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Die Nachhaltigkeitsrevolution in der Welt der Geldanlage

Die Nachhaltigkeitsrevolution in der Welt der Geldanlage

09-05-2022 | Einblicke

Was bedeutet der fundamentale Schwenk hin zu Nachhaltigkeit für Kapitaleigner und Assetmanager? Victor Verberk geht auf diese Frage im Rahmen seiner Eröffnungsrede bei der Top1000 Funds-Konferenz ein. Der vorliegende Text ist ein Auszug aus seiner Rede.

  • Victor  Verberk
    Victor
    Verberk
    CIO Fixed Income and Sustainability

Zusammenfassung

  • Sustainable Investing entwickelt sich in der gesamten Anlagebranche mit hohem Tempo weiter
  • Klima, Biodiversität und Menschenrechte sind einige der zentralen Themen in der Strategie von Robeco
  • Anleger legen mittlerweile den Fokus auf Verbesserungen für die Gesellschaft zusätzlich zu risikobereinigten Erträgen

Das Anlagegeschäft war schon immer von Wandel geprägt. Doch mein Eindruck ist, dass wir uns derzeit in einer Phase tiefgreifender Veränderungen befinden, was die Geschäftstätigkeit in unserer Branche betrifft. Zwar ist Sustainable Investing nichts Neues – wir bei Robeco tun dies seit mehr als einem Vierteljahrhundert – doch entwickelt sich das Konzept mittlerweile rapide weiter und ist in der gesamten Branche weltweit integriert.

Eine zunehmende Zahl von Investoren und Kapitaleignern legt heute einen starken Fokus auf entscheidende Themen wie Klima, Biodiversität und Menschenrechte. Diese Themen spielen in der Strategie von Robeco eine zentrale Rolle. Sie stehen im Einklang mit unserem Ziel, als Investor risikobereinigte Erträge zu erzielen und gleichzeitig das Wohlergehen der Gesellschaft zu verbessern. Wir nennen dies doppelte Materialität. v Zur Veranschaulichung dieser Punkte gehe ich auf die zentralen Themen Klima und Dekarbonisierung sowie ihre Implikationen für die Geldanlage ein.

Aktuelle Einblicke zum Thema Nachhaltigkeit
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Praktische Schritte hin zum Netto-Null-Ziel

Viele Kapitaleigner und Assetmanager haben sich netto null CO2-Emissionen zum Ziel gesetzt. Wir befinden uns nun in der praktischen Phase, in der es herauszufinden gilt, was dies für unsere Anlageentscheidungen bedeutet, aus welcher Perspektive wir Aktien und Anleihen betrachten, welche Mitarbeiter wir einstellen sollten und welche Daten und Systeme wir benötigen.

Offen gesagt, kennt niemand von uns den genauen Weg zur Erreichung des Netto-Null-Ziels. Wir kennen nur die Richtung. Diese Unsicherheit hat für Investoren einige wichtige Implikationen. So müssen wir uns daran gewöhnen, mit Unbekannten und mit unvollkommenen Prognosen zu arbeiten. Des Weiteren müssen wir mehr denn je auf unsere Spezialisten vertrauen, die genau verfolgen, welche Erkenntnisse die Wissenschaft und die Daten uns in Bezug auf das Klima liefern.

Es bedeutet auch, dass wir intensiv daran arbeiten müssen, an mehr Daten zu gelangen – mehr zukunftsgerichtete Daten als vergangenheitsbezogene sowie verlässliche Daten und nicht lediglich Schätzungen. Das Sammeln der geeigneten Daten erfordert einen enormen Einsatz – sowohl in intellektueller als auch in finanzieller Hinsicht. Das bedeutet, dass wir in IT-Ressourcen, Analysewerkzeuge und AI-Spezialisten investieren müssen.

Im Hinblick auf den Beitrag von Robeco zur Erreichung des Netto-Null-Ziels haben wir sechs wesentliche Aktivitäten identifiziert. Diese haben zum Ziel, unsere Geschäftstätigkeit zu dekarbonisieren, den Wandel zu beschleunigen und klimakonforme Investments voranzutreiben.

Innerhalb dieses Handlungsrahmens wird Robeco einen Pfad zur Dekarbonisierung seiner Anleihen- und Aktienportfolios um 7 % pro Jahr verfolgen, um unsere Anlagen auf die Ziele des Pariser Klimaabkommens auszurichten. Wir haben Software und Analysetools entwickelt, die es jedem Fondsmanager ermöglichen, den CO2-Fußabdruck seiner Portfolios und jeder einzelnen Position darin nachzuvollziehen und zu ermitteln, welchen Fortschritt die Dekarbonisierung des Portfolios im Zeitverlauf macht. Außerdem wollen wir unsere operative Tätigkeit bis 2050 CO2-neutral machen.

Wie wollen wir dies erreichen? Wir müssen dazu alle uns verfügbaren Instrumente nutzen und wir müssen zusammenarbeiten. Für uns ist Active Ownership ein primäres Instrument, um sicherzustellen, dass die Unternehmen in unseren Portfolios ihre Emissionen reduzieren. Dies wird einen breit gefächerten Ansatz erfordern, der auf alle relevanten Stakeholder abzielt. Daher fordern wir auch die Regierungen auf, ihre Rolle dabei zu erfüllen. Wir kooperieren mit Kunden, Mitbewerbern und anderen relevanten Stakeholdern und wir bauen Druck auf, wo es notwendig ist. Dieses Jahr haben wir mehr als 130 Briefe an die CEOs der Unternehmen mit den größten Emissionen in unserem Anlageuniversum verschickt. Außerdem werden wir gegen die relevanten Direktoren von über 300 Firmen stimmen, die in punkto Klima zu wenig unternehmen.

