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Schutz von Menschenrechten am 10. Jahrestag der Verabschiedung der UN-Leitprinzipien

Schutz von Menschenrechten am 10. Jahrestag der Verabschiedung der UN-Leitprinzipien

28-06-2021 | Einblicke
Anleger müssen auf Menschenrechtsverletzungen achten, die es immer noch in vielen Lieferketten gibt, meint Danielle Essink, Senior Engagement Specialist bei Robeco.
  • Daniëlle Essink
    Daniëlle
    Essink
    Engagement Specialist

In aller Kürze

  • Menschenrechtsverletzungen sind im Bergbau, im Fischereiwesen und in der Textilindustrie immer noch weit verbreitet.
  • Die Organisation Corporate Human Rights Benchmark beobachtet Problembereiche.
  • Sorgfaltsprüfungen sind bei langen oder komplexen Lieferketten unverzichtbar.

Im Juni jährt sich zum zehnten Mal die Verabschiedung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, eines globalen Rahmenkonzepts, das die Notwendigkeit von Sorgfaltsprüfungen zur Aufdeckung von Menschenrechtsverletzungen nachdrücklich betont. Investoren, darunter auch Robeco, folgen diesen Leitprinzipien als einem Modell für bewährte Praktiken in diesem Bereich.

Zu viel beachteten, anhaltenden Menschenrechtsverletzungen gehören Kinderarbeit bei der Gewinnung von Mineralien für Autobatterien, moderne Sklaverei auf Fischereischiffen und schlechte Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie, die sich mitunter als tödlich erwiesen haben.

Robeco setzt sich regelmäßig mit Unternehmen mit Blick auf ihre Sorgfaltspflichten in Bezug auf Menschenrechte auseinander und hilft ihnen, Menschenrechtsverletzungen im Rahmen ihrer eigenen Geschäftstätigkeit und in ihren Lieferketten zu erkennen, insbesondere wenn Inhaltsstoffe oder Materialien aus Hochrisikogebieten bezogen werden, die keinen ausreichenden Schutz durch Gesetze oder Regulierungsbestimmungen bieten.

„Sorgfaltsprüfungen in Bezug auf Menschenrechte sind ein schlagkräftiges Instrument für Unternehmen, um die gravierendsten Risiken für Menschen im Zusammenhang mit ihrer Geschäftstätigkeit zu erkennen, zu vermeiden und abzumildern und Rechenschaft darüber abzulegen, wie sie mit diesen Risiken umgehen“, sagt Essink, die anlässlich des Jubiläums für das Business and Human Rights Resource Centre einen Blog verfasst hat.

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Vorausschauend überlegen

„Menschenrechte sind ein so weit gefasstes Thema, dass Unternehmen vorausschauend überlegen sollten, wo sie den größten Einfluss auf die Achtung dieser Rechte haben, und um welche drängendsten Probleme sich ihre jeweilige Branche kümmern sollte.“

„Eines der größten Probleme sind von Konflikten betroffene Gebiete und hohen Risiken ausgesetzte Wirtschaftszweige wie die Textilindustrie und die Fischerei. Zudem gibt es das Problem der Datenerhebung und des Datenschutzes in den großen Technologieunternehmen. All dies steht im Zusammenhang mit Menschenrechten.“

„Die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sind ein Rahmenkonzept, das von Robeco sehr aktiv genutzt wird. Wir sprechen mit Unternehmen regelmäßig darüber, wie sie die Achtung von Menschenrechten sicherstellen und wie sie diese Leitprinzipien umsetzen.“

Corporate Human Rights Benchmark

Wie gut dies in einer Branche gelingt, wird von der Organisation Corporate Human Rights Benchmark (CHRB) beobachtet, die Unternehmen anhand verschiedener Indikatoren, auch im Hinblick auf ihre Sorgfaltspflichten, benotet. Im März 2020 beteiligte sich Robeco als einer von 174 internationalen Investoren an einer von der Investor Alliance for Human Rights (IAHR) koordinierten Initiative. Dabei wurden 95 Unternehmen angeschrieben, die 2019 beim CHRB-Ranking keine Punkte für Indikatoren zu Sorgfaltspflichten bekommen hatten.

„Während es bei einigen Unternehmen Verbesserungen gab, sammelten 79 von ihnen auch 2020 in diesem Ranking keine Punkte für Sorgfaltspflichten in Bezug auf Menschenrechte. Deshalb stehen sie für 2021 auf der Liste der Kandidaten, mit denen hierüber zu sprechen sein wird“, sagt Essink, die für Robeco im Beirat der IAHR sitzt.

„Fast die Hälfte der 230 größten börsennotierten Unternehmen in Hochrisikosektoren, die anhand von fünf Indikatoren für Sorgfaltspflichten in Bezug auf Menschenrechte beurteilt wurden, erzielten null Punkte. Das ist ein bedenkliches Ergebnis.“

Missstände in Lieferketten

Viele ansonsten angesehene Unternehmen haben oft keine Kenntnis von den Missständen in ihren langen und häufig komplexen Lieferketten, räumt Essink ein.

„Auf thailändischen Fischkuttern kam es monatelang zu moderner Sklaverei und Zwangsarbeit. Die Supermärkte, die ihre Garnelen von diesen Fischkuttern bekamen und die wir auf diese Missstände ansprachen, hatten keine Ahnung, dass dies in ihren Lieferketten passierte.“

„Durch sorgfältigere Überprüfung ihrer Lieferketten können sie feststellen, von wem sie Waren beziehen und welche Standards in der Lieferkette eingehalten werden.“

Durchführung eigener Sorgfaltsprüfungen

Letztlich geht es darum, sorgfältige Prüfungen vorzunehmen – angefangen bei der Unternehmenszentrale bis hin zu Außenstellen und Fabriken, auf die sich moderne Unternehmen stützen, so Essink. Um seine Arbeit in diesem Bereich zu verbessern, wird Robeco im weiteren Verlauf dieses Jahres seine Einflussnahme auf in Hochrisikogebieten tätige Unternehmen verstärken, was ihren Ansatz für die Durchführung sorgfältiger Prüfungen betrifft.

Dieser Ansatz wird in vielen Rechtsordnungen auch durch Gesetze untermauert. Am 11. Juni 2021 hat der Deutsche Bundestag das Lieferkettengesetz verabschiedet, das Unternehmen verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten zu verhindern.

„Wir sind überzeugt, dass alle Akteure im Geschäftsleben für die Achtung der Menschenrechte Verantwortung tragen und die laufende Durchführung von Sorgfaltsprüfungen in Bezug auf die Menschenrechte eine zentrale Anforderung an Unternehmen und Investoren ist, damit sie dieser Verantwortung gerecht werden“, sagt Essink.

„Dies gilt insbesondere in einer Welt, in der es immer mehr Konflikte und immer weniger bürgerliche Freiräume gibt. Wir brauchen mehr Investoren, die Unternehmen aktiv danach fragen, wie sie die UN-Leitprinzipien umsetzen. Sorgen wir dafür, dass die nächsten zehn Jahre zählen!“

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