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Die kommende Welle der Disruption: von Bitcoin zu Decentralized Finance

Die kommende Welle der Disruption: von Bitcoin zu Decentralized Finance

20-04-2021 | Einblicke

Die Kursschwankungen von Bitcoin und die damit verbundenen höheren CO2-Emissionen haben die Schlagzeilen seit Monaten bestimmt. Doch unter der Oberfläche beginnen sich andere bedeutende Trends abzuzeichnen, die auf der Technologie beruhen, die Bitcoin zugrundeliegen. Sie könnten die Finanzwelt für viele Jahre in Unruhe versetzen.

  • Patrick  Lemmens
    Patrick
    Lemmens
    Portfolio Manager Robeco FinTech
  • Koos  Burema
    Koos
    Burema
    Portfolio Manager
  • Michiel  van Voorst
    Michiel
    van Voorst
    Fund Manager Equities

In aller Kürze

  • Trotz bedenken hinsichtlich des CO2-Fußabdrucks entwickeln sich Kryptowährungen zum Standard
  • Für völlig neue Verhältnisse sorgt jedoch Decentralized Finance auf Blockchain-Basis
  • Decentralized Finance könnte bei allen Finanzdienstleistungen für Disruption sorgen

Während Bitcoin zunehmend als Wertaufbewahrungsmittel und Zahlungsmethode in Betracht gezogen wird, halten viele Marktteilnehmer Ethereum für die Kryptowährung, die die Basis einer neuen Finanzinfrastruktur werden könnte. Ethereum ist nach Bitcoin die zweitgrößte Kryptowährung der Welt. Sie entwickelte sich ursprünglich aus der Blockchain-Technologie von Bitcoin, indem eine programmierbare Funktionalität hinzukam.

Vereinfacht gesagt stellt die Blockchain-Technologie ein Verzeichnis von Transaktionen dar, das keine externe Autorität zur Validierung der Authentizität und Integrität der Daten benötigt. In den Worten der Blockchain-Experten Don und Alex Tapscott handelt es sich um „ein fälschungssicheres digitales Verzeichnis wirtschaftlicher Transaktionen, das so programmiert werden kann, dass es nicht nur Finanztransaktionen aufbewahrt, sondern praktisch alle Wertgegenstände“.

Anbieter von DeFi versuchen traditionelle Finanzdienstleistungen auf Blockchain-Basis in dezentralisierter Weise nachzubilden

Die Blockchain-Technologie wird mittlerweile zur Erstellung einer Vielzahl von meist dezentralen Protokollen verwendet, die viele Arten von Finanzdienstleistungen auf dezentralisierte, keiner Überwachung unterliegende Weise erbringen. Dieser Trend wird typischerweise als „Decentralized Finance“ oder kurz DeFi bezeichnet. Allgemein gesprochen versuchen Anbieter von DeFi traditionelle Finanzdienstleistungen auf Blockchain-Basis in dezentralisierter Weise nachzubilden.

Grafik 1: Im Bereich DeFi ist derzeit ein Wert von 40 Mrd. Dollar gespeichert

Quellen: DeFi Pulse, Robeco. Datenstand: März 2021. Gespeicherter Wert in Mrd. US-Dollar.

Dezentralisierte Kreditvergabe

Die Kreditvergabe gehört zu den wichtigsten Dienstleistungen der Finanzbranche. Dazu ist typischerweise ein Intermediär erforderlich – beispielsweise eine Bank – und ein gewisses Vertrauen. DeFi soll für Disruption in diesem Bereich sorgen, indem intelligente Verträge und ein dezentralisiertes System zur Verarbeitung und Validierung eingesetzt werden. Kurz gesagt: Kreditvergabe ohne eine Bank.

Ein konkretes Beispiel ist Compound, dass aktuell größte auf DeFi basierende Kreditvergabeverzeichnis. Mit Compound schaffen Kreditgeber einen Liquiditätspool, in dem die Zinsen in Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage festgelegt werden. Kreditgeber und -nehmer können das Kreditverhältnis jederzeit beenden.

Derzeit scheint die Hauptanwendung für die dezentralisierte Kreditvergabe die Bereitstellung von Margins zur Spekulation in Kryptowährungen zu sein. Die Renditeerzielung könnte eine andere Motivation für die Kreditvergabe im Bereich Kryptowährungen sein. Denn so erhält man das Governance-Token (COMP im Falle von Compound) und dieses könnte die Zinsspanne bei der Kreditvergabe übersteigen.

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Dezentralisierte Börsen

Aktienbörsen wie NYSE und NASDAQ sind Beispiele für zentralisierte Börsen. In vergleichbarer Weise zentralisiert sind die meisten Börsen für Kryptowährungen wie zum Beispiel Coinbase und Binance. Diese Börsen sind Teil einer Kette von Drittparteien, die normalerweise den Transfer von Assets (zum Beispiel Aktien- , Anleihen- oder Devisen-Instrumente) von einem Kontrahenten zum anderen sicherstellen und überwachen. 

Mittlerweile erfolgt die Administration von Transaktionen, die über „Decentralized Exchanges“ (DEXes) über ein Blockchain/Distributed Ledger. Dadurch werden die Drittparteien im Wesentlichen überflüssig, was Zeit und Kosten spart. Außerdem sind DEXes Märkte ohne zentrale Kontrollstelle, was sie gegenüber Hackern weit weniger anfällig macht.

