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Messung der Nachhaltigkeitsbilanz: Vergleich eines SDG-Scores mit ESG-Ratings

Messung der Nachhaltigkeitsbilanz: Vergleich eines SDG-Scores mit ESG-Ratings

09-09-2022 | Einblicke

Anleger suchen nach aussagekräftigeren Instrumenten, um zu messen, wie nachhaltig Unternehmen wirtschaften. In diesem Artikel vergleichen wir den SDG-Score von Robeco mit traditionellen ESG-Ratings und erklären, warum unser Score Anlegern helfen kann, nachhaltige Anlagestrategien zu entwickeln, die positive Wirkungen anstreben und negative Effekte vermeiden.

  • Jan Anton van Zanten
    Jan Anton
    van Zanten
    SDG Strategist
  • Joop  Huij
    Joop
    Huij
    Head of Indices

In aller Kürze

  • Anleger sind unterschiedlicher Meinung, wie die Nachhaltigkeitsbilanz von Unternehmen am besten gemessen werden kann
  • In unserer neuen Studie stellen wir den Robeco-SDG-Score vor und vergleichen diesen mit ESG-Ratings
  • Anders als ESG-Ratings erfasst der SDG-Score zuverlässig positive und negative Wirkungen

Nachhaltige Geldanlage ist hochaktuell. Schätzungen zufolge nahmen nachhaltig investierte Vermögenswerte in den Jahren 2016 bis 2020 um 55 % zu, sodass sich ihr Anteil am verwalteten Gesamtvermögen auf 36 % erhöhte.1 Bei mehr als zwei Dritteln der nachhaltig investierten 35,3 Billionen USD werden ESG-Aspekte berücksichtigt. Doch ungeachtet ihrer Bedeutung stehen die bei der Entwicklung entsprechender Strategien verwendeten ESG-Ratings in der Kritik.

Beispielsweise kann es sein, dass Tabak- und Bergbauunternehmen hervorragende ESG-Ratings erhalten. Dies deutet darauf hin, dass die ökologischen und sozialen Wirkungen von Unternehmen damit nicht gründlich erfasst werden. Es mangelt auch an Korrelation zwischen den ESG-Ratings verschiedener Anbieter, was insgesamt zu Verwirrung darüber führt, was mit ESG-Ratings eigentlich gemessen wird. Angesichts dieser Kritik spricht Bloomberg von einer „ESG-Fata Morgana“, und das Wirtschaftsmagazin The Economist nannte ESG „drei Buchstaben, die den Planeten nicht retten werden“.

Wie können Anleger angesichts der großen Uneinigkeit darüber, wie man am besten misst, welche Unternehmen nachhaltig wirtschaften, Unternehmen erkennen, die zu einer besseren Welt beitragen, und solche ausschließen, die negative Wirkungen hervorrufen?

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Einführung eines SDG-Scores und Vergleich mit ESG-Ratings

In unserem neuen Arbeitspapier vertreten wir die Auffassung, dass die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ein wichtiges Konzept für nachhaltig investierende Anleger sind. Wissenschaftler postulieren, dass nachhaltiges Investieren „eine allgemeine Bezeichnung für Geldanlagen [ist], die zu nachhaltiger Entwicklung beitragen sollen“. Die 17 SDGs mit ihren 169 zugrundeliegenden Einzelvorgaben identifizieren damit die konkreten Ziele für nachhaltige Entwicklung, die Anleger verfolgen sollten. Dass die SDGs von allen Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen übernommen wurden, stellt ihre weltweite Anerkennung sicher.

Davon ausgehend führen wir den seit vielen Jahren in unseren Anlagestrategien verwendeten Robeco-SDG-Score als eine neuartige Kennzahl für Nachhaltigkeitsbilanzen ein. Dieser Score misst, inwieweit Unternehmen einen positiven oder negativen Beitrag zu den SDGs leisten. Er reicht von -3 für Unternehmen, die starke negative Wirkungen verursachen, bis +3 für solche, die einen großen positiven Beitrag leisten.

