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Es ist noch zu früh, um Aktien allzu skeptisch zu sehen

Es ist noch zu früh, um Aktien allzu skeptisch zu sehen

07-02-2020 | Monatsausblick
Das Corona-Virus hat an den Finanzmärkten für einen gehörigen Schreck gesorgt, dennoch gibt es keinen Anlass, sich von Aktien zu verabschieden.
  • Jeroen Blokland
    Jeroen
    Blokland
    Head of Multi Asset

In aller Kürze

  • Ausbruch des Corona-Virus bedroht chinesisches und globales Wirtschaftswachstum
  • Drei positive Faktoren sprechen weiterhin für Aktien
  • Das Multi Asset-Team hat das Risiko dennoch etwas reduziert

Jeroen Blokland, Fondsmanager bei Robeco, ist der Ansicht, dass nach wie vor viele positive Faktoren für Aktien sprechen, ungeachtet des Ausbruchs des tödlichen Corona-Virus in China, der sich derzeit weltweit ausbreitet.

„Der unerwartete und fatale Ausbruch des Corona-Virus wirft die Frage auf, ob die Stabilisierung des globalen Wirtschaftswachstums anhalten wird“, sagt Blokland, Senior Portfoliomanager im Multi Asset-Team von Robeco. Das Team hat deshalb sein Exposure gegenüber Aktien vorsichtshalber reduziert.

„Da sich das Momentum der Konjunkturerholung gerade erst zu verbessern begonnen hatte, ist es relativ anfällig für etwaige negative Schocks. Hinzu kommt, dass die große Unsicherheit hinsichtlich der Möglichkeit zur Eindämmung des Virus sowie der wirtschaftlichen Auswirkungen eine angemessen vorsichtige Haltung gegenüber riskanten Anlagegattungen erfordern."

„Angemessen bedeutet jedoch nicht, vorzeitig zu skeptisch zu werden, da weiterhin einige positive Faktoren für riskante Anlagen – insbesondere für Aktien – sprechen."

Das Corona-Virus, das in Wuhan ausgebrochen ist, hat sich mittlerweile in China und darüber hinaus ausgebreitet. Die Regierung hat darauf mit der Abriegelung von Wuhan reagiert, die Bewegungsfreiheit in anderen chinesischen Städten erheblich eingeschränkt und die Feiertage anlässlich des chinesischen Neujahrsfests verlängert, um die Leute vom Reisen abzuhalten.

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Drastische Maßnahmen

„Diese Maßnahmen mögen drastisch erscheinen, verbessern aber wahrscheinlich die Chancen auf eine Eindämmung des Virus“, sagt Blokland. „Allerdings dürften diese sich gleichzeitig negativ auf das chinesische und damit auch das globale Wirtschaftswachstum auswirken.“

„Aus dieser Perspektive sind Vergleiche mit dem Ausbruch des SARS-Virus im Jahr 2003 unangebracht. Der Anteil Chinas an der globalen Wirtschaftsleistung hat sich seitdem verdreifacht und China ist zum Grenzkäufer praktisch jedes Rohstoffs geworden. Die schiere Größe der chinesischen Volkswirtschaft führt dazu, dass andere aufstrebende Länder in der Region zumindest zeitweilig ebenfalls eine Wachstumsdelle erleiden werden.“

„Aufgrund der Kombination aus einem Wachstumsschock in China – dem mit Abstand wichtigsten Land, was seinen Anteil an der Weltwirtschaft angeht – und der Unsicherheit hinsichtlich der Dauer und Stärke dieses Schocks haben wir die übergewichtete Position in Aktien in unserem Multi Asset-Fonds neutralisiert. Das bedeutet aber nicht, dass wir Aktien nun negativ sehen.“

Die Einzelhandelsumsätze stiegen nach dem Ausbruch des SARS-Virus im Jahr 2003 an. Das könnte auch diesmal der Fall sein. Quelle: Bloomberg

Gründe für Optimismus

Jeroen Blokland sieht drei Gründe, um für Aktien optimistisch zu sein. „Legt man vergleichbare Ereignisse in der Vergangenheit zugrunde, wurde eine Wachstumsdelle während des Ausbruchs eines Virus nach dessen Eindämmung wieder weitgehend ausgeglichen“, sagt er. „Nach dem Ausbruch des SARS-Virus beispielsweise halbierten sich die Einzelhandelsumsätze in China kurzzeitig, bevor sie sich wieder kräftig erholten, nachdem das Virus unter Kontrolle gebracht worden war. Dabei wurde der Großteil des Umsatzeinbruchs wieder ausgeglichen.“

