switzerlandde
Der wichtigste ESG-Aspekt in der Coronavirus-Krise ist unsere Antwort darauf

Der wichtigste ESG-Aspekt in der Coronavirus-Krise ist unsere Antwort darauf

31-03-2020 | Kolumne
Wir werden häufig gefragt, wie sich die Coronavirus-Krise auf nachhaltige Geldanlagen und das Thema ESG auswirkt. Wird nachhaltiges Investieren wichtiger? Oder wird es an Bedeutung verlieren? Schneiden nachhaltige Fonds besser ab als herkömmliche Strategien? Wird das Coronavirus als zusätzliches Thema in das Nachhaltigkeits-Research einbezogen?
  • Masja Zandbergen - Albers
    Masja
    Zandbergen - Albers
    Head of sustainability integration

Natürlich lassen sich Verbindungen zu langfristigen Trends wie Wachstum und Alterung der Bevölkerung sowie der abnehmenden Biodiversität herstellen (wodurch die Menschen bislang unbekannten Viren ausgesetzt werden können1 ). Allerdings sind diese langfristigen Trends genau dieselben wie vor der Krise. Nichts Neues unter der Sonne, also. Wenn diese Krise etwas verändert, dann bestätigt sie die Tatsache, dass nachhaltige Entwicklung der einzig gangbare Weg ist. Und so ist unsere Antwort auf die Krise jetzt das Wichtigste.

Die aktuelle Situation mit weniger Luftverkehr und weniger Produktion zeigt uns, wie die Welt aussehen kann: Sauberes Wasser, blauer Himmel. Was das „S“ in ESG angeht, stellen wir fest, dass Solidarität ein wichtiger Faktor ist und dass Unternehmen sich sozial verhalten können. So ändern Unternehmen derzeit ihre Fertigungsanlagen, um Handreiniger oder Ventilatoren für Krankenhäuser zu produzieren. Einige stellen Vorleistungen für solche Produkte sogar kostenlos zur Verfügung. Geschäftlich betrachtet ist das unbedeutend, kann aber einen entscheidenden Unterschied für die Krankenhäuser machen, die davon profitieren.

Folgen Sie uns auch auf Instagram
Folgen Sie uns auch auf Instagram
Folgen

Durch Zufall nachhaltig werden

Zu beobachten ist außerdem, dass nun auch Unternehmen rasch Maßnahmen ergreifen, die in der Vergangenheit damit gezögert haben. Dazu gehört die Möglichkeit, dass Arbeitnehmer von zu Hause arbeiten, flexible Arbeitszeiten haben und sich über Telefonkonferenzen austauschen, anstatt Geschäftsreisen zu unternehmen. Zufälligerweise ist das alles gut im Hinblick auf Gleichheit, Diversität und Umwelt. 

Handelt es sich um einen verkappten Segen? Nein. Zuallererst nicht aufgrund der tragischen Konsequenzen des Ausbruchs des Virus für die betroffenen Menschen. Und auch deshalb nicht, weil diese Krise und die damit verbundenen Abriegelungsmaßnahmen zu einem weitgehenden Stillstand der Wirtschaft und erheblichen Kursrückgängen an den Finanzmärkten geführt haben. Die langfristigen Auswirkungen des gegenwärtigen Stillstands werden erst im Nachhinein bekannt sein. Allerdings werden sie umso weitreichender sein, je länger die Situation anhält. 

Auf jeden Fall wird die Fähigkeit der Unternehmen beeinträchtigt, langfristigen Mehrwert zu schaffen – nicht nur für die Aktionäre, sondern vor allem auch für die übrigen Stakeholder, einschließlich der Mitarbeiter und des gesellschaftlichen Umfelds, in dem die Unternehmen agieren. Im Investor Statement on Coronavirus Response2, das von 195 Investmenthäusern weltweit – einschließlich Robeco – unterzeichnet wurde, fordern wir die Unternehmen auf, bei Bedarf bezahlten Urlaub zu gewähren, der Gesundheit und Sicherheit oberste Priorität zu geben, die Beschäftigung und Beziehungen zu Zulieferern und Kunden aufrechtzuerhalten und sich in finanzieller Hinsicht vorsichtig zu verhalten.  

Kapitaleinsatz und Vergütung

Die beiden aus ESG-Perspektive wichtigsten Aspekte, was finanzielle Vorsicht angeht, betreffen den Kapitaleinsatz und die Vergütung. Auch das sind keine neuen Themen für nachhaltig orientierte Anleger. In der derzeitigen Situation werden wir jedoch in jedem Einzelfall untersuchen, wie vorsichtig sich die Unternehmen verhalten, wenn es um die Zahlung von Dividenden und um Aktienrückkäufe geht. 

