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„Eine ausgeprägte Research-Kultur ermöglicht es einem, seiner Anlagephilosophie treu zu bleiben“

„Eine ausgeprägte Research-Kultur ermöglicht es einem, seiner Anlagephilosophie treu zu bleiben“

13-05-2022 | Interview

Quant Investing ist stark von Teamarbeit geprägt, tatsächlich mehr denn je. Darüber und über andere Themen sprechen wir mit Harald Lohre, Executive Director des quantitativen Aktien-Research.

  • Harald  Lohre
    Harald
    Lohre
    Executive Director of Research
  • Lusanele Magwa
    Lusanele
    Magwa
    Investment Writer

In aller Kürze

  • Ein hohes Maß an Research-Disziplin ist erforderlich, um die Spreu vom Weizen zu trennen
  • Die Renaissance von Faktorprämien bestätigt unsere Anlagelogik
  • Quant Investing hat angesichts immer reichhaltigerer Datenquellen eine glänzende Zukunft

Was hat sie dazu inspiriert, sich dem Bereich Quant Investing zuzuwenden?

„Ich habe mich dem Quant Investing wahrscheinlich aufgrund einer Kombination aus Neigung und Talent zugewandt, aber auch aufgrund glücklicher Zufälle. Als ich noch sehr jung war, wechselte mein Vater seinen Beruf – nachdem er zunächst Mathematik-Professor gewesen war, entwickelte er sich zu einem frühen Anwender von Quant Investing. Von daher bin ich sehr früh mit dem Konzept aufgewachsen. Später hat es mich zum Studium der Finanzmathematik an der Universität Konstanz gezogen.“

„Hervorzuheben ist, dass ich zu den ersten Studenten gehörte, welche dieses Fach belegten. Daraus resultierte eine enge Verbindung mit der Finanzfakultät und ich entwickelte eine Leidenschaft für akademische Gründlichkeit. Ich stellte aber auch fest, dass es mich wirklich motivierte zu sehen, welche praktische Relevanz die akademischen Probleme hatten, die wir lösen mussten. Der Wunsch, mich mit dem besten aus beiden Welten zu beschäftigen – also der Anlagetheorie und dem Portfoliomanagement – hat mich letztlich dazu gebracht, mich dem Quant Investing zuzuwenden.“

Bleiben Sie in Bezug auf Einsichten zu Quantitative Investing auf dem Laufenden.
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Warum haben Sie sich entschieden, zu Robeco zu gehen?

„Aufgrund meiner Karriere in der Forschung und im Asset Management hatte ich immer eine Affinität zu Research und ich habe meine jüngeren Kollegen ermuntert, einen ähnlichen Weg einzuschlagen, um sich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln. Dies spiegelt sich in meiner Verbindung mit der Universität Lancaster wieder, wo ich gemeinsam mit Kollegen eine Gruppe von Doktoranden betreue. Von daher war Robeco für mich natürlich attraktiv, da es ein Unternehmen ist, bei dem Research an oberster Stelle steht.“

„Die Möglichkeit mit gleichgesinnten Anlageexperten bei Robeco zusammenzuarbeiten, ist großartig. Dadurch entstehen mehr Möglichkeiten für Kooperationen mit der Forschung und es wird mehr positive Nebeneffekte geben, was die Einbindung von Doktoranden angeht. Im Bereich Quant Investing kennt jeder Robeco. Dazu gehört im Kern ein hervorragend funktionierendes Team aus quantitativen Anlageexperten, die auf die Weiterentwicklung einer ausgeprägten Research-Kultur fokussiert sind. Dies war für mich ein entscheidender Aspekt. Aufgrund unserer gemeinsamen Überzeugungen war es ein selbstverständlicher Schritt.“

Aus welcher Kultur entsteht das beste Research?

„Die Kultur ist der entscheidende Faktor. Und das gilt nicht nur für den Bereich Research. Denkt man an die Qualität unserer Produkte und Dienstleistungen, werden diese maßgeblich von der Qualität unseres Research bestimmt. Deshalb ist es wichtig, eine Research-Kultur zu praktizieren, die hochwertiges Research belohnt. Leistungsdenken ist dabei zentral, da die besten Ideen sich immer durchsetzen sollten, unabhängig davon, wer sie vorschlägt. Damit dies möglich wird, ist ein verlässliches Umfeld entscheidend, in dem sich jeder engagieren und artikulieren kann.“

„Im Hinblick auf Quant Investing sind die Probleme, die wir zu lösen versuchen, recht komplex geworden und erfordern häufig eine Kooperation über mehrere Disziplinen hinweg. In diesem Sinne ist Quant Investing stark von Teamarbeit geprägt, tatsächlich mehr denn je. Meines Erachtens braucht man ein Zusammengehörigkeitsgefühl, wobei jeder dafür verantwortlich ist, dass wir Fortschritte machen. Im Hinblick auf das tatsächliche Research muss man einer strengen Disziplin folgen. Das gilt insbesondere, wenn man in einer immer größeren Palette von Faktoren die tatsächlich maßgeblichen erkennen will.“

Welchen Faktor schätzen Sie am meisten?

„Für mich als Vater von vier Kindern kann es nur eine Antwort geben: man muss sie alle lieben. Doch Spaß beiseite. Man sollte auch aus der Investmentperspektive solche Präferenzen vermeiden. Alle Faktoren haben Stärken und Schwächen. Diese können sich zu unterschiedlichen Zeitpunkten über den Marktzyklus hinweg bemerkbar machen. Doch da es schwierig ist, dies vorherzusagen, ist ein diversifizierter Ansatz beim Factor Investing eine kluge Entscheidung.“

Welches relevante Forschungspapier haben Sie in letzter Zeit gelesen?

