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Alles Wesentliche über Climate Investing

Weiterbildungsmodul für Anlageexperten

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Die fortlaufende fachliche Weiterbildung ist ein wichtiges Karriereelement für jeden Berater, vor allem in einem Umfeld rapiden Wandels. Der Klimawandel ist zur größten Herausforderung geworden, vor der Investoren stehen. Weniger eindeutig ist aber, was das für die Portfolios und einer Übergang zu einer CO2-ärmeren Welt bedeutet.

Welche Herausforderungen (und Chancen) werden damit verbunden sein? Und warum sollten wir jetzt handeln? Finanzexperten, die die Antworten auf diese wichtigen Fragen nicht kennen, sind im Nachteil, wenn es darum geht dies Kunden und Kollegen zu erklären.

Das vorliegende Modul schließt diese Lücke. Im Rahmen dieses Kurses können sich die Teilnehmer entsprechendes Wissen aneignen und am Ende einen Test absolvieren. Zur Erhöhung des Lernerfolgs verwendet das Modul eine klare Sprache, diverse Grafiken, ein Video und Fallstudien. Die Lektüre der acht Kapitel nimmt jeweils rund 10-15 Minuten in Anspruch. Bei richtiger Beantwortung von mindestens 12 der 15 Fragen (80 %) im Rahmen des Tests werden Ihnen zwei Stunden berufliche Weiterbildung (CPD) angerechnet. Das Weiterbildungsmodul ist bereits von lokalen und globalen Instituten anerkannt worden, weitere werden folgen.

Das CFA Institute ermöglicht es seinen Mitgliedern anrechenbare Weiterbildungsinhalte von externen Quellen selbst auszuwählen und selbst zu dokumentieren. Mitglieder des CFA Institute werden ermuntert, solche Weiterbildungsnachweise online in ihrem PL-Tracker zu dokumentieren.

Viel Erfolg!

1. Worum handelt es sich bei der globalen Erwärmung und dem Klimawandel?

Der Klimawandel infolge eines steigenden CO2-Anteils in der Atmosphäre gilt als die größte Bedrohung für die Menschheit.

In diesem Kapitel lernen Sie:

  • Wie die globale Erwärmung einen lebensbedrohlichen Klimawandel verursacht
  • Wie internationale Abkommen seit den 1980er Jahren an Dynamik gewonnen haben
  • Welche die Temperaturziele des Pariser Klimaabkommens und die Emissionsziele des IPCC sind

Die Gefahr steigender Temperaturen

Klimawandel

Klimawandel ist die langfristige Veränderung von Wettermustern infolge globaler Erwärmung. Ohne Gegenmaßnahmen wird die Erderwärmung zu beträchtlichen physischen Risiken führen – aufgrund heftiger werdender Hurrikane, Überflutungen, Dürreperioden und Waldbränden. Diese sind häufiger geworden, seitdem die Erde sich zunehmend erwärmt hat.

Globaler Erwärmung

Ein steigender Meeresspiegel infolge vermehrter Regenfälle und abschmelzender Polkappen gefährdet Millionen von Menschen in Küstengebieten. Gleichzeitig bedrohen höhere Temperaturen die Zukunft der Landwirtschaft. Die globale Erwärmung kann jedoch eingedämmt werden, wenn die Emissionen von Treibhausgasen jetzt verringert werden und die Welt CO2-neutral wird.

Emissionen von Treibhausgas

„Muss man noch über die Dringlichkeit des Klimawandels sprechen? Ich glaube, wir erleben alle extreme Dürren, extreme Sommertemperaturen in Sibirien (38 °C), Buschfeuer und Überflutungen. Ich meine, es ist recht deutlich, dass sich das Klima verändert. Dennoch sind wir nach wie vor von fossilen Brennstoffen abhängig, und diese verursachen CO2-Emissionen. CO2, das über viele Millionen Jahre in fossilen Brennstoffen gebunden war, wird jetzt innerhalb weniger hundert Jahre in die Atmosphäre freigesetzt. Der Anteil von CO2 in der Atmosphäre ist mittlerweile so hoch wie vor 3 Millionen Jahren. Damals waren die Temperaturen um rund 2-3° höher als in vorindustrieller Zeit und der Meeresspiegel lag um 15-25 m höher. Dabei möchte ich es bei meiner Argumentation bewenden lassen.”Masja Zandbergen, Head of ESG Integration, Robeco

Der Treibhauseffekt

Fossilen Brennstoffen

Die globale Erwärmung wurde überwiegend durch das langfristige Verbrennen von fossilen Brennstoffen seit der Industriellen Revolution im 18. Jahrhundert verursacht. Infolgedessen sind seit 1750 rund 2,5 Billionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt worden, der Anteil von Kohlendioxid (CO2) in der Erdatmosphäre ist um 67 % gestiegen und die durchschnittlichen globalen Temperaturen um mehr als 1°C.1 Ein Großteil davon ist nicht mehr rückgängig zu machen.2

Kohlendioxid

Die drei wichtigsten Treibhausgase sind Kohlendioxid, Methan (CH4) und Stickoxid (N2O). Der Großteil davon wird im Rahmen industrieller Prozesse freigesetzt. Die Emissionen unterscheiden sich von Verschmutzung dadurch, dass CO2 ein natürliches Nebenprodukt des Lebens ist – wir atmen es ständig aus – während der überwiegende Teil des Methans von Nutztieren ausgestoßen wird.

Kohlenstoffsenken

Der Großteil dieser Emissionen wird von den Ozeanen absorbiert oder in natürlichen Kohlenstoffsenken gespeichert. Dazu gehören Permafrostböden wie in Sibirien und im nördlichen Kanada sowie Bäume. Der übrige Teil verbleibt in der Atmosphäre und kann nicht in den Weltraum entweichen. Dadurch erhitzt sich der Planet über viele Jahrzehnte.

Auswirkungen auf das Wetter

Der hauptsächliche Effekt einer wärmeren Atmosphäre besteht in einer höheren Luftfeuchtigkeit, die zu stärkeren und schwerer vorhersagbaren Regenfällen, Überflutungen und Stürmen führt. Das hat auch zu extremeren Temperaturen im Sommer, Hitzewellen in bislang kalten Regionen wie der Arktis sowie zur zunehmenden Wüstenausbreitung in zuvor fruchtbaren Regionen geführt.

steigende Temperaturen

Ein Indiz für steigende Temperaturen kann darin gesehen werden, dass zehn der wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in den Zeitraum seit 2005 fallen. Das wärmste Jahr war 2016, als die Erdatmosphäre im Durchschnitt um 0,94 °C wärmer war, als es dem globalen Mittel seit 1880 entspricht.

Grafik 1: Die 10 wärmsten Jahre seit Aufzeichnungsbeginn

Grafik 2: Globale Erwärmung im Zeitverlauf

Sie können den zeitlichen Verlauf der globalen Erwärmung seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1850 aufrufen, indem Sie auf die Grafik klicken.

Quelle: Berkeley Earth's Global Warming

Höchster CO₂-Anteil seit 4 Millionen Jahren

Der CO2-Anteil in der Luft steigt mit jedem Jahr auf neue Rekordniveaus. Laut wissenschaftlichen Untersuchungen war der CO2-Anteil in der Erdatmosphäre zuletzt vor mehr als 4 Millionen Jahren auf dem Niveau von Juni 2021 (419 ppm = 0,0419 %).3 In der damaligen Zeit des Pliozän noch vor Erscheinen des Menschen lag die durchschnittliche Oberflächentemperatur um 2-3 °C höher als in vorindustrieller Zeit und der Meeresspiegel lag im Schnitt um bis zu 25 Meter über dem heutigen Niveau.4

Landwirtschaftliche Produktion

Der Klimawandel bedroht auch die landwirtschaftliche Produktion, da mildere Winter und ein früherer Frühlingsbeginn dem zeitlichen Verlauf des Anbaus von Feldfrüchten zuwiderlaufen. Höhere Temperaturen wirken sich in doppelter Hinsicht negativ auf Insekten aus. In wärmeren Gebieten drohen sie die Nutzinsektenpopulationen auszurotten, die essenziell für die Bestäubung von Pflanzen sind. Die Erwärmung droht Länder in kälteren Regionen gegenüber Insekten mit übertragbaren Krankheiten zu exponieren, die bislang davor geschützt sind.

Grafik 3: Kohlendioxid-Anteil über 800.000 Jahre

Quelle: US National Oceanic and Atmospheric Association (NOAA)

Anerkennung des Problems

Der Klimawandel begann in den 1980er Jahren ernstgenommen zu werden. Zurückzuführen war dies zum Teil auf eine erfolgreiche Kampagne zum Verbot von Chlorfluorkohlenwasserstoffen in Aerosol-Sprays, die die Ozonschicht schädigen. Zur Analyse des Problems schufen die World Meteorological Organization und das United Nations Environment Program im Jahr 1988 das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC).

Ernsthafte Versuche zur Eindämmung von Emissionen begannen 1992 im Zuge der UN Conference on the Environment and Development – bekannt geworden als Earth Summit – in Rio de Janeiro. Daraus entstand die UN Framework Convention on Climate Change (UNFCCC), die sich unter der Bezeichnung Conference of the Parties (COP) jährlich zu treffen begann.

Auf den Earth Summit folgte 1997 das Kyoto-Protokoll. Dabei handelt es sich um den ersten internationalen Vertrag, mit dem sich die Unterzeichner verpflichteten, die Emissionen „auf ein Niveau, das eine gefährliche menschliche Einflussnahme auf das Klimasystem vermeidet“ zu drosseln. 2012 folgte das ehrgeizigere Doha Amendment, das verbindliche Ziele für 37 Länder einschließlich der Mitgliedstaaten der Europäischen Union festlegte.

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Wegweisendes Pariser Klimaabkommen

Pariser Klimaabkommens

Im Jahr 2015 unternahm die UN einen weiterreichenden Schritt durch erstmalige Festlegung einer Obergrenze für den Anstieg der globalen Temperatur im Rahmen des wegweisenden Pariser Klimaabkommens. Dessen Hauptziel besteht darin, die globale Erwärmung bis Ende dieses Jahrhunderts auf 2 °C oberhalb vorindustriellen Niveaus zu begrenzen und Anstrengungen zur Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5 °C zu unternehmen. Es wurde von allen 196 Mitgliedstaaten der UNFCCC unterzeichnet. Die USA zogen sich zwar 2017 unter der Präsidentschaft von Donald Trump daraus zurück, schlossen sich ihm 2021 unter Präsident Joseph Biden aber wieder an.

Verringerung von CO2-Emissionen

Zur Erreichung dieser Ziele sind klare Vorgaben zur Verringerung von CO2-Emissionen erforderlich. Im Jahr 2018 sagte das IPCC, dass zur Erreichung des niedrigeren 1,5 °C-Zieles die Emissionen bis 2030 um 40-60 % gegenüber dem Stand von 2010 reduziert und bis etwa 2050 auf netto null gesenkt werden müssen. Um die Obergrenze von 2 °C einzuhalten, müssten die Emissionen bis 2030 um 25 % verringert werden, damit das Netto-Null-Ziel bis 2050 erreicht werden kann. Darin ist die Tatsache berücksichtigt, dass 0,8 bis 1,2 °C Erwärmung bereits erfolgt sind.5

Jedoch warnte das IPCC auch, dass beim derzeitigen Tempo des (Nicht-)Handelns das 2 °C-Ziel wahrscheinlich bis 2030 erreicht ist und das bis Ende des Jahrhunderts eine globale Erwärmung um 3 °C wahrscheinlicher ist. Im September 2019 warnte das IPCC außerdem, dass der Meeresspiegel bis 2100 um mindestens 1,1 Meter steigt, wenn die Welt jetzt nicht tätig wird.6

Weitere Prognosen seitens Carbon Brief, einem Researchprojekt aus Großbritannien, lesen sich ebenfalls alarmierend. Darin wird ein Anstieg des Meeresspiegels um 56 cm prognostiziert, selbst wenn das 2 °C-Ziel erreicht wird. Außerdem würde es dann zu mehr extremen Wetterereignissen kommen, durch die 37 % der Weltbevölkerung Hitzewellen und jährlichen Überflutungen mit einem Schaden von zwölf Billionen US-Dollar ausgesetzt wären.

Grafik 4: Auswirkungen des Klimawandels bei +1,5 °C und +2 °C

Zusagen auf der COP26

Der jüngste Versuch, die globale Erwärmung ernsthaft anzugehen, erfolgte während des Klimagipfels COP26 in Glasgow im November 2021. Abschließend wurde eine Übereinkunft hinsichtlich des Reglements für die Länder zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens getroffen. Hinzu kam eine wichtige Vereinbarung zur Zusammenarbeit in Sachen CO2 zwischen den beiden weltgrößten Emittenten, den USA und China.

Das Reglement deckt zentrale Aspekte ab, darunter die Berichterstattung über Emissionen, die Kontrolle von politischen Vorgaben und – besonders wichtig – den Börsenhandel von CO2-Emissionsrechten. Dies ermöglicht die Verlagerung des Fokus von Verhandlungen zur Umsetzung, da die Regierungen formal den 1,5 °C-Pfad als offizielles Ziel für die globale Erwärmung akzeptierten.

