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Investieren in volatilitätsarme Aktien: Erwarten Sie das Unerwartete

Investieren in volatilitätsarme Aktien: Erwarten Sie das Unerwartete

06-11-2014 | Research

Volatilitätsarme Aktien sind dafür bekannt, dass sie in steigenden Märkten der allgemeinen Wertentwicklung hinterherhinken und in fallenden Märkten weniger an Wert verlieren. Im Durchschnitt trifft dies zu. Ist es aber immer so? Bei der Untersuchung historischer Belege haben wir festgestellt, dass hin und wieder unwahrscheinliche Szenarien positiver wie negativer Art eintreten. Anleger, die volatilitätsarme Aktien kaufen, sollten ihren Blick deshalb nicht auf Durchschnittswerte richten, sondern ein breiteres Spektrum möglicher Ergebnisse in Betracht ziehen.

  • David Blitz
    David
    Blitz
    Head of Quant Research, Robeco
  • Pim  van Vliet, PhD
    Pim
    van Vliet, PhD
    Head of Conservative Equities and Quant Allocation

Tendenz zu übermäßiger Zuversicht

Aus der wirtschaftlichen Verhaltenslehre ist bekannt, dass der Mensch zu übermäßiger Zuversicht neigt. Ein Beispiel hierfür ist, dass viele die eigene Fähigkeit überschätzen, eine bestimmte Zahl vorherzusagen. Soll man bspw. eine Bandbreite nennen, in die eine Zahl mit einer Sicherheit von 90% fällt, legen die meisten diese zu eng fest, sodass nur 40% der richtigen Antworten erfasst werden.

Diese übermäßige Zuversicht lässt vermuten, dass Anleger möglicherweise auch die Bandbreite möglicher Ergebnisse einer auf volatilitätsarme Papiere setzenden Anlagestrategie unterschätzen. Auch wenn wir Erwartungen zum Basisfall nicht in Frage stellen, möchten wir Anleger auf die Unsicherheit in Bezug auf das durchschnittliche, wahrscheinlichste Szenario hinweisen. Die Bandbreite und Wahrscheinlichkeit möglicher Szenarien werden i. d. R. unterschätzt, und Anleger sollten im Hinblick auf ihre Erwartungen von stärkerer Volatilität ausgehen. Bspw. liegt die Wahrscheinlichkeit, dass volatilitätsarme Strategien in einem fallenden Markt eine überdurchschnittliche Performance erzielen, nicht – wie oft angenommen wird – bei 100% oder 99%, sondern eher bei 90%. Anleger, die volatilitätsarme Papiere kaufen, profitieren häufig von der übermäßigen Zuversicht anderer Anleger, sollten aber darauf achten, dass sie nicht selbst Opfer ihrer eigenen übermäßigen Zuversicht werden.

Bleiben Sie in Bezug auf Einsichten zu Quantitative Investing auf dem Laufenden.
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Lehren aus der Geschichte

Eine Untersuchung der historischen Daten hat uns zu dem Ergebnis gebracht, dass sich volatilitätsarme Aktien nicht immer den allgemeinen Erwartungen entsprechend verhalten. Anleger sollten sich auf das Unerwartete einstellen. Im Zusammenhang mit volatilitätsarmen Strategien hat es in der Vergangenheit tatsächlich schon alle möglichen unwahrscheinlichen Szenarien gegeben, die viele Anleger vermutlich schockieren würden, wenn sie heute einträten. Häufig traten diese Szenarien auch mehr als einmal auf. Auf kurze Sicht sollten solch ungewöhnliche Verhaltensweisen nicht unmittelbar Anlass zur Sorge geben, weil sich dadurch nichts an den überaus attraktiven Eigenschaften volatilitätsarmer Strategien in puncto Performance ändert: aktienähnliche (oder sogar bessere) durchschnittliche Renditen bei geringerer Volatilität und geringeren Verlustrisiken. Es braucht Geduld und Ausdauer, wenn man die Prämien für volatilitätsarmes Investieren ernten will. Und Anleger sollten nicht von ihrem Kurs abweichen, wenn in einem bestimmten Zeitpunkt keine idealen Ergebnisse vorliegen.

Steuerung der Erwartungen

Unsere Analysen zeigen, dass die Performance volatilitätsarmer Aktien in fallenden Märkten unterdurchschnittlich sein kann und die realisierte Volatilität volatilitätsarmer Strategien mitunter höher ist als die des Marktes. Außerdem können Währungseffekte zu Verzerrungen führen, wobei man dieses Problem durch Kurssicherungsgeschäfte mindern könnte. Andererseits haben wir auch beobachtet, dass eine überdurchschnittliche Performance volatilitätsarmer Aktien in stark steigenden Märkten nicht so unwahrscheinlich ist, wie man vielleicht annehmen möchte, sondern tatsächlich relativ häufig zu beobachten ist.

Tatsächliche Performance

Robeco Conservative Equities ist unser optimierter, volatilitätsarmer Ansatz. Wie die tatsächlichen Ergebnisse seit 2006 zeigen, liegt die Wahrscheinlichkeit einer unterdurchschnittlichen Performance in fallenden Märkten bei ca. 10%. Dies steht mit den langfristigen Ergebnissen und auch mit der Performance des MSCI Minimum Volatility-Index im Betrachtungszeitraum in Einklang. Ebenfalls in Einklang mit den Ergebnissen der Langfristanalyse war die Einjahresvolatilität in ca. 80% der Fälle reduziert, und die verbleibenden 20% der Fälle mit höherer Ex-post-Volatilität traten allesamt in steigenden Märkten auf. Was Anleger mit Basiswährung Euro angeht, führte die währungsgesicherte Variante der Conservative Equity-Strategie häufiger zu einer Reduzierung der Volatilität. Die Wahrscheinlichkeit einer überdurchschnittlichen Performance in steigenden Märkten in einem Zeitraum von einem Jahr lag schließlich bei über 50%, was zu einer verbesserten sogenannten „Upside-Capture-Ratio” führte. Dies deckt sich auch mit den langfristigen Ergebnissen und ist ein positives Resultat für unsere Kunden.

Den Horizont erweitern

Insgesamt zeigen unsere Analysen, dass sich Anleger, die volatilitätsarme Papiere kaufen, nicht auf Durchschnittswerte fokussieren, sondern ein breites Spektrum möglicher Ergebnisse in Betracht ziehen und sich auf das Unerwartete einstellen sollten. Anleger, die volatilitätsarme Papiere kaufen, profitieren häufig von der übermäßigen Zuversicht anderer Anleger, sollten aber darauf achten, dass sie nicht selbst Opfer ihrer eigenen übermäßigen Zuversicht werden. Eine breite Betrachtungsweise wird dazu beitragen, das langfristige Engagement zu stärken, das erforderlich ist, um von der Anomalie bezüglich volatilitätsarmer Aktien zu profitieren.

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