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Ein Blick auf längerfristige Anlagetrends in Afrika

Ein Blick auf längerfristige Anlagetrends in Afrika

03-08-2018 | Einblicke

Die Afrika-Aktienstrategie von Robeco feierte kürzlich ihren zehnten Geburtstag. Das ist eine gute Gelegenheit zu einem Rückblick auf die Entwicklung der afrikanischen Volkswirtschaften und ihrer Finanzmärkte sowie zu einem Ausblick auf die nächsten zehn Jahre.

  • Cornelis Vlooswijk
    Cornelis
    Vlooswijk
    Director African & Emerging Markets Equities

In aller Kürze

  • Afrika ist in den letzten zehn Jahren hinter den entwickelten und den aufstrebenden Staaten zurückgeblieben
  • Die wirtschaftlichen Aussichten sind so gut wie schon seit langem nicht mehr
  • Wir sehen Chancen in neuen „Frontier“-Märkten
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Der Auflegungszeitpunkt der Afrika-Aktienstrategie von Robeco war im Nachhinein denkbar ungünstig. Sie folgte auf eine spektakuläre Kursrallye in Ägypten (+1275 % kumulierter Ertrag in Euro), Kenia (+340 %), Nigeria (+335 %) und Südafrika (+160 %). Damals spiegelten die Kurse bereits einen beträchtlichen Optimismus wider. Abgesehen von Südafrika waren die Bewertungen anfänglich relativ hoch und gingen im Lauf der Zeit zurück. Eine Neubewertung der Börsen in den entwickelten Ländern verbunden mit einer skeptischeren Einschätzung der afrikanischen Märkte war einer der Hauptgründe für deren schlechteres Abschneiden.

Marktentwicklung und Bewertung

Quelle: MSCI, IBES, Robeco (Indizes rebasiert auf 100 zum 31.12.2007 bzw. zum 30.6.2008; Kurs/Gewinn-Verhältnis berechnet auf Grundlage der rebasierten Indizes) Der Wert von Geldanlagen kann schwanken. Die in der Vergangenheit erreichten Ergebnisse stellen keine Garantie für die Zukunft dar.

Bei Auflegung der Strategie wurde allgemein erwartet, dass mehr afrikanische Länder ihre Kapitalmärkte öffnen und dass dort viele weitere Börsengängen stattfinden würden. Dazu ist es nicht gekommen, obwohl eine ganze Reihe Kapitalerhöhungen durch bereits börsennotierte Unternehmen erfolgten, die der Gewinnung zusätzlicher Mittel dienten. Dieser Aktivitäten entfielen überwiegend auf Südafrika, da andere große Volkswirtschaften Afrikas wie Algerien, Angola und Äthiopien noch nicht über gut funktionierende Aktienmärkte verfügen.

Afrika in besserer Verfassung

In den letzten zehn Jahren hatten mehrere afrikanische Länder mit Schwierigkeiten zu kämpfen, darunter politische Verwerfungen, fallende Rohstoffpreise, Währungsprobleme und wirtschaftliches Missmanagement. Allerdings wurde den größten Gefahren effektiv begegnet bzw. globale Entwicklungen wirken sich diesbezüglich günstig aus. Infolgedessen stellt sich der Konjunkturausblick für Afrika so gut wie schon seit langem nicht mehr dar. Die wichtigsten afrikanischen Volkswirtschaften scheinen sich in relativ guter Verfassung zu befinden und dürften nun weniger riskant als in der Vergangenheit sein.

Südafrika: gesunkene politische Risiken und absehbarer Wirtschaftsaufschwung

Die Solidität des Staatshaushalts und die Glaubwürdigkeit vieler öffentlicher Einrichtungen wurden während neun Jahren Korruption unter Präsident Zuma schwer in Mitleidenschaft gezogen. Zum Glück hat der nunmehrige Präsident Cyril Ramaphosa damit begonnen, die Regierung, den öffentlichen Sektor und die in Staatsbesitz befindlichen Unternehmen wieder auf Vordermann zu bringen. Das Vertrauen der Unternehmen erholt sich inzwischen wieder, nicht zuletzt aufgrund erhöhter Investitionen, die das Wirtschaftswachstum beflügeln sollten.

