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Wesentlicher Fortschritt bei den Klimaschutzzielen der EU

Wesentlicher Fortschritt bei den Klimaschutzzielen der EU

17-11-2020 | Einblicke

Die EU verfolgt seit langem ehrgeizige Bestrebungen hinsichtlich der Dekarbonisierung ihrer Wirtschaft. Als einer der ersten Regionen weltweit hat sie ein System zum Handel von Emissionsrechten eingeführt. Die damit verbundenen Ziele wurden 2019 im Rahmen der Ankündigung des „European Green Deal“ nochmals deutlich nach oben gesetzt.

  • Thomas Guennegues
    Thomas
    Guennegues
    Equity analyst

In aller Kürze

  • Zur Einhaltung des 2030 Climate Target Plan der EU ist ein erheblicher Anstieg des Anteils erneuerbarer Energien im Energiemix erforderlich
  • Anlagechancen finden sich bei Unternehmen, die Produkte und Lösungen für die Bereiche Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, -versorgung und -management sowie Elektrifizierung entwickeln
Die Coronavirus-Krise hat den Vorhaben der EU weiteren Schub verliehen, da die Bemühungen um eine Dekarbonisierung als ein Weg zur Stützung der Wirtschaft nach dem Konjuntureinbruch dienen wird. Die Vorsitzende der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, präsentierte in der Rede zur Lage der Union am 16. September 2020 den 2030 Climate Target Plan. Dieser sieht vor, dass die für 2030 gesetzten Dekarbonisierungsziele noch strenger sein werden. So sollen Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber dem Niveau von 1990 um 55 % (siehe Grafik) und bis 2050 auf netto null gesenkt werden. Dies stellt eine beträchtliche Verschärfung gegenüber dem früheren Ziel einer Reduzierung um „mindestens 40 %“ zum selben Zeitpunkt dar 1. Um das Ziel zu erreichen, wird die EU eine Reihe unterschiedlicher Instrumente nutzen, darunter den Ausbau erneuerbarer Energiequellen, die Förderung von Energieeffizienz sowie die Unterstützung und Verbreitung der CO2-Bepreisung. Dieses neue Vorhaben steht im Einklang mit dem Klimaabkommen von Paris zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf weniger als 2 °C oberhalb vorindustrieller Niveaus und wird der Wirtschaft die Planung erleichtern.
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Die durchgezogene Linie steht für die erreichte Reduzierung der Emissionen. Die gepunktete Linie markiert die zur Erreichung der Ziele erforderliche Entwicklung. 

Quellen: European Environment Agency2, Robeco 

Um dieses neue Ziel zu erreichen, gibt es keine Alternative zu einem starken Ausbau des Anteils erneuerbarer Energien am Energiemix

Die EU hat mehrere Szenarien zur Erreichung ihrer Ziele entwickelt, die auf einen Anstieg des Anteils erneuerbarer Energien am Energiemix auf 38-40 %3 (anstelle des bisherigen Ziels von 32 %) bis 2030 hinauslaufen, während der Anteil im Jahr 2018 bereits 18,9 % betrug4. Der Anteil fossiler Brennstoffe, insbesondere Kohle, wird demnach in ganz erheblichem Umfang reduziert werden müssen. Der Einsatz von Kohle wird voraussichtlich rasch ein Ende finden, da Kohlekraftwerke bei CO2-Preisen von aktuell 25 €/MWh (Stand 23.10.2020) bereits unwirtschaftlich sind. Der Anteil von Öl am Energiemarkt wird zugunsten von Strom zurückgehen, hauptsächlich aufgrund der Elektrifizierung des Transportsektors. Wir erwarten, dass Elektrofahrzeuge bis 2030 einen Marktanteil von 50 % in Europa erreichen. Dadurch wird sich die Stromnachfrage erhöhen. 