„Das Papier1, das mir einfällt, setzt sich damit auseinander, wie man mit der Vielzahl an Faktoren zurechtkommt – mit und ohne Einbeziehung von Transaktionskosten. Dies entspricht sehr stark unserer Zielsetzung. Die Umsetzung von Faktoren in Portfolios ist mit Kosten und Friktionen verbunden. In dem genannten Papier wird untersucht, wie stark Portfolioentscheidungen differieren, je nach dem, ob Kosten berücksichtigt werden oder nicht. Die Wissenschaftler verwenden eine parametrische Systematik für die Portfoliopolitik, um diese Entscheidungen und die Trade-Offs in Bezug auf den Anlegernutzen zu evaluieren.“

„Ich halte dies für eine sinnvolle Betrachtungsweise. Denn dabei liegt der Fokus nicht nur auf den Erträgen, die mit einem bestimmten Faktor verknüpft sind, sondern auch darauf, wie sich dies letztlich auf den Anlegernutzen auswirkt und welche Faktoren ein Anleger mit Blick auf die Transaktionskosten auswählen wird. Dabei zeigt sich, dass ein Anleger tatsächlich wesentlich mehr Faktoren auswählen würde, wenn die Transaktionskosten berücksichtigt werden. Dies wirft ein Licht auf die Diversifikation der zugrundeliegenden Handelskosten, von der Anleger profitieren können, wenn sie in ihrem Portfolio in mehreren Faktoren engagiert sind.“

Welche Lehren haben sie aus dem kürzlichen „Quant-Winter“ der Jahre 2018-2020 gezogen?

„Der Quant-Winter hat mich sehr demütig gemacht. Es war eine extrem schwierige Phase, deren Dauer zahlreiche unserer Grundüberzeugungen wirklich auf den Prüfstand gestellt hat. Wir bilden speziell Portfolios auf Basis bestimmter Faktorcharakteristika, die wir für langfristig relevant halten, was zu diversifizierten Portfolios führt. Doch während dieser Phase bestand die erfolgreichste Strategie darin, einige wenige Wachstumstitel zu halten. Dies führte dazu, dass die Marktindizes stärker konzentriert waren. Infolgedessen wurde unser Anlageparadigma zeitweise auf den Kopf gestellt.“

„Doch im weiteren Verlauf haben wir mittlerweile die Renaissance des Value-Faktors und anderer Faktorprämien erlebt, was unsere seit langem bestehende Anlagelogik bestätigt. Am Ende war dies eine gute Lehre, was das Festhalten an unserer Anlagephilosophie betrifft. Und weil es richtig war, dies zu tun, handelt es sich um einen wirklichen Charaktertest. Natürlich ist es notwendig, seinen Ansatz regelmäßig infrage zu stellen und nichts für gegeben zu nehmen. Man darf aber auch nicht überreagieren. Eine ausgeprägte Research-Kultur ermöglicht es einem, seiner Anlagephilosophie in solchen schwierigen Phasen treu zu bleiben und seinen Ansatz entsprechend zu kommunizieren, sodass man auf die langfristige Perspektive fokussiert bleiben kann.“

Wie sehen Sie die Zukunft des Quant Investing?

„Ich glaube, dass Quant-Ansätze eine glänzende Zukunft haben. Beim Investieren dreht sich alles um die Umwandlung von Informationen in Portfolioentscheidungen. In dieser Zeit immer zahlreicher werdender Datenquellen ist es wichtiger denn je, sorgfältig nach echten Signalen Ausschau zu halten. Doch darum ging es beim Quant Investing schon immer. Denkt man an die Fortschritte in letzter Zeit im Hinblick auf Rechenleistung, Methodik, Machine Learning und Natural Language Processing, sind diese alle parallel zur Verfügbarkeit von immer mehr Daten erfolgt. Diese Fortschritte ermöglichen es quantitativen Investoren, solche Datenquellen zu nutzen, um ein tiefergehendes Verständnis der Märkte zu entwickeln. Das hilft uns dabei, unseren Investmentansatz relevant zu halten.“

„Doch Erkenntnisse aus der Investmenttheorie in die Praxis umzusetzen, ist schwierig. Betrachtet man die Forschungsliteratur, erfährt man meistens etwas über positive Dinge, die zu funktionieren scheinen. Für uns stellt sich jedoch immer die Frage, ob etwas auch in der Praxis funktioniert. Angesichts der Tendenz zur Publikation positiver Ergebnisse machen wir häufig diesbezüglich ernüchternde Erfahrungen. Doch letztlich besteht unsere Aufgabe darin, die Spreu vom Weizen zu trennen und zu unterscheiden, was tatsächlich einen Mehrwert schafft und was nicht. Dies wiederum hängt davon ab, ob man über eine ausgeprägte Researchkultur und einen robusten Prozess verfügt. Ich freue mich darauf, zusammen mit meinen neuen Kollegen bei Robeco in diesem Ozean an Informationen Kurs zu halten.“

1 V. DeMiguel, A. Martin-Utrera, F.J. Nogales und R. Uppal, „A transaction-cost perspective on the multitude of firm characteristics“, in: Review of Financial Studies, Mai 2020.

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