Die Rolle der CO₂-Märkte

Ein weiterer wichtiger Aspekt, den wir im Rahmen unseres Dekarbonisierungspfads verfolgen, ist die Rolle von CO2-Märkten und dem Ausgleich von CO2-Emissionen. Wir sind uns zwar der Risiken der CO2-Märkte bewusst, dennoch sind sie ein unverzichtbarer Bestandteil einer künftigen Wirtschaft mit netto null Emissionen. In Branchen wie der Zement- und der Chemieindustrie werden weiterhin Emissionen anfallen. Von daher brauchen wir definitionsgemäß Technologien mit negativen Emissionen und Instrumente zum CO2-Ausgleich. Schätzungen zufolge könnte der Einsatz von CO2-Märkten, sei es unter Nutzung der Kräfte des freien Markts oder verpflichtend, die Kosten der Umsetzung des Klimaabkommens von Paris halbieren.

Auch in diesem Bereich leistet Robeco intensive Arbeit. Wir wollen unseren Kunden Orientierung vermitteln, was den Einsatz von CO2-Guthaben im Rahmen von Netto-Null-Strategien angeht. Wir werden außerdem die Entwicklung von CO2-Guthaben als Assetklasse beobachten und mit CO2-neutralen Produktangeboten innovativ tätig sein.

Climate Investing läuft auf sorgfältige Einzeltitelauswahl hinaus

Für erfahrene Anleger ist Sustainable Investing eine spannende Sache. Der wichtigste Aspekt dabei ist zu ermitteln, welcher Anteil des Klimawandels von den Finanzmärkten eingepreist ist.

Im Fall des Green Deal der EU beispielsweise, der Pläne zur Einführung von Importzöllen und CO2-Regularien im Zeitverlauf vorsieht, beginnen die Märkte diese Entwicklungen einzupreisen. Dies bedeutet, dass es auf kurze Sicht Gewinner und Verlierer geben wird, während die Märkte auf regulatorische Entwicklungen und andere Veränderungen reagieren.

Das ist der spannende Aspekt in Bezug auf Klima und Märkte. Es handelt sich dabei nicht um eine theoretische Aufgabe. Es läuft tatsächlich auf die konkrete Einzeltitelauswahl hinaus. Mit unserem researchbasierten, konträren Ansatz halten wir uns dafür für ideal geeignet.

Biodiversität und Natur

Veranschaulichen lässt sich unser methodischer Ansatz im Bereich Sustainable Investing auch anhand der Art und Weise, wie wir mit den Themen Biodiversität und Natur umgehen. Kürzlich haben wir unseren Zeitplan für die Ausrichtung unserer Investmentaktivitäten in Bezug auf Biodiversität veröffentlicht. Außerdem sind wir eine Partnerschaft mit dem WWF Netherlands eingegangen, um die Integration von Biodiversität im Asset Management voranzubringen. Im Rahmen dieser Partnerschaft werden wir den Dialog mit Kunden und anderen Stakeholdern im Finanzsektor suchen, um ein größeres Bewusstsein für den Aspekt zu schaffen und sie zur Integration von Biodiversität in ihre Anlagegrundsätze zu inspirieren.

Diese Partnerschaft gibt uns die Möglichkeit, von der enormen wissenschaftlichen Expertise im WWF zu profitieren. Gemeinsam entwickeln wir eine auf das Thema Biodiversität ausgerichtete Anlagestrategie, die im weiteren Verlauf dieses Jahres aufgelegt werden soll. Des Weiteren arbeiten wir an einer Systematik für Investments im Bereich Biodiversität. Damit werden wir imstande sein, im Rahmen aller unserer Anlagen die Auswirkungen einzelner Unternehmen auf die Biodiversität zu ermitteln. Auf der Sektorebene sind zwar robuste Daten zur Biodiversität verfügbar, die Verknüpfung zu den Aktiva der einzelnen Unternehmen und den Lieferketten stellt aber eine echte Herausforderung dar. Für mich ist dies das Ziel schlechthin. Deshalb optimieren wir die Daten mithilfe von KPIs auf dieselbe Weise, wie wir dies im Rahmen unserer SDG-Systematik getan haben, wo wir die Produkte und Dienstleistungen der Unternehmen mit den SDGs verknüpft haben.

Eine herausfordernde Wegstrecke vor uns

Wir befinden uns auf einem spannenden, aber auch herausfordernden Weg. Aus diesem Grund ist unser SI Centre of Expertise in den Investmentbereich integriert: damit können wir die notwendige Balance zwischen Anlageexpertise und Nachhaltigkeitswissen erreichen. Dies wiederum führt zur Entstehung des Portfoliomanager 2.0 – des Portfoliomanagers der Zukunft.

Gesetzgebung, Produktentwicklung und Kundenanforderungen werden komplexer, differenzierter und schwieriger zu handhaben. Doch das ist unser Geschäft. Wir werden diese Komplexität in unserer Arbeitsweise reflektieren und akzeptieren, dass es noch viele Unbekannte gibt. Nach unserem Verständnis bedeutet eine Pionierrolle, in unbekannte Territorien vorzustoßen. Im Bereich Sustainable Investing an der Spitze zu sein heißt, Grenzen zu verschieben und laufend dazu zu lernen. Wir haben uns dieser Aufgabe verschrieben, um zu einer besseren Zukunft beizutragen.

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