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Die Schweiz muss ihrem Grundwasser Sorge tragen

Die Schweiz muss ihrem Grundwasser Sorge tragen

22-03-2022 | Einblicke
Die Schweiz ist in der beneidenswerten Lage, über genügend Trinkwasser und grosse Wasserreserven zu verfügen. Die Abwasserinfrastruktur ist hervorragend, und die Gewässerqualität hat sich in den letzten Jahrzehnten verbessert. Doch die zunehmende Mikroverunreinigung des Grundwassers ist eine grosse Herausforderung für Gesellschaft, Politik und Umwelt.
  • Dieter Küffer
    Dieter
    Küffer
    Lead Portfolio Manager RobecoSAM Sustainable Water

In aller Kürze

  • Ein Umdenken in Bezug auf den Umgang mit der Ressource Wasser muss in der Schweiz, das Wasserschloss Europas, stattfinden.
  • Trotz sehr grosser Grundwasserreserven, wird das Grundwasser immer verschmutzter & es besteht Handlungsbedarf.
  • In Bezug auf Mikroverunreinigungen muss die Abwasserreinigung, mit Unterstützung & Druck des Bundes, regional verbessert werden.

Wasser ist die Basis allen Lebens auf unserer Erde – und Wasser ist auch für den sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt unerlässlich. Der Wert des «blauen Goldes» wird jedoch nach wie vor unterschätzt, zumindest in wasserreichen Industriestaaten, und die Nutzung von Wasser ist nicht nachhaltig. Die Vereinten Nationen warnen schon seit Jahren vor einer globalen Wasserkrise, die durch den Klimawandel verschärft wird. Im «Global Risks Report 2022» des World Economic Forum (WEF) besetzen Risiken im Zusammenhang mit der Umwelt für die kurze und die lange Frist die ersten Plätze, vor gesellschaftlichen, geopolitischen und wirtschaftlichen Risiken.

Der Wert des «blauen Goldes» wird nach wie vor unterschätzt

Schweiz: Wasser im Überfluss?

Die Schweiz ist von der globalen Wasserproblematik nur am Rande direkt betroffen: Wir sind das Wasserschloss Europas, Wasserknappheit oder Qualitätsprobleme kennen wir kaum. Und selbst in Hitzejahren gibt es so viel Wasser, dass auch landwirtschaftliche Flächen zur Genüge bewässert werden können. Der hohe Niederschlag in den Alpen speist Flüsse, Seen und Grundwasserreservoire; Schnee und Gletscher dienen als Wasservorrat. Doch wie lange noch? Ein detaillierter Blick auf die Wassersituation in der Schweiz zeigt, dass auch hierzulande ein Umdenken in Bezug auf den Umgang mit der Ressource Wasser stattfinden muss.

Süsswasser, Salzwasser, Trinkwasser, Grundwasser, Oberflächenwasser, Abwasser, usw. – es gibt viele verschiedene Wasserarten. In der Wasserdiskussion wird Trinkwasser meist mit Wasser gleichgesetzt. Vom heute in der Schweiz verbrauchten Trinkwasser fallen 55 % auf Haushalte und Kleingewerbe sowie 25 % auf Gewerbe und Industrie an. Für öffentliche Zwecke, wie z.B. Brunnen, werden 5 % verbraucht, und der Selbstverbrauch der Wasserversorgungsbetriebe beträgt rund 3 %. Die Verluste bei der Wassernutzung belaufen sich auf stolze 12 %, so der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW). Insgesamt hat sich der Trinkwasserverbrauch von 500 Liter pro Kopf und Tag im Jahr 1977 auf 410 Liter pro Kopf und Tag im Jahr 2000 und auf 300 Liter pro Kopf und Tag im Jahr 2020 reduziert.

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Schweiz: Wasser im Überfluss?

Die Schweiz ist von der globalen Wasserproblematik nur am Rande direkt betroffen: Wir sind das Wasserschloss Europas, Wasserknappheit oder Qualitätsprobleme kennen wir kaum. Und selbst in Hitzejahren gibt es so viel Wasser, dass auch landwirtschaftliche Flächen zur Genüge bewässert werden können. Der hohe Niederschlag in den Alpen speist Flüsse, Seen und Grundwasserreservoire; Schnee und Gletscher dienen als Wasservorrat. Doch wie lange noch? Ein detaillierter Blick auf die Wassersituation in der Schweiz zeigt, dass auch hierzulande ein Umdenken in Bezug auf den Umgang mit der Ressource Wasser stattfinden muss.