Es erfolgten eine Reihe neuer politischer Zusagen bis 2030, darunter die Verringerung von Methanemissionen, der Stopp der Abholzung, dass Auslaufenlassen der Kohleverstromung und die Beendigung der öffentlichen Finanzierung fossiler Brennstoffe im Ausland. Zwar sind einige dieser Zusagen nur vage formuliert und wurden von den größten Emittenten nicht unterzeichnet. Dennoch besitzen sie ein gutes Potential zur Verringerung der Emissionen vor 2030.

Der Gipfel führte auch zu einer so großen Beteiligung des privaten Sektors wie nie zuvor. Dazu gehörten Abkommen zur Beschleunigung der Dekarbonisierung in der Industrie und im Alltag. Seitens Banken, Kapitalanlegern, Assetmanagern und Versicherern ist mittlerweile ein Volumen von 130 Billionen US-Dollar auf das Netto-Null-Ziel ausgerichtet, auch wenn diese Zahl einige Doppelzählungen umfasst.

Fazit

Der Klimawandel wird durch die globale Erwärmung verursacht, welche eine Folge des langfristigen Anstiegs des Anteils von Treibhausgasen in der Atmosphäre ist. Das Pariser Klimaabkommen enthält Vorgaben zur Begrenzung der globalen Erwärmung und das Intergovernmental Panel on Climate Change hat die zugehörigen Ziele zur Verminderung von CO2-Emissionen festgesetzt. Wenn nichts unternommen wird, stellt der Klimawandel eine ernstzunehmende Bedrohung für das menschliche Leben und die wirtschaftliche Stabilität dar.

Nächstes Kapitel

2. Netto-Null-Ziele zur Bekämpfung des Klimawandels

Der Klimawandel kann nur durch Verringerung von Treibhausgasemissionen bekämpft werden. Daraus haben sich nationale CO2-Ziele und Netto-Null-Zusagen ergeben.

In diesem Kapitel lernen Sie:

  • Weshalb die Verringerung von Emissionen entscheidend für die Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens sind
  • Wie wichtig nationale Ziele und Netto-Null-Zusagen sind
  • Wie Investoren mit großen Emittenten in Dialog treten

Dekarbonisierung als vorrangige Zukunftsstrategie

Dekarbonisierung

Die Wissenschaftler sind sich einig, dass die globale Erwärmung, wenn sie aus Treibhausgasemissionen resultiert, reduziert und sogar umgekehrt werden kann, indem diese Emissionen verringert werden. Viele Länder, Unternehmen und Investoren haben sich in der Folge der Dekarbonisierung verschrieben und streben bis 2050 CO2-Neutralität an.

Netto Null

Wie in Kapitel 1 dargelegt, hat das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) Ziele formuliert, was den Umfang der Dekarbonisierung angeht, die zur Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens erforderlich ist. Bis 2030 müssen die globalen Emissionen um 40 -60 % gegenüber dem Niveau von 2010 fallen, damit der Anstieg der globalen Temperatur bis 2030 auf 1,5 °C begrenzt werden kann. Für eine Begrenzung des Anstiegs auf 2 °C müssten die Emissionen um 25 % sinken. Das allgemeine Ziel besteht darin, die Welt bis 2050 CO2-neutral zu machen, woraus sich das „Netto Null“-Vorhaben ergibt.

Allerdings reichen die derzeitigen Vorhaben nur dazu aus, bis 2030 eine Verringerung der Emissionen um 0,5 % zu erreichen. Demnach besteht zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine Diskrepanz von 100 zu 1. Diese Vorhaben werden gemäß dem UNEP Emission Gap Report 2021 zu einem Temperaturanstieg um 2,8 °C führen. Die Prognosen für unterschiedliche Erwärmungsniveaus in verschiedenen Szenarien sind in der untenstehende Grafik aufgeführt.

Grafik 5: Globale Szenarien zu Treibhausgasemissionen und Erwärmung

Emissionen in Gigatonnen und deren Beitrag zur Verstärkung der globalen Erwärmung. Quelle: Our World in Data.

  • Jeder Pfad ist mit einer Unsicherheit verbunden, welche durch die Schattierung von niedrigen zu hohen Emissionen in jedem Szenario veranschaulicht ist.
  • Erwärmung bezeichnet den erwarteten globalen Temperaturanstieg bis 2100 gegenüber vorindustriellen Niveaus.

Datenquelle: Climate Action Tracker (basierend auf nationalen Vorgaben und Zusagen, Stand: Mai 2021). OurWorldinData.org - Research and data to make progress against the world’s largest problems. Lizenziert unter CC-BY von den Autoren Hannah Ritchie & Max Roser.

Die auf dem Klimagipfel COP26 getroffenen konkreteren Zusagen bis 2030 würden die Erwärmung auf 2,4 - 2,7 °C reduzieren und die Vorhaben bis 2050 (wenngleich noch vage gehalten) würden zu einem Anstieg um 1,8 - 2,1 °C führen. Das wäre zwar akzeptabler, läge aber immer noch jenseits der Ziele des Pariser Klimaabkommens.

Messung von Emissionen

Das Greenhouse Gas Protocol wurde geschaffen, um Unternehmen und neuerdings auch Investoren einen globalen Standard bereitzustellen, anhand dessen Emissionen und Aktivitäten zu deren Verringerung gemessen werden können. Dieser wird mittlerweile weltweit zusammen mit Daten von Initiativen wie der Taskforce on Climate-Related Financial Disclosures und dem Carbon Disclosure Project genutzt.

Scope 1-Emissionen

Emissionen werden auf drei Ebenen gemessen. Scope 1-Emissionen sind diejenigen, die direkt von einem Unternehmen verursacht werden, beispielsweise in Form von Emissionen über Fabrikschornsteine oder in Form der Abgase von Flugzeugen. Scope 2-Emissionen entstehen durch die Erzeugung von Elektrizität oder Wärme, die ein Unternehmen für seine Produkte benötigt. Scope 3-Emissionen sind diejenigen der gesamten Wertschöpfungskette, einschließlich derjenigen des Käufers des Produkts über dessen Lebenszyklus hinweg.

Scope 2-Emissionen

Ein Autohersteller würde relativ niedrige Emissionen der Kategorien Scope 1 und 2 haben. Doch der Nutzer eines Fahrzeugs würde über viele Jahre hinweg Benzin verbrauchen, um das Auto zu betreiben, was während seiner gesamten Lebensdauer hohe Scope 3-Emissionen verursacht.

Scope 3-Emissionen

Während die Daten für Emissionen der Kategorien Scope 1 und 2 relativ leicht zu erhalten sind, kann die Messung von Scope 3-Emissionen sehr schwierig sein. Beim Autokäufer beispielsweise kann man nicht wissen, wie viele Kilometer er fährt oder wie viele Jahre er das Auto nutzt.

Zusagen auf Länderebene

Der Fortschritt eines Landes bei der Reduzierung dieser Emissionen und auf dem Weg hin zur CO2-Neutralität kann nachvollzogen werden, da das Pariser Klimaabkommen von allen Unterzeichnern die Quantifizierung ihrer Dekarbonisierungsanstrengungen mittels Nationally Determined Contributions (NDCs) verlangt. Rund 192 Länder haben solche NDCs festgesetzt und sich zur Dekarbonisierung verpflichtet.7

Über Netto-Null-Ziele verfügen mittlerweile Länder, auf die 61 % sämtlicher globaler CO2-Emissionen, 68 % der globalen Wirtschaftsleistung und 58 % der Weltbevölkerung entfallen (Quelle: Energy & Climate Intelligence Unit).8 Dabei handelt es sich meist um Zusagen, bis 2050 CO2-neutral zu werden, um das Hauptziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

European Green Deal

Einige Länder haben ehrgeizigere Pläne – Österreich und Uruguay wollen das Ziel bis 2040 erreichen. China, das Land mit dem weltweit größten CO2-Fußabdruck, hat sich ein langfristigeres Ziel für 2060 gesetzt. Auf das Land entfallen derzeit annähernd 30 % der globalen CO2-Emissionen, auf die USA entfallen 15 % und auf die EU 9 %. Im Rahmen des „European Green Deal“ hat die EU zugesagt, bis 2030 die Treibhausgasemissionen gegenüber den Niveaus der 1990er Jahre um 55 % zu verringern.

Allerdings sind die bisherigen Fortschritte nicht ermutigend. Nach Angaben der United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCC) werden die derzeitigen Klimaleitlinien der Regierungen zusammengenommen die globalen Treibhausgasemissionen bis 2030 um nur 0,5 % verringern.9 Positiv zu vermerken ist allerdings, dass nach Ansicht der UNFCCC die längerfristigen Ziele der Regierungen eine Verringerung der Emissionen bis 2050 um 90 % implizieren – also fast auf ein Niveau von netto null. Damit wäre die Welt tatsächlich gut im Plan, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur bis 2100 auf 2 °C zu begrenzen.

Messgrößen

Carbon clock

Eine Messgröße für den Fortschritt besteht darin, zu ermitteln, wie viel CO2 noch in die Atmosphäre abgegeben werden kann, um nach wie vor die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Gemäß der Carbon Clock des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) verbleiben für das 1,5°C-Szenario nur noch sechs Jahre und zehn Monate, während es im 2 °C-Szenario 24 Jahre und acht Monate sind.

Grafik 6: Sie können den aktuellen Fortschritt überprüfen, indem Sie auf die Grafik klicken

Eine andere Methode, die Fortschritte zu messen, besteht darin, das prognostizierte Ausmaß der globalen Erwärmung entsprechend der aktuellen Bemühungen zur Dekarbonisierung nachzuvollziehen. Dazu zählt der Climate Action Tracker (CAT), ein Projekt aus Deutschland, das Daten zu Dekarbonisierungsinitiativen von Regierungen sammelt und diese in Relation zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens stellt.10

Grafik 7: Global Climate Action Tracker

Sie können den Fortschritt Ihres Landes verfolgen, indem Sie auf diese Grafik klicken.

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Grafik 8: Barometer

Das CAT folgt den Nationally Determined Contributions von 36 Ländern und der EU, auf die zusammen rund 80 % der globalen Treibhausgasemissionen und rund 70 % der Weltbevölkerung entfallen. Wie im Fall der „Carbon Clocks“ sind die Ergebnisse ernüchternd – basierend auf den derzeitigen Zusagen wird einer Erwärmung um 2,6 °C bis 2100 prognostiziert.

Zusagen von Asset-Managern

Asset-Manager machen ihre eigenen Zusagen zur Dekarbonisierung ihrer Portfolios und zum Erreichen von CO2-Neutralität der von ihnen verwalteten Assets bis 2050. Im Jahr 2020 startete die International Investor Group on Climate Change (IIGCC) zusammen mit sechs regionalen Investorennetzwerken die Net Zero Asset Managers-Initiative. Diese umfasst derzeit 128 Unterzeichner (einschließlich Robeco) mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt 43 Billionen US-Dollar.11

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„Im Hinblick auf den Klimawandel ist klar, dass es zu keiner Veränderung kommt, wenn jeder nur auf seinen Nachbarn schaut. Es trägt also jeder Verantwortung. Die Staaten müssen handeln. Die Unternehmer müssen handeln. Und auch Investoren müssen handeln. Ich glaube, dass insbesondere Investoren eine spezielle Verantwortung haben, da sie entscheiden können, wo sie ihr Geld investieren. Und das ist ein sehr leistungsfähiges Instrument.” – Carola van Lamoen, Head of Sustainable Investing, Robeco

Rückzug

Im Rahmen der Initiative haben die Asset-Manager vereinbart, Zwischenziele zur Erreichung des Netto-Null-Ziels festzulegen. Die Art und Weise der Dekarbonisierung ist allerdings noch strittig. Der Rückzug aus Unternehmen mit höherem CO2-Ausstoß beispielsweise löst das zugrundeliegende Problem nicht, wenn dessen Aktien oder Anleihen von jemandem anderen gekauft werden. Viele nutzen stattdessen den Dialog, um emissionsstärkere Unternehmen davon zu überzeugen, ihre Geschäftsmodelle so zu verändern, dass sie weiterhin langfristig in diese investieren können.

Climate Action 100+

Die Identifikation dieser Unternehmen ist recht einfach, da die 167 Firmen, die Gegenstand des Engagement-Programms des Investoren- Zusammenschlusses Climate Action 100+ sind, insgesamt für mehr als 80 % der globalen Industrieemissionen verantwortlich sind. 12 Dabei handelt es sich um die „üblichen Verdächtigen“, vor allem die Öl- und Gasriesen, Versorgungs- und Transportunternehmen, aber auch um Firmen aus den Bereichen Landwirtschaft, Zellstoff und Papier sowie Metallverhüttung.

Die Rolle der Regulierung

EU Sustainable Finance Action Plan

Gesetzgebung und Regulierung treiben ebenfalls die Dekarbonisierung voran, sowohl auf Länderebene als auch auf Investorenebene. Der EU Sustainable Finance Action Plan strebt die Förderung nachhaltiger Investments an, wozu auch ein vermehrter Einsatz erneuerbarer Energien und Technologien zur CO2-Speicherung in den 27 Mitgliedstaaten der EU zählt.

