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Erfolg von Impfungen wird sich am Markt niederschlagen

Erfolg von Impfungen wird sich am Markt niederschlagen

08-01-2021 | Monatsausblick
Die Geschwindigkeit von Impfungen ist für die Beendigung der Coronavirus-Krise von zentraler Bedeutung – dies wird Anfang 2021 als entscheidend für die Marktentwicklung gesehen.
  • Richard Purkiss
    Richard
    Purkiss
    Portfolio Manager

In aller Kürze

  • Dem Optimismus angesichts beginnender Impfungen steht ein deutlicher Anstieg der Infektionszahlen gegenüber 
  • An den Aktienmärkten könnten sich die Impfzahlen in den jeweiligen Ländern niederzuschlagen beginnen 
  • Risiko wurde herausgenommen, aber das Basisszenario geht weiterhin von steigenden Unternehmensgewinnen aus 

In einigen Ländern begann im Dezember die Impfung der Bevölkerung, nachdem der Impfstoff von Pfizer/BioNTech eine Zulassung erhalten hatte. Weitere Impfstoffe werden derzeit international eingeführt. Unterdessen sind erneute Lockdowns erfolgt, um einem Anstieg der Infektionszahlen während der Weihnachtsferien entgegenzuwirken. 

Der Erfolg der einzelnen Länder bei ihren Impfprogramm gilt als Schlüssel zur Beendigung der Lockdowns und der daraus resultierenden wirtschaftlichen Beeinträchtigungen. Dies könnte sich an den jeweiligen Aktienmärkten niederschlagen, meinen die Anlage- und Gesundheitsexperten von Robeco. 

„Im Jahr 2020 war für viele internationale Aktienanleger die sorgfältige Beobachtung der Coronavirus-Neuinfektionen in den einzelnen Ländern ein wichtiges Thema, da diese zweifellos mit Stimmungsschwankungen an den lokalen Börsen korrelierten”, sagt Jeroen Blokland, Leiter des Multi-Asset-Teams.  

„Auch wenn die Anleger die Infektionszahlen weiterhin beobachten werden, halten wir die Geschwindigkeit von Impfungen mit Abstand für den wichtigsten Indikator der Stimmung an den Aktienmärkten im Jahr 2021. 

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Zurück auf „Los“

Die Begeisterung über die ersten Impfungen wurde durch einen beträchtlichen Anstieg der Infektionszahlen gedämpft, der sich mancherorts als gravierender erwies als während der ersten Welle im März 2020. „Das Jahr 2021 hat gerade erst begonnen und doch scheint die Aussicht auf eine vollständige Rückkehr in die Normalität bis Herbst bereits außer Reichweite zu geraten, auch wenn die Regierungen vieler Länder ihre Gesundheitssysteme zur Impfung der Bevölkerung animieren“, sagt Richard Purkiss, Portfoliomanager im Global Equity-Team und qualifizierter Arzt.  

„Besonders enttäuschend an diesen Aussichten ist, dass es zwar zu einer „übermenschlichen“ gemeinsamen Anstrengung von Medizinforschern und Pharmaunternehmen gekommen ist, um mehrere wirksame und sichere Impfstoffe in ausreichenden Mengen zu produzieren, um der Herausforderung dieser Pandemie in Rekordzeit gerecht zu werden“. 

„Doch dann waren mit Ausnahme weniger Länder, in denen die Impfstoffe zugelassen worden sind, Impfungen seitens der Gesundheitssysteme lediglich im „Bummeltempo“ zu beobachten. Das deutet darauf hin, dass eine Rückkehr zur Normalität bis Ende des Sommers bereits sehr unwahrscheinlich ist.“  

Starker Anstieg der Infektionszahlen

Die jüngsten Coronavirus-Infektionszahlen sind besorgniserregend. Die bestätigten Infektionen summieren sich mittlerweile weltweit auf mehr als 85 Millionen auf. Schätzungen der vermuteten tatsächlichen Infektionszahlen (einschließlich aller nicht bestätigter oder unbemerkter Infektionen) belaufen sich auf etwa das Fünf- bis Zehnfache. Dies entspricht 5-11 % der Weltbevölkerung und stellt eine erhebliche logistische Herausforderung für die Gesundheitssysteme dar – nicht zuletzt da alle fünf derzeit zugelassenen Impfstoffe zwei Dosen im Abstand von drei Wochen erfordern.  

„Um mit einiger Sicherheit bis Ende September die gravierendsten wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu vermeiden, müssten die Impfzahlen bei zwei erforderlichen Impfungen 30 Millionen pro Tag erreichen“, sagt Richard Purkiss. 