Auch werden wir Vorschläge zur Vergütung von Board-Mitgliedern kritisch prüfen. Unser Proxy-Advisor Glass Lewis formuliert es wie folgt3 : „Für Unternehmen mit sehr hohen Vergütungen wird es eine Herausforderung sein, daran festzuhalten, während solche mit weniger großzügigen Strukturen gezwungen sind, entweder alles beim Alten zu lassen oder Änderungen vorzunehmen und sich dabei nur den Zorn der Aktionäre einhandeln.“ Uns sind bereits die ersten Unternehmen begegnet, die über die Aufstockung von Vergütungspaketen nachdenken, um die Anreize für Führungskräfte in diesem Jahr aufrechtzuerhalten. Wir werden uns mit solchen Verhaltensweisen sehr kritisch auseinandersetzen, insbesondere dort, wo die Arbeitnehmer mit Härten konfrontiert sind oder wo die Aktionäre weit niedrigere Erträge erwarten müssen.

Was die Mitarbeiter angeht, erwarten wir, dass die Reaktion der Unternehmen auf das Coronavirus ihrem allgemeinen Ansatz beim Umgang mit dem Personal entspricht. Im Investor Statement on Coronavirus Response vermerken wir, dass das Board of Directors für die langfristige Strategie beim Umgang mit der Belegschaft ihrer Unternehmen verantwortlich ist. Unternehmen mit gutem Humankapital-Management haben in ihrer Mitarbeiter investiert und werden unseres Erachtens bei Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit davon profitieren, wenn sie an einer gut ausgebildeten und motivierten Belegschaft festgehalten haben. 

Einem Test unterzogen wird das Statement on the Purpose of a Corporation, das im August 2019 von 181 CEOs in den USA unterzeichnet wurde. Darin haben sich die CEOs dazu verpflichtet, ihre Unternehmen zum Vorteil sämtlicher Stakeholder zu führen – der Kunden, der Mitarbeiter, der Zulieferer, des gesellschaftlichen Umfelds und der Aktionäre. In der jetzigen Situation können sie zeigen, dass sie auch meinen, was sie sagen.

Volkswirtschaften am Laufen halten

Im Hinblick auf die Finanzmärkte und die Gesamtwirtschaft ist zu beobachten, dass die Regierungen und Notenbanken alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Volkswirtschaften möglichst am Laufen zu halten. Der Umfang der geld- und fiskalpolitischen Reaktion ist beispiellos. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die Folgen des weitgehenden Stillstands der Wirtschaft abzumildern. Beispielsweise umfasst das 2 Billionen Dollar schwere Gesetzespaket in den USA zur Abmilderung der Auswirkungen des Coronavirus Einmalzahlungen an die Bürger, verbesserte Leistungen der Arbeitslosenversicherung, zusätzliche Mittel für die Gesundheitsvorsorge und Zahlungen an Unternehmen zur Vermeidung von Entlassungen. 

Auf längere Sicht jedoch sind wahrscheinlich noch mehr Anreize erforderlich, um die Erholung der Wirtschaft zu unterstützen. Wir glauben, dass dies eine Gelegenheit für die Regierungen darstellt, wirtschaftliche Anreize mit der sozialen und umweltbezogenen Entwicklung zu kombinieren. Das ist jetzt vor allem deshalb erforderlich, weil der gesunkene Ölpreis die Investitionen in Erneuerbare Energien beeinträchtigen könnte. Obwohl es in einigen Weltregionen bereits günstiger ist, Strom aus Wind und Sonnenlicht zu erzeugen, könnte der fallende Ölpreis zum verstärkten Einsatz von Kohle, Öl und Gas animieren. Dies würde sich negativ auf die zukünftige Entwicklung und die Nutzung umweltfreundlicher Energiequellen auswirken.

Anreize für „grüne“ Projekte

In den USA haben Experten für Klima und Sozialpolitik aus der Forschung und der Zivilgesellschaft einen Vorschlag für Anreize zum umweltfreundlichen Umbau der Wirtschaft entworfen4. Dieser verknüpft die soziale und die umweltbezogene Entwicklung miteinander. Einige der darin vorgestellten Ideen tragen zur Schaffung von Arbeitsplätzen beim Ausbau umweltfreundlicher Energien, der Herstellung von Nachrüstsätzen und im Bereich nachhaltigen Wohnungsbaus bei. Andere zielen auf die Schaffung lokaler Nahrungsmittelökonomien oder die Unterstützung der Wartung und des Betriebs des öffentlichen Transportwesens sowie die Bereiche Elektrogeräte und Fahrzeugbau ab. Die Ideengeber befürworten auch Bau und Management „grüner“ Infrastruktur, lokal gefertigte nachhaltige Textilien und Bekleidung sowie Partnerschaften mit bestehenden Ausbildungsprogrammen, die darauf abzielen, mehr Geringverdiener in gute Tätigkeiten mit gewerkschaftlicher Organisation zu vermitteln. 