Dies wirft eine interessante Frage auf: Wie lässt sich überprüfen, welche Kennzahl – der SDG-Score oder ein ESG-Rating – die Nachhaltigkeitswirkungen von Unternehmen am besten erfasst? Und hat dieser SDG-Score gegenüber den etablierten ESG-Ratings etwas Neues zu bieten?

In unserer Studie untersuchen wir, ob der SDG-Score und vier bekannte ESG-Ratings mit Folgendem in Einklang stehen: (i) den erklärten Nachhaltigkeitspräferenzen der Anleger, (ii) den Regulierungsbestimmungen für nachhaltiges Investieren und (iii) der Klimaforschung.

Stehen Nachhaltigkeitskennzahlen mit den von Anlegern erklärten Nachhaltigkeitspräferenzen in Einklang?

Bei unserem ersten Test geht es darum, ob der SDG-Score und die ESG-Ratings mit dem beobachteten nachhaltigen Anlageverhalten von Investoren in Einklang stehen.

Zunächst beurteilen wir, ob mit diesen Kennzahlen Unternehmen identifiziert werden können, die nach Überzeugung von Anlegern negative Wirkungen verursachen. Dazu vergleichen wir die SDG-Scores und ESG-Ratings von Unternehmen, die von Asset-Eignern ausgeschlossen werden. Mithilfe von Ausschlusslisten meiden Asset-Eigner Investments in Unternehmen mit gravierenden negativen Wirkungen wie bspw. solche, die Menschenrechte verletzen, Kraftwerkskohle abbauen oder Tabak produzieren. Von geeigneten Nachhaltigkeitskennzahlen erwarten wir, dass sie auf solchen Ausschlusslisten stehenden Unternehmen niedrige Scores zuweisen.

Sodann beurteilen wir, ob sich mit diesen Kennzahlen Unternehmen identifizieren lassen, die nach Überzeugung von Investoren positive Wirkungen hervorrufen. Dazu vergleichen wir die SDG- und ESG-Bilanzen von Unternehmen, in welche dem Mainstream folgende, nachhaltige Themenfonds investieren. Wir untersuchen drei Sektoren, nämlich nachhaltige Energie, Wasser und das Gesundheitswesen, die von geeigneten Nachhaltigkeitskennzahlen hohe Scores erhalten sollten.

Bei diesem ersten Test stellen wir fest, dass nahezu alle auf den Ausschlusslisten von Asset-Eignern stehenden Unternehmen negative SDG-Scores erhalten, während in nachhaltigen Themenfonds enthaltene Unternehmen positive SDG-Scores bekommen. Trotz einiger Unterschiede zwischen den Anbietern sind die ESG-Ratings für ausgeschlossene und nachhaltige, themenbezogene Unternehmen mit der weiter gefassten Benchmark vergleichbar. Der SDG-Score steht demzufolge mit den erklärten Nachhaltigkeitspräferenzen der Anleger in Einklang. Bei ESG-Ratings ist dies nicht der Fall.

Stehen Nachhaltigkeitskennzahlen in Einklang mit Regulierungsbestimmungen für nachhaltiges Investieren?

Mit unserem zweiten Test ermitteln wir, ob der SDG-Score und die ESG-Ratings mit der EU-Taxonomie vereinbar sind. Auch dabei stellen wir auf negative und positive Wirkungen ab.

Zunächst legt die EU-Taxonomie fest, welche Verhaltensweisen von Unternehmen gegen den Grundsatz „Do-no-significant-harm“ (DNSH) verstoßen. Wir erwarten, dass Unternehmen, die erhebliche ökologische Schäden verursachen und somit gegen diesen Grundsatz verstoßen, niedrige Nachhaltigkeits-Scores erhalten. Des Weiteren stellt die EU-Taxonomie technische Prüfkriterien auf, die festlegen, welche Arten von Unternehmensaktivitäten Lösungen bieten, um ökologische Nachhaltigkeit zu fördern. Wir erwarten, dass Unternehmen, die ihre Umsatzerlöse überwiegend mit solchen Aktivitäten erzielen, hohe Nachhaltigkeits-Scores erreichen.