Emissionshandelssystem

Ein weltweit führendes Emissionshandelssystem unterstützt die Pläne der EU zur Emissionsreduzierung, da es einen CO2-Preis festlegt, der auf die Teilnehmer wie eine Steuer wirkt. Derzeit wird ein Carbon Border Adjustment-Abkommen entwickelt, dass einheitliche Voraussetzungen schaffen und europäische Industrien vor preiswerteren, CO2-intensiv hergestellten Produkten aus Ländern außerhalb der EU schützen soll.

EU-Taxonomie

Eine EU-Taxonomie soll erstmals definieren, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als „grün“ gelten. Außerdem plant die EU die Nachhaltigkeit von Anlagestrategien mittels der Sustainable Finance Disclosure Regulation zu stärken. Diese sieht vor, dass Investoren offenlegen müssen, ob Ihre Investments Nachhaltigkeitsprinzipien einschließlich Umweltaspekten einbeziehen.

Fazit

Die Dekarbonisierung gilt als wichtigster Schritt zur Reduzierung von Emissionen und zur Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens. Dazu werden vorwiegend Netto-Null-Zusagen von Regierungen, Unternehmern und Investoren abgegeben, die regulierungsseitig unterstützt werden. Der Erfolg kann überwacht werden. Bislang deutet er darauf hin, dass die Welt das Ziel verfehlt und mehr tun muss.

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3. Weshalb der Klimawandel für Investoren relevant ist

Der Klimawandel ist ein Aspekt von „doppelter Relevanz“ für Investoren, da er sowohl Übergangsrisiken als auch Chancen beinhaltet, die Pfade für einen Wandel erfordern.

In diesem Kapitel lernen Sie:

  • Wie die doppelte Relevanz sowohl die Top-Down- als auch die Bottom-Up-Perspektive erfordert
  • Vor welchen Übergangsrisiken (und Chancen) die Unternehmen stehen
  • Weshalb eine Paris-konforme Ausrichtung von Anlagen zur Erreichung der Ziele beitragen kann

Wesentlich auf zwei Ebenen

Doppelter Relevanz

Der Klimawandel ist ein Thema von doppelter Relevanz für Investoren, da eine Wechselbeziehung vorliegt: Die globale Erwärmung wirkt sich direkt auf die wahrscheinlichen Erträge von Anlagen aus, während die Investments selbst über Emissionen oder Abfälle direkte Auswirkungen auf das Klima haben.

Umwelt, Gesellschaft und Governance (ESG)

Damit sind sowohl Risiken als auch Chancen verbunden. Deshalb müssen Investoren verstehen, wie sich diese auf lange Sicht für sie auswirken. Dazu ist es notwendig, die Faktoren Umwelt, Gesellschaft und Governance (ESG) in den Investmentprozess einzubeziehen, mit Hauptfokus auf Umweltaspekten.

Physische Risiken

Die Risiken treten in zwei Formen auf: als physische Risiken und als Übergangsrisiken. Physische Risiken ergeben sich vor allem aus den zunehmenden Bedrohungen, die durch häufigeres Extremwetter wie zum Beispiel Stürme und Überflutungen resultieren, welche Produktionsanlagen oder Gebäude beschädigen oder Ackerland unbenutzbar machen. Versicherer haben bereits davor gewarnt, dass viele Geschäftsmodelle nicht mehr versichert werden können – beispielsweise solche in Überflutungsgebieten oder Küstenregionen – wenn der Klimawandel ungebremst weitergeht.

Extremwetter

Grafik 9: Klimabezogene Risiken, Chancen und finanzielle Auswirkungen

Quelle: TCFD-Systematik von 2017

Übergangsrisiken

Übergangsrisiken betreffen am meisten diejenigen CO2-intensiven Unternehmen, deren Geschäftsmodelle obsolet werden, wenn sie sich nicht an CO2-ärmere Prozesse oder Produkte anpassen können. Viel hängt dabei von ihren Emissionen und ihrer Fähigkeit ab, diese zu reduzieren. Die Taskforce on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) hat eine Systematik entwickelt, die Unternehmen und anderen Organisationen dabei helfen soll, klimabezogene Risiken und Chancen im Rahmen ihrer bestehenden Reportingprozesse effektiver offenzulegen.13 Die Entwicklung einer Netto-Null-CO2-Strategie wird als entscheidend dafür angesehen.

Top-Down und Bottom-Up

Demzufolge ist es wichtig, Investments sowohl aus einer Top-Down- als auch einer Bottom-Up-Perspektive zu betrachten. Dann lässt sich eine Strategie mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens hinsichtlich langfristiger Nachhaltigkeit in Einklang bringen.

Portfolios

In der Top-Down-Betrachtung liegt der Fokus auf der Dekarbonisierung des Portfolios und der Notwendigkeit, den gesamten CO2-Fußabdruck einer Strategie im Vergleich zu einem Pfad zur Reduzierung von Emissionen zu beobachten, mit dem das 1,5 °C-Ziel des Pariser Klimaabkommens erreicht werden kann. Der Bottom-Up-Ansatz bedeutet, dass Unternehmen (im Hinblick auf Aktien) und Länder (im Hinblick auf Staatsanleihen) analysiert werden, um ihre Bereitschaft zum Übergang zu beurteilen.

Grafik 10: Top-Down-Ziele legen den Fokus auf die Portfolio-Dekarbonisierung

Während der Fokus hier auf der Identifikation von Risiken liegt, bringt die doppelte Relevanz auch enorme Chancen mit sich. Der Top-Down-Ansatz kann diejenigen Branchen identifizieren, die bereits CO2-arme Lösungen anbieten, zum Beispiel im Bereich erneuerbare Energien. Im Bottom-Up-Verfahren lassen sich die individuellen Gewinner in ihrem Sektor ermitteln, um Alpha für die Portfolios zu erzielen. Ausführlicher dargestellt werden diese Chancen in Kapitel 5.

Paris-Konformität

Anlagen in Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens zu bringen, wurde in den letzten Jahren von einer Reihe von Initiativen unterstützt. Die erste war die Gründung der Paris Aligned Investment Initiative durch die Institutional Investors Group on Climate Change (IIGCC) im Jahr 2019.

Kurz danach folgte die Net Zero Asset Managers-Initiative, die im Jahr darauf Zusagen seitens Asset-Ownern und Asset-Managern hinsichtlich CO2-Neutralität bis 2050 oder früher nach sich gezogen hat. Leitlinien, wie man Portfolios im Einklang mit dem 1,5 °C-Ziel dekarbonisiert, wurden vom Net Zero Investment Framework formuliert, das im März 2021 geschaffen wurde und mittlerweile weltweit verwendet wird.

Verwendung neuer Benchmarks

Doch wie misst man den Grad der Dekarbonisierung? Die meisten Portfolios werden an einer Benchmark wie dem MSCI World Index gemessen, um zu ermitteln, ob sie die Rendite einer Peergroup schlagen können. Bis 2020 gab es keine Benchmark, anhand derer der Fortschritt bei der Dekarbonisierung von Unternehmen oder Ländern gemessen werden konnte.

Paris-Aligned Benchmarks

Die EU reagierte darauf mit der Schaffung von Paris-Aligned Benchmarks. Die darin enthaltenen Unternehmen müssen strikte Kriterien erfüllen. Dazu gehört vor allem ein CO2-Fußabdruck, der bereits um 50 % niedriger als im breiten Anlageuniversum ist. Anschließend muss der Fußabdruck um 7 % pro Jahr verringert werden.

Die Sektorstruktur stimmt mit derjenigen des Anlageuniversums überein, allerdings sind Unternehmen aus dem Bereich fossiler Brennstoffe bei Überschreiten bestimmter Schwellen ausgeschlossen. Infolgedessen sind praktisch die gesamten Bereiche Öl und Gas sowie Versorger ausgeschlossen.

Pfade hin zum Wandel

Um echte Konformität mit dem Pariser Klimaabkommen zu erreichen, genügt es nicht, lediglich Unternehmen mit hohen CO2-Emissionen aus einem Index oder Portfolio zu entfernen. Der entscheidende Parameter ist vielmehr, ob sie sich auf einem Pfad zur Verringerung der CO2-Intensität ihres Geschäftsmodells befinden, beispielsweise durch Wechsel zu erneuerbaren Energien oder durch Dämmung ihrer Immobilien, um Wärmeverluste zu reduzieren. Dabei liegt der Fokus eher auf dem Pfad als auf dem Niveau der aktuellen CO2-Emissionen.

Mehrere Investorengruppen wurden gebildet, um bei der Evaluierung des Fortschritts von Unternehmen hinsichtlich dieses Übergangs Unterstützung zu leisten. Die Transition Pathway Initiative (TPI) ist ein globales, von Asset-Ownern angeführtes Programm, das analysiert, inwieweit Unternehmen auf den Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft vorbereitet sind. Es hilft Investoren dabei zu verstehen, wie ehrgeizig die Ziele von Unternehmen zur Verringerung ihrer Emissionen sind.

Nahezu 1400 Unternehmen werden von der Science-Based Targets Initiative (SBTi) beraten. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss mehrerer nicht-gewinnorientierter Organisationen, dem World Wildlife Fund (WWF), dem World Resources Institute (WRI), dem Carbon Disclosure Project (CDP) und dem UN Global Compact. Diese Initiative liefert technische Unterstützung und Expertenwissen in Bezug auf Unternehmen, um im Einklang mit einem CO2-armen Szenario bestimmte Ziele zur Emissionsverringerung festzulegen und zu zertifizieren.

Fazit

Der Klimawandel wird für nachhaltig orientierte Investoren immer wichtiger und birgt eine doppelte Relevanz insoweit, als beide sich wechselseitig beeinflussen. Die Unternehmen sind mittlerweile mit Übergangsrisiken konfrontiert, da viele davon Geschäftsmodelle besitzen, die von fossilen Brennstoffen abhängig sind und obsolet werden könnten. Neue Benchmarks liefern bessere Wege zur Messung des Fortschritts, während diverse Initiativen Pfade hin zu positivem Wandel aufzeigen.

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4. Hindernisse bei der Dekarbonisierung

Die Dekarbonisierung einer Welt, die noch in starkem Umfang von fossilen Brennstoffen abhängig ist, ist nicht leicht. Gleichzeitig bestehen Probleme in Form von zu niedriger CO2-Preise und der Abholzung von Wäldern. 

In diesem Kapitel lernen Sie:

  • Worin die Schwierigkeiten bei der Ersetzung von Kohle, Öl und Gas mit erneuerbaren Energien bestehen
  • Weshalb die Preise für CO2 zu niedrig und noch nicht verbreitet genug sind, um etwas zu bewirken
  • Was der Ersatz der Infrastruktur kostet und worin das Datendilemma bei der Messung von Emissionen besteht

Die Dekarbonisierung ist notwendig, wenn die Welt ihre Treibhausgasemissionen verringern und die globale Erwärmung bekämpfen will. Das Hauptproblem besteht darin, wie das gelingen soll, wenn die Welt noch so stark von fossilen Brennstoffen abhängig ist. Die Antwort liegt zwar im Übergang zu erneuerbaren Energiequellen, doch ist dies nicht so einfach, wenn es nach wie vor mehr als eine Milliarde benzingetriebene Autos gibt und so viele Volkswirtschaften von Öl oder Gas abhängig sind.

Ein Problem stellt nicht nur die Energieversorgung dar. Erhebliche Schwierigkeiten bereiten auch der ständig steigende Strombedarf infolge des Anstiegs der Weltbevölkerung und logistische Grenzen bei der Elektrifizierung von derzeit nicht elektrifizierbaren Aktivitäten. Flugzeuge beispielsweise können nicht in derselben Weise wie Autos von Batterien angetrieben werden, da diese derzeit nicht ausreichend leistungsfähig sind, um die für den Start benötigte Energie bereitzustellen.

CO2- Abscheidung

Ein weiteres strukturelles Hindernis stellen Gebäude dar. Energieineffiziente Gebäude können nicht einfach abgeschrieben werden, ihr Abriss schafft eigenständige Abfallprobleme und die Technologie zur CO2- Abscheidung ist bislang zu teuer, um nachträglich auf große bestehende industrielle Infrastrukturen angewendet zu werden.

Wenn der Wind weht

Erneuerbaren Energien

Dennoch lassen sich die meisten fossilen Brennstoffe ersetzen. Dabei liegen große Hoffnungen auf emissionsfreien erneuerbaren Energien. Doch damit sind zwei grundsätzliche Probleme verbunden – die Abhängigkeit von natürlichen Einflüssen, die sie ermöglichen, und die global ungenügende Verfügbarkeit. Einfach gesagt funktionieren Windkraftwerke nicht, wenn der Wind nicht weht, und Solarkraftwerke funktionieren nicht bei Nacht.

