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Nach Joe Bidens Wahlsieg bleiben alle Blicke auf Covid-19 und die Erholung gerichtet

Nach Joe Bidens Wahlsieg bleiben alle Blicke auf Covid-19 und die Erholung gerichtet

04-12-2020 | Einblicke
Joe Biden ist auf Basis der Stimmenauszählung zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Obwohl Präsident Trump seine Niederlage bisher nicht eingeräumt hat, hat der Übergang bereits begonnen, und die große Unsicherheit ist jetzt, wer im Senat die Mehrheit haben wird. Darüber entscheiden die Stichwahlen im Bundesstaat Georgia am 5. Januar 2021. Wir halten einen gespaltenen Kongress für sehr wahrscheinlich.
  • Fabiana Fedeli
    Fabiana
    Fedeli
    Global Head of Fundamental Equities

In aller Kürze

  • Ein gespaltener Kongress wird Bidens Handlungsspielraum begrenzen, eine neue Politik umzusetzen
  • In naher Zukunft ist die Verabschiedung eines US-Konjunkturpakets entscheidend
  • Die Covid-19-Pandemie und die Erholung der Wirtschaft sind nach wie vor wichtiger als Veränderungen in der Politik der USA
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Vor dem Amtsantritt der neuen US-Administration inmitten der Pandemie sind für Aktienanleger drei Dinge von Bedeutung: erstens die Politik, die eine Biden-Administration wird umsetzen können; zweitens die Entwicklung an der Covid-19-Front; und – in engem Zusammenhang damit – drittens die Fähigkeit der US-Wirtschaft, ihre Erholung fortzusetzen und möglicherweise zu verstärken.

Ein gespaltener Kongress würde den Handlungsspielraum der neuen Administration, eine neue Politik umzusetzen, erheblich einengen. Frühere US-Administrationen wurden sehr geübt in der Kunst, per Präsidialverfügung zu regieren. Wenn aber Gesetze geändert, Mittel bewilligt oder wichtige Posten im Kabinett und bei US-Bundesbehörden besetzt werden sollen, ist der Präsident auf die Bereitschaft des Senats zur Zusammenarbeit angewiesen. Angesichts der extremen Spaltung zwischen den Republikanern und den Demokraten sehen wir wenig Spielraum für eine parteienübergreifende Unterstützung.

Für eine Biden-Administration dürfte es weniger darum gehen, was sie bewerkstelligen kann, und mehr darum, was sie im Vergleich zum Weißen Haus unter Trump unbeschädigt lässtp

Deshalb dürfte es für eine Biden-Administration weniger darum gehen, was sie bewerkstelligen kann, und mehr darum, was sie im Vergleich zum Weißen Haus unter Trump unbeschädigt lässt. Ob mit oder ohne Unterstützung durch den Senat – wir erwarten, dass eine Biden-Administration in der Außenpolitik es weniger auf Konfrontation anlegen und weniger erpicht sein wird, Zölle als Waffe der Wahl einzusetzen.

Das wäre gut für den Welthandel und die internationalen Beziehungen und würde die Marktstimmung mit Blick auf Europa und die Schwellenländer verbessern. Es wird erwartet, dass die Stimmung der Anleger in Bezug auf China unter Joe Biden als Präsident deutlich weniger schwanken wird. Ein von den Demokraten geführtes Weißes Haus wäre für China im Vergleich zur noch amtierenden Administration ein unbequemer, aber berechenbarerer Verhandlungspartner.

Und auch wenn die USA wahrscheinlich nicht Billionen von US-Dollar für den Klimaschutz in die Hand nehmen, geschweige denn eine CO2-Steuer einführen würden, dürfte die Fokussierung auf Nachhaltigkeit in den USA zunehmen. Biden kann dem Pariser Klimaschutzabkommen auch ohne Zustimmung des Senats wieder beitreten. Und das Umweltbewusstsein in den USA nimmt mit oder ohne Unterstützung durch den Kongress zu.

