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SI Opener: Verlust von Biodiversität stellt größeres Risiko dar als der Klimawandel

SI Opener: Verlust von Biodiversität stellt größeres Risiko dar als der Klimawandel

24-09-2020 | SI Opener
Biodiversität verkörpert das von Arten im Zuge der Evolution über Jahrmillionen erworbene Wissen. In ihr spiegelt sich die Fähigkeit von Pflanzen und Tieren wider, unter den höchst unterschiedlichen Umweltbedingungen, die es auf der Erde gegeben hat, zu überleben. Sie umfasst Leben in all seinen Formen – von einzelnen Genen bis zu vollständigen Ökosystemen. Das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Elemente hat dafür gesorgt, dass die Erde seit Jahrmillionen bewohnbar ist. Doch die Biodiversität nimmt heute schneller ab als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit: Das Artensterben vollzieht sich gegenwärtig mit einem zehn bis mehrere hundert Mal so hohen Tempo wie im Durchschnitt der letzten 10 Millionen Jahre.
  • Masja Zandbergen - Albers
    Masja
    Zandbergen - Albers
    Head of sustainability Integration
  • Peter van der Werf
    Peter
    van der Werf
    Engagement Specialist

In aller Kürze

  • Der Verlust von Biodiversität hat eine „planetare Grenze“ überschritten und stellt ein großes Risiko dar
  • Finanzdienstleistungsunternehmen sollten prüfen, ob sie ein Teil des Problems sind
  • An Anleger ergeht der Aufruf, sich dem „Finance for Biodiversity“-Versprechen der UN anzuschließen

Deshalb warnen Wissenschaftler, dass wir uns mitten im „sechsten massenhaften Artensterben“ befinden. Das Stockholm Resilience Centre (SRC) erforscht Bedrohungen für von diesem Institut so bezeichnete „planetare Belastungsgrenzen“. Die schwedische Forschungseinrichtung definiert diese Grenzen ausgehend von neun Prozessen, durch welche Menschen „die Stabilität und Widerstandsfähigkeit des Systems Erde regulieren“ können. Innerhalb dieser Grenzen kann der Planet weiter gedeihen und den Bedürfnissen der Menschheit gerecht werden.

Abbildung 1 zeigt, in welchem Zustand sich die Erde nach den Forschungsergebnissen des SRC befindet. Sie zeigt auch, dass die anhand der Aussterberate (ausgestorbene Arten pro einer Million Arten und pro Jahr) gemessene Unversehrtheit von Biosphären hochgradig gefährdet ist und die Belastungsgrenze bereits überschritten wurde. Da auch bei den biogeochemischen Kreisläufen (Stickstoff und Phosphor) die Grenzen überschritten wurden, wissen wir nicht, wie die Ökosysteme reagieren werden.

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Abbildung 1: Bedrohung von Belastungsgrenzen für die Unversehrtheit von Biosphären

Quelle: Universität Stockholm 1
Diesen Forschungsarbeiten zufolge sorgen diese beiden Probleme für noch größere Unsicherheit als der Klimawandel. Die Bekämpfung des Klimawandels ist jedoch nach wie vor sehr wichtig, weil dieser auf der Rangliste der unmittelbar zu einem Verlust von Biodiversität führenden Faktoren weit oben steht und die negativen Auswirkungen, die andere Faktoren wie z. B. Landnutzungsänderungen auf die Natur haben, zunehmend verstärkt.

Welche Rolle spielt die Finanzindustrie?

Nach Untersuchungen der De Nederlandsche Bank (DNB) und der PBL Netherlands Environmental Assessment Agency haben „niederländische Finanzinstitute Kredite in Höhe von 81 Mrd. EUR an Sektoren mit hohem Stickoxidausstoß und weitere 28 Mrd. EUR an Unternehmen vergeben, die in geschützten Regionen oder solchen mit hohem Erhaltungswert tätig und potenziell dem Risiko von ‚gestrandeten Vermögenswerten‘ ausgesetzt sind.“2

Dies ist ein Beispiel für die Verwobenheit von niederländischen und anderen Finanzinstituten mit Branchen mit hohem Schadstoffausstoß und solchen, die eine Bedrohung für die Biodiversität darstellen. Einerseits bestätigt das die negative Rolle dieser Institute bei der Erreichung planetarer Belastungsgrenzen. Andererseits verdeutlicht es die Risiken, denen sie ausgesetzt sind, wenn sich die Gesetzgebung oder die Haltung der Verbraucher zu diesem Thema ändert.

Darüber hinaus stellt der Verlust von Biodiversität ein systemisches Risiko dar, dessen sich Anleger bewusst werden sollten. Da wir an der Schwelle zum sechsten massenhaften Artensterben stehen, kommt Unternehmen und Aufsichtsbehörden eine sehr wichtige Rolle im Hinblick auf einen Paradigmenwechsel zu, wer für die durch „business as usual“ verursachten externen Effekte bezahlen wird.

