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Wahlerfolg von Modi begünstigt Reformkurs in Indien

Wahlerfolg von Modi begünstigt Reformkurs in Indien

02-07-2019 | Einblicke

Indien benötigt Arbeitsplätze, Infrastruktur und neues Wirtschaftswachstum. Ein Schritt zur Erreichung dieser Ziele waren einige wichtige Reformen, die Premierminister Modi in seiner vorherigen Amtszeit auf den Weg gebracht hat. Die größere Unterstützung, die er bei den Wahlen im Mai erhalten hat, gibt ihm die Möglichkeit zu weiteren Schritten in diese Richtung.

  • Nimesh  Chandan
    Nimesh
    Chandan
    Head Investments, Equities, at Canara Robeco
  • Abhinav  Khandelwal
    Abhinav
    Khandelwal
    Fund Manager at Canara Robeco

In aller Kürze

  • Die politische Unsicherheit in Indien ist gewichen und der Weg für weitere Reformen steht offen
  • Das gesamtwirtschaftliche Bild ist positiv, doch sind zur Stützung des Wachstums weitere Reformen erforderlich
  • Die Unternehmensgewinne dürften nach gedämpften Wachstum in den letzten fünf Jahren kräftig zulegen

Indien ist eine der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften der Welt mit einer Börsenkapitalisierung von 2,2 Billionen US-Dollar und profitiert zweifellos von einigen strukturellen Trends. Beispielsweise verfügt das Land mit einem Median-Alter von 25 Jahren und einer wachsenden Bevölkerung im Erwerbstätigenalter über einen ausgeprägten demographischen Vorteil gegenüber anderen Schwellenländern und den entwickelten Staaten. 

Indien weist auch von den gesamtwirtschaftlichen Kennzahlen her eine gute Ausgangsposition auf. Die durchschnittliche Quote aus Schuldenstand und BIP beträgt in den Schwellenländern 195 % und 283 % in den entwickelten Staaten (Quelle: Morgan Stanley Research). In Indien beträgt der Schuldenstand lediglich 134 % des BIP. 

Außerdem ist Indien relativ gut vor dem anhaltenden handelspolitischen Konflikt zwischen den USA und China geschützt. Die indische Wirtschaft ist recht gut diversifiziert und eine ganze Reihe von Branchen trägt positiv zur Gewinnentwicklung der im MSCI India Index enthaltenen Unternehmen bei.

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Quelle: Investec Research

Zusammengenommen unterstützen diese günstigen Trends die Entwicklung des indischen Aktienmarkts. Dennoch muss die Regierung weitere Reformschritte unternehmen, um das langfristige Wachstum aufrechtzuerhalten und das Geschäftsumfeld zu verbessern.

Kurzfristig zu erwartende politische Entscheidungen und ihre Bedeutung für Anleger

Ursprünglich war damit gerechnet worden, dass die Regierungskoalition der National Democratic Alliance (NDA) bei den Wahlen im Mai 2019 eine geringere Mehrheit erzielen wurde. Stattdessen errang sie eine unerwartet große Mehrheit und vereinte 353 von 543 Parlamentssitzen auf sich. Dabei entfielen allein 303 Sitze auf Modis Partei Bharatiya Janata. Somit kann Premierminister Modi mit einer absoluten Mehrheit weiterregieren, was ihm Raum für weitere, dringend benötigte Reformen verschafft.  

Unserer Ansicht nach besteht die oberste Priorität der Regierung in der Belebung des Wirtschaftswachstums und der verstärkten Schaffung von Arbeitsplätzen. Im letzten Jahr hat sich die Konjunktur in Indien etwas abgeschwächt, insbesondere haben die Konsumausgaben nachgelassen. Im kommenden Jahr dürfte das Wachstum dagegen voraussichtlich wieder anziehen. 

GDP (%YoY)

Quelle: CEIC, Kotak Institutional Research

Einer der Schritte in diese Richtung besteht in der Begünstigung von ausländischen Direktinvestitionen, speziell im Produzierenden Gewerbe, und einer höheren Beschäftigungsquote in diesem Bereich. Beschränkungen für ausländische Direktinvestitionen bestehen nach wie vor in Sektoren wie dem Online-Handel. Dagegen sind sie in vielen anderen Bereichen, darunter in der Landwirtschaft und in der Baubranche, gelockert worden.   

Ebenfalls hohe Priorität haben verstärkte staatliche Infrastrukturausgaben, die seit 2012 stagniert haben. Gemessen am BIP sind Indiens Infrastrukturausgaben von 11 % im Jahr 2012 auf 8 % im Jahr 2018 gefallen (Quelle: CEIC Data). 

