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Klimawandelrisiken in Portfolios verstehen

Klimawandelrisiken in Portfolios verstehen

05-11-2019 | Einblicke

Bei der Bildung von Portfolios, die in Bezug auf den Klimawandel widerstandsfähig sind, geht es nicht nur um das Thema Dekarbonisierung, sagt Jacob Messina von RobecoSAM.

  • Jacob  Messina
    Jacob
    Messina
    Senior SI strategist, RobecoSAM

In aller Kürze

  • Einbeziehung von Emissionen dritten Grades ist entscheidend für die Dekarbonisierung
  • Wenn es darum geht, Portfolios robuster zu machen, ist Dekarbonisierung nur ein Aspekt
  • Der Übergang birgt zahlreiche Risiken und Chancen, die physischen Risiken nehmen zu

Anleger müssen sich ein umfassenderes Bild von den Gefahren machen, die die globale Erwärmung für Unternehmen mit sich bringt. Dazu gehört auch die Analyse von Emissionen dritten Grades, die derzeit nur unzureichend offengelegt werden, sagte er beim vierten jährlichen Sustainable Investment Forum, das Robeco zusammen mit Allianz Global Investors in Brüssel veranstaltete.

Dekarbonisierung stellt lediglich eine Annäherung dar – einen Ausgangspunkt,” so Jacob Messina, Head of Sustainable Investing Research bei RobecoSAM. „Aus Sicht eines Assetmanagers, der aktiv Wertpapiere auswählt, ist der CO2-Fußabdruck des Portfolios kein Indikator für die tatsächlichen Risiken der darin enthaltenen Positionen."

„Wenn man verstehen will, wie sich ein Unternehmen in 10 bis 20 Jahren darstellt, muss man die unternehmensspezifischen Risiken und Chancen begreifen, einschließlich der Übergangsrisiken. Dabei gibt es jede Menge Chancen – die Perspektiven sind keineswegs nur düster.“

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An die richtigen Daten herankommen...

RobecoSAM nutzt sein internes Environmental Impact Monitoring Tool und vielfältige Unternehmensdaten, um neben anderen Nachhaltigkeitsaspekten die Robustheit von Unternehmen in Bezug auf den Klimawandel zu evaluieren. Wichtige Aspekte, die untersucht werden, sind das Ausmaß der offengelegten Emissionen und der interne Kohlendioxid-Preis des Unternehmens.

Dabei geht es nicht nur um die Emissionen von Treibhausgasen wie Kohlendioxid, das für die globale Erwärmung verantwortlich gemacht wird. „Betrachtet man die gesamte Wertschöpfungskette, gewinnen auch Risiken in Bezug auf Wasser zunehmend an Bedeutung. Daneben gibt es einige weitere branchenspezifische Fragen, die sich auf Aspekte wie die Energieeffizienz bei Fluggesellschaften oder Autoherstellern beziehen“, sagt Jacob Messina.

„Unser Environmental Impact Monitoring Tool betrachtet bei der Analyse von Aktien vier Elemente: Emissionen von Treibhausgasen, Energieverbrauch, Wassereinsatz und Abfallerzeugung. Bei unseren „Sustainability Focused“-Strategien streben wir an, dass der Umwelt-Fußabdruck des Portfolios um mindestens 20 % besser als derjenige der Benchmark ist.“

Die „Großen Vier“: entscheidende Elemente bei der Beurteilung der Robustheit eines Unternehmens in Bezug auf den Klimawandel. Quelle: RobecoSAM

...und dabei den Horizont erweitern

Das Ausmaß der Emissionen umfasst nicht nur diejenigen, die aus einem Fabrikschornstein austreten. Mittlerweile unterscheidet man drei Kategorien – Emissionen ersten, zweiten und dritten Grades: Emissionen ersten Grades sind diejenigen, die direkt durch das Unternehmen verursacht werden. Bei Emissionen zweiten Grades handelt es sich um diejenigen, die aus der Erzeugung des Stroms resultieren, der bei der Herstellung der Produkte eingesetzt wurde.

Emissionen dritten Grades sind sämtliche indirekten Emissionen, die über die Wertschöpfungskette hinweg entstehen. Sie können vorgelagert durch Zulieferer oder nachgelagert durch die Abnehmer verursacht sein. Aufgrund ihres indirekten Charakters sind sie schwieriger zu berechnen und sind auch nicht immer intuitiv. „Oft sorgt es für Überraschung, wie hoch die Emissionen dritten Grades im Sektor Nicht-Basiskonsumgüter sind, wo außerdem viel Abfall anfällt“, sagt Jacob Messina.