Süsswasser, Salzwasser, Trinkwasser, Grundwasser, Oberflächenwasser, Abwasser, usw. – es gibt viele verschiedene Wasserarten. In der Wasserdiskussion wird Trinkwasser meist mit Wasser gleichgesetzt. Vom heute in der Schweiz verbrauchten Trinkwasser fallen 55 % auf Haushalte und Kleingewerbe sowie 25 % auf Gewerbe und Industrie an. Für öffentliche Zwecke, wie z.B. Brunnen, werden 5 % verbraucht, und der Selbstverbrauch der Wasserversorgungsbetriebe beträgt rund 3 %. Die Verluste bei der Wassernutzung belaufen sich auf stolze 12 %, so der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW). Insgesamt hat sich der Trinkwasserverbrauch von 500 Liter pro Kopf und Tag im Jahr 1977 auf 410 Liter pro Kopf und Tag im Jahr 2000 und auf 300 Liter pro Kopf und Tag im Jahr 2020 reduziert.

Diese Entwicklung – getrieben von einer Sensibilisierung der Verbraucher, wassersparenden Haushaltgeräten und der effizienteren Wassernutzung in Industrie und Gewerbe – ist erfreulich. Sie zeigt jedoch nur die Entwicklung des Verbrauchs innerhalb der Schweiz.

Spielverderber organische Spurenstoffe im Grundwasser

Trinkwasser ist für den Menschen am wichtigsten, und in der Schweiz werden 80 % des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen, wovon rund die Hälfte Quellwasser ist. 20 % stammen aus Seen und Flüssen. Grundwasser ist somit eine extrem wichtige einheimische Ressource und zugleich zentrales Element des natürlichen Wasserkreislaufs. Grundwasser entsteht beim Versickern von Niederschlägen oder von Oberflächenwasser, z.B. aus Bächen und Flüssen. Es fliesst in unterirdische Hohlräume und tritt als Quellen oder durch Pumpen wieder an die Oberfläche. Die Grundwasserqualität hängt unter anderem von der Qualität des Bodens ab, der Schadstoffe zurückhalten oder herausfiltern kann.

Die Schweiz verfügt zwar über sehr grosse Grundwasserreserven, aber das Grundwasser ist immer verschmutzter. Steigende Temperaturen und Schadstoffe belasten die Wasserqualität: Pestizide, Nitrat aus Düngemitteln, Lösungs- und Reinigungsstoffe aus Industrie sowie Waschmittel, Duschgels und Medikamente aus Haushalten – der Grundwasserverschmutzung sind keine Grenzen gesetzt. Besonders gravierend sind Mikroverunreinigungen (organische Spurenstoffe). Sie gelangen unter anderem in Form von Schwermetallen, Mikroplastik oder anderen synthetischen Substanzen ins Grundwasser, und dafür verantwortlich sind von Petrochemie und Landwirtschaft über Detailhandel und Baufirmen bis hin zu Spitälern und Haushalten so ziemlich alle Protagonisten des Wirtschaftssystems.

Kläranlagen an technologischen Grenzen

Diese teilweise hochgiftigen Substanzen fliessen mit dem Abwasser in die Kläranlagen. Während Schadstoffe natürlicher Herkunft in den Klärbecken von den eingesetzten Mikroorganismen relativ leicht abgebaut werden können, gelangen synthetische Substanzen zu einem grossen Teil unverändert wieder in die Flüsse und Seen. Dazu kommt, dass sich das Grundwasser nur sehr langsam regeneriert; es sind heute immer noch Schadstoffe darin zu finden, deren Einsatz schon seit vielen Jahren verboten ist.

Grundwasser regeneriert sich nur langsam

Die Nationale Grundwasserbeobachtung Naqua – das gemeinsame Monitoringprogramm von Bund und Kantonen – erfasst an rund 600 Messstellen in der Schweiz die Qualität und Quantität des Grundwassers. Eine Studie aus dem Jahr 2019 zeigt, dass Nitrat und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln die Grundwasserqualität am stärksten beeinträchtigen. Betroffen sind vor allem die Grundwasservorkommen im intensiv landwirtschaftlich genutzten und dicht besiedelten Mittelland (vgl. Grafik 2).

