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Schritte gegen den Klimawandel stehen bei meinen Projektionen für 2019 und darüber hinaus ganz oben

Schritte gegen den Klimawandel stehen bei meinen Projektionen für 2019 und darüber hinaus ganz oben

07-01-2019 | Kolumne
Zum Beginn des neuen Jahres befassen sich die Anleger mit den Prognosen für das Marktgeschehen im Jahr 2019.
  • Masja Zandbergen - Albers
    Masja
    Zandbergen - Albers
    Head of sustainability integration

In aller Kürze

  • Die Bekämpfung des Klimawandels steht weiterhin ganz oben auf der Agenda
  • Der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft muss gelingen
  • Die UN-Ziele zur nachhaltigen Entwicklung geben Sustainable Investing eine neue Richtung
Aktuelle Einblicke zum Thema Nachhaltigkeit
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Die Anleger analysieren derzeit die Folgen des Handelskonflikts zwischen den USA und China sowie des Brexits, den Konjunkturzyklus und die Gewinnausblicke der Unternehmen und ermitteln ihre voraussichtlichen Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Dabei handelt es sich durchweg um äußerst wichtige Themen, zu denen sich Anleger eine Meinung bilden müssen.

Ich möchte allerdings in diesem Beitrag eine andere Perspektive einnehmen und das Jahr 2019 und die folgenden Jahre unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit betrachten. Zahlreiche Nachhaltigkeitstrends besitzen erkennbare Relevanz für die Anleger. In diesem Beitrag möchte ich mich auf drei davon fokussieren.

Der Klimawandel steht weiterhin ganz oben auf der Liste.

Für viele Branchen ist der Klimawandel von erheblicher Bedeutung. Auf fossile Brennstoffe und energieintensive Branchen entfallen nach wie vor rund 70 % der Emissionen von Treibhausgasen. Daher spielen Unternehmen in emissionsintensiven Sektoren wie Erdöl & Gas, Stromerzeugung und chemische Industrie eine zentrale Rolle bei der Energiewende. Wesentliche Auswirkungen hat dieser Trend auch auf die Automobilindustrie und den Immobilienbereich (Gebäuden sind 30 % des globalen Energieverbrauchs zuzurechnen). In letzter Zeit haben zahlreiche Publikationen auf die Notwendigkeit von Maßnahmen auf regulatorischer Ebene und im privaten Sektor hingewiesen. Erwartet werden verschärfte Vorgaben, an die sich die Unternehmen anpassen müssen.

Wir berücksichtigen bereits die Risiken und Chancen regulatorischer Vorgaben und Trends in Bezug auf den Klimawandel im Rahmen unseres Investmentprozesses. Außerdem suchen wir systematisch den Dialog mit Unternehmen aus emissionsintensiven Branchen, die in unseren Portfolios enthalten sind, um Veränderungen einzufordern.

Im Rahmen der bisher größten gemeinsamen Anlegerinitiative – Climate Action 100 – formulieren wir deutlich unsere Erwartungen. Wir fordern von den Unternehmen, dass sie ein leistungsfähiges Governance-Rahmenwerk einführen, das die Verantwortung des Boards und seine Aufsichtsfunktion in Bezug auf Risiken und Chancen des Klimawandels eindeutig artikuliert. Wir fordern die Unternehmen außerdem auf, klimabezogene Risiken in ihr reguläres Risikomanagement aufzunehmen, um die Risiken des Übergangs sowie physische Risiken zu identifizieren, einzuschätzen und zu steuern.

Wir erwarten von den Unternehmen auch, dass sie Maßnahmen zur Verringerung der Emissionen von Treibhausgasen ergreifen. Dazu gehören Investitionen in umweltfreundliche Technologien sowie die Festlegung von Zielen zur Emissionsreduzierung. Nicht zuletzt fordern wir sie zur Umsetzung der Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) im Rahmen ihrer üblichen jährlichen Rechnungslegung auf.

