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Bernie Sanders – Risiken der US-Präsidentschaftswahlen

Bernie Sanders – Risiken der US-Präsidentschaftswahlen

05-03-2020 | Monatsausblick

Für die ohnehin angeschlagenen Finanzmärkte gibt es einen weiteren Grund zur Sorge: die Möglichkeit eines sozialistischen US-Präsidenten, sagt Portfoliomanagerin Regina Borromeo.

  • Regina Borromeo
    Regina
    Borromeo
    Portfolio Manager

In aller Kürze

  • Bernie Sanders ist einer der Bewerber um die Position als Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei
  • Seine sozialistische Agenda umfasst die Ausweitung von Medicare auf alle US-Bürger und Steuererhöhungen
  • Ein Sieg von Sanders wäre ungünstig für Unternehmen aus den Bereichen Pharma, Gesundheit und Banken

Bernie Sanders hat sich im Wettstreit um die Nominierung als Kandidat der Demokratischen Partei für die US-Präsidentschaftswahlen im November bisher überraschend gut geschlagen. Der 78-jährige Senator wäre mit Abstand der am weitesten links angesiedelte Präsidentschaftskandidat seit Jahrzehnten.

„Im Jahr 2019 stellten der Handelskonflikt, der globale Rückgang der Industrieproduktion und die Geldpolitik der Notenbanken die Hauptrisiken auf Makroebene für Anleger dar“, sagt Regina Borromeo, Senior Portfolio Manager und Director of Global Macro bei Robeco. „2020 sind es die globale Ausbreitung des Corona-Virus und die Möglichkeit, dass Bernie Sanders US-Präsident wird.“

„Sanders ist ein gegen das Establishment gerichteter Politiker und in vielerlei Hinsicht ein Außenseiter mit disruptiver Agenda. Nachdem er 2016 im Kampf um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat gegen Hillary Clinton verloren hatte, hat er seine Wahlkampfmaschinerie optimiert. Ziel ist es, eine starke Basis bei zuvor weniger beachteten Gruppen wie jungen Menschen und „Latino“-Wählern aufzubauen.“

„Zwar geht das Basisszenario der Marktteilnehmer von einer Fortsetzung des Status quo aus – mit republikanischem Präsidenten (Donald Trump), republikanisch geführtem Senat und Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus. Diesmal könnte Sanders jedoch gelernt haben, wie man gewinnt.“

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Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Bernie Sanders im Wettbewerb um die Nominierung den Sieg davonträgt, ist im ersten Quartal 2020 gestiegen. Quelle: Real Clear Politics

Biden schlägt sich mittlerweile besser

Der Hauptrivale von Sanders ist der ehemalige Vizepräsident Joe Biden, der in den Vorwahlen am „Super Tuesday“ in 14 Bundesstaaten gut abgeschnitten hat und für einen wesentlich moderateren Kurs steht. „Die etablierten Kräfte bei den Demokraten bezweifeln, dass das Modell des demokratischen Sozialismus von Sanders bei den US-Wahlen erfolgreich sein kann, da er viel weiter links angesiedelt ist als der Durchschnittsamerikaner“, sagt Regina Borromeo.

„Außerdem fürchten etablierte Vertreter der Demokraten aufrührerische Kandidaten wie Sanders, der für seinen Senatssitz in Vermont als Unabhängiger angetreten ist und nur für die US-Präsidentschaftswahlen für die Demokraten kandidiert. Allerdings hat ihm seine aggressive, gegen das Establishment, Großunternehmen und Reiche gerichtete sozialistische Rhetorik zweifellos wachsenden Zuspruch verschafft, während die moderaten Kräfte nach wie vor zersplittert sind.“

„Der Anteil der Wahlberechtigten in der Altersgruppe von 18 bis 23 Jahren wird 2020 mehr als doppelt so hoch sein wie im Jahr 2016 (10 % ggü. 4 %), was für Sanders von Vorteil sein könnte. Präsident Donald Trump hat gezeigt, dass man mit politischer Dominanz und Anti-Establishment-Verhalten gewinnen kann. Um als Kandidat der Demokraten nominiert zu werden und um Trump zu schlagen, müsste Sanders einen beispiellosen Anteil junger Wähler mobilisieren und seine Wählerschaft stark ausbauen.“

Kostenlose Gesundheitsleistungen für alle

Wofür plädiert nun Sanders in einem so unerschütterlich kapitalistisch orientierten Land? „Ein zentraler Aspekt von Sanders Kampagne ist das Thema soziale Ungleichheit. Dazu gehören bestimmte politische Vorhaben wie die Annullierung von Schulden für Studenten, kostenlose Ausbildung an staatlichen Universitäten, mehrere Steuererhöhungen, eine Anhebung des Mindestlohns auf 15 US-Dollar pro Stunde und kostenlose Gesundheitsleistungen für alle“, sagt Regina Borromeo.