Grafik 11: Globale Stromerzeugung

Quelle: IEA 2019

Außerdem besteht die Frage, wie man mit weit größeren vorhandenen Ressourcen in Wettbewerb tritt. Erneuerbare Energien haben sich in den letzten 30 Jahren erheblich weiterentwickelt. Ihr Anteil an der globalen Stromerzeugung ist von weniger als 10 % auf 29 % im Jahr 2020 gestiegen. Doch 38 % des weltweit erzeugten Stroms stammt nach wie vor aus Kohle, 23 % aus Gas und 3 % aus Öl.14

Kohle andererseits ist reichlich vorhanden und lässt sich in Kraftwerken Tag und Nacht verbrennen. Die weltweiten Kohlereserven im Jahr 2018 betrugen mehr als 1 Billion Tonnen. Das ist genug für weitere 132 Jahre bei den derzeitigen Förderraten. In den USA reichen die Kohlereserven sogar noch für 342 Jahre.15

Die bekannten Ölreserven belaufen sich auf mehr als 1,6 Billionen Barrel. Das entspricht einer Reichweite von 45 Jahren beim derzeitigen Verbrauch. Die Reserven Venezuelas reichen sogar noch für 364 Jahre.16 Bei Erdgas betragen die Reserven 700 Billionen Kubikmeter, was einem für weitere 52 Jahre ausreichenden Angebot entspricht.

Die Kosten – kein „Business as usual“

Infrastruktur

Die hohen Kosten des Erreichens der Ziele des Pariser Klimaabkommens sind ein weiteres Hindernis. Schätzungen der OECD deuten darauf hin, dass zur Erreichung des 2 °C-Ziels von nun an bis 2030 jedes Jahr Investitionen in die Infrastruktur in einer Höhe erforderlich sind, die einem Viertel der Wirtschaftsleistung der USA entspricht.17

Es ist zu bezweifeln, dass die Länder, die vom BIP-Einbruch während der Coronavirus-Pandemie und den Lockdowns hart getroffen wurden, sich das leisten können. Wichtig ist allerdings, sich bewusst zu machen, dass Kosten normalerweise auf der Prämisse des „Business as usual“ basiert werden. Die Fakten deuten aber darauf hin, dass ein Scheitern im Umgang mit dem Klimawandel bedeuten würde, dass es kein „Business as usual“ mehr gibt.

Deshalb können wir es uns nicht leisten, das Geld nicht zu investieren, da die Konsequenzen wahrscheinlich schlimmer sind. Analysen des US National Resources Defense Council sprechen dafür, dass ein Verfehlen der Ziele des Pariser Klimaabkommens die US-Volkswirtschaft in den nächsten Jahrzehnten bis zu sechs Billionen US-Dollar kosten könnte. Ein weltweites Scheitern könnte die globale Wirtschaftsleistung bis Ende des Jahrhunderts um mehr als 25 % reduzieren.18

CO₂-Bepreisung

Die Bepreisung von Kohlendioxid wird oft als Lösung für die Eindämmung von Emissionen betrachtet, da sie eine direkte Kostenbelastung für Emittenten größerer CO2-Mengen darstellt. Hier besteht das Problem, dass die CO2-Bepreisung weit davon entfernt ist, global in dem Umfang angewendet zu werden, der erforderlich ist, etwas zu bewirken. Zudem sind die derzeitigen CO2-Preise viel zu niedrig.

Die Bepreisung von CO2-Emission gilt unter Ökonomen seit vielen Jahrzehnten als die entscheidende Lösung. Die Umsetzung hat sich jedoch als echte Herausforderung erwiesen. Weltweit gibt es rund 60 Systeme zur CO2-Bepreisung. Sie decken zusammen aber nur 20 % der globalen Emissionen ab und der durchschnittliche Preis beträgt lediglich zwei US-Dollar pro Tonne. Dagegen ist nach einhelliger Auffassung von Wissenschaftlern derzeit ein CO2-Preis von 40-80 US-Dollar pro Tonne erforderlich, der bis 2030 auf 100 US-Dollar steigen sollte. Vor uns liegt also noch ein weiter Weg. Dort wo wir eine ernsthafte CO2-Bepreisung sehen wie beispielsweise in Europa, wo dieses Jahr die Preise bei vier Euro pro Tonne liegen, erkennen wir eindeutige Vorteile.” – Lucian Peppelenbos, Climate Strategist, Robeco

Aktuell decken die Systeme zur CO2-Bepreisung nur 22 % der globalen Emissionen ab. Im Durchschnitt beträgt der Preis dabei rund zwei US-Dollar pro Tonne CO2-Äquivalente (tCO2e).19 Untersuchungen sprechen dafür, dass zur Erreichung der Ziele des Abkommens von Paris die CO2-Preise aktuell 40-80 US-Dollar betragen müssten und bis 2030 auf 100-150 US-Dollar steigen sollten.20 Ein solches Niveau würde allerdings den meisten Unternehmen in CO2-intensiven Branchen wie Stahlerzeugung und Zementproduktion die Geschäftsgrundlage nehmen.

Unterdessen gab es Ende 2020 lediglich 61 existierende oder geplante Programme zur CO2-Bepreisung. Dazu gehörten 31 Systeme zum Emissionshandel einschließlich eines großen in der EU sowie 30 CO2-Steuern.21 Der aktuelle CO2-Preis im EU-Emissionshandel beträgt rund 33 € pro Tonne CO2-Äquivalente.

Grafik 12: CO₂-Bepreisung – aktueller Stand und Trends

Quelle: Worldbank, 2019

Gegenüberstellung der CO2-Steuern eines Landes oder einer Region und ihres Anteils an den globalen Treibhausgasemissionen. Schweden hat die höchsten Steuern, während das Land nur ein mittelgroßer Emittent ist. In Kalifornien sind sie am niedrigsten, während der Bundesstaat zu den größten Emittenten weltweit zählt. Quelle: „State and Trends of Carbon Pricing 2020“, World Bank Group.

Das Datendilemma

Daten

Diese Art von Problemen, mit denen man in der Realwirtschaft konfrontiert ist, schaffen ein weitere. So ist es schwierig, ausreichend verlässliche Daten zu bekommen, anhand derer Regierungen und Investoren die richtigen Entscheidungen treffen können, um die Dekarbonisierung voranzubringen. Es gibt drei grundlegende Probleme.

1) Definitionsgemäß sind alle gesammelten Daten vergangenheitsbezogen und weisen im Schnitt einen Zeitverzug von zwei Jahren auf. Versucht man, CO2-Fußabdrücke im Jahr 2021 zu interpretieren, heißt das, dass man Daten aus dem Jahr 2019 verwendet. Das verrät einem nichts über die Bereitschaft zur Veränderung eines Unternehmens oder Landes.

2) Das Problem ist nicht, dass es nicht genug Daten gibt, sondern dass diese geschätzt und nicht gemessen werden. Zudem stammen sie häufig aus unterschiedlichen bzw. überlappenden Quellen, die mitunter nicht intuitiv sind. Doppelzählungen – bei denen dieselbe Emissionsverringerung zweimal dokumentiert wird, sind ebenfalls ein verbreitetes Problem.

3) Welche Kennzahlen sind zu verwenden, wenn statt des dominierenden quantitativen Ansatzes ein eher qualitativer erforderlich ist? Das Net Zero Investment Framework gibt Investoren Empfehlungen für Kennzahlen, Methodiken und Ansätze, um das Ausmaß der Ausrichtung eines Unternehmens auf das Netto-Null-Ziel zu ermitteln.22 Ein eher in die Zukunft gerichteter Ansatz erfasst die Markterwartungen hinsichtlich des Exponierung und der Sensitivität eines Unternehmens gegenüber CO2-bezogenen Risiken – bekannt als CO2-„Beta“.23

Der politische Wille

Abholzung

Nicht zuletzt ist der politische Wille entscheidend beim Kampf gegen den Klimawandel. Einer der Schöpfer des Pariser Klimaabkommens, Christiana Figueres, bezeichnete dies als „verteilte Führungsverantwortung“. Demnach sollte jeder von der Staatsführung bis zum einzelnen Bürger auf das gemeinsame Ziel hinarbeiten. Das erfordert eine starke Führungsrolle der Regierungen, an der es beispielsweise beim Thema Abholzung gemangelt hat.

Nach wie vor gehen jedes Jahr rund 300.000 Quadratkilometer an Waldfläche verloren. Das entspricht einem Gebiet von der Größe Deutschlands oder Vietnams. Ein Viertel des Amazonas-Regenwalds ist bereits zerstört worden.24 Da Bäume als Senke für CO2 aus der Atmosphäre dienen und es durch Sauerstoff ersetzen, trägt der Verlust so großer Flächen jedes Jahr zu 17 % zur globalen Erwärmung bei (Quelle: World Economic Forum).25

Fazit

Die Lösungen, die erneuerbare Energien bieten, sind im Wettbewerb mit den reichlich vorhandenen fossilen Brennstoffen mit Nachteilen verbunden. Zudem sind die hohen Kosten des Übergangs für viele abschreckend. CO2-Steuern stellen einen Weg zur Drosselung der Emissionen dar, sind aber derzeit noch zu niedrig. Daneben hält das Datendilemma einige Investoren davon ab, aktiv zu werden. Es mangelt auch am politischen Willen, beispielsweise im Hinblick auf die Abholzung.

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5. Welche Chancen gibt es?

Das größte Risiko für Investoren im Zusammenhang mit dem Klimawandel liegt darin, nicht die Chancen zu sehen. Gleichzeitig werden viele aus dem Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft als Gewinner hervorgehen.

In diesem Kapitel lernen Sie:

  • Weshalb erneuerbare Energien ideal für die Dekarbonisierung sind
  • Dass die zunehmende Verbreitung von Elektroautos Teil eines breiteren Elektrifizierungstrends ist
  • Das „grüner“ Wasserstoff eine Lösung darstellt, während die CO2-Abscheidung teuer ist

Der Klimawandel stellt für Investoren ein erhebliches Risiko dar. Er repräsentiert allerdings auch einen Markt im Volumen von vielen Billionen Dollar, was entsprechende Lösungen angeht. Indem Investoren die damit verbundenen Chancen nutzen, können sie Teil der Lösung werden, da sie dadurch tatsächlich den Klimawandel abmildern. Nutzen sie die Chancen nicht, werden Investoren Teil des Problems, da sie die globale Erwärmung fördern und diese weiterhin finanzieren.

Die größten Chancen sind in vier Hauptbereichen diesseits und jenseits des Zieldatums 2030 zu sehen, was die Erhöhung der Investitionen angeht, um die Netto-Null-Ziele bis 2050 zu erreichen.

Elektrifizierung

  • Vor 2030 bestehen sie in existierende Technologien: Investitionen in Energieeffizienz, erneuerbare Energien und die Elektrifizierung kleinerer Produkte wie Autos und Haushaltsgeräte.

Grünem Wasserstoff

  • Nach 2030 verlagert sich der Fokus auf neue Technologien: beispielsweise die CO2-neutrale Gestaltung des Schwerverkehr durch Einsatz von grünem Wasserstoff sowie die CO2-Abscheidung.

Der Übergang von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien ist vielleicht die offensichtlichste und sichtbarste Chance. Der stärkste Wachstumsschub in diesem Bereich hat weg von Biomasse und Wasserkraft geführt – die seit Jahrhunderten genutzt werden –hin zu Wind- und Solarkraftwerken.

Da für die Energiewende ein Fokus auf die Infrastruktur erforderlich ist, wird in der „Net Zero by 2050 Roadmap“ der Internationalen Energieagentur geschätzt, dass zur Erreichung von netto null Emissionen bis 2050 zwecks Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C die globalen Gesamtinvestitionen in umweltfreundliche Energien sich bis 2030 auf rund 4 Billionen US-Dollar pro Jahr mehr als verdreifachen müssen.26

Grafik 13: Investitionen in umweltfreundliche Energien auf dem Pfad hin zu netto null Emissionen

Quelle: IEA

Wind- und Solarstrom

Windkraft ist die bedeutendste neue Energiequelle, auf die im Jahr 2018 rund 5 % der gesamten globalen Stromerzeugung entfielen, nachdem es in den 1990er Jahren noch praktisch null waren. Ein Großteil der Windkraftanlagen befindet sich in küstennahen Gewässern. Einige der weltweit größten Windfarmen befinden sich heute in der Nordsee.

Abgesehen von Stromerzeugungspotential bieten sich auch Investitionsmöglichkeiten in die Unternehmen, welche Windkraftanlagen herstellen, von denen einige die Höhe von Wolkenkratzern erreichen. Tatsächlich liegen viele Anlagechancen statt in den Windfarmen selbst in Strategien, welche auf Unternehmen ausgerichtet sind, die die entsprechende Technologie entwickeln und dafür benötigte Materialien produzieren.

Solarenergie hat ebenfalls einen Aufstieg erlebt. Auf sie entfiel im Jahr 2018 rund 2 % der weltweiten Stromproduktion, hauptsächlich aufgrund von Anlagen, die im letzten Jahrzehnt installiert wurden. Wie im Fall der Windkraft liegt ein Großteil der Anlagechancen im Bereich der Ausrüstungshersteller, vor allem solchen, die Fotovoltaikelemente produzieren, mit denen Sonnenlicht in Strom umgewandelt wird.

Grafik 14: Globale Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien

Quelle: PB Statistical Review of Global Energy (2020) / OurWorldinDat.org/renewable-energy * CC BY

Hinweis: „Sonstige erneuerbare Energien“ bezieht sich auf Energiequellen wie Geothermie, Biomasse, Müllverbrennung, Wellen- und Gezeitenkraftwerke. Traditionelle Biomasse ist darin nicht berücksichtigt.