„Nach unseren Schätzungen würde sich bei einer Impf- oder Infektionsquote von 70 % der Bevölkerung die Herdenimmunisierung einstellen. Dies könnte sich jedoch als relativ optimistisch erweisen, insbesondere wenn eine der kürzlich in Großbritannien und Südafrika identifizierten und offenbar ansteckenderen Coronavirus-Varianten sich im Jahr 2021 weltweit ausbreiten würden.“ 

Wichtigste Coronavirus-Impfstoffe und ihr Zeithorizont. Quelle: Bloomberg Vaccine Tracker, Januar 2021.

Werden weitere Virenstämme die Impfstoffe nutzlos machen?

Des Weiteren besteht das Problem, dass neue oder aggressivere Virenstämme die Wirksamkeit der Impfstoffe infrage stellen könnten. „Selbst unter der Annahme, dass in den nächsten zwölf Monaten keine impfstoffresistenten Virenstämme auftauchen, werden die meisten Länder sich damit schwertun, ihre Ziele im laufenden Jahr zu erreichen“, warnt Richard Purkiss. „Infolgedessen erscheint es mittlerweile wahrscheinlich, dass zumindest weite Teile der Welt auch im ersten Halbjahr 2022 vor etlichen derselben Probleme und wirtschaftlichen Einschränkungen stehen werden.“  

„Angesichts der mittlerweile weiten Verbreitung des Coronavirus dürfte dieses wahrscheinlich endemisch werden, sodass irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft impfstoffresistente Virenstämme auftauchen dürften. Daher wird auch nach Abklingen der jetzigen Pandemie eine enge Beobachtung des Virus erforderlich sein. Auch dürfte weiterhin die Notwendigkeit bestehen, die neuzugelassenen Impfstoffe weiterzuentwickeln, wenn eine Wiederholung von 2020 verhindert werden soll.“  

Risiko herausnehmen

Für Anleger bedeutet dies, einen weit vorsichtigeren Ansatz verfolgen, bis mehr Klarheit besteht, sagt Jeroen Blokland, dessen Team seit Bekanntwerden des Ausmaßes des jüngsten Ausbruchs das Risiko in den Portfolios reduziert hat. 

„Wie wir in unserem Ausblick auf das Jahr 2021 (und anderen Publikationen) betont haben, wird der Weg in eine neue Normalität steinig sein und bei der Bereitstellung von Impfstoffen ist mit Verzögerungen zu rechnen“, so Jeroen Blokland. „Als wir in den letzten Wochen vermehrt Informationen über die großen Herausforderungen bei der Erreichung globaler Herdenimmunität erhielten, haben wir noch im alten Jahr das gesamte Risiko in unseren Portfolios verringert.“ 

„Die ohnehin anspruchsvolle Aufgabe, mithilfe von Impfstoffen eine Brücke zwischen dem aktuellen Konjunkturrückgang und einer späteren Erholung zu bauen, ist noch schwieriger geworden. Da die Kurse an den Märkten für Aktien und Unternehmensanleihen bereits eine zukünftige Besserung unterstellen und auf neue Allzeithochs steigen, sind vorübergehende Rückschläge wahrscheinlicher geworden. Deshalb haben wir die Gewichtung dieser Assetklassen auf neutral reduziert.“ 

Unternehmensgewinne können sich weiterhin erholen

Allerdings bestehe nach wie vor die Chance einer positiven Überraschung, wenn sich die Unternehmensgewinne erholen, unterstützt von weiteren Anreizprogrammen während der Fortdauer der Lockdowns, sagt er. 

„Zum gegenwärtigen Zeitpunkt glauben wir nicht, dass es bereits ausreichend Anlass gebe, von unserem Basisszenario abzuweichen, wonach die umfangreichen fiskal- und geldpolitischen Anreize der Weltwirtschaft eine weitere Erholung ermöglichen“, erklärt Jeroen Blokland.  

„In diesem Szenario gehen wir von einem Anstieg der Unternehmensgewinne im laufenden Jahr um mindestens 20 % aus. Betrachtet man die derzeitigen Aktienbewertungen – zwar absolut gesehen hoch, aber relativ attraktiv im Vergleich zu anderen Assetklassen – dürfte das Wachstum der Unternehmensgewinne die wesentliche treibende Kraft hinter den Aktienerträgen seien und die Kurse an den Märkten nach oben treiben.“ 

„Allerdings erschweren die jüngsten Entwicklungen sowohl im Hinblick auf das Coronavirus als auch die Impfungen die Einschätzung, wann die Erholung tatsächlich einsetzt. Das spricht für eine bis auf weiteres eher neutrale Positionierung in unseren Multi-Asset-Portfolios.“ 

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