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Sprechen wir über Ergebnisse: Abstimmung über Aktionärsanträge

Sprechen wir über Ergebnisse: Abstimmung über Aktionärsanträge

16-10-2019 | Kolumne

Sustainable Investing hat am Markt mittlerweile Fuß gefasst. Möglich wurde das, weil die Marktteilnehmer erkannt haben, dass sich Aspekte wie Klimawandel und Ungleichheit negativ auf Volkswirtschaften und Unternehmen auswirken können. Um solche Effekte zu verhindern, müssen wir die Ergebnisse unserer Anlagestrategien in finanzieller, sozialer und ökologischer Hinsicht berücksichtigen. In der nächsten Serie meiner Kolumne möchte ich über Ergebnisse sprechen – diesmal geht es um die Abstimmung zu Aktionärsanträgen

  • Masja Zandbergen - Albers
    Masja
    Zandbergen - Albers
    Head of sustainability integration
  • Cedric Hille
    Cedric
    Hille
    Active ownership Analyst

Anträge von Aktionären eignen sich als Instrument zur Unterstützung des Engagements auf Unternehmensebene, speziell dann, wenn kein oder zu langsamer Fortschritt erfolgt. Damit können solche Anträge sehr wirksame Signale an die Unternehmen darstellen. Da große (passive) Assetmanager im Jahr 2018 zunehmendes Interesse an Nachhaltigkeit zeigten, hatten wir starke Unterstützung für entsprechende Aktionärsanträge erwartet, als die Hauptversammlungssaison des Jahres 2019 begann.

Einflussreiche Stimmen

Laut einem kürzlich erschienenen Artikel in der Financial Times entfällt ein Viertel der abgegebenen Stimmen bei Hauptversammlung von Unternehmen im S&P 500 Index auf BlackRock, Vanguard und SSGA. Dieser Anteil dürfte weiter steigen, prognostizieren Forscher der Harvard Law School1. Demnach kann das Abstimmungsverhalten solcher Anleger erheblichen Einfluss haben, was das Erzielen von Veränderungen im Hinblick auf die langfristige Wertschöpfung angeht.

Wie ein jüngst veröffentlichter Report von Majority Action2 zeigt, stimmen diese Assetmanager jedoch in 90-100 % der Fälle gegen die Aktionärsanträge. In den Stewardship-Reports der Firmen werden folgende Hauptgründe dafür genannt: ein bereits laufender Dialog zu diesen Themen mit den entsprechenden Unternehmen oder die Tatsache, dass die Anträge der Aktionäre keine wesentlichen ESG-Aspekte betreffen.

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Nicht alle Vorschläge sind sinnvoll

In der Tat sind nicht alle Aktionärsanträge gleichermaßen relevant. Selbst bei finanziell bedeutenden ESG-Aspekten wie Klimawandel sind einige Vorschläge zu spezifisch, was die Vorgabe eines bestimmten Verhaltens angeht, oder sie zielen auf Informationen ab, die bereits umfassend in der Unternehmensberichterstattung enthalten sind. Beides trägt nicht zur Bildung langfristigen Werts für die Aktionäre bei. In der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts fielen die meisten Aktionärsanträge zu Umweltthemen in diese Kategorien. Das erklärt, weshalb wir bei Robeco zwischen 2012 und 2015 ebenfalls nur ein Sechstel der klimabezogenen Anträge unterstützten.

Beispielsweise wurde im Rahmen eines Antrags bei der Hauptversammlung von Dominion Energy im Jahr 2012 nach einem Bericht über die Implikationen eines Anstiegs der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen auf 15 % in einem einzelnen amerikanischen Bundesstaat gefragt. Der zu enge Fokus dieses Antrags wurde nicht der Herausforderung gerecht, die in einer Energiewende mit skalierbaren Ergebnissen besteht. Der Antrag wurde zu Recht von den Aktionären abgelehnt und wurde von lediglich 5,5 % der Stimmen unterstützt. Im Lauf der Zeit sind allerdings besser durchdachte und relevantere Anträge gestellt worden, die auf ein konzertiertes und rasches Handeln in punkto Klimawandel abzielten und gleichzeitig auf die zur Umsetzung erforderliche Flexibilität Rücksicht nahmen. Infolgedessen haben wir dieses Jahr zugunsten von 88 % der klimakritischen Anträge abgestimmt, die im Bericht von Majority Action erwähnt wurden.

Gemeinsam eingereichte Anträge

Bei Unternehmen, die nicht angemessen auf Anträge der Aktionäre reagierten, haben ESG-bewusste Anleger gemeinsame Anträge zur Erhöhung der Rechenschaftspflicht der Board-Mitglieder gestellt. Dies war beispielsweise bei ExxonMobil der Fall, nachdem das Unternehmen eine wichtige Klimaresolution von der Agenda der Hauptversammlung im Mai 2019 genommen hatte. Ein Antrag, der auf Ernennung eines unabhängigen Vorsitzenden abzielte, wurde als Chance angesehen, um langfristiges Denken in das Board hineinzutragen und um zu zeigen, dass die Anleger mit dem mangelnden Engagement des Unternehmens unzufrieden sind.

Eine Unterstützungsquote von mehr als 40%3 machte deutlich, dass immer mehr Aktionäre Klimawandel als reale Bedrohung für ihre Investments betrachten. Hätten sich die größten Assetmanager entsprechend verhalten, hätten zahlreiche weitere klimabezogene Anträge eine Mehrheit erhalten. Das wäre ein starkes Signal gewesen – durch den Beitrag zu echtem Fortschritt wären positive Ergebnisse erzielt worden. Doch wie schon erwähnt hat sich dieses Jahr als verpasste Chance erwiesen, insbesondere im Hinblick auf das dringliche Klimathema.

Abgrenzung von passiven Ansätzen

Nach unserem Verständnis stellt ESG eine Möglichkeit für aktive Anlagemanager dar, sich von Anbietern passiver Produkte abzugrenzen. Das gilt natürlich auch für Robeco. Entsprechend bieten wir unseren Kunden bestmögliche Produkte, Lösungen und Anlageergebnisse. Im Bemühen um einen Wandel haben wir mit unseren Kunden und unseren Wettbewerbern zusammengearbeitet, seitdem wir im Jahr 2005 den Dialog mit den Unternehmen begonnen haben, in denen wir investiert sind.

Wir glauben auch, dass nur koordinierte Aktivitäten zielführend sind, wenn immer mehr Assetmanager sich in punkto ESG zu engagieren beginnen – nicht nur um einen Wandel zu bewirken, sondern auch um dies weiterhin beherrschbar für die Unternehmen zu machen. Von daher laden wir andere Großinvestoren (mit Unterstützung ihrer Kunden) dazu ein, gemeinsam mit uns wohlformulierte Aktionärsanträge zu wesentlichen ESG-Themen einzubringen, um damit die Veränderungen zu ermöglichen, die zur Bewahrung wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Assets erforderlich sind.

1https://www.ft.com/content/046ec082-d713-3015-beaf-c7fa42f3484a
2https://static1.squarespace.com/static/5d4df99c531b6d0001b48264/t/5d8006692e5b035cf0d2b17f/1568674165939/assetmanagerreport2019.pdf
3 https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/34088/000003408819000025/r8k052919.htm

Mitverfasser dieser Kolumne ist Cedric Hille, Active Ownership Analyst bei Robeco.

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