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Wie geht man mit dem Risiko eines Handelskriegs zwischen den USA und China um?

Wie geht man mit dem Risiko eines Handelskriegs zwischen den USA und China um?

26-06-2018 | Einblicke

Wie lässt sich das Verhältnis zwischen den USA und China wieder reparieren? Victoria Mio, CIO China und Fabiana Fedeli, Head of Fundamental Equities bei Robeco, haben bei einem USA-China-Symposion mit einer Reihe von Führungskräften aus der Finanzbranche, Regierungsvertretern und Thinktank-Analysten aus den USA und China gesprochen, um eine Antwort auf diese Frage zu finden.

  • Fabiana Fedeli
    Fabiana
    Fedeli
    Global Head of Fundamental Equities
  • Victoria  Mio
    Victoria
    Mio
    CIO Chinese Equities

In aller Kürze

  • China möchte einen Handelskrieg vermeiden, doch kann es das gebrauchen, was Präsident Trump ihnen „verkaufen“ will? 
  • China entwickelt sich in Richtung einer offeneren Volkswirtschaft 
  • Erwartungen einer raschen Beilegung des Streits wären unrealistisch

In den letzten Monaten haben das Aufeinanderprallen von Präsident Xi's „China Dream“ und Präsident Trumps „Make America Great Again“ für Turbulenzen im Verhältnis zwischen den USA und China gesorgt. Unterdessen öffnet China seine Volkswirtschaft schrittweise. So sind unter anderem verstärkte ausländische Investitionen im Finanzsektor möglich. Außerdem wird das Wachstum der Kreditvergabe durch verstärkte Regulierungen in Bereichen wie Schattenbanken und Fintech eingedämmt. Wird das genügen, um das Verhältnis zu den USA wieder zu kitten?

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Wichtige Änderungen beim Verhältnis der USA und Chinas

Das Verhältnis zwischen den USA und China hat sich bedeutend verändert. Unter US-Politikern besteht der Konsens, dass ein robusterer Kurs angebracht ist. Auslöser ist aber nicht verstärktes Fehlverhalten Chinas, sondern vielmehr das Bewusstsein dafür, wie mächtig das Land auf globaler Eben geworden ist.  

In der Vergangenheit waren die US-Eliten der Ansicht, dass die chinesische Volkswirtschaft mit zunehmender Einbeziehung in den Welthandel stärker marktwirtschaftlich ausgerichtet wird. Dies hätte zu einem Rückgang des staatlichen Einflusses und einer ideologischen Annäherung Chinas an die westliche Welt geführt. Doch die Festigung der staatlichen Machtposition durch Präsident Xi hat zu einer veränderten Wahrnehmung und einem anderen Vorgehen des Westens geführt. Die volkswirtschaftliche Bedeutung und der globale Einfluss Chinas sind gestiegen, während sich seine politische Ideologie nicht derjenigen der USA angenähert hat. Die strategischen Initiativen „One Belt One Road (OBOR)“ und „Made in China 2025“ werden von den USA als Herausforderung an die etablierte wirtschaftliche und politische Weltordnung angesehen.

Das Handelsdefizit der USA gegenüber China ist mit 47 Prozent gemessen an seinem BIP-Anteil hoch, während der Überschuss im Dienstleistungssektor mit 15 Prozent niedrig ist. Doch muss ein noch grundlegenderes und langfristiges Problem analysiert werden: Können China und die USA der „Thukydides-Falle“ entgehen? Professor Graham Allison von der Harvard Kennedy School hat diese Bezeichnung geprägt, um die Wahrscheinlichkeit eines Konflikts zwischen einer aufsteigenden und ein aktuell dominierenden deutlich zu machen. Die Grundlage liefert das bekannte Zitat des altgriechischen Historikers und Feldherrn Thukydides: „Es war der Aufstieg Athens und die dadurch in Spart ausgelösten Befürchtungen, die einen Krieg unausweichlich machten.“