Ein Bereich, den eine Biden-Administration stärker betonen dürfte, ist der Regulierungsdruck auf große Internet- und Cloud-Plattformen. Zwar besteht bei beiden Parteien Einigkeit, dass die empfundene Macht großer Player ein Stück weit beschränkt werden muss. Wegen der Uneinigkeit über entsprechende Regulierungsbestimmungen, und weil eine Novellierung des US-Kartellrechts eine sehr komplexe Angelegenheit ist, ist eine baldige Verabschiedung neuer Regulierungsbestimmungen aber wenig wahrscheinlich. Man wird BigTech aber genauer auf die Finger schauen, und eine Biden-Administration könnte durch das Justizministerium Klagen anstrengen und die Märkten dadurch gelegentlich verunsichern.

Für die Aktienmärkte ist in naher Zukunft das bedeutsamste Ergebnis einer Biden-Administration im Falle eines gespalteten Kongresses das Ausbleiben eines rechtzeitigen, umfangreichen Konjunkturpakets, wodurch die Erholung der US-Wirtschaft sehr wahrscheinlich gebremst werden wird.

Dies macht eine erfolgreiche Eindämmung der Covid-19-Pandemie in den USA und die baldige Bereitstellung wirksamer Therapien und Impfstoffe noch dringlicher. Und auch wenn US-Anleger vielleicht Erleichterung darüber empfinden, dass die befürchtete Regulierung der Finanzmärkte und Steuererhöhungen wahrscheinlich nicht umgesetzt werden, bestimmt letztlich die wirtschaftliche Erholung oder deren Ausbleiben, in welcher Richtung sich US-Aktien bewegen werden.

Unser Grundszenario ist nach wie vor, dass sich die Weltwirtschaft weiter erholen, die Erholung aber von Land zu Land unterschiedlich ausfallen wird

Für uns heißt dies, dass die Aktienmärkte außerhalb der USA unter Kosten- und Renditegesichtspunkten – also bei Betrachtung von Bewertungskennzahlen im Verhältnis zum Wertsteigerungspotenzial – attraktivere Anlagemöglichkeiten bieten. Tatsächlich ist unser Grundszenario nach wie vor, dass sich die Weltwirtschaft weiter erholen, die Erholung aber von Land zu Land unterschiedlich ausfallen wird. In Ländern, die die Covid-19-Pandemie und deren Folgen für die Wirtschaft besser unter Kontrolle gebracht haben, sollte es positive Auswirkungen auf die Fundamentaldaten von Unternehmen und die Aktienmärkte geben.

Es wird aber nicht alles glattgehen. Denn das tut es nie. Meldungen über einen Durchbruch bei Behandlungsmöglichkeiten, die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus und den voraussichtlichen zeitlichen Ablauf der Verteilung von Impfstoffen können für erhebliche Stimmungsschwankungen sorgen. Bis zum 20. Januar 2021 sollte man auch mit einem volatilen Nachrichtenfluss von der amtierenden US-Regierung rechnen.

Dass Präsident Trump seine Wahlniederlage auf elegante Weise einräumen wird, ist unwahrscheinlich, und er könnte versuchen, in den letzten Tagen seiner Amtszeit noch kontroverse politische Maßnahmen durchzusetzen. Wenn es aber nicht zu solchen unvorhersehbaren und nicht rückgängig zu machenden Maßnahmen kommt, dürften die Aktienmärkte in den USA und weltweit die in den nächsten zwei Monaten aus dem Weißen Haus kommenden Meldungen größtenteils ignorieren und das Handelsgeschehen durch die Erwartung, wie es weitergeht, bestimmt werden.

Wir sehen keinen Grund, unsere Anlagepositionen wegen des zu erwartenden Ausgangs der US-Wahlen zu verändern. Nach unserer Überzeugung sind die weitere weltweite Entwicklung der Covid-19-Pandemie und der wahrscheinliche Verlauf der wirtschaftlichen Erholung für die globalen Aktienmärkte weitaus bedeutsamer als wahrscheinliche Veränderungen in der Politik der USA.

