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Rentenmarkt: in Bewegung, aber nicht beunruhigt

Rentenmarkt: in Bewegung, aber nicht beunruhigt

08-03-2021 | Monatsausblick
Die Notenbanken behalten den Anstieg der Anleiherenditen sorgfältig im Blick, während die Welt allmählich aus dem Lockdown kommt, sagt das Multi-Asset-Team von Robeco.
  • Peter van der Welle
    Peter
    van der Welle
    Strategist Global Macro team
  • Jeroen Blokland
    Jeroen
    Blokland
    Head of Multi Asset

In aller Kürze

  • Staatsanleiherenditen haben sich dank einer stärker werdenden Erholung spürbar erhöht. 
  • Das Steilerwerden der Zinsstrukturkurve unterscheidet sich nicht wesentlich von vergleichbaren Phasen in der Vergangenheit. 
  • Die Notenbanken bleiben gelassen, könnten aber – falls nötig – einschreiten.

Angeführt von US-Staatsanleihen sind die Renditen auf Staatsanleihen vor dem Hintergrund einer stärker werdenden Erholung und dem Risiko einer Inflationszunahme rasant angestiegen. Die reale Rendite auf 30-jährige US-Staatsanleihen liegt jetzt zum ersten Mal seit Juni 2020 wieder im positiven Bereich, während sich die nominale Rendite auf 10-jährige US-Staatsanleihen seit Jahresbeginn um 50 Basispunkte erhöht hat.

Wenn die Renditen auf Anleihen steigen, verlieren diese an Wert, was sie für Anleger weniger attraktiv macht. Für Regierungen wird es dann schwieriger, Anleihen zur Finanzierung ihrer Ausgaben zu verkaufen. Dies erhöht das Risiko einer Intervention durch die Notenbanken, um die noch wacklige Erholung vor der Pandemie zu schützen, meint Stratege Peter van der Welle.

„Nach unserer Einschätzung wird sich die jüngste Aufwärtsbewegung der Anleiherenditen in den nächsten Monaten fortsetzen, wenn auch möglicherweise mit geringerem Tempo“, so Van der Welle weiter. „In der Anfangsphase einer Konjunkturerholung verlangen Anleger am Rentenmarkt als Ausgleich für zunehmendes Wirtschaftswachstum üblicherweise höhere Renditen. Auch wenn die jetzige Erholung bisher ungleichmäßig verläuft, zeigen sich im weltweiten Verarbeitenden Gewerbe fast überall grüne Triebe.“

„Neben einer kräftiger werdenden Erholung im Verarbeitenden Gewerbe sollten auch Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor zuversichtlicher werden, sobald die Volkswirtschaften allmählich aus dem Lockdown kommen. Da der Dienstleistungssektor in den Industrieländern am meisten zur Konjunktur beiträgt, dürften positiv überraschende Daten aus diesem Wirtschaftszweig im Zuge des Wiederhochfahrens der Wirtschaft den Druck auf die realen Renditen aufrechterhalten.

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Im Verarbeitenden Gewerbe ist eine deutliche Erholung zu erkennen. Quelle: Refinitiv Datastream, Robeco; Stand: 3. März 2021.

Positive makroökonomische Überraschungen

Der Anstieg der realen Rendite auf die als Referenz dienende 10-jährige US-Staatsanleihe um 32 Basispunkte (bp) seit Jahresbeginn fiel großenteils mit anhaltend positiven makroökonomischen Überraschungen zusammen. Das war 2013 ganz anders. Damals schossen die realen Renditen deutlich über die zugrunde liegenden makroökonomischen Überraschungen hinaus, nachdem die US-Notenbank Fed ein Zurückfahren ihres Anleiheankaufprogramms angekündigt hatte. Dies ließ die realen Renditen von -75 bp im April 2013 auf +90 bp im September 2013 emporschnellen – fünf Mal so stark wie bisher in 2021 zu beobachten.