Enormes Potential der Elektrifizierung

Die Elektrifizierung stellt eine andere Methode der Dekarbonisierung dar. Dabei ist die Abkehr von Verbrennungsmotoren in den meisten Transportmitteln ein offensichtlicher Gewinn. Schätzungen zufolge wird der Anteil von Elektroautos bei den Neuwagenverkäufen weltweit von 2,7 % im Jahr 2020 auf 10 % im Jahr 2025 zunehmen und bis 2040 auf 58 % (womit dann Elektroautos überwiegen) steigen. Da die meisten großen Autohersteller zugesagt haben, ihre Flotten bis 2035 zu elektrifizieren, werden die Tage benzingetriebener Fahrzeuge gegen Mitte dieses Jahrhunderts gezählt sein.27

Es geht aber nicht nur um den Transport. Eine schwierigere Aufgabe stellt die Elektrifizierung von Gebäuden und der darin enthaltenen Geräte dar. Viele Bürogebäude nutzen nach wie vor Öl oder Gas, um ihre Heizungen oder Klimaanlagen zu betreiben. Millionen von Eigenheimen verfügen über Gasherde, Boiler und Zentralheizungen. Mit Niedrigspannung betriebene elektrische Induktionskochfelder gelten derzeit als die energieeffizienteste Lösung für Eigenheime.

All das wird die Nachfrage nach Strom drastisch erhöhen. Deshalb sind enorme Investitionen zum Ausbau der Leistungsfähigkeit der nationalen Stromnetze erforderlich. Dadurch wird die Nachfrage nach leitenden Metallen wie Kupfer, Aluminium und Stahl zunehmen, was weitere Chancen an den Rohstoffmärkten eröffnet. Allerdings hat dies auch eine Kehrseite in Form von Umweltschäden, die damit verbunden sein können.

Farbnuancen von Wasserstoff

Größere Entwicklungen vollziehen sich im Bereich Wasserstoff, der als effektive alternative Antriebsquelle für den kommerziellen Transport angesehen wird. Durch ihn könnten der Langstrecken-Güterverkehr einschließlich schwerer Lastwagen und Eisenbahnzüge dekarbonisiert werden, die dieselgetrieben sind, außerdem Containerschiffe, die sehr umweltschädliches Schweröl verbrennen, und sogar einige Flugzeugtypen.

Mit Wasserstoff könnte auch die Dekarbonisierung kaum vermeidbarer industrieller Prozesse wie der Düngemittel- und Stahlproduktion erfolgen. Es gibt drei Farbnuancen von Wasserstoff: grün, blau und grau je nach Herstellungsmethode.

Grafik 15: Farbnuancen von Wasserstoff

Quelle: Resources for the Future Report, Dezember 2020

Wasserstoff (H2) kann aus Wasser (H20) mittels Elektrolyse gewonnen werden, um CO2-frei „grünen“ Wasserstoff zu erzeugen. In der Industrie dominiert derzeit mit Abstand „grauer“ Wasserstoff, der aus natürlichen Gasen wie Methan (CH4) gewonnen wird.

Bei der emissionsfreien Produktion von „grünem“ Wasserstoff wird mittels Elektrolyse Wasser in seine zwei Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Der freigesetzte Wasserstoff kann anschließend in Brennstoffzellen verwendet werden. Erfolgt die Elektrolyse mittels Strom aus erneuerbaren Energien, ist das resultierende Produkt vollkommen CO2-frei hergestellt worden.

Der entsprechende Markt hat ein enormes Wachstumspotential, da derzeit nur 4% des produzierten Wasserstoffs „grün“ ist. Der Großteil des Wasserstoffs wird derzeit aus Methan (CH4) gewonnen, wobei „blauer“ Wasserstoff entsteht, sofern das als Nebenprodukt anfallende CO2 abgeschieden wird. Erfolgt das nicht, spricht man von „grauem“ Wasserstoff. „Grauer“ Wasserstoff gilt in einem CO2-armen Szenario nicht als gangbare Alternative, da keine Netto-Senkung der Emissionen erfolgt.

Grafik 16: Verwendung von Wasserstoff in der Wirtschaft

Quelle: The Fuel Cell and Hydrogen Energy Association (FCHEA), Roadmap to a US Hydrogen Economy (Oktober 2020)

1. Kohlenstoffabscheidung und -nutzung (für Chemieproduktion)
2. Biokraftstoff, synthetischer Kraftstoff, Ammoniak

CO₂-Abscheidung

Abscheidung und Speicherung von CO2

Nicht zuletzt liegen viele Hoffnungen in punkto Dekarbonisierung auf der Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS). Dabei handelt es sich um einen komplexen dreistufigen Prozess, bei dem die Emissionen eines Kraftwerks oder einer Fabrik abgeschieden, per Pipeline oder Schiff abtransportiert und sicher unter der Erde gespeichert werden. Dadurch wird verhindert, dass die Emissionen überhaupt in die Atmosphäre gelangen. Allerdings ist die Technologie teuer und mit der Speicherung des abgeschiedenen CO2 sind eigene Umweltprobleme verbunden.

Die meisten industriellen Einrichtungen können zwar mit CCS-Technologie nachgerüstet werden, doch ist die Integration beim Bau neuer Anlagen günstiger. Eine Kombination aus dem Verbrennen von Biomasse und anschließendem Einsatz von CCS-Technologie kann zu sogenannten „negativen Emissionen“ führen, da dann CO2 tatsächlich aus der Atmosphäre entfernt wird. Diese Technologie wird im Zeitverlauf an Bedeutung gewinnen, um die Klimaziele erreichen zu können.

Fazit

Mit den Lösungen für den Klimawandel sind enorme Anlagechancen verknüpft, insbesondere im Hinblick auf die Infrastruktur für erneuerbare Energien und den Wechsel zu Elektroautos. „Grüner“ Wasserstoff bietet eine Lösung für größere Fahrzeuge wie Lastkraftwagen und Schiffe, während Versorgungsunternehmen die wichtigsten Akteure der Transformation werden könnten. CO2-Abscheidung wird zunehmend an Bedeutung gewinnen.

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6. Die Rolle der Asset-Manager

Treuhänderische Verantwortung zur Dekarbonisierung?

Asset-Manager können eine bedeutende Rolle bei der Unterstützung des Übergangs zu einer CO2-armen Wirtschaft spielen, und zwar durch ihre Fähigkeit zur Bereitstellung von Kapital sowie durch Einsatz von Active Ownership.

In diesem Kapitel lernen Sie:

  • Dass Kapital zugunsten von Unternehmen umgelenkt werden muss, die sich der Dekarbonisierung verschrieben haben
  • Wie ESG-Integration, Abstimmungsverhalten und Engagement einen Wandel bewirken können
  • Weshalb gemeinsame Initiativen zunehmend erfolgreich bei der Einflussnahme auf emissionsstarke Unternehmen sind

Unterstützung nachhaltiger Unternehmen

Treuhänderische Verpflichtung

Asset-Manager spielen eine Rolle dabei – einige würden sagen, sie haben eine treuhänderische Verpflichtung – das von ihnen verwaltete Kapital Unternehmen zur Verfügung zu stellen, die sich bemühen, nachhaltiger zu werden. Während überwiegend Einvernehmen dahingehend besteht, dass die Zukunft auf lange Sicht CO2-arm sein wird, sind die Kosten und Risiken des Übergangs in dieses Szenario noch nicht vollständig in den Marktpreisen berücksichtigt. Von daher ist es aus Portfolio- und Risikomanagement-Perspektive sinnvoll, beim Übergang vorne dabei zu sein.

Für uns als Asset-Manager ist eine Reaktion auf den Klimawandel Teil unserer treuhänderischen Verantwortung, da der Klimawandel sowohl ein Anlagerisiko als auch eine Anlagechance darstellt. Es handelt sich um einen entscheidenden Faktor bei der Bestimmung der Gewinner und Verlierer an den Märkten der Zukunft. Der Klimawandel ist vor allem ein Marktversagen. Die Folgen der Emissionen sind nicht im Rahmen der wirtschaftlichen Entscheidungsfindung eingepreist. Daher sind im Wesentlichen die Regierungen dafür verantwortlich, die richtigen Anreize zu setzen und CO2-Emissionen mit einem Preis zu versehen.” – Lucian Peppelenbos, Climate Strategist, Robeco

Umwelt, Soziales und Governance (ESG), active ownership

Asset-Manager haben vor allem zwei Möglichkeiten dies zu tun – durch Integration der Aspekte Umwelt, Soziales und Governance (ESG) in den Investmentprozess sowie durch Active Ownership. Damit können Sie die Kundengelder in nachhaltigere Unternehmen umlenken und Firmen meiden, die diesbezüglich im Rückstand sind. Im Hinblick auf den Aspekt Umwelt erfolgt eine Analyse des ökologischen Profils eines Unternehmens, seines CO2-Fußabdrucks, seines Wasserverbrauchs und seines Abfall-Managements.

Die ESG-Integration

Die ESG-Integration hat sich zunehmend etabliert. Die Hälfte aller Investoren in Europa machen mittlerweile Gebrauch davon.28 Analysten untersuchen die Geschäftsaktivitäten von Unternehmen primär anhand negativen und positiven Screenings. Bei diesem Filterprozess wird ihr Abschneiden in punkto ESG mithilfe von Modellen analysiert. Das Verfahren kann auch dazu genutzt werden, Unternehmen zu identifizieren, deren ESG-Profil besser ist als das ihrer Wettbewerber. Auf dieser Grundlage können dann „Best-in-Class“-Strategien entwickelt werden, die auch maßgeschneiderte Klimafonds umfassen.

Grafik 17: Anteil nachhaltiger Investments an globalen Assets

Quelle: GSI Alliance

EU-Taxonomie

Taxonomie

Bei der Umlenkung von Kapital hin zu nachhaltigeren Unternehmen kann die neue Taxonomie der EU helfen. Damit wird zum ersten Mal ein einheitliches Klassifizierungssystem für „grüne“ und „nachhaltige“ Wirtschaftsaktivitäten im Rahmen der EU-Regelungen für die Finanzierung nachhaltigen Wachstums eingeführt.

Der Taxonomie zufolge müssen ökologisch nachhaltige Aktivitäten einen wesentlichen Beitrag zu einem oder mehreren von sechs Umweltzielen leisten. Sie umfasst folgende Kategorien: Abmilderung des Klimawandels, Anpassung an den Klimawandel, nachhaltiger Einsatz und Schutz von Wasser und Meeresressourcen, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Vermeidung und Kontrolle von Umweltverschmutzung sowie der Schutz und die Wiederherstellung von Biodiversität und Ökosystemen.

Sustainable Finance Disclosure Regulation

Für Investoren bedeutet die Sustainable Finance Disclosure Regulation, dass Asset-Manager angeben müssen, wie nachhaltig ihre Fonds sind und in welche von drei Kategorien sie fallen. Dabei handelt es sich um die Kategorien Artikel 6 (keine Einbeziehung von ESG-Aspekten), Artikel 8 (Integration von ESG-Aspekten) und Artikel 9 (individuelle Nachhaltigkeitsziele).

Grafik 18: Sustainable Finance Disclosure Regulation

Im Mittelpunkt des EU Sustainable Finance Plan und der EU-Taxonomie steht die Klimathematik.

Aktive Investorenrolle

Active Ownership kann als Hilfsmittel eingesetzt werden. Aus Aktionärsperspektive kann die Stimmabgabe ein leistungsfähiges Instrument sein, um Bedenken hinsichtlich der Pläne von Unternehmen zum Übergang hin zu netto null Emissionen zu äußern und Einfluss auf Veränderungen zu nehmen.

Eine zunehmend verbreitete Taktik besteht darin, gegen die Verlängerung der Amtsdauer von Direktoren zustimmen, wenn ein Unternehmen nicht genug getan hat, um sein ESG-Profil zu verbessern. Eine andere Methode ist das Einreichen von Aktionärsanträgen zu Umweltthemen. Damit werden häufig große Öl- und Gaskonzerne gezwungen, sich mit umstrittenen Themen zu beschäftigen.

Say on Climate

Eine neue Form von Resolution ist 2021 entstanden – das sogenannte „Say on Climate“. Dabei stellen Unternehmen ihre Strategie zur Energiewende auf der Hauptversammlung vor. Die Aktionäre stimmen über die entsprechenden Pläne ab, je nach dem, ob ein Unternehmen ihres Erachtens auf einem vernünftigen Dekarbonisierungspfad ist oder diesbezüglich nachbessern muss. In den meisten Fällen sind die Vorhaben mit überwältigender Mehrheit gebilligt worden.

Einsatz für Verbesserungen

Engagement

Ein Engagement in Form eines Dialogs mit den Unternehmen im Portfolio ist eine weitere Möglichkeit, Verbesserungen im Hinblick auf ESG zu erreichen. Im Rahmen dieses Prozesses erklärt sich ein Unternehmen bereit, über einen festgelegten Zeitraum (häufig bis zu drei Jahre) Gespräche über die Bedenken der Investoren zu führen. Dies hat sich oft als effektiv erwiesen im Hinblick auf die Erzielung von Fortschritten in Bereichen wie Klimamaßnahmen, Abholzung zur Gewinnung von Palmöl und Wegwerfartikel aus Plastik oder übermäßiger Abfallproduktion.

