unserer Allokationen. Wenn also die Volatilität und andere kursbasierte Indikatoren extreme Niveaus erreichen, können wir unsere Positionierung entsprechend anpassen.“
„Das durchschnittliche Aktien-Exposure des Portfolios liegt bei 25 %. Unter günstigen Bedingungen können wir unsere Aktienposition bis zu einem gewissen Grad erhöhen. Wird das Umfeld jedoch sehr riskant, können wir unseren Aktienbestand in bestimmter Höhe reduzieren. Diese Untergrenze unterschreiten wir allerdings nie und wir bleiben so stets am Aktienmarkt investiert. Innerhalb unseres Aktienkorbs verfügen wir auch über einen Anteil von Aktien mit geringer Volatilität. Ein erheblicher Anteil unserer Aktienanlagen in entwickelten und aufstrebenden Ländern entfällt auf die Strategie Robeco Conservative Equities. Dadurch verringert sich unsere Risiko-Exposure weiter.“
„Was Anleihen betrifft, haben wir unsere Allokation beibehalten. Allerdings haben wir die Duration etwas reduziert. Wir nehmen vorzugsweise keine größeren Änderungen vor, da der Versuch des Markt-Timings für gewöhnlich scheitert. Zudem haben Anleihenanlagen zwei Seiten. Wenn die Zinsen steigen, gehen zunächst die Kapitalwerte zurück. Doch anschließend beginnt das Portfolio wieder höhere Zinsen zu vereinnahmen. Weil dies zu einer höheren Abzinsungsrate führt, fällt der Gegenwartswert der Pensionsansprüche auf der passiven Seite der Bilanz. Wenn also die Zinsen steigen, kommt dies dem Portfolio zugute, da sich dadurch seine Deckungsquote verbessert.“
„Des weiteren verfügen wir über eine Allokation von rund 5 % im Bereich Private Debt mit variabler Verzinsung. Das ist aus Bilanzierungsperspektive enorm hilfreich, auch wenn es sich um eine Bewertungsillusion handelt, weil dabei starke Veränderungen der Marktwerte lediglich in die Zukunft verschoben werden. Sie sind natürlich zweifellos gegeben, doch bilanztechnisch ist die Sache hilfreich. Und für gewöhnlich gehen Phasen der Marktturbulenzen irgendwann zu Ende. Sie sehen also, dass ich zu einem gewissen Grad Optimist bin.“