„Dass sich die realen Renditen in letzter Zeit im Gleichklang mit makroökonomischen Überraschungen entwickelt haben, scheint mehr durch das Wirtschaftswachstum als die Sorge vor einer Verschärfung der Geldpolitik bedingt zu sein“, meint Van der Welle. „Die jüngsten Verkaufswellen im bauchigen Teil der Zinsstrukturkurve sind Ausdruck einer höheren Erwartung einer Verschärfung durch die Fed, die aber bisher ziemlich moderat war.“

„Dass die realen Renditen nicht über das hinausgehen, was angesichts der zugrunde liegenden Wachstumsdynamik zu erwarten wäre, ist ein Hinweis, dass die Notenbanker die Kontrolle über die Zinsstrukturkurve nicht verloren haben. Dies erklärt, warum sich Fed-Chef Jerome Powell und andere Fed-Mitglieder mit Blick auf die in letzter Zeit steiler gewordene Zinsstrukturkurve bisher relativ tolerant zeigen.“

„Vielleicht beruhigt es die Notenbanker, dass sich das anhaltende Steilerwerden der Kurve nicht wesentlich von der Entwicklung zu Beginn zurückliegender Konjunkturerholungen unterscheidet.“

Die realen Renditen auf 10-jährige US-Staatsanleihen ziehen allmählich an. Quelle: Refinitiv Datastream, Robeco; Stand: 3. März 2021.

Covid-19-Hilfspakete

Neben konjunkturellen Faktoren fordern Anleger am US-Rentenmarkt einen zusätzlichen Ausgleich für Inflationsrisiken in einer Wirtschaft, die in beispiellosem Ausmaß durch die Geld- und Finanzpolitik stimuliert wird. Die USA sind dabei, ein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Hilfspaket auf den Weg zu bringen, während der US-Kongress über ein 10-jähriges Infrastrukturprogramm im Volumen von 1,3 Billionen US-Dollar berät.

„Ökonomen diskutieren intensiv darüber, ob bereits durchgeführte und noch bevorstehende Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft zusammen mit der Freisetzung überschüssiger Haushaltsersparnisse die Produktionslücke in den USA bereits in diesem Jahr schließen und damit zu einer Überhitzung führen könnten“, sagt Jeroen Blokland, Leiter unseres Multi-Asset-Teams.

„Da mehrere Indizes bereits auf Druck auf der Angebotsseite hinweisen, könnte sich die Inflation als hartnäckiger erweisen, wenn Volkswirtschaften in den nächsten Monaten wieder hochgefahren werden. Unter diesen Rahmenbedingungen ist die Neueinschätzung von Inflationsrisiken wahrscheinlich noch nicht vorbei, auch wenn die erforderliche Inflationsrisikoprämie am Rentenmarkt bereits über ihren historischen Durchschnittswert hinausgeschossen ist.“

Abwartende Haltung

Die Notenbanken beobachten die Entwicklung sehr genau, doch die Fed hat bisher nichts gegen steigende Renditen unternommen. „Obwohl der Rentenmarkt in Bewegung geraten ist, hat die Fed bisher weder verbal noch durch konkrete Maßnahmen interveniert“, sagt Blokland. „Die Fed hat anscheinend kein Problem mit der aktuellen Kombination von Faktoren, die zum Steilerwerden der Zinsstrukturkurve beitragen.“

„Sie könnte weiter abwarten, solange die Erholung der Realwirtschaft durch die anhaltende Dynamik aufrechterhalten wird und es Fortschritte gibt beim angestrebten Überschießen der Inflation, um die während der letzten Expansionsphase um 0,5 Prozentpunkte unter dem Ziel liegende Kerninflationsrate auszugleichen.“

„Die Zurückhaltung der Fed steht im Gegensatz zur Haltung der EZB und der britischen Notenbank, die eine Intervention für den Fall angedeutet haben, dass die Liquiditätslage am Markt und die Erholung durch den Renditeanstieg gefährdet werden.“

In Bewegung und beunruhigt?

Van der Welle sieht für den Rentenmarkt auch die Möglichkeit eines Szenarios, in dem dieser in Bewegung und beunruhigt ist. „Die für die Geldpolitik Verantwortlichen könnten zu der Überzeugung gelangen, dass die realen Renditen die Konjunkturerholung und die Liquiditätslage beeinträchtigen, und deshalb ihre Anleihekäufe ausweiten oder deren Ausweitung andeuten.“

„Die EZB hat mit dem größten Nachdruck erklärt, dass das Steilerwerden der Zinsstrukturkurve nicht erwünscht ist und dass dem entgegengewirkt werden sollte. Einige EZB-Mitglieder haben angedeutet, erforderlichenfalls das Volumen der Anleihekäufe zu erhöhen.“

„Alles in allem glauben wir, dass sich der jüngste Renditeanstieg noch etwas fortsetzen wird.“

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