„Diese Versprechen dürften bei vielen Amerikanern Anklang finden, doch dürften einige der politischen Vorhaben von Sanders für die Märkte ungünstig sein.“ Nach ihrer Einschätzung könnten vor allem folgende vier Maßnahmen die Märkte belasten:

  • Steuererhöhungen: Sanders will die Steuerentlastung von Donald Trump rückgängig machen, indem er den Spitzensteuersatz für Unternehmen auf 35 % und den Höchstsatz bei der Einkommensteuer auf 52 % anhebt. Er fordert außerdem eine Besteuerung des Handels mit Aktien von 0,5 % sowie 0,1 % bei Anleihen und 0,0005 % bei Derivaten.
  • Verschärfte Finanzmarktregulierung: Sanders strebt die Zerschlagung der sechs größten „too big to fail“-Banken an, die über Aktiva von mehr als 10 Billionen US-Dollar verfügen. Außerdem will er die Glass-Steagall-Gesetzgebung wieder einführen, die eine Trennung des Investmentbankings vom Privatkundengeschäft vorsah.
  • Revolution im Gesundheitssektor: Die von Sanders geplante Einführung einer Gesundheitsvorsorge für alle US-Bürger („Medicare for All") würde private Krankenversicherungen durch eine staatliche Einheitskasse ersetzen, für die Arbeitgeber 7,5 % des Lohns ihrer Mitarbeiter abführen müssten und die Arbeitnehmer 4 % des Einkommens. Er fordert außerdem niedrigere Preise für rezeptpflichtige Arzneimittel.
  • Höhere Staatsausgaben: Sanders plant eine Vielzahl von Ausgabenprogrammen, die unter anderem die Bereiche Wohnungsbau, Bildung und Transport betreffen, außerdem einen „Green New Deal“ mit Blick auf den Klimawandel. Der „Green Deal“ alleine würde Kosten von 16 Billionen US-Dollar über zehn Jahre hinweg mit sich bringen.

Parallele Kongresswahlen

Die von Sanders Vorhaben am unmittelbarsten betroffenen Bereiche wären Pharma, Gesundheit und Banken, sagt Regina Borromeo. Allerdings sollten Anleger im Hinterkopf behalten, dass im November auch die Kongresswahlen stattfinden. Dies bringt Probleme für jeden mit sich, der US-Präsident wird. 

„Die beiden wahrscheinlichsten Szenarien sind entweder ein gespaltener Kongress – mit Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus und einem von den Republikanern beherrschten Senat wie derzeit – oder eine einfache, aber geringe Mehrheit der Demokraten in beiden Kammern“, sagt sie. 

„In beiden Szenarien würde Sanders es mit der Durchsetzung der meisten seiner politischen Vorhaben schwer haben, darunter Medicare for All, Zerschlagung von Großbanken, Steuererhöhungen und Streichung aller Schulden von Studenten“, erklärt Regina Borromeo. Die Demokraten würden im Kongress eine einheitliche Front benötigen, um solche radikalen Gesetze gegen den breiten Widerstand der Republikaner zu verabschieden. Dies stellt eine hohe Hürde für viele der umstrittenen Vorhaben von Sanders dar.”

Implikationen für Anleger

Was bedeutet das nun für die Finanzmärkte, die bereits durch die Ausbreitung des Corona-Virus angeschlagen sind? „Eine Aufstellung von Sanders als Präsidentschaftskandidat würde die Risikoscheu und die Kursschwankungen an den Märkten erhöhen – aufgrund seiner gegen Großunternehmen gerichteten Ansichten, des Fokus auf verstärkte Finanzmarktregulierung und der restriktiven Steuerpläne“, meint Regina Borromeo.

„Medicare for All hätte erhebliche negative Auswirkungen auf Titel in den Bereichen Pharma, Dialyse und medizinische Geräte sowie auf Krankenversicherer. Moderate negative Effekte würden auch im Bereich Medizinausrüstung und -zubehör anfallen. Bei verstärkten Kursschwankungen werden sich allerdings auch vermehrte Chancen auf Einzeltitelebene ergeben. Dies würde Value-Investoren die Möglichkeit eröffnen, die Spreu vom Weizen zu trennen.“

 „Das letzte Wort sollte vielleicht John Adams haben, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten und zweiter US-Präsident von 1797 bis 1801. In einem Brief vom 23. März 1776 schrieb er: „In der Politik ist der Mittelweg kein gangbarer Weg.“ Sowohl Donald Trump als auch Bernie Sanders stehen gewiss nicht für den Mittelweg.“

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