Gesellschaft, Politik und Wirtschaft haben den Handlungsbedarf erkannt und ziehen zum Schutz des Grundwassers am gleichen Strick. Der Bund will die Grundwasserressourcen und vom Grundwasser abhängige Lebensräume wie Moore, Quellbiotope und Feuchtgebiete erhalten. Dazu hat er eine integrale Strategie für den Gewässerschutz erarbeitet, für deren Umsetzung die Kantone zuständig sind. Im Rahmen der Revision des Gewässerschutzgesetzes hat das Parlament schon 2014 die Grundlagen für die Finanzierung der Aufrüstung ausgewählter Kläranlagen geschaffen. Die neuen Bestimmungen gelten seit 2016; ihre Hauptziele sind die Qualitätssicherung der Trinkwasserressourcen, der Schutz der Tier- und Pflanzenwelt sowie die Reduktion der ins (flussabwärts liegende) Ausland abgeleiteten Menge an Spurenstoffen.

Der Bund lässt aufrüsten

Was bedeutet das konkret? Bis 2040 sollen rund 100 der insgesamt 800 Kläranlagen in der Schweiz mit zusätzlichen Reinigungsstufen zur Entfernung von Mikroverunreinigungen ausgerüstet werden. Dadurch können in Regionen mit stark belasteten Gewässern viele organische Spurenstoffe aus dem Abwasser eliminiert werden. Zu den von den Massnahmen betroffenen Kläranlagen gehören die schweizweit grössten Abwasserreinigungsanstalten (ARA), grosse Kläranlagen im Einzugsgebiet von Seen sowie kleinere Kläranlagen, die mehr als 10 % noch organische Spurenstoffe enthaltendes Abwasser in Flüsse leiten. Ab 2028 kommen kleine Anlagen dazu, die ihr Abwasser in Gewässer leiten, die in einem ökologisch sensiblen Gebiet liegen.

Finanziert wird das Projekt durch einen zweckgebundenen Abwasserfonds des Bundes, der sich zu 75 % an der Aufrüstung der Kläranlagen beteiligt. Gespiesen wird der Fonds von einer gesamtschweizerischen Abwasserabgabe; insgesamt sollen bis 2040 rund 1,25 Mia. Franken eingenommen werden. Massgebend für die vom Bund erhobenen Abgaben ist die Anzahl der einer Kläranlage angeschlossenen Einwohner. Sobald die Inhaber der Kläranlagen die entsprechenden Massnahmen zur Elimination von Spurenstoffen umgesetzt haben, werden sie von der Abgabe befreit.

Das Wasserschloss soll ein Wasserschloss bleiben

Die Schweiz steht in Sachen Qualität und Verfügbarkeit von Trinkwasser im internationalen Vergleich sehr gut da. Die Abwasserreinigung in der Schweiz ist eine Erfolgsgeschichte, und dank dem praktisch flächendeckenden Netz von Kläranlagen hat sich die Gewässerqualität in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Heute sind 98 % der Schweizer Bevölkerung an eine Kläranlage angeschlossen, 1965 waren es erst 14 %. Aber beim Grundwasser – der Hauptquelle des Trinkwassers – besteht Handlungsbedarf, und in Bezug auf Mikroverunreinigungen muss die Abwasserreinigung regional verbessert werden.

Die Schweiz profitiert von ihrer Lage in den Alpen, die Trinkwasser in Hülle und Fülle liefern. Schnee und Gletscher füllen die Flüsse und Seen, aber diese Quellen dürften in den kommenden Jahrzehnten immer mehr versiegen. Umso wichtiger ist es, das Grundwasser sauber zu halten und vorsichtig und sparsam mit dem Rohstoff Wasser umzugehen. Es braucht vorausschauende Massnahmen zum Gewässer- und Grundwasserschutz und ein noch besseres regionales Schadstoffmanagement, vor allem in der Landwirtschaft. Nur wenn die Schweiz ihr Grundwasser nachhaltig bewirtschaftet und schützt, kann sie ihren Status als Wasserschloss auch in Zukunft erhalten.

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