Jüngste Schritte zur Verbesserung des Geschäftsumfelds

Die indische Regierung hat einige erfolgreiche Schritte zur Verbesserung des Geschäftsumfelds unternommen. Diese reichen von der Reform des Steuersystems bis hin zu einem neuen Insolvenzrecht und einem Programm zur finanziellen Inklusion. Infolge dieser Schritte ist Indien im „Ease of Doing Business Index“ der Weltbank um 23 Plätze nach oben gerückt und liegt dort nun auf Rang 77.

Die neu eingeführte Goods & Services Tax (GST) hat die Struktur der direkten Steuern grundlegend verändert und den Handel erleichtert. Dadurch hat sich Indien auch in „Ease-of-Paying-Taxes"-Rankings verbessert, in die der zeitliche und bürokratische Aufwand zur Abführung von Steuern einfließt. Durch die Goods & Service Tax sind auch die Handelsregeln neu formalisiert worden. So wurden „E-Way Bills“ eingeführt, wobei es sich um Dokumente für den Warenverkehr handelt, die in ganz Indien gelten und den Handel über die Grenzen der einzelnen Bundesstaaten hinweg ermöglichen. Damit ist ein einheitlicher Binnenmarkt in Indien geschaffen worden und inländische Handelsbarrieren sind gesenkt worden. 

Mit dem neuen Insolvenzrecht wurde ein klarerer gesetzlicher Rahmen zum Inkasso von Forderungen geschaffen. Die Dauer des Insolvenzverfahrens ist verkürzt worden und es wurden Anreize für Umschuldungen und den Abbau von Verbindlichkeiten anstelle einer Liquidation bei Zahlungsunfähigkeit geschaffen. 

Mit der „Jan Dhan“-Direktive erhielt die finanzielle Inklusion einen Schub, indem für einen Großteil der Bevölkerung Bankkonten geschaffen wurden, für die es keine Mindestreserveanforderung gibt. Im Zuge der damit in Verbindung stehenden „Aadhar“-Direktive wurde eine Datenbasis für biometrische Informationen geschaffen, über die die Bürger zwecks Digitalisierung staatlicher Leistungen eine individuelle 12-stellige Identifikationsnummer erhielten. Mit dem erleichterten Zugang zu Finanzdienstleistungen ist ein Wachstumsschub in der Wirtschaft verbunden, insbesondere in landwirtschaftlich geprägten Regionen. 

Starkes Gewinnwachstum, günstiges Makroumfeld und vorteilhafte Altersstruktur

Der indische Aktienmarkt profitiert von einer Kombination aus dynamisch wachsenden Unternehmensgewinnen, hohem BIP-Wachstum und einer günstigen Altersstruktur. Diese Faktoren zusammengenommen machen den Markt für Anleger attraktiv. 

Indische Aktien haben im Jahr 2018 um 14 % besser abgeschnitten als der MSCI EM Index. Dabei handelt es sich um die größte Outperformance seit 2014 und die zweitgrößte in den letzten zehn Jahren (Quelle: Bloomberg). Damit ist Indien eines der Länder mit dem stärksten Gewinnwachstum.

Für das Jahr 2019 wird ein Anstieg der Unternehmensgewinne von 22 % und für 2020 von 20 % erwartet. Dem steht ein voraussichtliches Gewinnwachstum von lediglich 3 % im Jahr 2019 und 10 % im Jahr 2020 im MSCI AC Asia Pacific Excluding Japan Index gegenüber.

Die indische Börse hat deutlich besser abgeschnitten als die Aktienmärkte anderer aufstrebender Länder, vor allem im Zeitraum seit 2014. Damit hat sie positiv auf die Reformen der Regierung Modi, die gesunkene politische Unsicherheit und die gesamtwirtschaftliche Stabilität reagiert. 

Der MSCI India Index hat sich auf Sicht von zehn Jahren besser entwickelt als der MSCI Emerging Markets Index. 

Quelle: Bloomberg

Portfolio-Positionierung

Wir setzen am indischen Markt vor allem auf strukturelle Wachstumsthemen, die von folgenden Trends profitieren: Urbanisierung, Digitalisierung, wachsende Mittelschicht, zunehmende finanzielle Inklusion und wachsende Konsumausgaben. In unserem Portfolio bevorzugen wir die Bereiche Finanzen, IT und Nicht-Basiskonsumgüter. Das Industriesegment finden wir ebenfalls attraktiv, da es von verstärkten Infrastrukturausgaben gestützt werden dürfte.

Quelle aller wirtschaftlicher Daten: Bloomberg, sofern nicht anders angegeben. Keiner dieser Inhalte ist als Indikation oder als Rat zur Anlage in bestimmten Unternehmen zu verstehen.

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