Ein umfangreiches Engagement erfolgt in Bezug auf Programme zur Dekarbonisierung. Dabei sind in den letzten Jahren auch Finanzinstitutionen in den Fokus gerückt, beispielsweise Banken, die Unternehmen mit hohem CO2-Ausstoß refinanzieren, also nicht nur die Emittenten selbst.

Am Ende kann ein Investor damit drohen, ein Unternehmen auszuschließen, welches sein Geschäftsgebaren nicht ändern kann oder will, und es damit von externem Kapital abschneiden. Eine Mischung aus Dialog und der drohenden Möglichkeit eines Ausschlusses bei ergebnislosen Diskussionen hat sich als besonders wirkungsvoll erwiesen, die Energieriesen davon zu überzeugen auf CO2-ärmere Geschäftsmodelle umzusteigen die auf erneuerbare Energien setzen.

Zusammenschlüsse von Investoren

Da kein Investor für sich genommen viel erreichen kann, gelten Investoren-Zusammenschlüsse zunehmend als Weg nach vorn. Sie erlauben es Investoren, ihre Ressourcen zu bündeln, um wichtige Themen anzugehen, an denen sie alle interessiert sind. Auf diese Weise kann sich das betroffene Unternehmen zudem mit einer übergeordneten Gruppe auseinandersetzen anstatt Dutzende separater Dialoge zum selben Thema zu führen.

Einer der wichtigsten Zusammenschlüsse ist Climate Action 100+. Die Initiative wurde 2017 gegründet und hat zum Ziel, die größten Treibhausgasemittenten der Welt dazu zu ermutigen in Richtung Dekarbonisierung tätig zu werden. Die Wirksamkeit hat sich schnell erwiesen. So stand der Zusammenschluss hinter einer Initiative im Jahr 2018, die den Giganten Shell dazu veranlasste, die Bezahlung von Führungskräften erstmals an Ziele der CO2-Reduzierung zu knüpfen.

IIGCC

Eine weitere einflussreiche Organisation ist die Institutional Investors Group on Climate Change (IIGCC). Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss in Europa, der mehr als 325 Mitglieder aus 16 Ländern umfasst. Die Mitglieder der 2012 gegründeten Organisation sind vorwiegend Pensionsfonds und Asset-Manager. Sie verwalten zusammen mehr als 39 Billionen Euro.29

Im Jahr 2020 gründete die IIGCC die Net Zero Asset Managers-Initiative, um das im Pariser Klimaabkommen festgelegte Ziel der CO2-Neutralität bis 2050 zu verfolgen. Ihre Mitglieder (zu denen auch Robeco gehört) haben den Net Zero Carbon Pledge unterzeichnet, mit dem sie zusagen, alle ihre Anlagestrategien bis Mitte des Jahrhunderts CO2-neutral zu machen. Dies soll durch Entscheidungen zur Kapitalallokation, Interessenvertretung und erfolgreichem Dialog mit Unternehmen, Vertretern der Politik und anderen Investoren erreicht werden.

Fazit

Anleger müssen ihren Teil beitragen, indem sie Kapital zugunsten der nachhaltigsten Unternehmen umlenken und über den Dialog mit den größten CO2-Emittenten die Fortschritte bei der Energiewende beschleunigen. Ein Ausschluss ist die Ultima Ratio; sie löst aber das grundlegende Problem nicht. Regulatorische Vorschriften und die neue Taxonomie der EU verändern das Umfeld. Gleichzeitig können Zusammenschlüsse von Investoren enormen Einfluss ausüben.

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7. Climate Investing-Lösungen

Es gibt viele Möglichkeiten, um in Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels zu investieren – von thematischen Investments bis hin zu maßgeschneiderten Klimafonds.

In diesem Kapitel lernen Sie:

  • Wie die Themen Erneuerbare Energien und Elektrifizierung Kapital anziehen
  • Wie Impact Investing, Green Bonds und Environmental Investing an Bedeutung gewinnen
  • Wie sich neue Klimastrategien ausbreiten, die speziellen Benchmarks folgen

Viele der Lösungen für den Klimawandel stammen von privaten Unternehmen. Solche Firmen entwickeln Alternativen zu fossilen Brennstoffen und innovative Methoden zur Dekarbonisierung der Welt. Die meisten von diesen Firmen sind zugänglich für Investoren, die Rendite erzielen und gleichzeitig ihren Teil dazu beitragen wollen, die globale Erwärmung zu bekämpfen.

Direktinvestitionen

Direktinvestitionen erfolgen gewöhnlich bei den Unternehmen selbst. Der Großteil der Innovationen wird aus Unternehmenskapital finanziert – von der Erfindung des Autos und des Mobiltelefons bis hin zur Technologie, die Solarpaneele ermöglicht hat.

Die meisten Investoren investieren bevorzugt in Aktien und Anleihen der Unternehmen, die hinter diesen Innovationen stehen, anstatt direkt die Infrastruktur wie Solarkraftwerke, Windfarmen oder CO2-Abscheidung zu finanzieren. Investoren tendieren deshalb dazu, Wertpapiere der Betreiber von Infrastruktur im Bereich Erneuerbare Energien zu kaufen. Dazu gehören auch die großen Ölkonzerne, die auf Wind- und Solarenergie umstellen.

Thematische Strategien

Kreislaufwirtschaft

Investitionen in klimabezogene Strategien haben an Popularität gewonnen. An der Spitze stehen die Themen Erneuerbare Energien, Dekarbonisierung, Elektrifizierung und der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft. Der Ausbau der Stromnetze und der Wechsel zu Elektroautos öffnet Chancen für Strategien mit Ausrichtung auf „intelligente“ Energie, Mobilität und Rohstoffe, die auf die neuen Technologien, Prozesse und Mineralien dahinter abzielen.

Das Thema Kreislaufwirtschaft legt den Fokus auf die Abkehr vom abfallintensiven linearen Wirtschaftssystem „Herstellen, Nutzen und Wegwerfen“ hin zu einem System, das weniger Ressourcen verbraucht und weniger Abfall produziert. Das Konzept umfasst Begriffe wie Recycling, Redesigning, Wiedernutzung, Verfeinerung, Wiederaufarbeitung und Reparatur. Ziel dabei ist eine effizientere Nutzung der Ressourcen unserer Erde. So zeigen Untersuchungen, dass das lineare Modell endliche Ressourcen 1,75 mal schneller verbraucht, als es den regenerativen Fähigkeiten der Erde entspricht.

Grafik 19: Unendliche Auswahl zirkulärer Chancen

Die Kreislaufwirtschaft eröffnet Anlagechancen in allen Aspekten des modernen Lebens. Quelle: Robeco

Impact Investing

Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs)

Impact Investing stellt eine weitere Möglichkeit dar, im Hinblick auf den Klimawandel sowohl etwas Positives zu bewirken als auch eine finanzielle Rendite zu erzielen. Die Anlageform hat an Popularität gewonnen, seitdem die UN im Jahr 2015 die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) formuliert hat. Bis Ende 2020 haben Investoren mehr als 700 Milliarden US-Dollar in spezielle Impact-Fonds investiert.30

Mehrere der SDGs zielen auf die Bekämpfung der globalen Erwärmung ab, vor allem SDG 13 (Klimamaßnahmen), SDG 7 (umweltfreundliche und bezahlbare Energie) und SDG 12 (verantwortungsbewusste(r) Konsum und Produktion). Zwei Weitere zielen auf intakte Ökosysteme ab, die durch nicht-nachhaltige Praktiken geschädigt werden: SDG 14 (Leben unter Wasser) und SDG 15 (Leben an Land). Alle 17 Ziele sind darauf ausgerichtet, die Welt in einer bestimmten Weise nachhaltiger zu machen.

Es sind Anlagestrategien entwickelt worden, die Aktien und Anleihen von Unternehmen erwerben, welche einen Beitrag zu einem oder mehreren der SDGs leisten können. Robeco hat beispielsweise eine eigene SDG Impact-Systematik entwickelt, die anhand eines dreistufigen Prozesses untersucht, was ein Unternehmen herstellt, wie es das tut und ob es in etwaige Kontroversen verwickelt war, um seinen gesamten Nettobeitrag zu ermitteln. Die sich daraus ergebenden Scores werden zur Auswahl von Wertpapieren für SDG-Portfolios mit Anleihen und Aktien benutzt.

Grafik 20: Dreistufiger Prozess zur Identifikation geeigneter Unternehmen für SDG-Strategien

Quelle: Robeco

Green Bonds

Green Bonds

Green Bonds sind ein anderes Instrument, mit dem man etwas bewirken kann. Dabei handelt es sich um Schuldverschreibungen, deren Erlös ausschließlich zur Förderung Klima- und umweltbezogener Nachhaltigkeitsziele verwendet werden. Damit sich eine Anleihe als „grün“ qualifiziert, müssen ihre Erlöse Projekten mit eindeutigen und quantifizierbaren Umweltvorteilen zugutekommen. Dazu gehören unter anderem erneuerbare Energien, Wiederaufforstung oder Abfallmanagement.

Emittiert werden sie typischerweise von Regierungen, staatlichen Agenturen oder supranationalen Institutionen. Demnach können Käufer aus einem breiten Spektrum auswählen. Aufgrund der Uneinigkeit darüber, was tatsächlich ein umweltfreundliches Projekt kennzeichnet, hat die EU einen Green Bond Standard geschaffen. Dabei handelt es sich um ein Zertifizierungsschema, das im Einklang mit der EU-Taxonomie steht, welche die Kriterien dafür festlegt, was wirklich nachhaltig ist.

Im Jahr 2020 wurden Green Bonds in einem Rekordvolumen von 270 Milliarden US-Dollar emittiert. Damit stieg der Gesamtbetrag bestehender Anleihen dieser Kategorie auf mehr als 1 Billion US-Dollar.31

Klimastrategien

Schließlich gibt es noch maßgeschneiderte Klimafonds, die sich an Benchmarks orientieren, welche speziell darauf ausgelegt sind, die Geschäftsaktivitäten der im Index enthaltenen Emittenten mit den Zielen des Klimaabkommens von Paris in Einklang zu bringen. Im Dezember 2020 legte Robeco als einer der ersten Asset-Manager zwei Klima-Anleihenstrategien auf, die über Paris-konforme Benchmarks verfügen.

Die Climate Global Credits-Strategie zielt auf Unternehmen ab, deren aggregierter CO2-Fußabdruck um 50 % niedriger ist als der einer Standard-Benchmark. Anschließend soll in jedem Jahr eine Verringerung des CO2-Fußabdrucks um 7 % erfolgen. Unternehmen aus dem Bereich fossiler Brennstoffe werden ausgeschlossen.

Leider ist Investoren nicht alles zugänglich: der Großteil der globalen Kohlevorkommen beispielsweise befindet sich in Staatseigentum, sodass Ausschlüsse hier nicht funktionieren. Zudem erfolgen die meisten nicht nachhaltigen Aktivitäten wie Abholzung illegal. Allerdings ist es mithilfe von Technologien möglich, das ungenehmigte Fällen von Bäumen festzustellen, indem Hilfsmittel wie „Spionage“satelliten und Drohnen eingesetzt werden.

Grafik 21: Die Satelliten der Europäischen Weltraumagentur können zur Identifikation von Abholzung genutzt werden

Quelle: Getty Images

Fazit

Investoren kaufen tendenziell eher die Aktien oder Anleihen von Unternehmen, die führend bei Innovationen mit Bezug zum Klimawandel sind, anstatt direkt in die Infrastruktur zu finanzieren. Thematische Strategien und Impact Investing bieten eine Möglichkeit, gezielt Anlagen mit Klimabezug einschließlich der SDGs zu tätigen. Dagegen sind Green Bonds eine Methode, direkt in Umweltprojekte zu investieren. Mittlerweile sind maßgeschneiderte Klimastrategien verfügbar, die auf Paris-konforme Benchmarks ausgerichtet sind.

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8. Fallstudien aus einzelnen Ländern, Branchen und Unternehmen

Die zur Bekämpfung des Klimawandels erforderliche Transformation hat bereits begonnen. Sie ist auf Ebene einzelner Länder, Branchen und Unternehmen zu beobachten.

In diesem Kapitel lernen Sie:

  • Wie zwei Länder weltweit führend im Bereich erneuerbare Energien geworden sind
  • Wie Engagement zu einem Wandel im bisher auf Verbrennungsmotoren gestützten Automobilsektor geführt hat
  • Wie Unternehmen in Asien und Europa die Dekarbonisierung ernst nehmen

Nationale Bemühungen zur Ersetzung fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energien stehen bei der Verringerung der globalen Erwärmung im Mittelpunkt, da auf die Stromerzeugung 25 % aller Emissionen entfallen. Das ist für Staaten mit Zugang zum Meer besonders wichtig, die am stärksten unter dem steigenden Meeresspiegel leiden, wenn das Problem nicht angegangen wird.

Land 1: Großbritannien

Ein Land, das dabei führend ist, ist Großbritannien. Dort sind die Emissionen seit 1990 um mehr als 40 % gesunken, mehr als in jedem anderen Land. Die Zusage Großbritanniens im April 2021, seine Emissionen gegenüber dem Niveau der 1990er Jahre bis 2030 um 68 % und bis 2035 um 78 % zu senken, ist ebenfalls die höchste weltweit.34

Zu diesem Erfolg beigetragen haben die umfangreichen Investitionen in Offshore-Windfarmen. Dazu zählt das größte Feld mit Windturbinen der Welt, das London Array in der Nordsee. Offshore-Windfarmen erzeugten im Jahr 2020 rund 26 % mehr Strom als 2019. Den größten Beitrag unter den Erneuerbaren Energien leistet nach wie vor die Wasserkraft, die in Schottland seit dem 19. Jahrhundert genutzt wird.