„Auch andere Wirtschaftsbranchen wie beispielsweise das Baugewerbe waren betroffen, erholten sich aber ebenfalls, als sich das Tempo der Ausbreitung des Virus zu verlangsamen begann. Wir rechnen diesmal mit einem ähnlichen Muster und erwarten keine größere Unterbrechung der globalen Zulieferketten.“

„Zweitens deuteten vor dem Ausbruch des Virus zahlreiche Signale auf eine Erholung der Weltkonjunktur hin. Beispielsweise stieg der globale Einkaufsmanagerindex im Produzierenden Gewerbe im Januar auf einen Wert von 50,4, den höchsten Stand seit April 2019. Auch der ISM Manufacturing Index liegt wieder oberhalb eines Niveaus von 50, nachdem er im Januar stärker als erwartet gestiegen war.“

Positive Überraschungen

„Der Citi Global Economic Surprise Index hat sich wieder nach oben entwickelt und ist auf den höchsten Stand seit beinahe zwei Jahren gestiegen. Das Exportwachstum in sehr offenen Volkswirtschaften wie Südkorea hat sich spürbar verbessert. Daran wird deutlich, dass der Abwärtsdruck infolge des Handelskonflikts zwischen China und den USA nachlässt.“

„Nachdem etwa die Hälfte der US-Unternehmen ihre Ergebnisse für das vierte Quartal 2019 bekannt gegeben hat, sind die positiven Gewinn- bzw. Umsatzüberraschungen die stärksten der letzten drei bzw. vier Quartale gewesen.“

„Die Gewinnrevisionen haben sich angesichts der Aussicht auf ein stärkeres Wachstum der Weltwirtschaft erheblich verbessert. In den Schwellenländern fallen sie derzeit höher als in den USA aus. Das deutet darauf hin, dass das Gewinnmomentum eine zunehmend breite Basis erhält.“

Anstieg des Gewinns pro Aktie der Unternehmen im MSCI World Index. Quelle: Bloomberg.

Lockere Geldpolitik der Notenbanken

Nicht zuletzt sollten die Anleger die sehr lockere Geldpolitik der Notenbanken im Hinterkopf behalten, meint Jeroen Blokland. „Die kurzfristigen Zinsen bleiben niedrig oder sogar negativ, während die Notenbanken wieder vermehrt Wertpapiere am Markt ankaufen“, sagt er. „Zudem haben die Notenbanken sehr deutlich gemacht, dass einer Straffung der Geldpolitik sehr hohe Hürden entgegenstehen.“

„Sowohl die US-Notenbank als auch die Europäische Zentralbank denken derzeit über ihre künftige Geldpolitik nach. Wahrscheinlich werden sie es zulassen, dass die Inflation über den Zielwert hinaus ansteigt, um das Unterschreiten des Werts in der Vergangenheit auszugleichen. Gleichzeitig besteht bei den Notenbanken eine große Bereitschaft, wieder verstärkte geldpolitische Anreize zu setzen, wenn ein negativer Schock wie der Corona-Virus die Weltkonjunktur bedrohen würde.“

„Die chinesische Notenbank hat den Finanzmärkten im Anschluss an das chinesische Neujahrsfest bereits beträchtliche zusätzliche Liquidität zur Verfügung gestellt. Auch global liegt die Liquidität auf außerordentlich hohem Niveau und wird in den nächsten Quartalen noch weiter zunehmen.“

Implikationen für Anleger

Alles in allem ist es nach Ansicht von Jeroen Blokland noch zu früh, um Aktien allzu skeptisch zu sehen. „Mit Blick auf den Ausbruch des Corona-Virus ist angemessene Vorsicht angebracht. Die Tatsache, dass das Virus sein Ursprung in China hat – dem bedeutendsten Wachstumsmotor der Weltwirtschaft – ist zweifellos von Bedeutung“, sagt er.

„Wir möchten aber betonen, dass daneben andere Faktoren gegeben sind, die sich stützend auf Aktien auswirken. Da sich Ereignisse wie der Ausbruch des Corona-Virus tendenziell eher vorübergehend als strukturell auf das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne auswirken, sehen wir von einer negativen Einschätzung der Aktienmärkte ab.“

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