Vorreiter in Sachen ESG arbeiten bei diesem Thema zusammen

Viele Anleger konzentrieren sich derzeit auf den Klimawandel und die Entwicklung von Kennzahlen für die Messung, Steuerung und Überwachung von mit dem Klimawandel verbundenen Risiken und Chancen in ihren Portfolios. Wegen der zunehmenden Beweise dafür, welche große Auswirkungen der Verlust von Biodiversität weltweit haben wird, sollten unserer Meinung nach größere Anstrengungen unternommen werden, um zu messen, wie sich Investmentportfolios auf die Biodiversität auswirken.

In den Niederlanden arbeiten mehrere Investoren unter der Führung der ASN Bank im Rahmen der Partnership for Biodiversity Accounting Financials (PBAF) zusammen, um entsprechende Kennzahlen zu entwickeln. Ihr Ziel ist es, ein Rahmenkonzept für Finanzinstitute zu entwickeln, mit dem diese die Auswirkungen ihrer Portfolios auf die Biodiversität für verschiedene Assetklassen abschätzen und dieses Problem angehen können.

Außerdem hat Robeco in den ersten Monaten dieses Jahres den Erhalt von Biodiversität als Engagement-Thema aufgegriffen. Landnutzungsänderungen gehören zu den Faktoren, die maßgeblich zum Verlust von Biodiversität beitragen, und stehen oft im Zusammenhang mit der Produktion von Agrarrohstoffen. Deshalb werden wir uns bei unserer aktiven Einflussnahme auf die Folgen der mit fünf risikoreichen Agrarrohstoffen, nämlich Kakao, Naturkautschuk, Soja, Rindfleisch und Tropenhölzer/-zellstoff, einhergehenden Entholzung für die Biodiversität konzentrieren.

Fünf Punkte stehen dabei für uns im Vordergrund. Bei den ersten drei Engagement-Zielsetzungen geht es um Umweltmanagement. Dabei messen wir Zusagen, auf jede weitere Entholzung zu verzichten, der Beurteilung von Auswirkungen auf die Biodiversität, dem Erhalt und der Wiederherstellung von Fauna und Flora und Grundsätzen der Kreislaufwirtschaft in den Fertigungsanlagen von Unternehmen großen Wert bei. Wir halten dies für sehr wichtig, vor allem im Hinblick auf die fünf oben genannten Agrarrohstoffe.

Bei der vierten Zielsetzung geht es um Publizität, Zertifizierung und Nachverfolgbarkeit. Bei der fünften Zielsetzung stehen soziale Aspekte der Produktion dieser Agrarrohstoffe im Fokus. Hier geht es um Rechte von Gemeinschaften, Landrechte und Arbeitsrecht. Wir wollen auf eine 100%ige Nachverfolgbarkeit für Erzeuger und Nutzer der betreffenden Produktionsketten hinarbeiten. Nur dann wird es möglich sein, die Auswirkungen auf die Biodiversität entlang der Lieferketten zu verfolgen.

Aufruf zu handeln: Schließen Sie sich dem Biodiversitätsversprechen an!

Am 25. September wird auf der 75. UN-Vollversammlung das „Finance for Biodiversity“-Versprechen im Rahmen des Nature for Life Hub initiiert. Organisationen, die dieses Versprechen unterzeichnen, verpflichten sich zum Erhalt und zur Wiederherstellung von Biodiversität durch ihre Finanzgeschäfte und Kapitalanlagen.

Als einer der Unterzeichner ruft Robeco andere Investoren auf, sich anzuschließen. So können sie sicherstellen, dass sie nicht Teil eines Problems sind, das das Vermögen der Erde, damit fertig zu werden, bereits auf die Probe stellt.

Mit Unterzeichnung des Versprechens verpflichten sich Finanzinstitute, zusammenzuarbeiten, Wissen weiterzugeben, auf Unternehmen Einfluss zu nehmen, Auswirkungen zu beurteilen, Ziele festzulegen und öffentlich über Fortschritte zu berichten. Dazu gehört ein Plan, der sich auf mehrere Jahre erstreckt und Verpflichtungen und Ressourcen von möglichst vielen Investoren erfordert. Weitere Informationen zu diesem Versprechen finden Sie unter: https://www.financeforbiodiversity.org

Lassen wir es Wirklichkeit werden!

1https://stockholmuniversity.app.box.com/s/avnyhh4xzshxb19j82hn5mf3hxyuvqj0
2https://chainreactionresearch.com/the-chain-financial-institutions-face-growing-pressure-to-quantify-and-mitigate-material-risk-exposure-related-to-biodiversity-loss/

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