Unsere Investmentteams haben bei Wachstums-/defensiven Aktien mit hohen Bewertungskennzahlen weiter selektiv Gewinne mitgenommen und bei Nachzüglern hoher Qualität, die von der Erholung in einigen (wenn auch nicht allen) Bereichen der Wirtschaft profitieren sollten, Positionen aufgestockt. Wir sehen Licht am Ende des Tunnels. Auch wenn die Erholung der Weltwirtschaft gegenwärtig durch eine zweite Covid-19-Welle gebremst wird, nimmt die Unsicherheit allmählich ab, und wir sehen einen Weg zur Zulassung von Impfstoffen gegen diese Krankheit und zur Entwicklung weiterer Therapien.

Darüber hinaus hat die Bewertungsdiskrepanz zwischen Wachstums-/defensiven Aktien und zyklischen/Substanzaktien ein Niveau erreicht, das in vielen Fällen von den Fundamentaldaten losgelöst zu sein scheint. Für uns steht nach wie vor die Aktienauswahl im Mittelpunkt, weil bestimmte Unternehmen durch die lange anhaltenden Auswirkungen von durch Covid-19 bedingten Beschränkungen strukturell beschädigt werden.

In regionaler Hinsicht ist Nordasien einschließlich Chinas, Taiwans und Südkoreas in unseren globalen Portfolios am stärksten übergewichtet. An zweiter Stelle folgt Europa. Vor kurzem haben wir unsere Untergewichtung japanischer Aktien verringert und sind zu einer leichten Untergewichtung von US-Dividendentiteln übergegangen.
In den Schwellenländer gehen wir auf Länderebene weiterhin selektiv vor. Unsere Positionen in China, Taiwan und Südkorea haben wir weiter aufgestockt. Dagegen agieren wir in Lateinamerika und in Europa, im Nahen Osten sowie in Afrika insgesamt vorsichtig. In letzter Zeit sehen wir aber in mehreren Schwellenländern außerhalb Nordasiens Verbesserungen der Corona-Lage, die mit Verbesserungen der Konjunkturdaten einhergehen. Angesichts dieser Entwicklung könnte in der Zukunft eine Änderung unserer Anlagepositionen angebracht sein.

Was einzelne Sektoren angeht, sind Technologie-Aktien in vielen Portfolios nach wie vor übergewichtet. Das gilt auch für US-Technologie-Titel, wenngleich wir dabei sind, unsere Positionen in diesen Papieren aktiv abzubauen. Die Mega-Cap-Aktien aus dem US-Technologiesektor werden immer noch von einer hohen Gewinndynamik getragen. Ihre Bewertungskennzahlen sind aber in vielen Fällen hoch. Der anfänglich durch das Phänomen „Arbeiten von zuhause“ ausgelöste Schub ist verflogen, und Vergleiche werden ab dem 2. Quartal 2021 anspruchsvoller werden.

Seit dem Sommer haben wir unsere Positionen in Aktien aus der Industrie, von Spezialwerkstoff- und Konsumgüterherstellern in den USA, Europa und Nordasien ausgebaut. Im Industriesektor gefallen uns vor allem die Themen Verringerung der Klimabeeinträchtigung und effizientere Nutzung von Energie, weil wir in diesem Bereich ein zunehmendes Bewusstsein und höhere Investitionen feststellen.

Zudem gefällt uns der US-Pharmasektor. Selbst nach den jüngsten Kursgewinnen liegen die Bewertungsabschläge in diesem Sektor im Vergleich zum S&P 500 Index auf einem Allzeithoch – bei im Übrigen soliden Fundamentaldaten und Medikamentenpipelines.

Bei unsere Überlegungen zu Investments gehen wir davon aus, dass die Biden-Administration mit einem gespaltenen Kongress wird regieren müssen. Dies würde sich ändern, wenn die Stichwahlen für den Senat im Bundesstaat Georgia zugunsten der Demokratischen Partei ausgehen sollten. Über unsere derzeitigen Erwartungen hinausgehende Konjunktur- und Umweltschutzmaßnahmen sowie Veränderungen im Gesundheitswesen der USA wären dann die wahrscheinlichste Folge.

Das würde sich darauf auswirken, in welche Richtung und mit welchem Tempo sich die Aktienmärkte vor allem in den USA, aber auch weltweit bewegen werden. Zurzeit halten wir dies für ein weniger wahrscheinliches Szenario. Doch man kann und sollte an den Aktienmärkten nichts ausschließen. Langweilig wird es nie.

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