Ausgehend von Daten von Sustainalytics zur EU-Taxonomie kommen wir zu dem Ergebnis, dass der SDG-Score aller gegen den DNSH-Grundsatz verstoßenden Unternehmen negativ ist. Demgegenüber ist der SDG-Score von Unternehmen, die mehr als 66 % ihrer Umsatzerlöse mit Aktivitäten erzielen, die mit der EU-Taxonomie in Einklang stehen, in der Regel sehr positiv. Im Gegensatz dazu sind die ESG-Ratings für beide Kategorien von Unternehmen häufig nicht sehr weit von der Benchmark entfernt. Der SDG-Score steht folglich in Einklang mit diesem speziellen Regelwerk für nachhaltiges Investieren, während dies bei ESG-Ratings oft nicht der Fall ist.

Sustainable Investing Open Access Initiative
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A collaborative effort to optimize the impact of SDG Investing
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Stehen Nachhaltigkeitskennzahlen mit der Klimaforschung in Einklang?

Unser abschließender Test basiert auf der Klimaforschung. Wir meinen, dass die meisten Unternehmen mit extrem hohen Treibhausgasemissionen schlechte Nachhaltigkeitsratings erhalten sollten.

Um dies zu beurteilen, sehen wir uns die kombinierten Scope-1- und -2-Emissionen sowie die Scope-3-Emissionen an. Bei der Untersuchung der 100 Unternehmen mit den höchsten Treibhausgasemissionen stellen wir fest, dass die meisten davon einen negativen SDG-Score erhalten, während ihre ESG-Bewertungen im Allgemeinen mit den Benchmark-Werten vergleichbar sind. Dies zeigt, dass der SDG-Score mit der Klimaforschung in Einklang steht. Bei ESG-Ratings ist dies nicht der Fall.

Fazit: Ein SDG-Score und ESG-Ratings können sich ergänzen, sollten aber keinesfalls verwechselt werden

Bei allen drei Tests hat der SDG-Score seine Aussagekraft bewiesen, während die vier traditionellen ESG-Ratings entweder die Tests nicht bestanden oder die Wirkungen von Unternehmen nur teilweise erfasst haben. Diese Ergebnisse zeigen, dass ESG-Ratings nicht so zu verstehen sind, dass damit die Beiträge von Unternehmen zu nachhaltiger Entwicklung gemessen werden. Deshalb warnen wir davor, Konzepte wie ESG, Nachhaltigkeit und Wirkungen so zu verwenden, als seien sie austauschbar.

In der Praxis bedeutet dies, dass nachhaltige Anlagestrategien, die lediglich ESG-Ratings einbeziehen, wahrscheinlich weiter in für negative Wirkungen verantwortliche Unternehmen investieren werden, aber Investments in Unternehmen „verpassen“, die positive Beiträge leisten. Dies bedeutet, dass Anleger ihre eigenen Nachhaltigkeitsziele – und die ihrer Kunden – möglicherweise nicht erreichen werden. Das heißt aber nicht, dass ESG-Ratings keinen Nutzen haben. Sie messen häufig finanzielle Risiken, die für Unternehmen von Nachhaltigkeitsthemen ausgehen. Sie könnten deshalb einen SDG-Score ergänzen, um die finanzielle Performance zu unterstützen, und gleichzeitig auf positive Wirkungen hinsichtlich der SDGs abstellen.

Lesen Sie den vollständigen Bericht hier: Corporate Sustainability Performance: Introducing an SDG Score and Testing Its Validity Relative to ESG Ratings by Jan Anton van Zanten, Joop Huij - SSRN

1 GSIA (2021). Global Sustainable Investment Review. Am 8. Juli 2022 entnommen aus: http://www.gsi-alliance.org/wp-content/uploads/2021/08/GSIR-20201.pdf

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