Die Informationen, die wir aus den zahlreichen langfristigen Programmen zum Unternehmensdialog in CO2 -intensiven Branchen gewinnen, werden zusammen mit den Ergebnissen des Nachhaltigkeits-Research vonRobecoSAM kombiniert und fließen in unsere Anlageentscheidungen ein. Wir untersuchen die materielle Relevanz von ESG-Aspekten auf die verschiedenen Branchen und das diesbezügliche Abschneiden der einzelnen Unternehmen. Dies wirkt sich dann auf die Bewertungen und/oder unsere fundamentale Beurteilung von Unternehmen und Emittenten aus. Die untenstehende Grafik zeigt ein Beispiel für die Relevanz und die Auswirkungen auf die Bewertung in einer vom Klimawandel betroffenen Branche, dem Versorgerbereich. Wir rechnen damit, dass sich dieser Effekt in den nächsten Jahren verstärkt.

Die wichtigsten Faktoren im Versorgerbereich. Quelle: Robeco
Auswirkungen auf die Kursziele bei Versorgern. Quelle: Robeco

Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft: der Wert des Abfalls

Der in der Vergangenheit erzielte wirtschaftliche Fortschritt hat einen Preis, der sich in den Gewinnausweisen und Bilanzen der Unternehmen derzeit nicht widerspiegelt – die externen Kosten. Da immer mehr Menschen auf unserem Planeten leben, die alle einen höheren Lebensstandard anstreben, ist die traditionelle lineare Wirtschaftsform der Herstellung, des Gebrauchs und des Wegwerfens von Produkten nicht länger durchzuhalten. Für die kommenden Jahrzehnte wird ein starkes und wahrscheinlich noch unterschätztes Wachstum des Verbrauchs von Energie, Stahl, Weizenprodukten und Wasser erwartet. Die Frage stellt sich, ob das realisierbar ist.

Sicher ist auf jeden Fall, dass der Druck auf die Umwelt weiter zunehmen wird. Beim gegenwärtigen Tempo der Urbanisierung und des Bevölkerungswachstums wird die weltweite Abfallmenge bis 2025 schätzungsweise auf 2,2 Milliarden t steigen. Dies entspricht 1,42 kg Abfall pro Person am Tag.

Deshalb brauchen wir eine andere Herangehensweise. Übergang zur Kreislaufwirtschaft. Berücksichtigung der Analyse der Lebensdauer von Produkten bei der Entwicklung. Die Einbettung des Kreislaufprinzips in die Unternehmenstätigkeit wird den Ressourcenverbrauch verringern, die Effizienz des Ressourceneinsatzes erhöhen und die Gesamtkosten der Abfallentsorgung verringern, was sich positiv auf den Ertrag auswirkt. 

Die Bedeutung dieses Aspekts spiegelt sich auch in den Zielen zur nachhaltigen Entwicklung der UN wieder, die weiter unten erörtert werden. Das UN-Nachhaltigkeitsziel 12 betrifft die Nachhaltigkeit von Konsum und Produktion. Das Unterziel 12.5 nennt speziell eine deutliche Verringerung des Abfallaufkommens durch Vorbeugung, Reduzierung, Recycling und Wiederverwendung. 

Ein Thema, das aus unserer Sicht rasch an Bedeutung gewinnt, ist insbesondere die Verwendung von Plastik für Wegwerfprodukte. Dafür sprechen die zunehmende Zahl darauf abzielender Anträge von Aktionären, zum Beispiel die 2018 erhobene Forderung der Anteilseigner von McDonalds zum Verzicht auf Plastikstrohhalme. Da wir uns der entsprechenden Risiken bewusst sind, sind wir der Plastic Solutions Investor Alliance beigetreten. So wichtig die Verringerung des Plastikabfalls auch ist, wirkt sich diese mitunter weniger unmittelbar auf den finanziellen Erfolg aus.