„Ein Unternehmen, das fossile Brennstoffe produziert, kann sogar weniger Emissionen dritten Grades verursachen als ein Rohstoffunternehmen, das sehr arbeits- und energieintensiv ist, oder als ein Versorger, der die von den Nutzern benötigte Energie bereitstellt. Wir sind der Ansicht, dass die Qualität der Daten hinsichtlich der indirekten Emissionen mittlerweile fast das erforderliche Niveau erreicht hat, um diese systematisch in unsere Portfolios zu integrieren.“

Quelle: Greenhouse Gas Protocol, www.ghgprotocol.org

Risiken und Chancen des Übergangs sowie physische Risiken

Demnach ist es wichtig, das Gesamtbild zu betrachten, wenn es um den Nettobeitrag eines Unternehmens zur globalen Erwärmung geht. „Der Carbon Footprint ist ein sehr guter Ausgangspunkt, doch muss man darüber hinausgehen und die einzelnen Unternehmen und ihre Pläne verstehen, was den Übergang und die Verringerung ihrer klimabezogenen Risiken angeht“, stellt Jacob Messina fest.

„Drei Bereiche sind zu betrachten: die Identifikation von Übergangsrisiken, Übergangschancen und die physischen Risiken. Dabei besteht die Schwierigkeit darin, dass sie sich nicht um einen linearen Prozess handelt. Unserer Einschätzung nach werden wir wahrscheinlich einen Kipp-Punkt erreichen, ab dem es zu einer raschen Beschleunigung diverser Vorgaben und Regulierungen geben wird, an die sich die Unternehmen schnell anpassen müssen.“

„Die Firmen, die nicht Schritt halten, werden am Ende möglicherweise vor umfangreichen Stranded Assets stehen. Wir wollen sichergehen, dass sich die Unternehmen der Regulierungen bewusst sind und eine Strategie besitzen, wenn es darum geht, ihr Geschäft zukunftsfest zu machen.“

  • Übergangsrisiken: Als Beispiel nennt Jacob Messina ein Unternehmen aus dem Bereich fossiler Energieträger, das beschlossen hat, seine CO2-Emissionen (einschließlich derer dritten Grades) bis 2040 um 40 % zu reduzieren. Während das Vorhaben zu begrüßen ist, zeigte unsere Analyse, dass es nicht im Einklang mit dem Szenario eines Temperaturanstiegs um maximal 2 °C steht und daher weitreichender ausfallen muss. Dazu gehört die Erhöhung des internen Preises für CO2 von 25 US-Dollar pro Tonne auf ein näher an Mitbewerbern liegendes Niveau von 40 Dollar pro Tonne.
  • Übergangschancen: Auf diese zielt der Smart Energy Fund von RobecoSAM ab. Sein Fokus liegt auf vier Bereichen: Erneuerbare Energien, Energieversorgung, Energiemanagement und Energieeffizienz. Die in dieser Strategie enthaltenen Unternehmen tragen in erheblichem Umfang zu den Nachhaltigkeitszielen der UN bei, insbesondere zu den Zielen 7 (bezahlbare und saubere Energie) und 9 (Industrie, Innovation und Infrastruktur).
  • Physische Risiken: Diese ergeben sich aus zunehmenden Unwettern als Folge des Klimawandels, darunter Hurrikane, Überschwemmungen, Dürren und ein Anstieg des Meeresspiegels. Diese Art Risiken lassen sich immer schwerer versichern und drohen unmittelbarer, als dies vielen bewusst sein mag, so Jacob Messina.

Dem Sturm standhalten

„Bei den physischen Risiken handelt es sich möglicherweise um das komplizierteste und am wenigsten klare Feld. Wir müssen verstehen, wo sich Assets befinden, welchen Risiken sie im Hinblick auf einen Anstieg des Meeresspiegels und sich verändernde Wettermuster ausgesetzt sind und was die lokalen Regierungen und Unternehmen dagegen tun.“

Vorsicht Lücke – die nicht versicherten Verluste aus wetterbezogenen Ereignissen sind weit höher als die versicherten Verluste. Quelle: SwissRe

„Was mich überrascht hat, war die Tatsache, dass während der Trockenperiode im Jahr 2018 tatsächlich mehrere Industrien in Europa den Betrieb einstellten. Historisch niedrige Wasserstände im Rhein zwischen Juli und November 2018 führten dazu, dass vielerorts die Produktion ganz gestoppt wurde und die Unternehmen das Vorliegenhöherer Gewalt in Bezug auf bestimmte Produkte erklären mussten.”

„Die deutsche Wirtschaft schrumpfte im dritten Quartal 2018 um 0,2 % und stagnierte im vierten Quartal. Dies war zum Teil auf die Unterbrechungen der Wertschöpfungsketten im Zuge des Niedrigwasserstands im Rhein zurückzuführen. Es war in der Tat erstaunlich, dass Europa davon so stark betroffen war.“

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