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Es ist noch zu früh, um Öl abzuschreiben

Es ist noch zu früh, um Öl abzuschreiben

22-10-2018 | Fünfjahresausblick

Bisher bedrohen so genannte „stranded assets“ (aufgrund von Klimaschutzzielen nicht mehr nutzbare fossile Brennstoffvorkommen) nicht das wirtschaftliche Wohlergehen von Ölkonzernen, die in Portfolios immer noch eine Rolle spielen, sagt Robeco-Chefökonom Léon Cornelissen.

  • Léon  Cornelissen
    Léon
    Cornelissen
    Chief Economist

In aller Kürze

  • Das Pariser Klimaschutzabkommen führt dazu, dass fossile Brennstoffe im Wert von Billionen von US-Dollar nicht genutzt werden können
  • Die großen Ölkonzerne stellen sich auf eine Zukunft mit geringerem CO2-Ausstoß ein, wenn auch nur langsam
    Der Ölpreis hat bisher nicht reagiert, und der Zeitpunkt, um diese Unternehmen zu meiden, ist noch nicht gekommen
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Das Problem resultiert aus der Verpflichtung der Unterzeichnerstaaten des Pariser Klimaschutzabkommens, die Erderwärmung gegenüber den Temperaturen der vorindustriellen Zeit bis 2100 auf unter zwei Grad zu begrenzen. Infolgedessen können bis zu 80 % der weltweiten Vorkommen an fossilen Brennstoffen nicht genutzt werden, was zu „gestrandeten“ Kohle-, Öl- und Gasvorkommen im Wert von mehreren Billionen US-Dollar führen wird.

Da Öl- und Gasvorkommen wegen der Energiewende möglicherweise ungenutzt bleiben, stehen Anleger vor einer schwierigen Frage: Sollten sie sich jetzt von Investments in CO2-intensiven Unternehmen trennen oder wäre dies voreilig? Und ist die Befürchtung, infolge der unvermeidlichen Abschreibung nutzloser „gestrandeter“ Vermögensgegenstände erhebliche Verluste zu erleiden, übertrieben?

CO2-arme Zukunft

Letztes Jahr haben die großen Ölkonzerne unter der Führung europäischer Unternehmen begonnen, sich für eine CO2-arme Zukunft zu positionieren. Doch die Unsicherheit bleibt, weil es keinen festen Plan für die Energiewende und auch keine klare Auffassung gibt, wie viel Zeit sie beanspruchen wird und welche Technologien sich durchsetzen werden.

Ein klar erkennbarer Trend ist aber, dass die großen Ölkonzerne mehr in CO2-freie Energie investieren. Sie rechnen damit, dass das Ölangebot um das Jahr 2020 herum seinen Höchststand erreichen und dann bis 2030 um 20 % zurückgehen wird, weil die Ölförderung verringert werden muss, um die Erderwärmung auf unter 2°C zu begrenzen. Um dies zu erreichen, wird das Angebot an fossilen Brennstoffen teilweise durch alternative Quellen wie Sonnen- und Windenergie ersetzt werden.

Die Investitionen in die Exploration fossiler Brennstoffe durch die Ölkonzerne sind bereits seit 2014 deutlich rückläufig, wie in unten stehender Grafik dargestellt.

Der Trend bezüglich der weltweiten Investitionen in Öl und Gas ist unterbrochen worden.
Quelle: Datastream

Schätzungen, wie viel fossile Brennstoffe genutzt und wie viel davon in der Erde belassen werden muss, gehen weit auseinander, auch wenn laut der Internationalen Energiebehörde praktisch alle nachgewiesenen und wahrscheinlichen Vorkommen der Ölkonzerne gefördert werden können. In diesem Fall besteht für die über die nachgewiesenen und wahrscheinlichen Vorkommen hinausgehenden möglichen Vorkommen ein großes Risiko, zu „stranded assets“ zu werden.

Diese möglichen Vorkommen machen nur ein paar Prozent des Gesamtwerts von Ölkonzernen aus, weshalb die Möglichkeit, dass sie „stranden“ werden, für die Ölunternehmen insgesamt als ein überschaubares Risiko angesehen werden kann. Da die Nachfrage nach Öl in den nächsten fünf Jahren vor allem in den Schwellenländern weiter zunehmen wird, könnte die Wende hin zu einer CO2-armen Wirtschaft durchaus eher später als früher richtig in Gang kommen. Die Schätzungen, wann die Nachfrage nach Öl ihren Höhepunkt erreichen wird, ändern sich und bewegen sich aktuell zwischen 2023 und 2070.

Der Ölpreis hat bisher nicht reagiert

Der Ölpreis hat bisher noch nicht darauf reagiert, dass ein großer Teil der Ölvorkommen nicht mehr genutzt werden kann. Da Öl an Bedeutung verliert, dürfte der Ölpreis langfristig fallen. Ausbleibende Investitionen (z. B. in die Ölsandgewinnung in der Arktis) könnten schließlich zu einer Angebotsverknappung führen und den Ölpreis in die Höhe treiben. Bisher scheint der Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft die Ölpreisentwicklung nicht sonderlich zu beeinflussen.

Probleme auf der Angebotsseite (z. B. in Nigeria und Venezuela) und Erfolge der OPEC bei der Fördermengenbegrenzung sind die maßgeblichen Faktoren, die auf kurze Sicht die Ölpreisentwicklung beeinflussen. Der Spielraum der Ölpreise nach oben wird durch die Schieferölrevolution in den USA ein Stück weit begrenzt, weil höhere Preise das Angebot erhöhen — nach der alten Weisheit, dass höhere Preise das beste Mittel gegen höhere Preise sind.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden weltweiten Nachfrage stellt dies Anleger vor ein Dilemma. Ist es an der Zeit, die Aktien von Ölkonzernen abzustoßen? Oder ist es dafür noch zu früh? Und ist die Befürchtung, infolge der unvermeidlichen Abschreibung nicht nutzbarer „gestrandeter“ Vermögensgegenstände erhebliche Verluste zu erleiden, übertrieben? Irgendwann wird der Ölpreis deutlich fallen müssen. Sogar Saudi-Arabien hat vor kurzem bekannt gegeben, innerhalb weniger Jahrzehnte CO2-neutral werden zu wollen.

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Öl und der Index

Öl ist außerdem nach wie vor ein wichtiger Bestandteil von Aktienindizes – ungeachtet der anhaltenden Präferenz für die Aktien von Internet-Giganten wie Facebook, Amazon, Netflix und der Google-Muttergesellschaft Alphabet. Exxon Mobile, der größte Ölkonzern der Welt, gehört immer noch zu den zehn größten Titeln im MSCI World Index, in dem der Energiesektor immer noch mit mehr als 6 % vertreten ist. Da sich die Ölpreisentwicklung auf kurze Sicht eigentlich nicht vorhersagen lässt und bisher kaum durch die globale Wende hin zu einer CO2-freien Wirtschaft beeinflusst wird, sind Investments im Energiesektor immer noch sinnvoll.

Es wäre nicht ratsam, den Sektor zu ignorieren; denn er bietet aktiv investierenden Anlegern interessante Renditechancen. In den letzten zehn Jahren hat der Energiesektor für Aktienportfolios ein besonderes, zusätzliches Risiko mit sich gebracht. Wir erwarten, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird. Anleger dürften von der zusätzlichen Diversifizierung ihrer Portfolios profitieren.

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