Dennoch ist zu beobachten, dass eine Reihe von Unternehmen in der Nahrungsmittelbranche bereits in dieser Hinsicht aktiv geworden ist. Zum Beispiel rief Coca-Cola in Anbetracht der Probleme mit Einmalprodukten aus Plastik die Strategie World Without Waste in 2030 ins Leben. Allerdings stellt Plastik nicht nur ein Risiko für Unternehmen dar: Mit innovativen Entwicklungen und Verfahren zum Ersatz von Plastik können auch Chancen verbunden sein. Tetra Pak zum Beispiel arbeitet intensiv an der Entwicklung eines hochwertigen Papier-Strohhalms.

Ein Hindernis für die großangelegte Umsetzung solcher innovativen Lösungen stellen die damit verbundenen technischen Probleme dar. Neuartige Biokunststoffe und andere Lösungen sind im Vergleich zu traditionellen Materialien noch recht teuer. Das bedeutet, dass direkte positive Auswirkungen auf die Gewinne in Form möglicher Kosteneinsparungen den Unternehmen keinen Anreiz zur Bewältigung dieses Problems geben.

Weshalb haben Unternehmen dennoch diesbezüglich Maßnahmen ergriffen? Und weshalb halten wir als Investor dieses Thema für wichtig? Zu erklären ist das mit den Aspekten Image und Markenwert. Große Nahrungsmittelhersteller sehen auf lange Sicht Risiken für das Markenansehen. Plastikabfall stellt jetzt bereits ein erhebliches Problem dar, das ohne Gegenmaßnahmen weiter zunehmen wird. Früher oder später werden die Unternehmen dafür verantwortlich gemacht, es werden strengere Vorschriften eingeführt und/oder die Verbraucher werden ihr Verhalten ändern. Die bisher externen Kosten werden dann zu internen Kosten für die Unternehmen bzw. für die Anleger in Form eines geringeren (Marken)Werts.

UN-Nachhaltigkeitsziele: neue Richtung für Sustainable Investing

Die Ziele zur nachhaltigen Entwicklung der UN haben seit ihrer Vorstellung im Jahr 2015 bereits einiges bewirkt. In der Zwischenzeit haben viele Investoren und Assetmanager ihre bestehenden Anlageportfolios und Strategien zum Unternehmensdialog in Bezug auf diese Ziele analysiert und die Ergebnisse bekanntgegeben.

Nach jüngsten Untersuchungen der Niederländischen Anlegervereinigung für nachhaltige Entwicklung (VBDO), für die Robeco Sponsor war, haben am niederländischen Markt für Pensionsfonds – der allgemein als führend in dieser Hinsicht gilt – mehr als 80 % der Fonds die UN-Nachhaltigkeitsziele im Rahmen von Treffen mit den Boards angesprochen. 34 % davon verfügen außerdem bereits über entsprechende Grundsätze. Diese Grundsätze und Strategien sollen meistens einen positiven Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen leisten. Negative Beiträge werden dagegen häufig nicht berücksichtigt. So gesehen ist es verständlich, dass es auch viel Kritik an den erfolgten Fortschritten gibt. Einige Leute betrachten die Berücksichtigung der UN-Nachhaltigkeitsziele beim investieren lediglich als Vermarktungstrick.

Ich bin anderer Meinung. Mit dem Vorgehen geht ein anderer Blickwinkel einher als bei der traditionellen Form des verantwortungsbewussten Investierens, bei der häufig ein für alle Branchen gleichermaßen geltender „Best in Class“-Ansatz verwendet wird. Stattdessen werden nicht nur operative Aspekte und das Geschäftsgebaren der Unternehmen berücksichtigt, sondern auch der Beitrag ihrer Produkte zu einer nachhaltigen Entwicklung. Dies führt im Ergebnis zu Portfolios mit einem eigenständigen Profil.

Auch wenn wir in dieser Hinsicht erst am Anfang stehen und noch keinesfalls am Ziel sind, ist die Richtung eindeutig: dem Investieren unter dem Aspekt der nachhaltigen Entwicklung gehört die Zukunft.

Autor dieses Beitrags ist Carola van Lamoen, Head of Active Ownership

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