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Säkulare Stagnation – ein unbegründetes Szenario

Säkulare Stagnation – ein unbegründetes Szenario

Jahresausblick
Befinden wir uns wirklich in einer Zeit der säkularen Stagnation, also einer strukturell bedingten langfristigen Wachstumsschwäche? Auch wenn es eine Reihe von Argumenten gibt, die für diese These sprechen, haben Sie an Überzeugungskraft verloren, sagt Lukas Daalder im neuen Fünfjahres-Ausblick von Robeco.
  • Lukas Daalder
    Lukas
    Daalder
    Former CIO Robeco Investment Solutions. Daalder left Robeco in July 2018.

In aller Kürze

  • Vermehrt wird die Sorge geäußert, dass der Zusammenhang zwischen Sparen und Investitionen nicht mehr gegeben ist.
  • In der Theorie können Faktoren wie ein Ausbleiben technologischen Fortschritts und eine alternde Bevölkerung zu einer säkularen Stagnation führen.
  • Eine langfristige Lösung bestünde in der Verknappung von Arbeitskräften und höheren Löhnen.
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Das Phänomen einer säkularen Stagnation tritt auf, wenn der Zusammenhang zwischen Sparen und Investitionen unterbrochen wird. Seit dem „verlorenen Jahrzehnt“ im Japan der 1990er Jahre war dies nicht mehr zu beobachten. Ohne Gegenmaßnahmen ist ein Stillstand der Wirtschaft die Folge.

„Wenn wir uns wirklich in einer Phase der säkularen Stagnation befinden, ist die gegenwärtige Konjunkturerholung lediglich ein vorübergehendes Phänomen, das schon im nächsten Jahr vergessen sein wird“, sagt Daalder in der Publikation Expected Returns 2018-2022. „In diesem Fall werden Anleihen mit einer positiven Entwicklung überraschen, während riskante Anlagen anfällig für Rückschläge sein werden.“

„Sollte sich das Konzept der säkularen Stagnation jedoch als Fehlannahme erweisen, weil es sich lediglich um ein unglückliches Zusammentreffen negativer Entwicklungen und nicht um ein strukturelles Phänomen handelt, ist mit dem Gegenteil zu rechnen. Deshalb lohnt es sich, sich mit der These einer säkularen Stagnation auseinanderzusetzen, vor allem im Rahmen einer Fünfjahres-Betrachtung."

Beruht die vermeintliche säkulare Stagnation bloß auf einer Reihe von Fehlentwicklungen? Quelle: Robeco, IWF

Mögliche Ursachen

Was bedeutet säkulare Stagnation? Das wesentliche Merkmal ist das Zusammentreffen zu niedriger Investitionen und zu hoher Ersparnisbildung, was zu geringe Zinsen und dauerhaft niedriges Wirtschaftswachstum zur Folge hat. Zu den möglichen Ursachen gehören unzureichender technischer Fortschritt, die Alterung der Bevölkerung, zu starke Einkommensungleichheit, die Globalisierung und die Geldpolitik.

„Nicht alle diese Argumente erscheinen sonderlich überzeugend", meint Daalder. „Betrachten wir beispielsweise den technischen Fortschritt. Sicherlich kann ein strukturell bedingter Mangel an lohnenden Anlagemöglichkeiten zu niedrigeren Investitionen und verstärkter Ersparnisbildung führen. Doch angesichts vermehrter disruptiver Entwicklungen wie der Blockchain, autonomen Fahrzeugen und DNA-Sequenzierung fällt es schwer, einen Mangel an technologischem Fortschritt zu sehen."

„Zweifellos haben sich andere Ursachen wachstumsdämpfend ausgewirkt, sie sollten aber in den kommenden Jahren an Einfluss verlieren. So hat der Bankensektor in den USA und in Europa während der Finanzkrise erheblichen Schaden erlitten. Dies führte dazu, dass die Banken die Ersparnisse nicht mehr wirksam in Investitionen umlenken konnten. In der Zwischenzeit hat sich der Finanzsektor eindeutig erholt, sodass dieser Faktor wieder in den Hintergrund tritt.“

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Alterung der Bevölkerung und Einkommensungleichheit

„Ein weiterer Aspekt ist die Geldpolitik der Notenbanken. Angesichts überhöhter Ersparnisbildung (d.h. hoher Nachfrage nach erstklassigen Anleihen), erscheint es unlogisch, dass die Notenbanken die Knappheit sicherer Anlagen durch großangelegte Anleihenkaufprogramme (quantitative Lockerung) verschärfen. Da die US-Notenbank ihre Leitzinsen erhöht und die EZB geneigt ist, ihr Kaufprogramm auslaufen zu lassen, dürfte auch dieser Faktor in den nächsten Jahren an Bedeutung verlieren.“

Allerdings gibt es nicht nur gute Nachrichten, da andere Probleme struktureller Natur sind, warnt Daalder. „Nehmen wir zum Beispiel die Alterung der Bevölkerung. Ältere Menschen sparen typischerweise mehr als jüngere und Unternehmen mit schrumpfender Belegschaft investieren weniger. Allerdings treten Sparer im Ruhestand in die Phase der „Dekumulation" ein, in der sie ihre Ersparnisse wieder abbauen. Die Alterung der Bevölkerung wird anhalten, jedoch wird die Ersparnisbildung sinken, sobald mehr Menschen in die Phase des Entsparens eintreten.“

„Die Einkommensungleichheit ist ein weiterer Faktor. Reichere Menschen sparen einen höheren Anteil ihres Einkommens als solche mit niedrigeren Löhnen. Je ungleicher die Einkommen in einer Gesellschaft verteilt sind, desto geringer ist die Ausgabenbereitschaft. Auch wenn konkrete politische Schritte seitens der US-Regierung noch ausstehen, darf man davon ausgehen, dass diese nicht auf eine stärkere Gleichverteilung der Einkommen abzielen werden."

Steigende Löhne könnten eine Lösung sein

Wie würde eine angemessene Antwort auf die genannten Probleme aussehen? „Bei der säkularen Stagnation handelt es sich um ein komplexes Konzept, dessen Wirkung durch den starken Grad der Globalisierung und die enge Verknüpfung der heutigen Märkte verstärkt wird“, sagt Daalder.

„Die am unmittelbarsten wirkende natürliche Lösung scheint eine Verknappung der Arbeitskräfte zu sein, die zu steigenden Löhnen führt und die jahrzehntelange Periode rückläufiger Inflation beenden würde. Dadurch entstünde Spielraum für höhere Konsumausgaben und es würden die Voraussetzungen für einen arbeitskräftesparenden Investitionsboom geschaffen.“

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung eines von fünf Spezialbeiträgen in unserem neuen Fünfjahres-Ausblick.

Expected Returns 2018-2022
Expected Returns 2018-2022
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