Ägypten: politische Stabilität kommt der Wirtschaft zugute

In den Jahren 2015 und 2016 litt die ägyptische Volkswirtschaft darunter, dass die Notenbank keine Abwertung der Währung zuließ. Ausländische Investoren wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, da sie ihr Kapital nicht aus dem Land abziehen konnten. Erst im November 2016 kam es zu einer Abwertung der Währung. Dies räumte Wachstumshindernisse beiseite und erleichterte den Unternehmen den Export von Gütern. Der Tourismussektor erholte sich dank einer verbesserten Sicherheitssituation.

Ebenfalls positiv wirkten sich großangelegte Infrastrukturprojekte aus, die durch die Finanzierung seitens Entwicklungsorganisationen, europäischer Länder und verbündeter Golfstaaten möglich wurden. Außerdem führen spektakuläre Erdgasfunde dazu, dass Ägypten in Zukunft deutlich weniger auf Energieimporte angewiesen sein wird. Auch wenn die politische Situation alles andere als ideal ist, dürften sich kurzfristig die Unternehmen und die Konjunktur in dem verbesserten Umfeld gut entwickeln.

Nigeria: solide fundamentale Lage

Zwischen Anfang 2015 und August 2017 war Nigeria für Neuanleger unattraktiv. Dazu trugen nicht nur rückläufige Ölpreise und eine sinkende Ölproduktion infolge politischer Unruhen im Jahr 2016 bei, sondern auch die Weigerung, die Währung des Landes abwerten zu lassen und für Anleger und Unternehmen in US-Dollar konvertierbar zu machen. Im Jahr 2017 erholte sich die Ölproduktion jedoch, da sich die politische Situation stabilisierte und der Ölpreis wieder stieg. Dadurch verbesserte sich die Situation des Staatshaushaltes, während gleichzeitig eine starke Währungsabwertung weniger notwendig war. Nach einer Abwertung um 15 % wurde die nigerianische Währung allgemein als fair bewertet angesehen. Das begünstigte die Rückkehr ausländischer Investoren, während die inländischen Unternehmen leichteren Zugang zum US-Dollar erhielten und dadurch ihrer Geschäftstätigkeit wieder besser nachgehen konnten.

Im Jahr 2017 ließ die nigerianische Wirtschaft die Rezession hinter sich. Wir rechnen damit, dass sich das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr weiter auf rund 2,5 % beschleunigt.

Kenia: Waffenstillstand senkt Risiko

Seit den blutigen Auseinandersetzungen im Anschluss an die Wahlen im Jahr 2007 erlebte Kenia eine Phase relativer politischer Stabilität und solides Wirtschaftswachstums. Allerdings stieg 2017 das Risiko gewalttätiger Konflikte und anhaltender Unsicherheit wieder, als die Opposition sich weigerte, den Sieg von Präsident Kenyatta anzuerkennen. Zum Glück kündigte Oppositionsführer Odinga im März an, dass er mit Kenyatta zusammenarbeiten wolle, um die Einheit der Nation zu stärken. Begünstigt wurde der Waffenstillstand durch Zusagen für Projektfinanzierungen seitens der USA und der Europäischen Union. Dies wird voraussichtlich die Unsicherheit verringern und zur Wiederaufnahme wichtiger staatlicher Vorhaben und Investitionen des privaten Sektors führen.

Neue Märkte rücken in den Blick

Viele auf die „Frontier"-Staaten und Afrika ausgerichtete Fonds konzentrieren sich auf die wenigen relativ großen und liquiden afrikanischen Märkte. Dagegen hat die Afrika-Aktienstrategie von Robeco auch bereits in Länder wie Botswana, Ghana, Senegal und Sambia investiert. Wir rechnen damit, dass sich diese Märkte weiterentwickeln und hoffen, dass sie auch für weitere Anleger in Betracht kommen. Wir hoffen außerdem, dass in den nächsten zehn Jahren weitere afrikanische Länder ihre Kapitalmärkte öffnen und wir dann dort ebenfalls frühzeitig aktiv werden können. Beispielsweise deutet einiges darauf hin, das Äthiopien zunehmend gewillt ist, ausländisches Aktienkapital anzuziehen. In Angola und Algerien haben Regierungsvertreter angedeutet, dass sie eine Weiterentwicklung ihrer Aktienmärkte planen. Eines hat uns allerdings die Erfahrung gelehrt: an den afrikanischen Märkten müssen wir Geduld haben.

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