Der Großteil des Zuwachses beim Energieangebot in der EU in den nächsten zehn Jahren wird auf Elektrizität entfallen. Dazu trägt der Ausbau des bereits eindrucksvollen Marktanteils erneuerbare Energien bei, während die Nachfrage nach Wind- und Solarstrom Schub durch deren in den meisten Regionen bereits erkennbaren niedrigeren Kosten (Solarstrom im Süden, Windstrom im Norden Europas) sowie Mandate von Unternehmen zugunsten erneuerbarer Energien erhält. Erwartungen der EU zufolge soll der Anteil erneuerbarer Energien am Stromangebot bis 2030 auf 65 % steigen5, 2018 betrug er 33 %6. Dies sollte zu einem sehr starken Wachstum der jährlichen Neuinstallationen sowie der damit verbundenen Investitionen in Netzwerke und intelligente Netze führen. Das sollte zum EU-Ziel eines vollständig integrierten, miteinander verknüpften und digitalisierten Energiemarkts beitragen. 

CO2-freier „grüner“ Wasserstoff, der durch Elektrolyse mittels Stroms aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt wird, ist für die Dekarbonisierung der Wirtschaft in der EU von entscheidender Bedeutung. Er ersetzt mittels fossiler Brennstoffe erzeugten Wasserstoff in industriellen Anwendungen sowie fossile Brennstoffe im Bereich Schwerlasttransport (Busse, LKWs, Schiffe und Flugzeuge). Aus diesem Grund hat die EU auch ehrgeizige Ziele im Hinblick auf die Entwicklung „grünen“ Wasserstoffs festgelegt, die dem Ausbau der Kapazität erneuerbarer Energiequellen zusätzlich zugute kommen sollte. 

Nicht zuletzt wird auch der Aspekt Energieeffizienz bei der Dekarbonisierung der Wirtschaft eine zentrale Rolle spielen. Die EU hat diesbezüglich einen starken Fokus auf Gebäude gelegt, da auf diese rund 40 % des Energieverbrauchs entfallen. Das Renovierungstempo wird sich voraussichtlich verdoppeln und zur Verringerung der Energiekosten beitragen. Dadurch wird sich das Problem der „Energiearmut“ verringern und gleichzeitig erhalten die Bauindustrie und die lokalen Arbeitsmärkte Schub. In der Rede zur Lage der Union wurde für die Reduzierung des Energieverbrauchs bis 2030 gegenüber dem anfänglichen Ziel von 32,5 % ein erhöhtes Ziel von 36-39 % genannt7. Dies sollte einen starken Nachfrageschub für Unternehmen mit sich bringen, die Lösungen im Bereich Energieeffizienz anbieten, von den Produkten bis hin zur Automatisierung von Gebäuden. 

Aus unserer Sicht stehen die neuen Pläne der EU-Kommission für die Anhebung des Ziels zur Verringerung der Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 auf 55 % vollständig im Einklang mit unserem Anlageuniversum. Die zur Erreichung dieses Ziels notwendigen Investitionen werden mittels Unternehmen erfolgen müssen, die Produkte und Dienstleistungen in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieversorgungskapazität und Digitalisierung, Energiemanagement, Elektrifizierung der Sektoren Gebäude, Industrie und Transport entwickeln. Sie alle stehen im besonderen Fokus unserer RobecoSAM Smart Energy Strategy. Die Unterstützung zugunsten dieser Investitionen wird beispiellos sein und wir glauben, dass unsere Strategie sehr gut positioniert ist, um von diesen einzigartigen Marktchancen zu profitieren. 

1European Commission. (2020, September 16). President von der Leyen's State of the Union Address: charting the course out of the coronavirus crisis and into the future [Press Release]. https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_20_1657
2European Environment Agency. (2020). EEA greenhouse gas - data viewer. https://www.eea.europa.eu/data-and-maps/data/data-viewers/greenhouse-gases-viewer
3European Commission. (2020). Stepping up Europe’s 2030 climate ambition. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX:52020DC0562
4Eurostat. (2020). Shedding light on energy in the EU. https://ec.europa.eu/eurostat/cache/infographs/energy/bloc-4c.html
5European Commission. (2020). Stepping up Europe’s 2030 climate ambition. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX:52020DC0562
6Eurostat. (2020). Shedding light on energy in the EU. https://ec.europa.eu/eurostat/cache/infographs/energy/bloc-3b.html
7European Commission. (2020, September 16). President von der Leyen's State of the Union Address: charting the course out of the coronavirus crisis and into the future [Press Release]. https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_20_1657

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