Uniswap, SushiSwap und Curve Finance sind die bedeutendsten DEXes, die derzeit in Betrieb sind. Auf alle drei zusammen entfällt ein gespeicherter Wert von über 4 Milliarden US-Dollar. Curve Finance beispielsweise gilt als Möglichkeit zur Erschließung von „FX for DeFi“, da es einen der besten Zugänge zum Tausch von Stablecoins bietet.1  Curve Finance ist ein Börsen-Liquiditätspool, bei dem der Ausführungspreis auf Basis von Algorithmen bestimmt wird. Dabei wird ein automatisiertes Market Maker-Protokoll (AMM) verwendet, mit dem Stablecoins zu niedrigen Gebühren und mit geringer Slippage getauscht werden können.

NFTs sind weit mehr als nur digitale Kunst

Auf einer intelligenten Vertragsplattform wie Ethereum kann alles nur Vorstellbare in Token umgewandelt werden. Dazu gehören auch Medieninhalte wie Bilder, Musik und virtuelle Gaming-Items. Das Ergebnis wird als Non-Fungible Token (NFC) bezeichnet. Diese digitalen Assets sind handelbar und stellen nachweisbare Repräsentationen der zugrundeliegenden Assets dar. 

Prinzipiell sind NFTs spezielle digitale Sammelstücke. Sie könnten enorme Auswirkungen auf den Schutz von Urheberrechten und die Vereinnahmung von Verwertungsgebühren im Kunst- und Mediensegment haben. Kürzlich machten NFTs in den Medien Schlagzeilen, als der Digitalkünstler Beeple das NFT für sein Werk „Everydays The First 5000 Days“ für 69 Millionen US-Dollar bei Christie’s verkaufte.2 

Doch NFTs Könnten auch als Sicherheit für Kredite oder ausstehende sonstige Forderungen verwendet werden. Eine andere äußerst interessante Verwendungsmöglichkeit für NFTs ist ihr Einsatz für Zwecke der digitalen Identität. In einer zunehmend digitalisierten Welt scheinen solche digitalen Identifikationsdienste zukünftig von entscheidender Bedeutung zu werden. Da NFTs so einzigartig wie die Identität eines Menschen sind, können sie alle Güter, Dienstleistungen oder Personen repräsentieren.

Welche Auswirkungen ergeben sich für Finanzdienstleister?

Digitale Innovationen haben bereits in mehreren wichtigen Branchen für Disruption gesorgt, vom Einzelhandel über Medien bis hin zum Gastgewerbe. Obwohl neue Anbieter im Bereich Fintech begonnen haben, etablierten Finanzdienstleistern Marktanteile wegzunehmen, sind die zugrundeliegenden Geschäftsmodelle bislang nicht wirklich infrage gestellt worden. Nach wie vor beherrschen Großbanken das Wettbewerbsumfeld.

Das ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass ihr Geschäft durch die Regulierung geschützt wird. Sie verfügen des Weiteren über Zugang zu Einlagensicherungssystemen und gelten allgemein als vertrauenswürdige Partner zur Verwahrung von Geldern. Das heutige Finanzsystem ist noch stark von Banken und anderen Finanzinstitutionen abhängig, die eine zentrale Rolle als Intermediär spielen und die sicherstellen, dass das Finanznetzwerk relativ effizient und auf vertrauensvoller Basis funktioniert. 

Mit dem Aufkommen von DeFi werden die Finanzdienstleister ihr Denken ändern müssen

Die Anziehungskraft der größten und vertrauenswürdigen Institutionen begünstigt die Großbanken und erklärt zum Teil, weshalb Fintech-Firmen letztlich eher mit etablierten Anbietern zusammenarbeiten, als sie zu verdrängen versuchen. Doch mit dem Aufkommen von DeFi werden die Finanzdienstleister ihr Denken ändern müssen. Einige wie zum Beispiel Square, dessen CashApp den Handel von Kryptowährungen ermöglicht, haben bereits mit diesem Wandel begonnen.

So könnte DeFi beispielsweise zur Verringerung des Kontrahentenrisiko beitragen, in dem es Garantien im Zusammenhang mit der Ausführung von Transaktionen bereitstellt, die auf Open Source-Software in einem allgemein zugänglichen Umfeld basieren. Die Blockchain bietet die Aussicht auf ein transparenteres und sicheres System, das sich nicht auf komplexe regulierungsgetriebene Beziehungen stützt. Sie könnte auch neue Märkte schaffen und eine größere Auswahl in Bezug auf Produkte, Kosten und Risiko ermöglichen.

Ein „Picks & Shovel“-Ansatz

Während DeFi noch ganz am Anfang steht, ist es wichtig, die Entwicklungen in diesem Bereich zu verfolgen. Derzeit werden die Grundlagen für eine potentielle Disruption von Großunternehmen gelegt, die in den Bereichen Sparen, Bezahlen, Kreditvergabe, Investieren, Kapitalbeschaffung und Versicherung tätig sind. Im Rahmen unserer FinTech-Aktienstrategie halten wir eine kleine, aber wachsende Position in Unternehmen, die den Handel, das Management und die Aufbewahrung digitaler Assets ermöglichen.

1 Stablecoins sind virtuelle Währungen, die an Assets wie Fiat-Währungen, Kryptowährungen oder Rohstoffe wie Gold und Silber geknüpft sind.
2Siehe beispielsweise: S. Germano, „Beeple collage smashes digital art record with $69.3m sale”, Artikel in der Financial Times, 11. März 2021.

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