Infolge dieser Zusagen ist Großbritannien auf dem zweiten Platzim Climate Change Performance Index 2021, einem jährlichen Ranking von 57 Ländern und der EU hinsichtlich ihrer Bemühungen zur Abschwächung des Klimawandels. Diese Länder decken 90 % der globalen Treibhausgasemissionen ab.35

Zu bedenken ist aber, dass Großbritannien (und auch die Europäische Union) einen jährlichen CO2-Fußabdruck von rund 7,9 t pro Kopf hat, was fünfmal so hoch ist wie im weit ärmeren Indien (1,7 t pro Kopf).36

Ein weiteres Problem ist, dass die Zahl von 40 % sich auf CO2-Emissionen an Land bezieht. Emissionen des Luft- und Schiffsverkehrs sowie die mit Importgüter verbundenen CO2-Emissionen sind darin also nicht enthalten. Bezieht man diese Emissionen mit ein, verringert sich der Rückgang seit 1990 auf rund 10 %.37

Grafik 22: Stromerzeugung nach Quelle

Stromerzeugung in Großbritannien im Jahr 2020. Quelle: UK Government Energy Trends, März 2021

Land 2: Chile

Geothermische Energie

Während Anlagen in Wind- und Solarstrom die Schlagzeilen beherrschen, kommt eine an Bedeutung gewinnende Quelle erneuerbarer Energien direkt aus der Erde – geothermische Energie.

Mit großem Erfolg genutzt wird sie in Chile, wo sich 15 % der Vulkane und 8 % der Geysire der Welt befinden. Die Hitze aus geschmolzenem Gestein und unterirdischen Quellen kann in Strom umgewandelt werden. Das geothermische Potential Chiles beträgt rund 16 GW, ausreichend für die Energieversorgung von 5 Millionen Haushalten.38

Die Geographie des Landes unterstützt erneuerbare Energien auch in anderer Hinsicht. Die Energie von Meereswellen wird entlang der 5000 km langen Küste erschlossen, während die Atacama-Wüste – der trockenste Ort der Welt – die höchste Sonnenscheinintensität aufweist. Das Vallenar-Solarkraftwerk in der Atacama-Wüste war das größte in Südamerika, als es 2016 in Betrieb genommen wurde.39

Zusammengenommen entfallen auf erneuerbare Energien mittlerweile 46,5 % der Stromproduktion in Chile – der höchste Anteil in Lateinamerika.40 Infolgedessen befindet sich das Land 2021 auf Platz sechs des Climate Change Performance Index.41

Grafik 23: Jährlicher Zubau bei Erneuerbaren Energien

Die Produktionskapazität im Bereich Erneuerbare Energien in Chile steigt exponentiell. Quelle: BNamericas

Sektor 1: Wie Autos den Antrieb wechseln

Ein Sektor, der bei der Energiewende führend ist, ist die Automobilbranche. Weltweit gibt es 1,4 Milliarden Fahrzeuge, auf die 14 % aller Emissionen entfallen. Wenn man sie elektrifiziert, würde das einen beträchtlichen Beitrag zur Erreichung der Ziele des Klimaabkommens von Paris leisten.42

Einige große Autohersteller haben zugesagt, ihre Flotten bis 2040 auf Elektroantrieb umzustellen. In einigen Ländern wird die Herstellung neuer benzingetriebener Autos bis 2050 verboten sein. Norwegen will das erste Land werden, in dem der Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor ab 2025 verboten ist. Großbritannien plant dasselbe für das Jahr 2030.43

Ein von der Institutional Investor Group on Climate Change (IIGCC) koordiniertes Engagement-Programm im Jahr 2018 strebte erstmals feste Zusagen von Autoherstellern an und erreichte damit mehrere Durchbrüche.

Volkswagen und Daimler haben sich das langfristige Ziel von netto null Emissionen bis 2039 bzw. 2040 gesetzt. Volkswagen ging so weit, als erster Autohersteller nur noch auf eine einzige Technologie zu setzen – batteriegetriebene Elektroautos. Andere verfolgen Hybrid-, Brennstoffzellen- und Wasserstoffantrieb oder einen Mix aus unterschiedlichen Technologien.

Sektor 2: Der Beitrag von Versorgungsunternehmen

Ein weiterer Sektor, der den Wandel anführt, ist der Bereich der Stromversorger. Auf diesen entfallen derzeit 24 % aller Emissionen, hauptsächlich aufgrund der Nutzung von Kohlekraftwerken zur Stromerzeugung.44

Allerdings haben alle großen Anbieter zugesagt, zur Nutzung erneuerbarer Energien überzugehen. Einige haben sich im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens zum Ziel gesetzt, bis 2050 oder früher CO2-neutral zu werden. Alle europäischen Versorger haben zugesagt, keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu bauen und sich stattdessen auf weniger CO2-intensive Quellen zu fokussieren, wozu auf mittlere Sicht Erdgas gehört.

Da sie die Unternehmen sind, welche die größten Anstrengungen unternehmen müssen, um CO2-neutral zu werden, sind sie auch führend bei der Energiewende, während ihre Ertragsentwicklung weiterhin sehr gut ist. Infolgedessen weisen Unternehmensanleihen, die von Versorgern zur Finanzierung ihrer Energiewendeprogramme emittiert wurden, hohe Ratings auf.

Unternehmen 1: Enel übernimmt das Ruder

Die Motivation zur Veränderung muss von ganz oben kommen, wenn etwas erreicht werden soll. Ein Unternehmen, auf das dies zutrifft, ist der italienische Stromversorger Enel. Er hat als erster einen Klimaspezialisten in sein Board of Directors aufgenommen.

Dies geschah im Anschluss an eine Kampagne von Robeco im Auftrag des Investoren-Zusammenschlusses Climate Action 100+ gemeinsam mit dem italienischen Asset-Manager-Verband Assogestioni. Im Rahmen des italienischen „voto di lista“-Systems können Minderheitsaktionäre Kandidaten für das Board eines Unternehmens auf dessen Hauptversammlung vorschlagen. Dementsprechend wurde im Mai 2020 ein früherer Manager eines Windkraftunternehmens nominiert.

Er wurde anschließend zum nicht-geschäftsführenden Direktor ernannt und soll zur Umsetzung von Enels Energiewendeplan beitragen, mit dem das Unternehmen bis 2050 CO2-neutral werden will.

Viel ist bereits erreicht worden bei Italiens ehemaligem staatlichen Strommonopol. Enel ist stolz darauf, dass nach beträchtlichen Investitionen die Hälfte seines erzeugten Stroms aus erneuerbaren Quellen stammt.45 Das Unternehmen hat eines der größten Wasserkraftwerke, das erste ans öffentliche Netz angeschlossene Solarkraftwerk und Italiens erste Windfarm gebaut.

Unternehmen 2: Hitachis mutiger Plan

Die Dekarbonisierung von Unternehmen ist entscheidend zur Erreichung der Ziele des Klimaabkommens von Paris. Dabei kann ein Dialog mit den Firmen hilfreich sein. Ein dreijähriges Engagement bei Hitachi trug dazu bei, dass der japanische Elektronikriese sich Ziele zur Verringerung seiner Scope 1- und Scope 2-Emissionen um 50 % bis 2030 setzte. Sämtliche Emissionen einschließlich der schwieriger zu handhabenden Scope 3-Emissionen sollen bis 2030 um 80 % reduziert werden.

Um diese Ziele zu erreichen, hat Hitachi als eines der ersten Unternehmen einen internen CO2-Preis für seine Investitionsplanung festgelegt. Dabei rechnen sie mit einem Betrag von 5000 Yen (38 Euro) . Nach Angaben des Unternehmens sollen über einen Zeitraum von zehn Jahren 84 Milliarden Yen (640 Euro) in die Verringerung seiner Treibhausgasemissionen investiert werden. Dies wird sich sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite bemerkbar machen, da Hitachi eine zunehmende Nachfrage nach energieeffizienten Produkten sieht, die es herstellen kann.

Damit ist Hitachi das einzige größere börsennotierte Unternehmen in Japan, das eine integrierte CO2-Bepreisung fest in seiner Strategie verankert hat. Nach Angaben des Unternehmens hätte es sich auch ein ehrgeizigeres Netto-Null-Ziel bis 2050 gesetzt, hielt dies aber für zu schwierig ohne einen global geltenden CO2-Preis.

Fazit

Mehrere Länder nutzen ihre geographischen Gegebenheiten, um erneuerbare Energien zu nutzen und ihre Emissionen zu senken. CO2-intensive Branchen wie der Automobilsektor haben angezeigt, dass es möglich ist, Geschäftsmodelle in CO2-ärmere Alternativen umzuwandeln. Großunternehmen wie Enel und Hitachi nehmen das Thema ernster, indem sie für Klimapolitik zuständige Direktoren ernennen und sich entsprechende Ziele setzen. All das lässt einen positiven Wandel erwarten.

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9. Zusammenfassung

In diesem abschließenden Kapitel fassen wir die wichtigsten Punkte zusammen, die wir bislang gelernt haben:

  1. Klimawandel ist die langfristige Änderung von Wettermustern, die zu vermehrtem Extremwetter, steigendem Meeresspiegel und einer Bedrohung des Lebens auf der Erde führt, wenn nichts dagegen unternommen wird. Mehrere aufeinanderfolgende internationale Protokolle haben darauf reagiert und führten zum Klimaabkommen von Paris im Jahr 2015. Anschließend wurden vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) Emissionsziele festgelegt.

  2. Es gibt eine weitreichende Übereinstimmung, dass zur Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens eine Verringerung der Emission von Treibhausgasen erforderlich ist, die die globale Erwärmung verursachen. Die Regierungen haben darauf reagiert, indem sie nationale Ziele für die Senkung der Emissionen festgelegt haben. Diese mündeten in den meisten Fällen in Zusagen, bis 2050 CO2-neutral zu werden. Asset-Manager gehen auf Unternehmen mit hohen Emissionen im Rahmen von Engagement-Programm zu und setzen sich eigene Netto-Null-Ziele für ihre Portfolios. Die Regulierung erhöht ebenfalls die Standards mittels neuer Vorgaben.

  3. Der Klimawandel stellt für Investoren ein Problem von doppelter Relevanz insoweit dar, als die globale Erwärmung sich auf ihre Anlagen auswirkt und umgekehrt. Deshalb ist es notwendig, einen Top-Down-Ansatz zur Analyse von Branchen mit hohen Emissionen mit einem Bottom-Up-Ansatz zu verknüpfen, der die Übergangsrisiken der einzelnen Unternehmen in den Blick nimmt. Es gibt auch Chancen in Sektoren, die eine Lösung bieten können. Die Ausrichtung von Investments auf die Ziele des Pariser Klimaabkommens kann zur Erreichung der Ziele beitragen.

  4. Auch wenn der Kampf gegen den Klimawandel von elementarer Bedeutung ist, müssen noch viele Hindernisse überwunden werden. Das Ersetzen der reichlich vorhandenen Kohle-, Öl- und Gasressourcen, die rund um die Uhr verbrannt werden können, durch weniger verlässliche erneuerbare Energien stellt eine beträchtliche Herausforderung dar. Die bisherigen CO2-Preise sind zu niedrig und nicht weit genug verbreitet, um einen ausreichenden Effekt zu erzielen. Die Kosten des Ersatzes der bestehenden Infrastruktur sind hoch und es kann unterschiedliche Methoden der Messung von Emissionen geben. Nicht zuletzt ist politischer Wille erforderlich, um Entwicklungen wie die Abholzung der Wälder zu beenden.

  5. Was die verfügbaren Lösungen angeht, sind erneuerbare Energien ideal für die Dekarbonisierung, gefolgt von dem enormen Potential „grünen“ Wasserstoffs in kaum zu ersetzenden Bereichen wie dem Schwertransport. Die zunehmende Verbreitung von Elektroautos ist Teil eines umfangreicheren Elektrifizierungstrends, der eine Vielzahl investierbare neue Rohstoffe und Mineralien beinhaltet. Die Abscheidung von CO2 ist eine andere mögliche Lösung, die entsprechende Nachrüstung der bestehenden Infrastruktur ist aber teuer.

  6. Den Investoren kommt eine bedeutende Rolle zu. Es gibt eine eindeutige Notwendigkeit, Kapital in Unternehmen zu lenken, die sich der Dekarbonisierung verschrieben haben. Gleichzeitig sollten vermehrt ESG-Ansätze verwendet werden, um Umweltprobleme in den einzelnen Unternehmen zu identifizieren. Eine aktiv ausgeübte Eigentümerrolle (Active Ownership) und Engagement können willkommene Änderungen bewirken. Zusammenschlüsse von Investoren sind zunehmend erfolgreich dabei, gezielt emissionsstarke Unternehmen zur Dekarbonisierung zu veranlassen, da sie andernfalls ausgeschlossen werden oder riskieren, dass ihre Aktiva wertlos werden (Stranded Assets).

