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Die Börsenpartie erreicht ihren Höhepunkt – die Aussichten bleiben aber günstig

Die Börsenpartie erreicht ihren Höhepunkt – die Aussichten bleiben aber günstig

07-09-2021 | Monatsausblick
Nachdem die Unternehmensgewinne im Zuge der Erholung von der Coronavirus-Pandemie stark gestiegen sind, verlieren sie nun an Schwung. Dennoch erscheinen die Aussichten für Aktien nach wie vor günstig, sagt Strategieexperte Peter van der Welle.
  • Peter van der Welle
    Peter
    van der Welle
    Strategist Global Macro team

In aller Kürze

  • Gesunkenes Verbrauchervertrauen und gestiegene Inputkosten dürften Gewinne im dritten Quartal beeinträchtigen
  • Aufgehellte Perspektiven angesichts nachlassenden Drucks am Arbeitsmarkt und Rückkehr der Leute zur Arbeit
  • Bisherige und künftige fiskalpolitische Unterstützung dürfte positiv für die Konjunktur sein

Die Unternehmen im S&P 500 verzeichneten eine Phase der Rekordgewinne, nachdem die Impffortschritte eine Erholung der Geschäftstätigkeit von den Tiefständen während der Lockdowns ermöglichten. Laut Daten von Refinitiv erreichte das durchschnittliche Gewinnwachstum der Unternehmen im Index im zweiten Quartal einen Rekordstand von 97 % (im Vorjahresvergleich). 

Rund 88 % der Firmen im S&P 500 konnten die bisherigen Gewinnerwartungen übertreffen. Infolgedessen stieg der Index wiederholt auf Rekordhochs. Inzwischen ist die Börsenparty zwar vorbei, doch bleiben Aktien aufgrund zahlreicher positiver Faktoren nach wie vor attraktiv, sagt Peter van der Welle, Strategieexperte im Multi-Asset-Team von Robeco.

„Aufgrund der nachlassenden gesamtwirtschaftlichen Dynamik vor dem Hintergrund vermehrter Coronavirus-Infektionen, durch die in letzter Zeit das Verbrauchervertrauen gesunken ist, sowie infolge angebotsseitiger Beeinträchtigungen der Produktion in einigen Branchen und steigender Importkosten wird das Gewinnwachstum im dritten Quartal wahrscheinlich an Schwung verlieren“, sagt er. 

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Renditekurve als Indikator

„Auch der Verlauf der Renditekurve deutet auf einen frühzyklischen Höchststand des globalen Gewinnwachstums hin. Das Renditegefälle zwischen 10-jährigen und 2-jährigen US-Staatsanleihen läuft typischerweise der Entwicklung des Zyklus voraus. Die jüngst erfolgte Abflachung der Renditekurve und die sinkende Laufzeitprämie sprechen dafür, dass der Rückenwind für die Unternehmensgewinne auf mittlere Sicht abflauen wird. Das frühzyklische Hoch beim Wachstum des Gewinns pro Aktie liegt bereits hinter uns.“  

„Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass diese Abschwächung gegenüber historischen Rückständen in den nächsten Quartalen zu einer Stagnation des globalen Gewinnwachstums auf Sicht von 6-12 Monaten führen wird.“

Prognose des Gewinnwachstums pro Aktie auf Sicht von zwölf Monaten für die führenden Aktienmärkte. Quellen: Refinitiv Datastream, Robeco.

Drei Gründe für Zuversicht

Nach Ansicht von Peter van der Welle gibt es drei Gründe, weshalb das Gewinnwachstum zwar abflauen wird, dies den Anlegern aber keine zu großen Sorgen machen sollte.

„Erstens werden sich die angebotsseitigen Beeinträchtigungen der Produktion legen, da das Arbeitskräfteangebot wieder zunimmt. So läuft in vielen Ländern die Phase aus, während der Arbeitnehmer heimgeschickt wurden und staatliche Hilfszahlungen erhielten“, sagt er. „Dadurch verringert sich der Druck auf den Arbeitsmarkt und die Einstellungskosten, weil die Leute wieder vermehrt nach Jobs Ausschau halten.“

„Außerdem sind die Kosten einiger Rohstoffe wie Holz und Kupfer bereits deutlich gegenüber ihren Höchstständen in der ersten Hälfte des Jahres 2021 gesunken, was dem Wohnungsbausektor zugutekommt.“ 

Nach wie vor hoher Ausgabenspielraum

„Zweitens dürfte der kürzliche Rückgang des Verbrauchervertrauens, der das allgemeine Gewinnwachstum im dritten Quartal beeinträchtigen könnte, nur vorübergehend sein. Voraussetzung dafür ist, dass die Deltavariante des Coronavirus im kommenden Winter beherrschbar bleibt und das Ausmaß von Lockdowns Anfang 2022 wieder sinkt.“

Der Ausgabenspielraum der Verbraucher ist nach wie vor hoch, da die Sparquoten der Haushalte infolge mangelnder Konsummöglichkeiten während der Lockdowns noch auf erhöhtem Niveau liegen, so Peter van der Welle. Auch das Verhältnis der Zinslast aufgenommene Kredite zum Nettoeinkommen ist nach wie vor solide. 

„Bemerkenswert ist auch, dass es – im Unterschied zur Zeit nach der globalen Finanzkrise – nicht zu einem Abbau der Verschuldung der Haushalte kommt. Das bedeutet, dass der Ausgabenspielraum der Verbraucher robust bleiben dürfte“, so Peter van der Welle. 

Umfangreicher fiskalpolitischer Impuls

„Drittens wird der in vielen entwickelten Volkswirtschaften im vergangenen Jahr zu beobachtende fiskalpolitische Impuls noch positive Nachwirkungen auf die Konjunktur haben.“

„In Europa wurde im Juli die erste Tranche des EU Recovery Fund ausgezahlt, was ebenfalls das Wirtschaftswachstum in der Region auf mittlere Sicht stimulieren sollte.“

„Zusammengefasst lässt sich aus gesamtwirtschaftlicher Sicht sagen, dass in den entwickelten Volkswirtschaften das BIP-Wachstum in den kommenden zwölf Monaten wahrscheinlich weiterhin über dem Trend liegt und das Gewinnwachstum der Unternehmen im deutlich zweistelligen Prozentbereich bleibt.“ 

Globale Wachstumsprognosen

Unterdessen erwartet der IWF für das Jahr 2022 ein Wachstum der Weltwirtschaft um 4,9 %. Dies stünde im Einklang mit dem nachlassenden Wachstum des Gewinns pro Aktie im Vergleich zu dem Zeitraum, als die großangelegten Impfprogramme im Jahr 2021 begannen, sagt Peter van der Welle. 

„Mit einem Wachstum des Gewinns pro Aktie zwischen 20 und 30 % würden wir im historischen Vergleich jedoch nach wie vor im oberen Bereich der Verteilung liegen“, sagt er. 

„Unterstützt wird diese Einschätzung durch unsere Bottom-up-Analyse. So erwarten unsere Unternehmensanalysten derzeit für das Wachstum des Gewinns pro Aktie in verschiedenen Regionen auf Sicht von zwölf Monaten einen Wert von knapp unter 20 %. Somit erreicht zwar die Börsenpartie ihren Höhepunkt – die weiteren Aussichten bleiben aber günstig.“ 

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