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Verkehrte Welt in der Spätphase des aktuellen Bullmarkets

Verkehrte Welt in der Spätphase des aktuellen Bullmarkets

20-08-2018 | Einblicke

Die letzten beiden Jahre waren durch ungewöhnlich hohe Aktienrenditen und geringe Volatilität geprägt. Zyklische Aktien haben zudem eine deutlich bessere Performance eingefahren als defensive. Doch wie lange kann das so bleiben?

  • Jan Sytze  Mosselaar
    Jan Sytze
    Mosselaar
    Portfolio Manager

In aller Kürze:

  • Die Renditen sind hoch, die Volatilität ist nach wie vor gering
  • Zyklische Aktien haben die Performance defensiver Aktien mit großem Abstand übertroffen
  • Die Märkte tendieren dazu, zum Mittelwert zurückzukehren. Aber wann sie dies tun, lässt sich schwer vorhersagen
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Der derzeitige Bullmarket bei globalen Aktien dauert schon bald neun Jahre und ist damit einer der längsten bisher aufgezeichneten. Da die Bewertungskennzahlen von US-Aktien vor kurzem das Niveau von 1929 erreicht haben, fragen sich viele Anleger inzwischen, ob diesem Bullmarket bald die Puste ausgehen könnte. Tatsächlich waren die beiden letzten Jahre durch eine Kombination äußerst günstiger Faktoren geprägt, die kaum auf Dauer bestehen bleiben dürften.

Die jährlichen Renditen an den globalen Aktienmärkten haben ein Niveau erreicht, das fast doppelt so hoch ist wie der historische Durchschnitt. Vom 30. Juni 2016 bis zum 30. Juni 2018 haben der MSCI AC World- und der MSCI EM-Index eine annualisierte Rendite von ca. 15 % bzw. 16 % erreicht. Das ist fast das Doppelte des erwarteten und historischen weltweiten Durchschnitts von 8 % pro Jahr.

Natürlich gab es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Aktienmärkten. Chinesische Dividendentitel entwickelten sich dank der soliden Performance der Index-Schwergewichte Alibaba und Tencent besonders gut. Dagegen blieben die europäischen Aktienmärkte etwas zurück, namentlich die von Nicht-Euro-Ländern wie Großbritannien und der Schweiz. Alles in allem sind die Kurse globaler Aktien aber auf relativ breiter Front gestiegen.

Nahezu mit der von Anleihen vergleichbare Volatilität

Gleichzeitig war die Volatilität am Markt nur etwa halb so hoch wie der historische Durchschnittswert. In den 24 Monaten von Juli 2016 bis Juni 2018 betrug die Volatilität des MSCI World durchschnittlich ca. 8 % — ein niedriger Wert, gleich, welchen Maßstab man anlegt. Ende 2017 fiel die gleitende Ein-Monats-Volatilität sogar auf unter 4 %. Derart niedrige Volatilitätswerte werden normalerweise mit den Rentenmärkten in Verbindung gebracht.

In der Vergangenheit lag die Marktvolatilität im Durchschnitt näher an 15 %, auch wenn es Phasen mit deutlich niedrigeren oder höheren Werten gegeben hat. Da die Marktvolatilität in der Vergangenheit dazu tendierte, zum Mittelwert zurückzukehren, ist ein langer Zeitabschnitt mit äußerst geringer Volatilität unserer Meinung nach unwahrscheinlich. Deshalb könnte die sprungartige Zunahme der Marktvolatilität Anfang Februar und Ende März 2018 ein Hinweis sein, dass ein neuer Zeitabschnitt mit höherer Volatilität vor uns liegt.

Ein weiteres wichtiges Element der derzeitigen Marktbedingungen ist die im Vergleich zu defensiven Aktien deutlich bessere Performance zyklischer Wachstumstitel, was für die Endphase eines starken Bullmarkets nicht ungewöhnlich ist. Die bedeutendste Trendwende in diesem Bullmarket gab es im Juli 2016, als zyklische Sektoren allmählich eine deutlich bessere Performance erzielten als defensive Sektoren.

Dieser Trend, dass zyklische Aktien die Performance von defensiven, dividendenstarken Papieren übertreffen, war in den letzten beiden Jahren recht beständig zu beobachten. Als Folge hiervon hinkten der „Minimum-Volatility“- und der „High-Dividend“-Faktor in den Industrie- wie auch in den Schwellenländern dem Markt mit großem Abstand hinterher. Aufgrund dieser Trends sollte es keine Überraschung sein, dass der Faktor Momentum gut funktioniert hat, vor allem in den letzten 12 Monaten.

Überprüfung der Erwartungen

Das richtige Timing im Hinblick darauf zu finden, wohin sich die Märkte und Faktoren auf kurze Sicht bewegen, ist immer eine sehr schwierige Aufgabe. Doch angesichts der starken Performance, die in den letzten Jahren an den globalen Aktienmärkten zu beobachten war, dürften die Renditen in Zukunft deutlich niedriger ausfallen und sich eher im Rahmen der langfristigen Durchschnittswerte bewegen. Umgekehrt werden die Volatilitätswerte voraussichtlich beträchtlich steigen.

Vor diesem Hintergrund sollten Anleger, die von einer Rückkehr zur Normalität überzeugt sind, vielleicht nach vorne und nicht in den Rückspiegel schauen und dafür sorgen, dass ihre Aktienpositionen mit ihren langfristigen Erwartungen in Einklang stehen.

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