In Europa könnten Anreize für umweltfreundliche Investitionen zur Einhaltung der CO2-Ziele beitragen, auf die sich die europäischen Länder verpflichtet haben. In einem weiteren Schritt könnten der öffentliche und der private Sektor zusammenarbeiten, um zur Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele beizutragen. Für die Finanzierung entsprechender Investitionen könnte die Emission von Green Bonds und Social Bonds eine Möglichkeit darstellen. Green Bonds machen derzeit weniger als 0,1 % der gesamten staatlichen Verschuldung aus (Quelle: S&P Global). Demnach steht noch reichlich Spielraum zur Finanzierung sozialer und umweltbezogener Anreizmaßnahmen!

Wir leben in außergewöhnlichen Zeiten. Ich hoffe, dass Sie alle gesund bleiben und dass wir nach dem Ende der Krise eine Antwort darauf geben, die zur Schaffung wirklich nachhaltiger Gesellschaften und Volkswirtschaften beiträgt.

1https://www.theguardian.com/environment/2020/mar/18/tip-of-the-iceberg-is-our-destruction-of-nature-responsible-for-covid-19-aoe 
2https://www.iccr.org/sites/default/files/page_attachments/investor_statement_on_coronavirus_response_03.26.20a.pdf
3https://www.glasslewis.com/everything-in-governance-is-affected-by-the-coronavirus-pandemic/ 
4https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSfMzRDRJQWsgp2QW4er8ags2VMPiibFm51X4TnZbDmLg1lqYQ/viewform

Logo

Wichtige rechtliche hinweise

Die auf dieser Website dargestellten Inhalte richten sich ausschliesslich an qualifizierte Anleger gemäss Definition im Schweizer Kollektivanlagengesetz vom 23. Juni 2006 (KAG) und seiner Durchführungsverordnung oder an „unabhängige Vermögensverwalter“, auf die die zusätzlichen folgenden Voraussetzungen zutreffen. Qualifizierte Anleger sind insbesondere regulierte Finanzvermittler wie Banken, Wertpapierhändler, Fondsverwaltungsgesellschaften und Vermögensverwalter von kollektiven Kapitalanlagen sowie Zentralbanken, regulierte Versicherungsgesellschaften, Organe der öffentlichen Hand und Altersvorsorgeeinrichtungen mit professioneller Tresorerie oder Unternehmen mit professioneller Tresorerie.

Die Inhalte richten sich allerdings nicht an nicht-qualifizierte Anleger. Indem Sie unten auf „Ich stimme zu“ klicken, signalisieren Sie Ihre Bestätigung und Ihr Einverständnis, dass Sie in Ihrer Funktion als qualifizierter Anleger gemäß KAG oder „unabhängiger Vermögensverwalter“ agieren, der die zusätzlichen im Folgenden aufgeführten Voraussetzungen erfüllt. Wenn Sie ein „unabhängiger Vermögensverwalter“ sind, der alle Voraussetzungen gemäß §3 Abs. 2 c) KAG in Verbindung mit §3 KAG KAG erfüllt, bestätigen Sie durch Anklicken von „Ich stimme zu“, dass Sie die Inhalte dieser Website ausschließlich für die Kunden Ihres Kundenstamms verwenden, die qualifizierte Anleger gemäss KAG sind.

Vertreter für die ausländischen, bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) für den Vertrieb in der Schweiz an nicht-qualifizierte Anleger registrierten Fonds in der Schweiz ist die ACOLIN Fund Services AG, Affolternstrasse 56, 8050 Zürich, und die Zahlstelle ist UBS Schweiz AG, Bahnhofstrasse 45, 8001 Zürich. Eine Liste der bei der FINMA registrierten Fonds finden Sie auf www.finma.ch.

Weder die Informationen noch die Meinungen, die auf der Website veröffentlicht wurden, stellen ein Angebot, eine Andienung oder Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder zur Verfügung über Anlagen, zum Abschluss von sonstigen Transaktionen oder eine Anlageberatung oder einen Anlageservice dar. Eine Anlage in ein Produkt der Robeco/RobecoSAM AG sollte nur nach Studium der zugehörigen juristischen Unterlagen, beispielsweise der Bestimmungen zur Verwaltung, der Satzung, der Prospekte, der Dokumente mit wesentlichen Informationen für den Anleger und der Jahres- und Halbjahresberichte erfolgen, die alle kostenfrei auf dieser Website, am Geschäftssitz des Vertreters in der Schweiz sowie bei allen Niederlassungen von Robeco/RobecoSAM AG in den Ländern erhältlich sind, in denen Robeco vertreten ist. Für die in der Schweiz vertriebenen Fonds ist Erfüllungsort und Gerichtsstand der Geschäftssitz des Vertreters in der Schweiz.

Diese Website richtet sich nicht an Personen in Rechtsgebieten, in denen aufgrund der Staatsbürgerschaft der Person, des Wohnorts oder aus sonstigen Gründen die Veröffentlichung bzw. Verfügbarkeit dieser Website verboten ist. Den Personen, auf die derartige Einschränkungen zutreffen, ist der Zugriff auf diese Website nicht gestattet.

Nicht Zustimmen