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Handel als potentielle Quelle von Alpha

Handel als potentielle Quelle von Alpha

05-03-2018 | Einblicke

Der Handel wird häufig als notwendiger, aber lästiger und kostenträchtiger Schritt im Investmentprozess betrachtet. Allerdings sollte er auch als eine Möglichkeit angesehen werden, eine bessere Wertentwicklung zu erzielen. Außerdem gibt es Möglichkeiten, den Handel effizienter zu gestalten und besser in die Wertschöpfungskette einer Anlage zu integrieren. Das gilt speziell für quantitative Strategien, sagt Wouter Tilgenkamp, ein für Research und Entwicklung zuständiges Mitglied unseres Aktienhandelsteams.

  • Wouter Tilgenkamp
    Wouter
    Tilgenkamp
    Trading developer

In aller Kürze

  • Der Handel wird meist als Kostenfaktor angesehen
  • Es gibt Möglichkeiten, den Handel effizienter zu gestalten
  • Robeco arbeitet laufend an der Verbesserung seiner Handelsabläufe

Welchen Stellenwert hat der Handel aus Ihrer Sicht im Investmentprozess und wo kann dabei ein Mehrwert erzielt werden?
„Mit dem Handel werden häufig nur Kostenverbunden, doch das ist eine etwas negative Sichtweise. Für mich stellt der Handel eher einer Quelle von zusätzlichem Alpha dar als lediglich ein die Wertentwicklung belastender Faktor. Zur Veranschaulichung kann man professionelles Investieren mit einem Autorennen vergleichen. Um Erfolg zu haben, braucht man fähige Fahrer: das sind in unserem Fall die für Research und Portfoliomanagement zuständigen Teams. Sie können aber nur so gut sein, wie es die Qualität ihres Fahrzeugs erlaubt. Hier kommt in unserer Analogie ein leistungsfähiger Handel ins Spiel."

„Um als Erster ins Ziel zu kommen, muss man eine gute Startposition haben und vor den anderen wegkommen. Im Investmentbereich bedeutet das, so schnell wie möglich auf Marktsignale mit entsprechenden Handelsorders zu reagieren. Doch dabei ist auch eine exzellente Umsetzung erforderlich, um bestmöglich „die Kurve zu kriegen“. Dabei kann die Zusammenarbeit in einem guten Handelsteam den entscheidenden Unterschied ausmachen. In den letzten Jahren haben wir unsere Anstrengungen auf den Einsatz von Technologie konzentriert, aber auch auf die engere Zusammenarbeit von Portfoliomanagement, Research und Handel, um den Investmentprozess stärker zu integrieren und zu automatisieren.“

Wie lässt sich das erreichen?
„Als quantitativ orientierte Researcher versuchen wir immer, alles zu messen. Früher haben wir nur die Investmentstrategien quantifiziert. Heute wollen wir aber auch den Umsetzungsprozess quantifizieren und optimieren, insbesondere die Implikationen in Bezug auf den Handel. Dahinter steht die Idee, dass wir auf Grundlage dieser Erkenntnisse auf intelligentere Weise zu Orders gelangen können, indem wir unterschiedliche Anweisungen, unterschiedliche Ordergrößen und unterschiedliche Algorithmen verwenden.“

„Wir wollen die besten Aktien in der optimalen Menge bekommen, was eine ziemliche Herausforderung darstellen kann. Nehmen wir an, wir wollen eine bestimmte Position am Markt eingehen. Instinktiv würden wir die Transaktion tendenziell so schnell wie möglich umsetzen, bevor die Alpha-Chance wieder verschwindet. Dabei beeinflussen wir jedoch womöglich den Markt in ungünstiger Weise und zahlen am Ende höhere Transaktionskosten.“

„Wir würden also gern schnell sein, müssen aber auch Geduld haben. Die Orders sollten so schnell wie möglich erstellt werden, jedoch muss die Ausführung am Markt langsam erfolgen. Mit dieser Gratwanderung sind wir täglich konfrontiert.“

Wir wollen den Prozess der Umsetzung einer Strategie quantifizieren und optimiere

Was meinen Sie damit, dass Sie die Teams stärker integriert zusammenarbeiten lassen?
„Das lässt sich wie folgt veranschaulichen: Die meisten akademischen Untersuchungen lassen die Transaktionskosten unberücksichtigt oder verwenden dafür gewöhnlich ein allgemeines Modell oder unterstellen einfach fixe Kosten. Bei Robeco gehen wir darüber hinaus. Wir haben ein eigenes Transaktionskostenmodell entwickelt, das auf unseren Transaktionen in der Vergangenheit basiert. Dieses Modell wird direkt von unterschiedlichen Abteilungen im Zuge der Portfoliokonstruktion und bei Simulationen verwendet.“

„Dies ermöglicht uns realistischere Ergebnisse bei den Simulationen und intelligentere Handelsentscheidungen in der Phase der Portfoliokonstruktion. Außerdem setzt das Modell den Standard für die Handelsabteilung. Die laufende Rückkopplung zwischen dem Handelstischen und den Researchteams hat es uns ermöglicht, den Prozess der Portfoliokonstruktion bestmöglich festzulegen.“

Die entsprechenden Anpassungen sind bei einigen unserer quantitativen Strategien bereits umgesetzt worden. Aber sie könnten auch zur Optimierung der fundamentalen Strategien beitragen, nicht wahr?
„Zweifellos. Der liquiditätsabhängige Ansatz ist bei jeder Strategie anwendbar, die in einem Anlageuniversum mit vorab nicht prognostizierbarer Liquidität investiert. Die Automatisierung und individuelle Anpassung der Algorithmen wird derzeit auch bei den Handelstransaktionen fundamentaler Strategien eingeführt. Des weiteren haben wir uns mit den fundamental ausgerichteten Investmentteams darüber ausgetauscht, wie die Verwendung unterschiedlicher Orderinstruktionen zu unterschiedlichen Ergebnissen in Bezug auf die Handelskosten geführt hat. Auf dieser Grundlage haben die fundamental orientierten Portfoliomanager einige Verbesserungen vorgenommen. Manchmal macht bereits eine kleine Veränderung einen großen Unterschied aus. Letztlich sollen die Anpassungen beim Aktienhandel bei allen unseren Strategien angewendet werden. Um zu der Analogie zwischen professionellem Investieren und Autorennen zurückzukommen, liegt das Erfolgsgeheimnis darin, unterschiedliche Anforderungen zu begreifen und das Fahrzeug an die Bedürfnisse des Fahrer anzupassen.“

Dieser Artikel ist ein Auszug aus einem längeren Interview, dass in unserem Magazin Quant Quarterly veröffentlicht wurde.

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