Bewältigung des Handelskonflikts zwischen den USA und China

Die jüngsten handelspolitischen Auseinandersetzungen lassen erkennen, wie brüchig das Gleichgewicht der Kräfte geworden ist. Die zentrale Frage lautet, ob China überhaupt imstande ist, Präsident Trump das zu liefern, was er will. Nach der USA-Reise von Vizepremier Liu He im Mai 2018 wurde eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, wonach China seine Importe von Gütern und Dienstleistungen aus den USA erheblich ausweiten und die Zusammenarbeit bei bilateralen Investitionen und beim Schutz geistigen Eigentums vertiefen will. Doch bleibt fraglich, wie China sein Importe um das „gewünschte“ Volumen von 200 Mrd. US-Dollar erhöhen kann, ohne mehr Güter zu kaufen, die im Hinblick auf das geistige Eigentum sensibel sind und die die USA aus Sicherheitsgründen nicht verkaufen wollen.  

Wahrscheinlich wird China sich für eine allmähliche Umstellung auf US-Produkte bei Gütern wie Fleisch, Flüssiggas und Autos entscheiden, doch ist es unwahrscheinlich, dass damit das Handelsdefizit ausgeglichen werden kann. Von daher dürften die handelspolitischen Spannungen zwischen den beiden Ländern anhalten.  

Der Export von Dienstleistungen könnte eine Lösung des Konflikts bedeuten, indem das Handelsdefizit durch einen erhöhten Überschuss bei Dienstleistungen kompensiert wird. Derzeit entfällt rund die Hälfte der US-Dienstleistungsexporte auf die Bereiche Reisen und Bildung, wo ein anhaltend starkes Wachstum zu verzeichnen ist. In unseren Gesprächen mit Regierungsvertretern betonten diese den anhaltenden Willen Chinas, auf dem Pfad der Liberalisierung fortzuschreiten und die Globalisierung voranzutreiben.

Erhebliche Risiken bleiben bestehen

Beide Seiten dürften weiterhin einen robusten Kurs verfolgen und dabei könnten spezielle Sektoren in bestimmten Ländern Schaden erleiden. Das globale Makroumfeld birgt weiterhin Risiken. Insbesondere könnten geopolitische Konflikte wie der zwischen den USA, China sowie Nord- und Südkorea negative Auswirkungen auf die Region haben.  

Was Nordkorea angeht, deutet das jüngste Gipfeltreffen zwischen Präsident Trump und Kim Jong-un auf eine Normalisierung hin. Dessen ungeachtet ist die weitere Entwicklung angesichts des unberechenbaren Charakters der maßgeblichen Beteiligten weiterhin zu beobachten.

Implikationen für die Perspektiven Chinas

Fedeli und Mio halten an ihre Prognose eines Wirtschaftswachstums in China von 6,5 Prozent für das Jahr 2018 fest und sind im Hinblick auf die chinesischen Aktienmärkte weiterhin positiv gestimmt. Das Wachstum ist stabil, zumal sich das Verbrauchervertrauen dank gestiegener Einkommen und Immobilienpreise auf hohem Niveau befindet. Auch die Industrieproduktion entwickelt sich robust. Das Gewinnwachstum bei den chinesischen Unternehmen hat sich im ersten Quartal 2018 abgeschwächt, ist aber mit 15,6 Prozent im Vorjahresvergleich nach wie vor kräftig.  

Für beide Länder stünde bei einem Handelskrieg viel auf dem Spiel. Deshalb sind Verhandlungen wahrscheinlich, allerdings wird der Weg kein einfacher sein. Sowohl Präsident Xi als auch Präsident Trump dürften an einem harten Kurs festhalten, um ihre jeweiligen Vorhaben durchzusetzen: Xi möchte weitreichende Reformen durchdrücken und Trump will seiner Partie bei den Zwischenwahlen helfen. Die Märkte werden sich auf die wahrscheinlichen Gewinner oder Verlierer in den Bereichen Energie, Automobile und Technologie-Hardware konzentrieren. Sollte wirklich ein Handelskrieg eskalieren, wird die chinesische Regierung den politischen Rahmen wahrscheinlich lockern, um die Abwärtsrisiken für die Konjunktur zu begrenzen.

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