  7. Die Möglichkeiten zur Investition in Klimalösungen haben zugenommen. Einige davon zielen mittels thematischer Investments auf Trends wie Erneuerbare Energien und Elektrifizierung ab. Impact Investing bietet eine spezifischere Methode, sich auf Ziele wie die SDGs auszurichten. Green Bonds, die zur Finanzierung von Umweltprojekten ausgegeben wurden, gewinnen an Popularität. Das gleiche gilt für Strategien, die sich an Paris-konformen Benchmarks orientieren.

  8. Fortschritte werden auf Länder-, Branchen- und Unternehmensebene erzielt. Drei Länder sind weltweit führend im Bereich Erneuerbare Energien geworden: Großbritannien (Windkraft), Marokko (Solarstrom) und Chile (Geothermie). Durch Engagement ist ein Wandel im bislang auf Verbrennungsmotoren ausgerichteten Automobilsektor bewirkt worden, da dieser nun zu Elektrofahrzeugen übergeht. Es gibt einige leuchtende Beispiele für Wandel in Unternehmen. Dazu zählen Hitachi, das einen internen CO2-Preis festgelegt hat, und Enel, das einen für das Thema Klimawandel zuständigen Direktor ernannt hat.

Wenn Sie all diese Informationen studiert haben, sind sie bereit, den Test zu absolvieren.

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Welche beiden Temperaturanstiege soll das Pariser Klimaabkommen primär begrenzen?

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Welche sind die drei wichtigsten Treibhausgase?

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Emissionen werden auf drei Ebenen gemessen. Wie würde sich das bei einem Autohersteller auswirken?

Wählen Sie die richtige Antwort aus.

Welche Initiativen sind für die Verringerung von Emissionen und das Erreichen der Ziele des Pariser Klimaabkommens relevant?

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5. Was bedeutet das Konzept der doppelten Relevanz für Anleger?

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Welcher der folgenden Punkte stellt kein Übergangsrisiko dar?

Wählen Sie die richtige Antwort aus.

Welcher ist der wichtigste Parameter zur Beurteilung des Erfolgs bei der Dekarbonisierung?

Wählen Sie die richtige Antwort aus.

Welche drei Hindernisse gibt es bei der Dekarbonisierung?

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Welche sind die beiden Hauptprobleme bei der CO₂-Bepreisung?

Wählen Sie die richtige Antwort aus.

Nennen Sie drei Chancen bei Climate Change-Investments

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11. Weshalb ist „grüner“ Wasserstoff am umweltfreundlichsten?

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Wie kann Active Ownership eine Rolle bei der Erreichung einer CO₂-ärmeren Welt spielen?

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Was ist das Ziel des Investorenzusammenschlusses Climate Action 100+?

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Wie könnte eine Kreislaufwirtschaft beim Kampf gegen den Klimawandel helfen?

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Was unternimmt Hitachi, um zur Erreichung der Ziele des Abkommens von Paris beizutragen?

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1
Welche beiden Temperaturanstiege soll das Pariser Klimaabkommen primär begrenzen?
Maximal 2 °C bis 2050 und idealerweise 1,5 °C
Maximal 2 °C bis 2100 und idealerweise 1,5 °C
Maximal 1,5 °C bis 2100 und idealerweise 1,0 °C
Maximal 2 °C bis 2050 und idealerweise 1,5 °C
Maximal 2 °C bis 2100 und idealerweise 1,5 °C
Maximal 1,5 °C bis 2100 und idealerweise 1,0 °C
2
Welche sind die drei wichtigsten Treibhausgase?
Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid
Wasserstoff, Stickstoff, Methan
Kohlendioxid, Stickoxid, Methan
Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid
Wasserstoff, Stickstoff, Methan
Kohlendioxid, Stickoxid, Methan
3
Emissionen werden auf drei Ebenen gemessen. Wie würde sich das bei einem Autohersteller auswirken?
Scope 1 für ein Benzinauto, Scope 2 für Dieselfahrzeuge und Scope 3 für Elektroautos
Scope 1 für das verbaute Metall, Scope 2 für die benötigten Kunststoffe und Scope 3 für den Auspuff
Scope 1 für die Produktion des Autos, Scope 2 für die dazu benötigte Energie und Scope 3 für das Fahren damit.
Scope 1 für ein Benzinauto, Scope 2 für Dieselfahrzeuge und Scope 3 für Elektroautos
Scope 1 für das verbaute Metall, Scope 2 für die benötigten Kunststoffe und Scope 3 für den Auspuff
Scope 1 für die Produktion des Autos, Scope 2 für die dazu benötigte Energie und Scope 3 für das Fahren damit.
4
Welche Initiativen sind für die Verringerung von Emissionen und das Erreichen der Ziele des Pariser Klimaabkommens relevant?
Die Net Zero Asset Managers-Initiative, das Emissionshandelssystem und die EU-Taxonomie
Die Carbon Pricing Task Force, die EU Taxonomie und der US Green Deal
Die Net Zero Asset Managers-Initiative, das Carbon Reduction Project, die Scope 3 Authority
Die Net Zero Asset Managers-Initiative, das Emissionshandelssystem und die EU-Taxonomie
Die Carbon Pricing Task Force, die EU Taxonomie und der US Green Deal
Die Net Zero Asset Managers-Initiative, das Carbon Reduction Project, die Scope 3 Authority
5
5. Was bedeutet das Konzept der doppelten Relevanz für Anleger?
Man benötigt sowohl einen Top-Down-Ansatz als auch einen Bottom-Up-Ansatz
Der Klimawandel wirkt sich auf Investments aus, während diese wiederum Auswirkungen auf den Klimawandel haben
Anleger müssen zweimal so viel Geld in ESG-Fonds investieren, um dieselbe Rendite zu erzielen
Man benötigt sowohl einen Top-Down-Ansatz als auch einen Bottom-Up-Ansatz
Der Klimawandel wirkt sich auf Investments aus, während diese wiederum Auswirkungen auf den Klimawandel haben
Anleger müssen zweimal so viel Geld in ESG-Fonds investieren, um dieselbe Rendite zu erzielen
6
Welcher der folgenden Punkte stellt kein Übergangsrisiko dar?
Die Bedrohung durch Disruption infolge extremeren Wetters, welches zu Sturmschäden an Gebäuden führt
Der Übergang zu einem CO₂-ärmeren Geschäftsmodell, das verhindert, dass Produkte obsolet werden
Die Vorbereitung darauf, Energie aus erneuerbaren Quellen anstatt fossilen Brennstoffen zu beziehen
Die Bedrohung durch Disruption infolge extremeren Wetters, welches zu Sturmschäden an Gebäuden führt
Der Übergang zu einem CO₂-ärmeren Geschäftsmodell, das verhindert, dass Produkte obsolet werden
Die Vorbereitung darauf, Energie aus erneuerbaren Quellen anstatt fossilen Brennstoffen zu beziehen
7
Welcher ist der wichtigste Parameter zur Beurteilung des Erfolgs bei der Dekarbonisierung?
Ob ein Unternehmen aktuell bei seinen Aktivitäten netto null CO₂ emittiert
Ob ein Unternehmen zugesagt hat, keine Kohle für die benötigte Energie zu nutzen
Ob sich ein Unternehmen auf dem richtigen Pfad zur Dekarbonisierung seiner Geschäftstätigkeit befindet
Ob ein Unternehmen aktuell bei seinen Aktivitäten netto null CO₂ emittiert
Ob ein Unternehmen zugesagt hat, keine Kohle für die benötigte Energie zu nutzen
Ob sich ein Unternehmen auf dem richtigen Pfad zur Dekarbonisierung seiner Geschäftstätigkeit befindet
8
Welche drei Hindernisse gibt es bei der Dekarbonisierung?
Erneuerbare Energien sind zu teuer, korrekte Daten sind schwer zu bekommen, der politische Wille fehlt
Mangelnder Anteil erneuerbarer Energie, CO₂-Bepreisung, Beschaffung korrekter Daten
Die schieren Kosten des Vorhabens, CO₂ kann nicht gespeichert werden, mangelhafter politischer Wille
Erneuerbare Energien sind zu teuer, korrekte Daten sind schwer zu bekommen, der politische Wille fehlt
Mangelnder Anteil erneuerbarer Energie, CO₂-Bepreisung, Beschaffung korrekter Daten
Die schieren Kosten des Vorhabens, CO₂ kann nicht gespeichert werden, mangelhafter politischer Wille
9
Welche sind die beiden Hauptprobleme bei der CO₂-Bepreisung?
Sie erfolgt nicht universell und der durchschnittliche CO₂-Preis ist zu niedrig
Sie erfolgt nicht universell und der durchschnittliche CO₂-Preis ist zu hoch
Zu viele Unternehmen versuchen das zu tun; der CO₂-Preis schwankt zu stark
Sie erfolgt nicht universell und der durchschnittliche CO₂-Preis ist zu niedrig
Sie erfolgt nicht universell und der durchschnittliche CO₂-Preis ist zu hoch
Zu viele Unternehmen versuchen das zu tun; der CO₂-Preis schwankt zu stark
10
Nennen Sie drei Chancen bei Climate Change-Investments
Erneuerbare Energien, Kernenergie, wasserstoffgetriebene Autos
Kernenergie, Elektrifizierung, batteriegetriebene Flugzeuge
Erneuerbare Energien, Elektrifizierung, CO₂-Speicherung
Erneuerbare Energien, Kernenergie, wasserstoffgetriebene Autos
Kernenergie, Elektrifizierung, batteriegetriebene Flugzeuge
Erneuerbare Energien, Elektrifizierung, CO₂-Speicherung
11
11. Weshalb ist „grüner“ Wasserstoff am umweltfreundlichsten?
Weil bei der Gewinnung durch Elektrolyse CO₂-Abscheidung erfolgt
Weil bei der Gewinnung durch Elektrolyse erneuerbare Energien eingesetzt werden
Weil dazu Methan (CH4) zerlegt wird, sodass man viermal so viel Wasserstoff produziert
Weil bei der Gewinnung durch Elektrolyse CO₂-Abscheidung erfolgt
Weil bei der Gewinnung durch Elektrolyse erneuerbare Energien eingesetzt werden
Weil dazu Methan (CH4) zerlegt wird, sodass man viermal so viel Wasserstoff produziert
12
Wie kann Active Ownership eine Rolle bei der Erreichung einer CO₂-ärmeren Welt spielen?
Durch Abstimmung und Engagement, um emissionsstarke Unternehmen zur Dekarbonisierung zu veranlassen
Indem man immer alle Unternehmen ausschließt, deren Emissionen über dem globalen Durchschnitt liegen
Indem man die Macht der Aktionäre dazu nutzt, Unternehmen mit niedrigen Emissionen zu veranlassen, solche mit hohen Emissionen zu übernehmen
Durch Abstimmung und Engagement, um emissionsstarke Unternehmen zur Dekarbonisierung zu veranlassen
Indem man immer alle Unternehmen ausschließt, deren Emissionen über dem globalen Durchschnitt liegen
Indem man die Macht der Aktionäre dazu nutzt, Unternehmen mit niedrigen Emissionen zu veranlassen, solche mit hohen Emissionen zu übernehmen
13
Was ist das Ziel des Investorenzusammenschlusses Climate Action 100+?
Die Dekarbonisierung aller Unternehmen im UK FTSE 100 Index
Die Entwicklung von 100 Vorschlägen für Desinvestitionen in CO₂-intensiven Unternehmen
Der Dialog mit den weltweit größten Emittenten, um sie zur Dekarbonisierung zu ermutigen
Die Dekarbonisierung aller Unternehmen im UK FTSE 100 Index
Die Entwicklung von 100 Vorschlägen für Desinvestitionen in CO₂-intensiven Unternehmen
Der Dialog mit den weltweit größten Emittenten, um sie zur Dekarbonisierung zu ermutigen
14
Wie könnte eine Kreislaufwirtschaft beim Kampf gegen den Klimawandel helfen?
Das Recycling von Produkten bedeutet, dass weniger Bedarf zur Erstellung neuer besteht, was die Emissionen senkt
Der CO₂-Kreislauf schließt sich, indem CO₂ nach der Emission wieder in die Erde zurückkehrt
Eine stärkere Automatisierung bedeutet, dass beim Herstellungsprozess weniger Energie verwendet wird
Das Recycling von Produkten bedeutet, dass weniger Bedarf zur Erstellung neuer besteht, was die Emissionen senkt
Der CO₂-Kreislauf schließt sich, indem CO₂ nach der Emission wieder in die Erde zurückkehrt
Eine stärkere Automatisierung bedeutet, dass beim Herstellungsprozess weniger Energie verwendet wird
15
Was unternimmt Hitachi, um zur Erreichung der Ziele des Abkommens von Paris beizutragen?
Das Unternehmen macht seinen internen CO₂-Preis zum höchsten weltweit
Das Unternehmen legt Ziele für die Emissionsreduzierung und einen internen CO₂-Preis fest
Das Unternehmen sagt zu, keine Bauteile außerhalb Japans zu beziehen
Das Unternehmen macht seinen internen CO₂-Preis zum höchsten weltweit
Das Unternehmen legt Ziele für die Emissionsreduzierung und einen internen CO₂-Preis fest
Das Unternehmen sagt zu, keine Bauteile außerhalb Japans zu beziehen